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Veröffentlicht am 26.09.2021

Zwiegespalten

Der Uhrmacher in der Filigree Street
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London, 1883: Als der Telegrafist Thaniel (von Nathaniel, aber Nat war schon sein Vater) eines Abends von der Arbeit nach Hause kommt, stellt er fest, dass jemand in sein Zimmer eingebrochen hat. Nicht, ...

London, 1883: Als der Telegrafist Thaniel (von Nathaniel, aber Nat war schon sein Vater) eines Abends von der Arbeit nach Hause kommt, stellt er fest, dass jemand in sein Zimmer eingebrochen hat. Nicht, dass man bei ihm viel stehlen könnte, aber der Einbrecher hat ihn nicht um seine spärlichen Habseligkeiten gebrachtt, vielmehr hat er aus unerklärlichen Gründen eine goldene Taschenuhr bei ihm hinterlassen.

Als ein halbes Jahr später eine Bombe hochgeht, entgeht Thaniel der Explosion nur, weil die Taschenuhr kurz zuvor ein schrilles Alarmsingnal von sich gegeben hat. Da er den Mechanismus zum Abschalten nicht sofort findet, verlässt Thaniel das Gebäude, um in Ruhe danach zu schauen, ohne die übrigen Anwesenden zu stören.

War die Taschenuhr ihm zuvor schon suspekt und nach wie vor ein Rätsel, so begibt Thaniel sich nach der Explosion endgültig auf die Suche nach dem Uhrmacher. Er findet ihn in der Filigree Street in Gestalt des ruhigen Keita Mori, der in seiner Werkstatt allerlei kleine Wunderwerke baut. Nach und nach lernt Thaniel den aus Japan stammenden Mori besser kennen und kommt seinem Geheimnis auf die Spur. Doch hat Mori vielleicht noch mehr zu verbergen?

Als ich das Cover gesehen hatte, war mir direkt klar, dass ich das Buch lesen will. Jetzt, nachdem ich es beendet habe, bin ich ein bisschen ratlos. Es war ganz und gar nicht schlecht, es war überraschend, aber hat es mir wirklich gefallen? Natasha Pulley entführt uns ins viktorianische London, aber auch ein wenig ins alte Japan, denn Moris Geschichte beginnt lange vor seiner Ankunft in England. Sein Charakter ist schwer greifbar und ich kann seine Fähigkeiten auch jetzt noch nicht wirklich einschätzen. Thaniel war mir anfangs sympathisch, irgendwann konnte ich seine Fixierung auf Mori allerdings nicht mehr ganz nachvollziehen.

Dann gibt es noch Grace, die ebenfalls eine Uhr von Mori besitzt und die auf einer offiziellen Veranstaltung zufällig die Bekanntschaft von Thaniel macht. Auch sie wirkte zu Beginn ebenfalls sympathisch, will sich als Wissenschaftlerin behaupten und hat mit der von Männern dominierten Gesellschaft ein Problem, da diese ihr kaum eine Möglichkeit zur Entfaltung bietet. Allerdings hat sie mitunter dann doch sehr seltsame Ansichten und ihre Aktionen zum Ende des Buches hin waren einfach nur noch völlig engstirnig und unsympathisch.

Überhaupt hat das Buch spannend und mysteriös begonnen, zum Ende hin wurde es allerdings etwas undurchsichtig und ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht. Der Schreibstil konnte mich abgesehen von ein, zwei Logikfehlern allerdings überzeugen und auch der Oktopus auf dem Cover war eine richtig gute Idee. Gerne würde ich euch dazu mehr verraten, aber ich fürchte, damit würde ich zu viel vorwegnehmen.

Insgesamt ein Buch, bei dem es mir schwerfällt eine Empfehlung auszusprechen, da ich – wie oben geschrieben – immer noch nicht sicher bin, wie es mir gefallen hat. Daher auch drei von fünf Punkten. Ich würde sagen, wenn euch das viktorianische England reizt, ihr Krimis und Mystery mögt (manches ist dann doch nicht in der Realität zu verankern) und eine völlig unvorhersehbare Geschichte mit überraschenden Wendungen euer Ding ist, dann gebt dem Buch doch einfach eine Chance.

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Veröffentlicht am 16.11.2023

Wem kann man trauen?

Misstrauen - Schatten der Vergangenheit
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Als Chirurgin Jane gemeinsam mit ihrem Mann Thomas das Geburtstagsgeschenk ihrer Tochter abholen will, spricht der Verkäufer Thomas mit einem anderen Namen an. Und Thomas reagiert. Warum? Woher kennen ...

