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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.04.2017

Packendes Spiel um Leben und Tod

Des Teufels Gebetbuch
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Tadeus Boch, ein ehemaliger Spieler, arbeitet im Casino Baden-Baden als Wachmann und trifft dort eines Abends auf den jungen Russen Lasarow. Dieser überredet Boch ihn zu einer geheimen, privaten Kartenrunde ...

Tadeus Boch, ein ehemaliger Spieler, arbeitet im Casino Baden-Baden als Wachmann und trifft dort eines Abends auf den jungen Russen Lasarow. Dieser überredet Boch ihn zu einer geheimen, privaten Kartenrunde als sein Bodyguard zu begleiten. Dort trifft er unter anderem auf die koreanisch stämmige Chirurgin Hyun Poe. Ihr Verlobter hat nach einer solchen privaten Kartenrunde vor kurzem angeblich Selbstmord begangen. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände befindet sich Boch alsbald im Besitz einer historischen Spielkarte und auf der Flucht vor ihm bis dato unbekannten Gegnern, im Schlepptau Hyun Poe. Beide merken schnell, dass die Karten ein Geheimnis umgibt und ein Spiel um Leben und Tod beginnt.

Normalerweise verliere ich in meinen Rezensionen kein Wort über das Cover, da es für mich persönlich kein Kaufargument darstellt. Im vorliegenden Fall breche ich aber mit meiner Regel, da ich selten ein so großartiges Cover gesehen habe. Wobei es mir weniger um die optische Wahrnehmung geht, obwohl die auch äußerst ansprechend und treffend ist, sondern um die haptische Wahrnehmung. Diese ist etwas ganz besonderes, da sich da Buch wirklich alt und abgegriffen anfühlt. Man sieht nicht nur, sondern man spürt auch Flecken und Kratzer. Die Haptik entschädigt meiner Meinung nach auch dafür, dass es sich um kein Hardcover Exemplar, sondern nur um eine Klappenbroschur handelt.
Aber genug der Äußerlichkeiten, es geht ja um die inneren Werte. Und diese stehen die äußeren um nichts nach. Der Einstieg ins Buch ist rasant und man merkt gleich, dass wir uns hier durch die verschiedensten Epochen bewegen. Dies bleibt auch im Laufe der gesamten Geschichte so. Die Zeit und vor allem die Schauplätze werden sehr häufig gewechselt. Beides ist aber meiner Meinung nach keineswegs störend oder verwirrend. Die einzelnen Abschnitte sind sehr gut gegliedert und man verliert nicht sofort den Faden. Auch die Spannungskurve wird durch die diversen Orts- und Personenwechsel nicht unterbrochen, ganz im Gegenteil. In sehr vielen Fällen wird der Wechsel vollzogen wenn die Spannung ihren Höhepunkt erreicht hat. Sehr geschickt flechtet der Autor diverse kleine Nebenhandlungen ein, die zum Schluss ein großes Ganzes ergeben. An manchen Stellen ist nicht offensichtlich wie das eine jetzt zum anderen passt, mit der Zeit löst sich der gordische Knoten aber auf und man wird mit einem wunderbaren Aha-Erlebnis belohnt.
