Thriller-Satire vom aller feinsten
Chromosom 23 - Eine Thriller-Satire„Chromosom 23“ von Christian Gailus ist ein Thriller. Also kein Thriller im herkömmliche Sinne – nein, nein - sondern mehr eine Thriller-Satire. So wird es zumindest angegeben. Aha, Satire also! Lass‘ ...
„Chromosom 23“ von Christian Gailus ist ein Thriller. Also kein Thriller im herkömmliche Sinne – nein, nein - sondern mehr eine Thriller-Satire. So wird es zumindest angegeben. Aha, Satire also! Lass‘ mal überlegen ...hmmh, und was habe ich mir nun darunter vorzustellen unter einer solchen? Man könnte diese Frage aus meiner Sicht so beantworten: Es ist schlichtweg reinster Spaß vom aller feinsten, so der Leser den nötigen Humor und Verständnis für und Zugang zu Ironie und Sarkasmus mitbringt – und von dem habe ich zumindest mehr als genug und insofern würde ich „Chromosom 23“ als einzigartig beschreiben. Wäre es kein (Hör-)Buch, sondern ein Film, käme ihm der Vergleich mit „Bully“ Herbigs „Schuh des Manitu“ oder „Lissy“ vielleicht am nächsten, bei denen sich auch ein Gag an den nächsten reiht, in solchem Tempo, dass man das Passagen-weise mehrmals hören muss, um die gesamte Palette an Witz mitnehmen zu können.
Wovon handelt nun also diese … Thriller-Satire? - Nun ja, insgesamt ist die Handlung komplex und schwer einzufangen und zu beschreiben (man möchte hier ja auch nicht zu viel verraten), aber am besten stellt man sich hierzu eine grandiose und überaus bunte Mischung aus so ziemlich allen Verschwörungsthrillern vor, die einem in den Sinn kommen, mit Schwerpunkt sind die Elemente aber den Standardwerken von Dan Brown, Stieg Larsson und Sebstian Fitzek entliehen. Alles beginnt mit einem als „Vorgeplänkel“ genannten Prolog, in welchem der ehemalige Journalist Michael Blohmquiz und der Ornamentologe Richard Random (man beachte die Nähe der Namen zu ihren wohl-bekannten Charakteren) ein überaus lustiges Telefonat führen. Danach soll Blohmquiz einem reichen Industriellen helfen seine unter der Sonnenbank einfach so verschwundene Nichte wieder zu finden. Der Ornamentologe Richard Random andererseits wird im Handumdrehen mal ganz schnell mit der Franken-Fly 300 von Bosten in die Schweiz geflogen. Die Ermittlungen führen u.a. an‘s CERN. Dort wird ihm die Tochter eines Professors mit Rat und Tat zur Seite stehen und ihm generell bei den Ermittlungen weiterhelfen, als ihr Vater ermordet und kopflos aufgefunden wurde. Im weiteren Verlauf kommt man den Iluminanten auf die Spur. So versuchen also beide das Rätsel jeweils von ihrer Seite aus zu lösen. Nebencharaktere wie Ben Drown oder Fabian Witzig tauchen in „Nebenhandlungen“ mit vier Bestsellerautoren auf und so reihen sich Wortspiele (wie beispielsweise die Änderung des Goldenen Schnitt zum Goldenen Schritt, usw.) und Witz nahezu im Sekundentakt aneinander.
Fazit: Noch nie zuvor habe ich bei einem (Hör-)Buch derart Lachen müssen, Gags folgen hier pausenlos aufeinander und manche Passagen müssen mehrfach gehört werden, um die Parallelen zu bekannten Werken bei solch hoher Gag-Frequenz überhaupt erfassen zu können. Für mich hat hier Christian Gaius mit „Chromosom 23“ etwas richtig Originelles geschaffen, ich möchte aber nochmals darauf hinweisen, dass das Buch für humorlose oder Sarkusmus-fremde Leser/Hörer ungeeignet ist. Alleine die Ironie des Covers gleichsam des Titels des Buches sind bereits brillant. Die Hörbuchvariante wird im Übrigen perfekt von den bekannten Sprechern David Nathan und Simon Jäger gelesen. Dieses Duo setzt dem Ganzen dann final das I-Tüpfelchen auf. Das im Klappentext angekündigte Versprechen eines „bitterböses Angriffs auf die Lachmuskeln“ wurde bei mir mehr als eingelöst.