Als Chirurgin Jane gemeinsam mit ihrem Mann Thomas das Geburtstagsgeschenk ihrer Tochter abholen will, spricht der Verkäufer Thomas mit einem anderen Namen an. Und Thomas reagiert. Warum? Woher kennen sich die beiden?

Thomas schweigt sich dazu aus, doch Jane geht dieser Vorfall nicht aus dem Kopf und sie beginnt zu recherchieren. Schnell findet sie heraus, dass Thomas frühere Freundin und deren Tochter spurlos verschwanden, das Wohnzimmer voller Blut war und Thomas als Hauptverdächtiger galt, auch wenn nie Leichen gefunden wurden. Aber das kann doch nicht sein, oder? Janes heile Welt zerbricht und schließlich fliegt sie zum damaligen Ort des Geschehens und versucht herauszufinden, was wirklich geschah.

Der Titel on Ines Buchs Thriller „Misstrauen“ passt perfekt, denn das Misstrauen zieht sich durch das ganze Buch. Einmal ins Nachdenken gekommen, will Jane zwar an die Unschuld ihres Mannes glauben, doch ein paar Zweifel nagen an ihr und lassen sie nicht zur Ruhe kommen.

Die Idee des Buches gefällt mir gut, leider konnte ich mit Protagonistin Jane wenig anfangen. Ich konnte viele ihre Handlungen nicht nachvollziehen und auch wenn ich manches vielleicht auf ihre Gefühllage schieben kann, war sie in manchen Punkten doch ganz schön naiv. Zudem habe ich mich sehr daran gestört, dass die wenigen Worte eines Fremden so ein tiefes Misstrauen in ihr schüren können. Sicher kann ich nicht sagen, wie ich an Janes Stelle reagieren würde, doch sofort den Worten eines Fremden vertrauen statt denen des eigenen Ehemannes war aus meiner Sicht nicht plausibel dargestellt.

Der Schreibstil der Autorin war stellenweise flüssig, teilweise für mich jedoch auch langatmig und gerade zu Beginn des Buches hat es mich gestört, dass es viele kürzere Szenen gab, deren Handlung meist wenig mit der vorrangegangenen Szene zu tun hatte. Auf mich wirkte es abgehackt. Wie ein Diavortrag, bei dem in schneller Abfolge ganz verschiedene Motive auf die Leinwand geworfen werden. Die Autorin wollte vermutlich einen guten Einblick sowohl in das Arbeits- als auch Familienlieben von Jane geben und die Beziehung zwischen Jane und Thomas beleuchten, ich habe es allerdings eher als anstrengend empfunden. Im weiteren Verlauf des Buches hat sich dies jedoch geändert (oder ich hatte mich daran gewöhnt und es fiel mir nicht mehr auf).

Die Autorin hat es immer wieder geschafft Spannung aufzubauen, jedoch konnte sie für mich den Spannungsbogen nicht immer aufrechterhalten, insbesondere dann, wenn die Logik eine Pause machte.

Insgesamt ist „Misstrauen“ für mich ein solider Thriller, den man gut zwischendurch lesen kann, aber leider auch nicht mehr.

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Veröffentlicht am 18.08.2023

Bizarr, irritierend, ungewöhnlich

Treacle Walker
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Eines Tages kreuzen sich die Wege vom Treacle Walker, dem Lumpensammler und Wunderheiler, mit dem des jungen Joseph Coppock. Der Junge, der allein in einem Haus wohnt und über den wir kaum mehr erfahren, ...

Eines Tages kreuzen sich die Wege vom Treacle Walker, dem Lumpensammler und Wunderheiler, mit dem des jungen Joseph Coppock. Der Junge, der allein in einem Haus wohnt und über den wir kaum mehr erfahren, dass er gerne Comics liest und dass er auf dem einen Auge kaum sieht, geht ein seltsames Tauschgeschäft mit Treacle Walker ein. Für einen seiner alten Schlafanzüge sowie einen Knochen erhält er einen eigenartigen Stein und ein weiß glasiertes Keramiktöpfchen.

So ungewöhnlich die erste Begegnung der beiden war, so außerordentlich sind auch die nächsten Treffen. Es entspinnt sich eine Art Vertrautheit, vielleicht sogar Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Figuren. Doch nicht nur die Szenen zwischen Joseph und Treacle Walker muten bisweilen bizarr an, auch die restliche Geschichte ist irritierend und ich habe mich beim Lesen in einen seltsamen Strudel hineingezogen gefühlt.