Haupt- und Nebencharaktere gibt es unzählige in „Des Teufels Gebetbuch“ und die Charakterisierung zwischen den beiden Kategorien ist nicht immer leicht. Dies liegt vor allem daran, dass Autor Markus Heitz einerseits alle Personen sehr detailreich beschreibt und andererseits daran, dass er gerne den Tod bringt. Gestorben wird in „Des Teufels Gebetbuch“ reichlich und meistens auch sehr blutig. Auch hier geizt der Autor nicht mehr sehr anschaulichen Beschreibungen, wobei diese wirklich der besseren Vorstellungskraft dienen und es sich nicht um Effekthascherei handelt. Schwache Gemüter dürften aber auf jeden Fall an der einen oder Szene ein wenig zu knabbern haben.
Wer klassisches Schwarz-Weiß denken mag und eine klare Unterscheidung zwischen Gut und Böse braucht wird keine große Freude mit diesem Buch haben. Eine klare Trennung gibt es nämlich nicht und der Held wird ganz schnell zum Antihelden. Mich persönlich hat es weder gestört noch überrascht, bin ich es doch aus andern Heitz Büchern schon gewohnt.
Aber nicht nur die Unterscheidung der Guten und der Bösen fällt schwer, sondern auch die Charakterisierung sympathisch und unsympathisch. Ich persönlich kann keine Person nennen, die mir während des gesamten Buches immer sympathisch war. Aufgrund der Vielschichtigkeit und der Tiefgründigkeit der Charaktere erlebt der Leser immer wieder Wesenszüge der einzelnen die anziehen oder abstoßen. Wie auch im richtigen Leben ist niemand nur gut oder nur böse, meistens sind es die Umstände die uns zu dem einen oder dem anderen machen.
Die Stimmung des Buches ist wie beim Anblick des Covers bereits vermutet, eine sehr dunkle und mystische. Die Sprache und der Schreibstil sind perfekt abgestimmt und äußerst harmonisch. Wenige Worte reichen aus und man fühlt sich wirklich ins 18. Jahrhundert hineinversetzt. Und obwohl das Buch im Fantasy Bereich angesiedelt ist, erscheint es über weite Strecken durchaus realistisch. Ins Besondere bei den Szenen mit Goethe bekommt man das Gefühl, dass es sich hierbei um eine reale Überlieferung handelt.
Der Anhang zum Thema Karten und Kartenspiele ist in typisch heitz’scher Manier äußerst ausführlich ausgeführt und vortrefflich recherchiert. Diesen kann man gerne auch vor dem eigentlichen Buch lesen, da hier in keiner Weise auf die Handlung des Buches eingegangen wird. Es bietet viel mehr einen Überblick über die Entstehung und Bedeutung von Karten und Kartenspielen.
Markus Heitz hat mir mit dem vorliegenden Roman ein unfassbar abwechslungsreiches und spannendes Leseerlebnis beschert. Die Lektüre hat mich vollends in ihren Bann gezogen und ich habe mit den Protagonisten mitgefiebert und mitgelitten. „Des Teufels Gebetbuch“ ist nervenaufreibend, actiongeladen, mysteriös und voller kleiner Geheimnisse. Wie nicht anders zu erwarten bin ich restlos begeistert. Wer gerne anspruchsvolle und abwechslungsreiche Urban Fantasy liest ist hier auf jeden Fall richtig, aber auch für Neulinge in dem Genre bietet sich dieses Buch an.

