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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.10.2021

Eine traurige Familiengeschichte

Der Panzer des Hummers
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In dem Roman geht es hauptsächlich um die drei Geschwister Ea, Sidsel und Niels. Alle Charaktere sind sehr kurios und unzufrieden und sie haben eigentlich nichts miteinander zu tun. Trotzdem sind die Charaktere ...

In dem Roman geht es hauptsächlich um die drei Geschwister Ea, Sidsel und Niels. Alle Charaktere sind sehr kurios und unzufrieden und sie haben eigentlich nichts miteinander zu tun. Trotzdem sind die Charaktere sehr interessant und schön geschrieben. Ich mag den Perspektivwechsel und die bildhaften Beschreibungen. Es gibt keine fortlaufende Geschichte, nur Episoden aus dem Alltagsleben der drei Hauptfiguren und vieler Nebenfiguren. Da kann man den Überblick leicht verlieren. Aber es ist auch kein leichtes Buch, „Pain is growth“. Die Figuren leiden und finden nicht zueinander, nur ein bisschen zu sich selbst.
Ein ruhiger Roman zum Nachdenken!


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Veröffentlicht am 03.10.2021

Düstere Geschichte

Von hier bis zum Anfang
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Der Roman spielt in einer amerikanischen Kleinstadt. Der Polizist Walk kennt jeden Bewohner und die Bewohner kennen sich auch alle. Im Mittelpunkt des Romans steht Star, die noch immer mit der Ermordung ...


Der Roman spielt in einer amerikanischen Kleinstadt. Der Polizist Walk kennt jeden Bewohner und die Bewohner kennen sich auch alle. Im Mittelpunkt des Romans steht Star, die noch immer mit der Ermordung ihrer Schwester vor dreißig Jahren leidet und es geht vor allem um ihre 13jährige Tochter Durchess, die sich um die depressive Mutter kümmern muss und um den fünfjährigen Bruder Robin. Durchess wird im gesamten Roman als sehr unglücklich und wütend dargestellt. Sie bezeichnet sich selbst als Outlaw und als Leser leidet man sehr mit. Es ist kaum. zu fassen, was sie alles ertragen muss.
Chris Whitaker spricht in seinem Familiendrama mit Krimielementen viele zwischenmenschliche Zwischentöne an. Was ist gerecht, gut oder böse? Wie selbstbestimmt leben wir und wer verdient eine zweite Chance?

Die Geschichte zeigt ein düsteres und trauriges amerikanisches Gesellschaftsportrait. Ich würde sagen, es ist fast ein Herbstroman. Wer sich von traurigen Geschichten nicht runterziehen lässt, sollte das Buch lesen.
Ich kann 4 Sterne vergeben.

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Veröffentlicht am 03.10.2021

Ein roman für Lyrikfans

Offene See
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Die Geschichte beginnt mit Robert, der sich als alter Mann an seine Jugend erinnert. Diese kleine Rahmenhandlung umklammert die Geschichte des 16jährigen aus dem Norden Englands, der sich kurz nach dem ...


Die Geschichte beginnt mit Robert, der sich als alter Mann an seine Jugend erinnert. Diese kleine Rahmenhandlung umklammert die Geschichte des 16jährigen aus dem Norden Englands, der sich kurz nach dem 2.Weltkrieg auf Wanderschaft begibt. Er kommt aus einem Bergarbeiterdorf und möchte die offene See im Süden erleben, bevor er die Bergarbeitertradition seiner Familie fortführt. Er bleibt schließlich bei der älteren, unkonventionellen Dulcie und ihrem Schäferhund Butler hängen. Es entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft, die vor allem Robert eine andere Sicht auf das Leben, die Kunst und die Lyrik eröffnet.
Mir hat der Roman gut gefallen, weil er leise und intensiv geschrieben ist. Das Buch hat nur eine geringe Handlung, ist aber sehr poetisch und voller blumiger Natur- und Landschaftsbeschreibungen. Es geht um die Wanderung eines 16jährigen zu sich selbst. Es geht um Selbstbestimmung und um die einfachen Dinge des Lebens und um die offene See als Sehnsuchtsort. Von mir gibt es vier Sterne.

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Veröffentlicht am 28.08.2021

Eine Ehe nach 30 Jahren

Der Brand
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Wie sieht eine Beziehung nach 30 Jahren Ehe aus? Peter und Rachel schweben schon lange nicht mehr auf Wolke sieben, Trennung ist aber auch kein Diskussionspunkt zwischen den beiden. Während eines dreiwöchigen ...