Für mich war die Geschichte ebenso wie die Figuren nicht wirklich greifbar. Ein absurder Traum, eine eigenwillige Verschmelzung von Zeit, Traum und Realität, von Magischem und Absonderlichem. Ein ungewöhnliches Buch, bei dem es vielleicht hilfreich gewesen wäre, bereits andere Bücher des Autors zu kennen – sei es, um den Erzählstil besser einordnen zu können oder auch um die ein oder andere Anspielung im Buch verstehen zu können.

Der Schreibstil ist mal spielerisch, mal philosophisch, dann wieder einfach beschreibend, ohne tiefsinnige Bilder.

Für mich ein Buch, zu dem mir viele Adjektive einfallen wie etwa kurios, befremdlich, ungewohnt, bizarr, grotesk und so weiter, bei dem es mir aber umso schwerer fällt wiederzugeben, worum es eigentlich geht. Es ist für mich nicht greifbar, erinnert mich vielmehr an einen Fiebertraum, ein Delirium, bei dem nichts einer tatsächlichen Logik folgt, sondern alles miteinander verschwimmt und es schwerfällt, Grenzen zu erkennen.

Daher fällt es mir auch schwer, das Buch zu bewerten. Ich kann nicht sagen, dass das Buch schlecht war, aber eben auch nicht, dass es jeder unbedingt gelesen haben muss. Wenn ihr die Möglichkeit habt, lest einfach mal rein und entscheidet dann, ob ihr euch auf diese Geschichte einlassen wollt.

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Veröffentlicht am 16.02.2022

Eigenwilliger Stil

Meter pro Sekunde
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Nach ihrem Umzug auf das Gelände der Heimvolkshochschule in Velling, einem Ort in Westjütland, ändert sich nach und nach das Leben der Protagonistin des Romans. Ihr Mann hat eine Stelle als Lehrer an der ...

Nach ihrem Umzug auf das Gelände der Heimvolkshochschule in Velling, einem Ort in Westjütland, ändert sich nach und nach das Leben der Protagonistin des Romans. Ihr Mann hat eine Stelle als Lehrer an der Schule, und durch die eigenwillige Schulleiterin bekommt sie selbst eine Stelle bei der lokalen Zeitung, für die sie den Kummerkasten für alle Altersgruppen betreut und die Zuschriften beantwortet. Nachdem auch ihr Baby inzwischen groß genug für einen Kita-Platz ist, eröffnen sich ihr langsam neue Möglichkeiten und die beiden werden in Velling zunehmend heimisch.

Stine Pilgaards Roman „Meter pro Sekunde“ hat mich mit seiner Sprache und seinem eigenwilligen Stil sehr überrascht. Während es für Westjütland heißt, dass es das Land der kurzen Sätze sei, ist der Roman das Buch der kurzen Kapitel. Ich glaube, dass nicht ein Kapitel oder besser gesagt nicht ein Abschnitt – denn sie tragen keine Titel oder Nummerierungen – mehr als zweieinhalb Seiten umfasst. Eingestreut zwischen die Abschnitte finden sich regelmäßig Briefe an den Kummerkasten sowie eine Seite weiter die entsprechende Antwort. Zudem gibt es einige eingestreute Lieder.

Der Roman wird durchweg aus der Sicht der Protagonistin erzählt, deren Namen wir nicht erfahren. Sie schildert verschiedene Szenen aus ihrem Leben, wobei gänzlich auf wörtliche Rede verzichtet wird. Die Hauptperson berichtet nur, was jemand gesagt hat. Immer wieder schweift sie vom aktuellen Geschehen ab, erinnert sich an vergangene Begebenheiten, wodurch wir Leser zwar ein wenig aus ihrem Leben erfahren, der Übersichtlichkeit dienen diese Erinnerungen allerdings nicht. Zudem ist die Handlung nur bedingt fortlaufend. Die Reihenfolge vieler Szenen ist mehr oder weniger beliebig austauschbar. Abwechselnd berichtet die Hauptperson hauptsächlich von ihren zahlreichen Fahrstunden und der Verzweiflung derer, die versuchen ihr das Fahren beizubringen, von Treffen mit ihrer Freundin Krisser und von der Kita, der Tagesmutter und ihrem Sohn.

Weitere Begebenheiten lassen ein recht klares Bild von der aktuellen Lebenssituation der Protagonistin entstehen. Dabei wirkt sie nicht unzufrieden, scheint aber lange Zeit auf der Stelle zu treten.