Veröffentlicht am 21.04.2017

Süß und köstlich

Traumtörtchen
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Nina Seiler hat ein nahezu perfektes Leben: Ihr attraktiver Freund Sören möchte unbedingt Kinder mit ihr und als Unternehmensberaterin ist sie äußerst erfolgreich. Doch trotz allem ist sie nicht wirklich ...

Nina Seiler hat ein nahezu perfektes Leben: Ihr attraktiver Freund Sören möchte unbedingt Kinder mit ihr und als Unternehmensberaterin ist sie äußerst erfolgreich. Doch trotz allem ist sie nicht wirklich zufrieden mit ihrem Leben. Denn schon länger spielt sie mit dem Gedanken ihren großen Traum zu erfüllen: Ein eigenes Café. Sie kündigt ihren Job und setzt alles daran ihren Traum wahr werden zu lassen. Dank ihres BWL Studiums und ihrer Ausbildung aus Konditorin nimmt das Projekt auch bald Form an.
Leider beginnt es aber gleichzeitig in ihrem Privatleben zu kriseln. Sören ist nicht wirklich begeistert von ihrer plötzlichen Selbstständigkeit und zieht sich immer mehr zurück. Und dann ist da auch noch Matthias, der nette Kinderzahnarzt, der seine Praxis genau neben Ninas Café hat. Ob Nina ihr berufliches und privates Glück finden wird?
Als allererstes möchte ich eine Warnung aussprechen: Lesen Sie dieses Buch keinesfalls wenn Sie gerade eine Diät machen. „Traumtörtchen“ ist voller herrlicher, kleiner Köstlichkeiten und beim Lesen ist mir ständig das Wasser im Mund zusammengelaufen. Ein unbändiger Guster auf Kuchen, Torten, Cookies und dergleichen hat mich während dem Lesen überfallen und mich bis zum Schluss nicht mehr losgelassen.
Autorin Julia Simon erschafft mit ihren Worten eine unglaublich schöne Stimmung und man sieht sowohl das Café, als auch die vielen Köstlichkeiten vor seinem inneren Auge. Ihre Beschreibungen sind äußerst anschaulich und mit einer großen Liebe zum Detail ausgeführt, ohne dabei zu plakativ oder zu ausschweifend zu werden.
Nina ist ein äußerst bodenständiger Charakter, der auf der Suche nach ihrer Erfüllung ist. Man merkt beim Lesen sehr gut die inneren Konflikte die sie durchmacht auf der Suche nach ihrem privaten und beruflichen Glück. Mir persönlich war Nina von Anfang an sympathisch und ich konnte mich auch sehr gut in ihre Lage versetzen. Auch die anderen Hauptpersonen sind sehr gut ausgeführt, auch wenn mir nicht alle unbedingt so sympathisch waren. Dies ist aber nicht schlimm, denn in jedem Buch gibt es die sympathischen und die unsympathischen Charaktere und nur durch dieses Zusammenspiel werden die sie zu dem was sie sind.
Obwohl es sich bei „Traumtörtchen“ um einen klassischen Vertreter des Liebesroman Genres handelt, hat dieses Buch doch mehr zu bieten, als nur eine Liebesgeschichte. Es regt sowohl zum Träumen, wie auch zum Nachdenken an. Hier geht es nicht nur um Liebe im klassischen Sinne, sondern auch um Selbstliebe bzw. Selbstachtung und die Leidenschaft für seinen Beruf. Julia Simon schafft es dies alles in einen sommerlich leichten Roman zu verpacken, ohne dabei allzu sehr ins klischeehafte oder kitschige abzurutschen. Gefördert wird dies durch den lockeren und erfrischenden Schreibstil. Ich persönlich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.
Den einzigen Kritikpunkt den ich anzubringen habe, ist das Biskuitrezept bei den Petit fours. Ich kann nämlich absolut nicht nachvollziehen warum eine ausgebildete Konditorin geschmolzene Butter in einen Biskuitteig gibt. Sehr schön finde ich dafür, dass am Ende des Buches einige Rezepte angehängt sind, damit man nach der Lektüre gleich mit dem Nachbacken starten kann.
Mir persönlich hat „Traumtörtchen“ ein zauberhaftes Leseerlebnis beschert und greift mit dem Backthema einen der heutigen Trends sehr gut auf.

Veröffentlicht am 20.04.2017

Der Zauber der Bücher

Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine
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Sarah ist Besitzerin und Bertreiberin eines kleinen Buchladens im US-amerikanischen Städtchen Ashford. Über ihren Buch-Blog hat sie die Französin Sophie kennengelernt, die in Paris die Buchhandlung „Once ...

