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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.10.2021

Beruht auf whren Begebenheiten

Das Buch der verschollenen Namen
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Die jüdische Familie Traube lebt im besetzten Paris, als 1942 die Deutschen mit den Deportationen der Juden beginnen. Vater Julius wird verhaftet, seiner Frau Faiga und Tochter Eva gelingt im letzten Augenblick ...

Die jüdische Familie Traube lebt im besetzten Paris, als 1942 die Deutschen mit den Deportationen der Juden beginnen. Vater Julius wird verhaftet, seiner Frau Faiga und Tochter Eva gelingt im letzten Augenblick die Flucht ins unbesetzte Frankreich. Sie finden Zuflucht im kleinen Ort Aurignon. Dort schließt sich Eva der Résistance an und fälscht für jüdische Kinder Ausweise. Sehr zum Missfallen ihrer Mutter, die Eva die Schuld daran gibt, dass Julius in Paris verhaftet worden ist.

Mittelpunkt des dörflichen Widerstandes von Aurignon ist der katholische Priester, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Der stellt Eva dem charismatischen Rèmy vor. Wenig später drucken und fälschen die beiden gemeinsam tagaus tagein Dokumente. Während Rémy die Angelegenheit technisch nüchtern sieht, will Eva die ursprünglichen Namen der Kinder bewahren. Dann hat Rémy eine zündende Idee - sie verwenden ein altes Messbuch und codieren die echten Namen mittels Fibonacci-Reihe.

Eva und ihre Mithelfer können durch ihre engagierte Hilfe zahlreiche jüdische Kinder vor der Deportation retten, bis die Widerstandsgruppe verraten wird und Rémy als verschollen gilt.

Meine Meinung:

Kristin Harmel ist ein fesselnder historischer Roman auf zwei Zeitebenen gelungen.

Der Einstieg in den Roman beginnt mit einer Zeitungsnotiz aus dem Jahr 2005, in der genau jenes Messbuch abgebildet ist. Es soll seinen rechtmäßigen Besitzern restituiert werden, wie es in dem Artikel heißt. Es ist von sechzig Jahren in Frankreich geraubt worden.

Das löst in der alten Dame Eva Abrams, die niemand anderer als Eva Traube ist, Erinnerungen an die Zeit von 1942 aus. Sie packt sich zusammen, um nach Frankreich zu reisen.

Die Charaktere sind gut ausgefeilt. Eva, die mit beiden Beinen im Leben steht und die die tödliche Gefahr kommen sieht. Ihre Mutter Faiga hingegen, die zaudernde, die für alles und jedes ihre Tochter verantwortlich macht, die eine paranoide Angst davor hat, dass sich Eva vom Judentum abwendet, wenn sie auch nur eine Kirsche betritt oder mit dem Priester spricht. Da scheint ihr die Ankunft von Joséph Pelletiers, einem Juden und Bekannten aus Paris, den sie gerne als Schwiegersohn hätte, gerade recht.
Erst bei ihrer Hinrichtung durch die Deutschen wächst Faiga über sich hinaus und spricht vom Stolz, Mutter ihrer Tochter zu sein.

Die Leser erfahren einiges über die Arbeit der Résistance und die Fluchtrouten auf denen die bedrohten Juden in die Schweiz geschmuggelt werden. Dann gibt auch noch Erich, einen deutschen Soldaten, der sein Leben aufs Spiel setzt, um die Widerstandsgruppe zu warnen.

Das Buch scheint, soweit ich das beurteilen kann, penibel recherchiert zu sein, liegt ihm doch eine wahre Geschichte zugrunde. Ich halte es sehr wichtig, dass solche Bücher geschrieben und vor allem gelesen werden. Es stört mich allerdings, dass es dazu keine Erläuterungen gibt, was nun Fakt bzw. Fiktion ist. Das kostet den 4. Stern.

Fazit:

Ein gelungener historischer Roman, dem ich gerne 3 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 03.10.2021

Hat mich nicht vollends überzeugt

1431
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Die meisten von uns kennen die Geschichte der Jeanne d’Arc (1412-1431) besser bekannt als Jungfrau von Orleans, jener Bauerntochter, die auszog, um Frankreich im Hundertjährigen Krieg gegen England zum ...

Die meisten von uns kennen die Geschichte der Jeanne d’Arc (1412-1431) besser bekannt als Jungfrau von Orleans, jener Bauerntochter, die auszog, um Frankreich im Hundertjährigen Krieg gegen England zum Sieg zu verhelfen.