Die Briefe, die sie für den Kummerkasten beantwortet, sind vielfältig, ihre Antworten sind ebenso unterschiedlich. Eines haben jedoch viele Antworten für mich gemeinsam: die Protagonistin schafft es immer wieder mit Begebenheiten aus ihrem eigenen Leben zu antworten, manchmal mit konkreten Tipps, manchmal ohne. Dabei wirkt sie auf mich manches Mal sehr überheblich und von ihrer eigenen Meinung sehr überzeugt.

Der Tonfall des Buches ist grundsätzlich positiv, dennoch hatte ich meine Probleme mit dem Roman. Zum einen geschieht sehr wenig, zum anderen ist der Stil nicht unbedingt mein Fall. Ich habe mich selbst mehrfach dabei ertappt eher quer zu lesen. Ein gewisser Spannungsbogen hätte sicher nicht geschadet.

Insgesamt ein Buch, dessen Bewertung mir schwerfällt. Ich bin überzeugt, dass es einige Leser begeistern wird, anderen werden vielleicht ebenso wie ich mit dem Stil kämpfen. Daher kann ich jedem nur empfehlen, einfach mal reinzulesen.

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Veröffentlicht am 05.09.2021

Spannend, aber nicht ganz mein Fall

Das weiße Haus
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Schon seit über einem Jahr recherchiert Elisabeth über außergewöhnliche Privathäuser im Berliner Umland. Sie spricht mit den Eigentümern und lässt Fotos machen, um die Häuser später in Bild und Text in ...

Schon seit über einem Jahr recherchiert Elisabeth über außergewöhnliche Privathäuser im Berliner Umland. Sie spricht mit den Eigentümern und lässt Fotos machen, um die Häuser später in Bild und Text in einem Buch vorzustellen. Ihr Lebensgefährte Anton unterstützt sie dabei, macht sie auf Bauwerke aufmerksam, begleitet sie zu Terminen. Seine neueste Entdeckung ist ein weißes Haus am Berliner Stadtrand. Während der Eigentümer Anton kaum eines Blickes würdigt, so scheint er von Beginn an ein seltsames Interesse an Elisabeth zu haben. Der ersten Begegnung folgen weitere und langsam strebt alles auf einen zunehmend explosiveren Höhepunkt zu.

Wie konnte es zu diesen Entwicklungen kommen? Der Autor Wolfgang Mueller beginnt seinen Roman mit Elisabeth und Anton, die beide in ihrem Leben nicht mehr zufrieden sind. Antons Position als Beamter erfüllt ihn nicht, Elisabeth zweifelt, ob ihr Buchprojekt gelingen wird und ihre Beziehung füllt sie auch nicht mehr aus. Ständig muss Elisabeth Anton aufmuntern. Auch der Besitzer des weißen Hauses, Schönheitschirurg Hanif, sowie seine Frau Leila sind an einem Punkt angelangt, wo das tägliche Miteinander immer öfter in Streitereien ausartet und sie ihre Lebensweisen infrage stellen.

Bereits nach ihrem ersten Besuch schickt Hanif Elisabeth eine fordernde und unmissverständliche Nachricht. Schnell zieht Hanif Elisabeth in seinen Bann, während sich umgekehrt Anton von der naiven Leila angezogen fühlt. Doch natürlich kommt es nicht so einfach zu einem ruhigen Partnertausch, Konflikte sind vorprogrammiert und es kommt letztlich zum großen Knall.

Das Ende des Buches hat mich überrascht und da es stimmig ist, auch gut gefallen. Ansonsten habe ich eher mit dem Buch gehadert. Elisabeth – und eigentlich auch alle anderen – hätte ich gerne regelmäßig geschüttelt und gefragt, was sie sich eigentlich denken. Während Elisabeth sich viel zu schnell und einfach einwickeln lässt, ganz so, als ob sie nicht mehr richtig denken könnte, ist Anton erst zu passiv, lässt sich gehen, Leila definiert sich nur über ihr künstliches Äußeres und Hanifs Ansichten gehen teils gar nicht. Vielleicht hätte mir das Buch gefallen, wenn mir auch nur eine Person sympathisch gewesen wäre, aber ich bin mir nicht sicher.

Insgesamt muss ich daher sagen, dass das Buch zwar zwischendurch durchaus spannend war und Wolfgang Mueller einen angenehmen Schreibstil hat, aber für mich war es dennoch nicht das richtige Buch.

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