Sarah ist Besitzerin und Bertreiberin eines kleinen Buchladens im US-amerikanischen Städtchen Ashford. Über ihren Buch-Blog hat sie die Französin Sophie kennengelernt, die in Paris die Buchhandlung „Once upon a time“ besitzt. Sophie macht derzeit gerade eine sehr schwierige Phase durch und schlägt Sarah einen Buchhandlungstausch vor. Obwohl Sarah sehr große Angst hat lässt sie sich auf das Experiment ein und tauscht das ländliche, kleinbürgerliche Leben in Ashford gegen den Trubel in der Stadt der Liebe. Doch schnell muss sie ihre rosarote Brille abnehmen und feststellen, dass sie ihre Vorstellungen und die Realität nicht übereinstimmen. Der Buchladen „Once upon a time“ stellt eine größere Herausforderung dar, die Mitarbeiter machen was sie wollen und der Umsatz ist rückläufig. Jetzt könnte Sarah wirklich den Rückhalt ihrer großen Liebe Ridge benötigen, doch der freischaffende Journalist ist überall auf der Welt unterwegs und kaum zu erreichen.
„Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine“ verzaubert den Leser mit wunderbaren und eindrucksvollen Bildern der Stadt der Liebe. Autorin Rebecca Raisin schafft eine einzigartige Atmosphäre und beim Leser bekommt man das Gefühl gemeinsam mit Sarah durch das herbstliche bzw. winterliche Paris zu wandeln. Aber nicht nur die Paris sondern auch die zwei Buchläden und natürlich Sarahs Heimatstadt Ashford werden so liebevoll und detailreich beschrieben, dass man das Gefühl hat selbst schon mal dort gewesen zu sein. Die Beschreibungen rutschen dabei nie ins kitschige ab, wirken nicht aufgesetzt oder verklärt und sind keinesfalls übertrieben ausschweifend.
Auch die einzelnen Personen sind mit großer Hingabe beschrieben und die einzelnen Charaktere fügen sich perfekt in das Gesamtbild ein. Sophie stellt hierbei die einzige Ausnahme dar. Sie kommt eher am Rande vor, wird nur hin und wieder erwähnt und der Leser bekommt keinen sehr guten Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt. Kein sonderlich großes Manko, kam aber für mich persönlich ein wenig überraschend, da ich anfangs dachte, dass sie eine größere Rolle spielen würde. Vielleicht aber auch ein geschickter Schachzug der Autorin um einen zweiten Band zu schreiben, die gleiche Zeitspanne mit den Erlebnissen und der Sichtweise von Sophie. Ich würde das Buch auf jeden Fall kaufen.
Die kleinen Nebenhandlungen werden geschickt miteingebunden und Rebecca Raisins große Leidenschaft für Bücher ist aus jedem Satz zu spüren. Das eine oder andere Geheimnis wird im Laufe der Zeit aufgedeckt und nicht nur Sarah durchlebt eine spürbare Entwicklung.
„Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine“ ist eine zauberhafte Liebeserklärung an das Leben, die Stadt der Liebe und an Bücher. Bücher über Bücher habe ich in meinem Leben schon viele gelesen, aber dieses Exemplar stellt etwas ganz Besonderes dar. Es betet die Leidenschaft für Bücher in eine äußerst ansprechende Geschichte, mit liebevoll gestalteten Charakteren und einer wunderbaren Kulisse ein.

Veröffentlicht am 12.04.2017

Ein Tagebuch kann ein Leben verändern

Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands
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Der 30jährige Michele lebt ein sehr geregeltes und einsames Leben. Er ist der Bahnhofsvorsteher in Miniera di Mare und seine einzige Aufgabe besteht darin morgens den Zug abzufertigen und ihn abends wieder ...

Der 30jährige Michele lebt ein sehr geregeltes und einsames Leben. Er ist der Bahnhofsvorsteher in Miniera di Mare und seine einzige Aufgabe besteht darin morgens den Zug abzufertigen und ihn abends wieder in Empfang zu nehmen. Kontakte zu anderen Menschen hat er keine, zu tief sitzt der Schmerz über den Verlust der Mutter. Denn diese hat ihn als 7jährigen alleine mit dem Vater zurückgelassen.
Seine einzige Freude besteht darin den liegengebliebenen Gegenständen die er im Zug findet ein neues Zuhause zu geben. Doch eines Abends steht Elena vor der Tür und bringt seinen geregelten Ablauf durcheinander. Und dann taucht auch noch plötzlich sein Tagebuch auf, welches er zum letzten Mal in der Hand seiner Mutter gesehen hat, an dem Tag an dem sie ihn verlassen hat. Und Michele bricht zu einer Reise mit ungewissem Ausgang auf.