Damit verstößt sie gegen jede der damals geltende Konvention. Sie verlässt ihr Elternhaus ohne Erlaubnis, trägt Männerkleidung und mischt sich in Kriegshandlungen ein. Als sie 1431 von den Engländern gefangen genommen wird, ist ihr der Prozess vor der Inquisition und der Tod auf dem Scheiterhaufen sicher.

Meine Meinung:

Ich lese gerne (Roman)Biografien historischer Frauen. Diese hier hat mich ein wenig ratlos zurückgelassen. Zum einen ist über die historische Johanna wenig überliefert. Das was wir über sie wissen, steht vor allem in den Gerichtsakten ihres Prozesses, der hier geschildert wird. Und Geschichte schreiben bekanntlich die Sieger - in diesem Fall die Engländer.

Zum anderen habe ich wenig Neues erfahren. Interessant ist zu lesen, wie Johanna auch einige ihrer Feinde beeindruckt. Man weiß nicht, wie man mit dieser charismatischen Frau umgehen soll. Daher lieber früher als später als Hexe verbrennen.

Nicht ganz klar ist mir die Intention der Autorin geworden, aus welchen Beweggründen sie dieses Buch geschrieben hat. Sie muss sich ja mit Größen wie William Shakespeare, Friedrich Schiller, George Bernard Shaw, Jean Anouilh oder Bertold Brecht messen, die Jeanne d’Arc als Heldin verehren. Der österreichische Autor Felix Mitterer in seinem 2002 erschienenen Werk „Johanna oder die Erfindung der Nation“ wesentlich kritischer mit ihrer Person auseinander.

Fazit:

Ein Buch, das mich nicht überzeugt hat und daher nur 3 Sterne erhält.

Veröffentlicht am 02.10.2021

Hat mich leider nicht überzeugt

Eine Familie in Berlin – Paulas Liebe
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Mit diesem Buch startet Ulrike Renk eine neue Reihe einer Familien-Saga. Dabei verquickt sie wie in ihren anderen historischen Roman echte Personen mit fiktiven Charakteren.

Diesmal geht es um Paula Dehmel, ...

Mit diesem Buch startet Ulrike Renk eine neue Reihe einer Familien-Saga. Dabei verquickt sie wie in ihren anderen historischen Roman echte Personen mit fiktiven Charakteren.

Diesmal geht es um Paula Dehmel, geborene Oppenheimer, die allen Widerständen ihrer Familie zum Trotz, den begabten, aber flatterhaften Dichter Richard Dehmel heiratet.
Zunächst scheint die Ehe zwischen der in einer sehr aufgeschlossenen jüdischen
Familie aufgewachsenen Paula auch glücklich zu sein. Doch Richard hat nichts anders im Schädel, als ein berühmter Schriftsteller zu werden, geht nur äußerst widerwillig (s)einem Job als Versicherungsberater nach.

Doch als er verlangt, dass Paula seine Geliebte Ida, die sich wie eine Diva gebärdet, freundlich in den Haushalt aufnehmen soll, um eine „Ménage à trois“ zu führen, macht die durch Asthma gesundheitlich angeschlagene Paula endlich klar Schiff.

Meine Meinung:

Ich schätze Ulrike Renk als Autorin zahlreicher Familiengeschichten. Vor allem jene aus der Seidenstadt Krefeld die Ostpreußen-Saga oder die Trilogie der australischen Schwestern. Mit diesem Buch und den Protagonisten bin ich nicht ganz warm geworden. Vor allem Paula ist mir in ihrer Naivität und ihrem Verhalten Richard gegenüber ziemlich auf die Nerven gegangen. Ich hätte nach wenigen Seiten wetten können, dass Richard ein selbstverliebtes Ekel ist. Hat sie Richard nur deswegen geheiratet, weil ihr alle von ihm abgeraten haben? Diese obsessive Liebe, die nur ihr selbst schadet, kann ich nicht nachvollziehen. Aber vielleicht bin ich zu vernunftorientiert.

Mein Lieblingscharakter ist Tante Auguste. Auch mit Paulas Mutter Toni kann ich wenig anfangen. Man kann nicht alles haben. Sie hat im Gegensatz zu Auguste vier Kinder und einen Mann, der nach Maßgabe der damaligen Zeit und seiner Profession als Rabbiner, ein liebevoller Ehemann und Vater ist. Und was macht Toni? Sie ist neidisch auf Auguste und meckert ständig herum. Beklagt sich dauernd, dass ihr Mann Rabbiner einer eher armen jüdischen Gemeinde ist.