Wie sieht eine Beziehung nach 30 Jahren Ehe aus? Peter und Rachel schweben schon lange nicht mehr auf Wolke sieben, Trennung ist aber auch kein Diskussionspunkt zwischen den beiden. Während eines dreiwöchigen Sommerurlaubs in der Uckermark arbeiten die beiden an sich und ihrer Beziehung.

Mir gefällt die Rückbesinnung auf den Anfang ihrer Beziehung, denn das Nebeneinanderher und die Sprachlosigkeit, die sich in den dreißig Jahren Ehe gefestigt hat, ist sicher nicht leicht aufzubrechen.
„Am Anfang ihrer Beziehung haben sie oft die gleichen Bücher gelesen und nach der Lektüre darüber gesprochen.“ (S. 138)
Lustig finde ich auch, dass Rahel selbst Psychologin ist und sich daran erinnert, was sie anderen Paaren rät, wenn sie sich entfremdet haben, aber für ihre eigne Ehe scheint sie das vergessen zu haben.
„Erinnern an die Zeit, als Sie verliebt waren. Was haben Sie an Ihrem Mann/Ihrer Frau geliebt?“ (S. 140)
Es wird deutlich, dass Peter und Rachel Zeit für sich brauchen, ohne Kinder, ohne berufliche Verpflichtungen, einfach nur Ruhe und Abgeschiedenheit, um nicht mehr vorgeben zu müssen, etwas zu sein, was sie nicht sind. Aber in dem Roman geht auch um die Beziehung zu ihren Kindern und zu allen anderen.
Daniela Krien erzählt eine ruhige und unaufgeregte Geschichte, eingelochten in gesellschaftliche und politische Themen.
Der Sprachstil ist präzise und knapp, genau wie das Büchlein, das mit 270 Seiten schnell gelesen ist.

Eine Leseempfehlung mit 4 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 21.08.2021

Das Trauma der erzwungenen Migration

Zikadensommer
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Wenn man bei dem Titel „Zikadensommer“ und dem farbenfrohen Cover an einen leichten Wohlfühlroman mit griechischem Flair denkt, liegt man total falsch.
Der Roman beginnt mit den wundervollen Ortsnamen ...

Wenn man bei dem Titel „Zikadensommer“ und dem farbenfrohen Cover an einen leichten Wohlfühlroman mit griechischem Flair denkt, liegt man total falsch.
Der Roman beginnt mit den wundervollen Ortsnamen Ambelokipi und Neapoli (Stadtteile von Athen) und dann werden ziemlich viele Geschichten erzählt, auf die man sich erst einmal einlassen muss. Mira räumt die Wohnung ihrer verstorbenen Eltern aus und denkt über ihre Kinderlosigkeit nach, aber auch darüber, dass sie nichts wegwerfen kann, was ein Gesicht hat.
In einem zweiten Erzählstrang wird der Kapitän mit den Worten "Ich hänge mein Herz nicht an Orte" eingeführt.
Natalie Bakopoulos erzählt Geschichten über das Leben, Geschichten der Einsamkeit und der Trauer gespickt mit geografischen Details und kulturellen Besonderheiten Athens.

Athen fühlt sich vertraut und fremd und heiß an." (S. 167) Dieser Satz zu Anfang des zweiten Teils spiegelt die Zerrissenheit der Figuren wider. Ich empfinde den Roman wie eine Migrantengeschichte. Mira fühlt sich nirgendwo richtig zugehörig und sucht ihren Platz. Als Leser ist man auch auf der Suche nach dem Codierschlüssel und etwas Nähe. Mira wird alles zu viel, der Lärm der Stadt, die ausweglose Situation der Flüchtlinge und dass sich nichts ändert. Nur das Meer scheint ihr und dem Kapitän Ruhe und Zuversicht zu geben.

Gegen Ende des Romans werden die Passagen über das Meer und die Stille der Inselberge länger. Das Trauma der Migration scheint sich in der Ruhe der griechischen Landschaft aufzulösen.

Der Roman hinterlässt bei mir eine tiefe Schwere und Melancholie. Mir gefällt dieses bewegende Stück Literatur über Verlust und Migration, Trauer und Liebe und über das Älterwerden. Ein Coming-of-Middle-age Roman mit Tiefgang.
4/5 griechische Meereswellen dafür

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