Michele ist nicht der klassische Held einer Geschichte. Ganz im Gegenteil, er ist introvertiert, lebt extrem zurückgezogen und will eigentlich mit der Welt rund um ihn nichts zu tun haben. Auf den ersten Blick wirkt er ein wenig befremdlich und seltsam. Doch schnell lernt man, dass ihm einfach zu viel Leid zugefügt wurde in der Vergangenheit und er sich aus Angst vor neuem Schmerz abgeschottet hat. Elena ist das genaue Gegenteil von ihm. Die lebensfrohe und quirlige 25jährige saust wie ein Hurrikan plötzlich in Micheles Leben und lässt keinen Stein auf dem anderen. Doch auch Elena scheint in ihrem Leben nicht nur die positiven Seiten erlebt zu haben und man bekommt das Gefühl, dass da vielleicht auch mehr dahintersteckt.

Auf seiner Reise trifft Michele auf die unterschiedlichsten Personen und erfährt mehr über deren persönliche Geschichte und im Zuge dessen auch über sich selber. Aus jeder dieser Begegnungen kann aber nicht nur Michele einiges lernen, sondern auch der Leser, falls er bereit ist sich darauf einzulassen. Für mich persönlich haben diese kleinen „zufälligen“ Zusammentreffen das Buch erst zu etwas ganz besonderem gemacht. Natürlich ist es so, dass wenn man rein rational an die Sache herangeht, die Zufälle in dem Buch ein wenig zu konstruiert sind und manche Teile ein wenig wie an den Haaren herbeigezogen klingen. Doch lässt man sich darauf ein und lässt für kurze Zeit die Vernunft Vernunft sein, wird man mit einem zauberhaften Leseerlebnis belohnt.
Der Schreibstil von Autor Salvatore Basile hat mir besonders gut gefallen. Seine Wortwahl ist äußerst gewählt, poetisch und er geizt nicht mit ausführlichen Beschreibungen. Trotz dieser Ausführlichkeit hatte ich nie das Gefühl, dass sich die Geschichte ziehen würde wie Kaugummi. Für mich hätte der Lesegenuss gerne noch etwas länger andauern können. Die einzelnen Handlungsfäden werden sehr geschickt miteinander verwoben und die meisten offenen Fragen beantwortet, dennoch bleibt genug Raum für die eigene Phantasie und Vorstellungskraft.

Eine fantastische und wundervolle Reise auf die Salvatore Basile Michele und die Leser schickt. Ein Buch das nachdenklich stimmt und zum Nachdenken anregt. Man darf Lachen und Weinen mit Elena und Michele, Staunen und sich wundern, sich selbst und das Leben in Frage stellen, in Erinnerungen schwelgen und sich vor der Zukunft fürchten und manchmal auch alles zur gleichen Zeit. Mich und mein Leben hat die Lektüre von „Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstandes“ auf jeden Fall bereichert.

Veröffentlicht am 10.04.2017

Geht unter die Haut

Ein Sommer in Corona del Mar
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„Ein Sommer in Corona del Mar“ erzählt die Geschichte der beiden Freundinnen Mia und Lorrie Ann. Unzertrennlich in ihrer Kindheit bzw. Jugend, verlieren sie sich im jungen Erwachsenenalter aus ...

„Ein Sommer in Corona del Mar“ erzählt die Geschichte der beiden Freundinnen Mia und Lorrie Ann. Unzertrennlich in ihrer Kindheit bzw. Jugend, verlieren sie sich im jungen Erwachsenenalter aus den Augen. Das Leben hatte für beide andere Wege vorgesehen. War es als Jugendliche noch Lorrie Ann die ihr Leben (scheinbar) im Griff hatte, so ist es später Mia die mit beiden Beinen fest im Leben verankert ist. Ein plötzliches Wiedersehen der beiden zwingt vor allem Mia dazu ihre Erinnerungen zu überdenken und zu hinterfragen.