Sehr gut gefallen hat mir die aufwendige Recherchearbeit der Autorin, wenn auch der häufige Briefwechsel zwischen Richard und Paula, in denen sie sich gegenseitig ihre dichterischen Ergüsse, schreiben, nicht ganz meinen Geschmack treffen. Dieses ewige Gesäusel „Oh du mein Duling, mein Einziger“ von Paulas Seite hat mir einiges abverlangt. Da habe ich einiges quergelesen. Aber, wie schon gesagt, romantisches Liebesgeflüster ist nicht meines.

Von den Kinderreimen, die sie für ihre Kinder verfasst hat, ist mir der eine oder andere („Rumpumpel“) bekannt vorgekommen. Deswegen ist die Lektüre keine verlorene Zeit. Allerdings bin ich unschlüssig, ob ich einen weiteren Band lesen werde. Doch schauen wir einmal, was da noch kommt.

Fazit:

Ein etwas anderer historischer Roman als diejenigen, die ich von Ulrike Renk gewöhnt bin. Leider kann ich nur 3 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 26.09.2021

Hat mich leider nicht überzeugt

Pirlo - Gegen alle Regeln
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Auf den ersten Blick sieht der Mann auf dem Cover aus wie der italienische Fußballer und nunmehrige Trainer von Juventus Turin, Andrea Pirlo. Allerdings geht es in diesem Krimi, der Auftakt einer Reihe ...

Auf den ersten Blick sieht der Mann auf dem Cover aus wie der italienische Fußballer und nunmehrige Trainer von Juventus Turin, Andrea Pirlo. Allerdings geht es in diesem Krimi, der Auftakt einer Reihe werden soll, nicht um den Fußballer, sondern um den Strafverteidiger Dr. Anton Pirlo. Der ist ein gefeierter Star, seit er für einen Fußballer (sic!) namens Metternich einen Freispruch erstritten hat. Doch Erfolg ruft immer Neider auf den Plan. Pirlo fällt einer Intrige zum Opfer und verliert seinen Job bei der renommierten Anwaltskanzlei Ohmsen & Partner.

Trübsal blasend sitzt Pirlo in seiner Wohnung und erhält den Auftrag Marlene von Späth, die ihren Mann ermordet haben soll, zu verteidigen. Er sei der beste Mann für diese Causa. Gewohnt, dass er üblicherweise ein großes Team an Helferleins um sich hat, muss er einsehen, dass er Hilfe braucht. Die offenbart sich in Sophie Mahler, Anwältin aus einer angesehenen Juristenfamilie, die so ihre eigenen Probleme hat.

Neben dem Fall hat Pirlo noch mit ganz anderen Schwierigkeiten zu kämpfen, denn eigentlich heißt er Ramzes Khatib und ist der jüngste und abtrünnige Sohn eines libanesischen Familienclans, der Drahtzieher von allerlei kriminellen Machenschaften ist.

Meine Meinung:

Die Vorstellung, einmal einen Krimi nach Abschluss der Ermittlungen zu lesen, hat mich bewogen, zu diesem Buch zu greifen. Üblicherweise enden Krimis ja damit, dass der oder die Täter überführt und dingfest gemacht werden. Wie es dann aber vor Gericht weitergeht, bleibt meistens offen, außer es gibt eine Fortsetzung, in der der Täter auf Rache sinnt.

Die für mich interessante Frage ist, auf bei realen Verbrechen, muss der Anwalt der Verteidigung an die Unschuld seines Mandanten glauben? Kann man als Anwalt einen Klienten ablehnen, weil er ein Verbrechen begangen hat, das man selbst verabscheut? Auf diese Frage geht Autor Ingo Bott, selbst Anwalt, nicht näher ein. Sophie versucht zwar Pirlo in diese Richtung auszufragen, erhält wie die Leser aber keine erschöpfende Antwort. Das ist nicht das Einzige, womit ich bei diesem Krimi hadere. Zunächst einmal ist da die familiäre Zugehörigkeit zu einem kriminellen Clan. Prüft da nicht die Anwaltskammer vor der Zulassung?
Weiters ist da der Schreibstil. Kurze Sätze sind für mich ok, doch hier werden sie inflationär eingesetzt und verlieren ihre Wirkung. Der ausufernde Gebrauch von „scheiße“ oder, wenn die Khatib-Brüder sprechen „fick dich“ in verschiedenen Variationen oder die häufigen Angliszmen, ist mir einfach zu viel. Den Niveauunterschied in der Sprache hätte man anders auch darstellen können. Überhaupt, regieren viele Klischees. Die Anleitung zum Sozialmissbrauch (funktioniert hoffentlich nicht mehr) oder, dass die Khatib-Brüder ihren Erfolg an dicken Autos und schönen Frauen messen.

Es mag schon sein, dass der Autor damit Authentizität darstellen will, aber mir hat das nicht gefallen.

Mit den Charakteren bin ich nicht wirklich gut klar gekommen. Sophie und Prof. Arland bilden da die große Ausnahme. Anton Pirlo ist selbstgefällig, präpotent und eigentlich hätte ich ihm einen ordentlichen Dämpfer gewünscht. Aber nein, die toughe Sophie steht ihm helfend zur Seite.

Die angeklagte Marlene von Späth ist auch eine klischeehafte Person. Eine junge hübsche Polin, die sich einen vermögenden älteren Mann angelt. Dann macht sie auch kaum zweckdienliche Angaben und lässt Pirlo ins offene Messer laufen.

Das doch indifferente Ende hat mich ein wenig ratlos zurückgelassen. Kommt da noch etwas? Der Autor hat ja angedeutet, dass dies der Auftakt zu einer Reihe ist.

Fazit:

Hier habe ich mir doch etwas anderes erwartet. Deswegen kann ich nur 3 Sterne vergeben und bin unschlüssig, ob ich die Reihe verfolgen werde.

Veröffentlicht am 19.09.2021

Hat mich nicht überzeugt

Dunkelblum
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Eva Menasse nimmt sich eines nach wie vor kontrovers diskutierten Themas der österreichischen Geschichte an: dem Verdrängen der Mittäterschaft während der NS-Zeit.
Das fiktive Dorf Dunkelbum wird gezielt ...

Eva Menasse nimmt sich eines nach wie vor kontrovers diskutierten Themas der österreichischen Geschichte an: dem Verdrängen der Mittäterschaft während der NS-Zeit.
Das fiktive Dorf Dunkelbum wird gezielt an der ungarischen Grenze platziert, gibt es doch dort den Ort Rechnitz, an dem sich in den letzten Kriegstagen das Massaker an jüdischen Zwangsarbeiter ereignet hat. Von den Toten fehlt nach wie vor jede Spur.

Doch zum Roman:

Koreny, der neue Bürgermeister, muss sich nicht nur mit dem Kampf der ortsansässigen Bauern und deren Kampf um eine eigene Wasserversorgung herumschlagen, sondern auch mit dem Verschwinden einer Studentin und dem Auffinden eines Skeletts. Wer ist der Tote? Ein ehemaliger Wehrmachtsangehöriger? Ein Grenzgänger? Gibt es noch mehr davon?

Und hängen der plötzliche Tod von Eszter Lowetz und das Verschwinden der Studentin damit zusammen? Beide, Eszter und die, Locke genannte Studentin, haben unangenehme Fragen zur verdrängten NS-Vergangenheit der Bewohner gestellt. Und warum restauriert ausgerechnet jetzt eine Gruppe langhaariger Gestalten den verwahrlosten dritten Friedhof von Dunkelblum? Warum der kleine Ort gleich drei Friedhöfe braucht? Jeder Bewohner, ob katholisch, evangelisch oder jüdisch wurde auf „seinem eigenen“ Friedhof beerdigt - sortenrein, quasi.

In Dunkelblum scheinen eine Menge von skurrilen Personen zu leben. Alte Frauen, die 1945 der Roten Armee in die Hände gefallen sind, ebenso alte Männer, die sich ewige Treue und Schweigen geschworen haben sowie mancher, der einiges zu verbergen hat.

Unklar ist, ob die Reschen-Resi, seinerzeit Zimmermädchen, im Hotel Tüffer eine von den Guten oder doch eine Nutznießerin ist. Immerhin hat sie 1938 von der jüdischen Hotelbesitzerin den Schlüsselbund erhalten und ihn bislang nicht hergeben müssen. Ob bei den Recherchen von Eszter und Locke Erben der Familie Tüffer ausfindig gemacht werden, die Ansprüche stellen könnten? Und wer ist dieser Fremde, der im Hotel logiert?