Erzählt wird die Geschichte aus Mias Sicht und ist immer wieder durchsetzt von Rückblicken. Diese sind allerdings meiner Meinung sehr gut in die Geschichte integriert und wirkten nicht störend oder verwirrend. Wobei meiner Meinung der Schwerpunkt des Buches weniger auf der Handlung selbst sondern mehr auf den zwei Protagonistinnen liegt. Betrachtet man die Handlung isoliert von der Entwicklung der zwei Mädchen ist sie eigentlich relativ unspektakulär. Zwei Freundinnen die erwachsen werden, den einen oder anderen Schicksalsschlag zu verkraften haben und sich mit der Zeit entfremden. Interessant, spannend und vor allem berührend wird es meiner Meinung nach erst durch die Gedanken und Gefühle von Mia und Lorrie Ann. Dabei ist es aber so, dass man leider Lorrie Anns Gefühle nur aus zweiter Hand vermittelt bekommt. Da Mia die Erzählerin liegt über allen Handlungen eine Art Filter von Mia. Das merkt man vor allem daran, dass sie Lorrie Ann als Jugendliche als eine Art Göttin sieht und sich dann aber fragen muss, ob sie ihre Freundin eigentlich wirklich gekannt hat.
Beide Mädchen haben eine sehr starke Persönlichkeit und müssen in ihrem Leben einiges verkraften. Sie gehen jedoch sehr unterschiedlich mit ihren persönlichen Schicksalsschlägen um. Wie es halt auch im richtigen Leben ist, der eine wächst an seinen Herausforderungen, der andere geht dabei zu Grunde.

„Ein Sommer in Corona del Mar“ ist alles andere als leichte Kost. Wobei der Anfang eher noch dahin plätschert und man die beiden Mädchen erst einmal kennenlernt. Erst später wandelt sich die Geschichte, ebenso wie auch die zwei Freundinnen. Der Ton des Buches wird melancholischer und ruppiger, im Gegensatz zu dem doch eher sanftmütigen und teilweise lockeren Beginn. Mich persönlich hat das Buch sehr mitgenommen. Autorin Rufi Thorpe erzeugt mit teilweise wenigen Worten eine unglaublich düstere, deprimierende und melancholische Stimmung. Gerade die Stellen an denen sie viel der Phantasie des Lesers überlasst, haben mich besonders beeindruckt und zum Nachdenken angeregt.

Leser die sich gerne berieseln lassen und eine gute Zeit mit einem Buch verbringen möchten, sollten meiner Meinung nach lieber die Finger von „Ein Sommer in Corona del Mar“ lassen. Hier braucht es Leser mit starken Nerven, die sich gerne auch mit den nicht so sonnigen Seiten des Lebens beschäftigen. Es wird an den Grundfesten gerüttelt und Denkweisen aufgezeigt die man so vielleicht noch nie berücksichtigt hat.

Ein wenig irreführend ist für mich das angegebene Genre: Frauen-/ Liebesroman. Auch wenn die Protagonisten Frauen sind und das Thema Liebe natürlich behandelt wird, finde ich es doch äußerst unpassend gewählt. Das Buch hat so viel mehr zu bieten, als klassische Vertreter dieses Genres. Und dies vor allem nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer.

Für mich persönlich ist dies ein Buch das lange bei mir nachwirken wird. Obwohl ich das Lesen an manchen Stellen abbrechen wollte, kann ich nur jedem der gerne ein wenig in die Psyche von Menschen blickt dieses Buch empfehlen. Die Gründe das Buch abzubrechen lagen für mich nämlich nicht in einer langatmigen Geschichte oder langweiligen Charakteren, sondern einzig und allein daran, dass das Buch mir ein wenig aufs Gemüt geschlagen hat. Denn langweilig wurde es mir mit Mia und Lorrie Ann kein einziges Mal.