Meine Meinung:

Ich bin bei diesem Roman ein wenig zwiegespalten. Das hängt zum einem mit der Sprache und dem Schreibstil von Eva Menasse und zum anderen mit der Vielzahl von Themen zusammen.

Zur Sprache und Schreibstil:

Die Autorin verwendet zahlreiche Austriazismen, die mir gut gefallen. Sie hat dem Volk auf’s Maul geschaut. Viele Anmerkungen sind subtil und wirklich bösartig. Nervig hingegen ist für mich persönlich der Verzicht auf die direkte Rede. Damit kann ich mich so gar nicht anfreunden.

Zusätzlich dauert es sehr lange, bis die Autorin zum Kern kommt. Manches wird wiederholt. So verliert sich Eva Menasse in sehr vielen Details, ohne dass hier ein Informationsgewinn entsteht.

Der Schreibstil ist für viele Leser anstrengend. Die Fabulierkunst wird hier auf die Spitze getrieben und dient irgendwie nicht der Geschichte sondern einer Art Selbstverliebtheit.

Vielzahl der Themen:

Die Episode mit den DDR-Flüchtlingen, die wie seinerzeit die Ungarn-Flüchtlinge 1956, halbherzig wohlwollend aufgenommen werden, passt irgendwie nicht oder doch in die Geschichte. Ist die Hilfe für die DDR-Bürger eine späte Reue? Oder nimmt man sich ihrer nur deswegen an, weil sie Deutsche sind, auch, wenn die gemeinsame Sprache einiges Trennendes mit sich bringt?

Der Streit um eine eigene Wasserversorgung oder den Anschluss (böses Wortspiel!) an eine kommunale Wasserleitung ist nur ein weiteres davon.

Eva Menasse lässt uns an Familienzwisten teilhaben und springt ein wenig durch die Zeit, weniger durch den Raum, denn die Ereignisse aktuell oder vergangen, spielen sich in Dunkelblum bzw. in der unmittelbaren Umgebung ab. So kommt der Weinskandal von 1985 zur Sprache, der einige Winzer in den Abgrund reißt. Apropos Winzer! Manchmal hat man den Eindruck, ganz Dunkelblum lebt nur von flüssiger Nahrung in Form von Wein und Schnaps. Selbst wenn den einzelnen Familienmitgliedern täglich vor Augen geführt wird, dass der exzessive Alkoholkonsum letal ausgehen wird, mit dem Saufen aufhören ist keine Option. Sich die unbequeme Wahrheit schönreden, Pardon, schönsaufen schon.

Die Charaktere hingegen finde ich sehr gut gelungen. So begegnen unter anderem einem Altnazi und ungeschoren davongekommenen Mördern. Aber auch einem Anflug von Reue ("Wäre er erst einmal in Gewahrsam gewesen, hätten vielleicht ein paar andere auch etwas gesagt. Sie wollte nicht die Einzige sein") sowie selbstgeschaffene Differenzierungen ("Josef, ihr Mann und Vater ihres Sohnes, war ein anständiger Nazi"). Gab es „anständige Nazis“? Oder ist das wieder nur Schönfärberei?

Wenig ist hier im Ort schwarz oder weiß, das meiste, passend zum Ortsnamen dunkelgrau.

Wer sich mehr mit dem Massaker an den jüdischen Zwangsarbeitern beschäftigen will, dem sei das Buch „Und was hat das mit mir zu tun?“ von Sacha Batthyany, dessen Großtante Gräfin Margit Thyssen-Batthyány empfohlen. Sie war in eines der schrecklichsten Nazi-Verbrechen am Ende des Zweiten Weltkriegs verwickelt. In ihrem Schloss in Rechnitz gibt sie ein rauschendes Fest für führende Nazi-Bonzen. Gegen Mitternacht verlassen die Gäste das Schloss und erschießen 180 Juden. Was genau in dieser Nacht geschieht, ist bis heute unklar. Die Toten nach wie vor nicht gefunden.

Fazit:

Leider wirft dieser Roman, wie man an meiner Rezension sieht, mehr Fragen auf, als er beantwortet. Dieser irgendwie unrunde Schluss ärgert mich. Immerhin bin ich der Autorin durch einen Wust an Themen, Schwurbeleien und einer großen Zahl an beteiligten Personen gefolgt. Da hätte ich mir doch einen Abschluss, ob versöhnlich oder nicht, bleibt dahingestellt, verdient. So lässt mich der Roman unbefriedigt zurück. Daher kann ich ruhigen Gewissens auch nur 3 Sterne vergeben.