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Veröffentlicht am 31.10.2021

Haben wir dazu gelernt?

Es war einmal ein blauer Planet
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Klappentext: Robin ist überwältigt, als er aus seiner Raumkapsel steigt. Der warme Sand unter seinen Füßen, der sanfte Wind und das Farbenspiel des Meers sind so viel besser als jede noch so perfekte virtuelle ...

Klappentext: Robin ist überwältigt, als er aus seiner Raumkapsel steigt. Der warme Sand unter seinen Füßen, der sanfte Wind und das Farbenspiel des Meers sind so viel besser als jede noch so perfekte virtuelle Realität. Er ist auf der Erde, diesem fernen blauen Planeten, den er bislang nur aus Filmen und Erzählungen kannte. Doch seine Mission ist keine leichte: Können die Menschen auf ihren Heimatplaneten zurückkehren, obwohl sie einst dafür gesorgt hatten, dass er unbewohnbar wurde? Wie sollen sie leben, damit Glück für alle möglich ist?

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Der junge Robin reist zur Erde um herauszufinden, ob die Menschen vom Mars zurückkehren können, wo sich die Bewohner einer technologisch hoch entwickelten, von Frauen und einer künstlichen Intelligenz gelenkten Kolonie danach sehnen, wieder auf der Erde zu leben. Er folgt einer Gruppe von gut ausgerüsteten Soldaten, die jedoch vermisst werden und zu denen kein Kontakt mehr besteht.

Robin trifft auf naturnah lebende Gemeinschaften und lernt verschiedene gesellschaftliche Formen des Zusammenlebens kennen. Und er stellt fest, dass es vielfältige Voraussetzungen für ein glückliches Leben gibt. Die Liebe gibt es auf der Erde und auch in der Kolonie. Robins Liebe zu Yu ist sogar ausschlaggebend für seine Reise zur Erde und auch Yus Liebe zu Robin ist immer wieder Thema im Buch.

Der Autor François Lelord hat Medizin und Psychologie studiert und mehrere erfolgreiche Romane um den Psychiater Hector geschrieben, die sich auch schon um die großen Fragen des Lebens drehen.

Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm zu lesen. Es werden nicht nur philosophische Aspekte von vielen Seiten und anregend erörtert, sondern auch die Beschreibung des Lebens auf dem Mars ist technisch interessant und glaubhaft.

Das Buch hätte gern etwas umfangreicher sein können, besonders das Ende kommt kurz und knapp.
Trotzdem nehme ich Denkanstöße und Anregungen mit und habe mich auch an der schönen Gestaltung des Buchs mit seinem farbigen Schnitt erfreut. Der Schutzumschlag des Covers mit seiner liebevollen Zeichnung erinnert mich an „Der kleine Prinz“.

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Veröffentlicht am 19.10.2021

Ein gelungenes Debüt

Kant und der sechste Winter
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Kant und seine Kollegen von der Münchner Mordkommission untersuchen den Tod eines Mannes, der am Weihnachtstag überfahren worden ist. Im Verlauf der Ermittlungen zeigt sich, dass ein kleinen Dorf im Umland ...

Kant und seine Kollegen von der Münchner Mordkommission untersuchen den Tod eines Mannes, der am Weihnachtstag überfahren worden ist. Im Verlauf der Ermittlungen zeigt sich, dass ein kleinen Dorf im Umland eine Rolle spielt. Die Untersuchungen dort gestalten sich ausgesprochen mühsam. Die Dorfbewohner geben sich wenig kooperativ.

Titel und Cover sind gelungen, beides macht neugierig auf die Geschichte. Der Titel hört sich episch und geheimnisvoll an und die Abbildung eines Mannes, der auf einem zugefrorenen See läuft, wobei die Eisfläche hinter ihm zu Schollen zerbrochen ist, erzeugt eine Atmosphäre von Spannung, Einsamkeit und Bedrohung, aber auch von Mut und Aufbruch.

Das Buch beginnt sehr spannend mit einem Prolog-artigen Kapitel, in dem ein Täter geheimnisvoll und brutal in Aktion tritt. Die Einführung der Ermittler sowie einer jungen Frau, deren Bedeutung in der Geschichte sich erst allmählich aufklärt, steigert die Neugier. Es gibt ein umfangreiches Personentableau und es braucht etwas Konzentration, um den Überblick zu behalten. Es entwickelt sich ein komplexer und (rückblickend) auch erschütternder Kriminalroman.

Die Charakterisierung der Protagonisten ist detailliert und glaubwürdig, der Leser kann Sympathien entwickeln, genau so wie Antipathien. Kaum ein Charakter lässt den Leser kalt. Neben dem ermittlungstechnischen Vorgehen gibt es teilweise ausführliche Informationen aus dem Privatleben der Polizisten, die zwar unterhaltsam sind, aber vom Krimigeschehen ablenken. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen.

Wie Hauptkommissar Kant stammt auch der Autor Marcel Häußler aus dem Ruhrgebiet und lebt in München. „Kant und der sechste Winter“ ist ein gelungener Debütroman, der mich gut unterhalten hat. Ich bin auf den zweiten Fall für Kant und seine Mordkommission gespannt.

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Veröffentlicht am 10.10.2021

Spannende Traumabewältigung in mehr als einer Hinsicht

Die andere Tochter
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Antonia, genannt Toni, verliert durch einen Arbeitsunfall fast ihr Augenlicht und kann dank einer Hornhauttransplantation wieder sehen. Ihr Dankesbrief an die Familie der Spenderin wird versehentlich nicht ...

Antonia, genannt Toni, verliert durch einen Arbeitsunfall fast ihr Augenlicht und kann dank einer Hornhauttransplantation wieder sehen. Ihr Dankesbrief an die Familie der Spenderin wird versehentlich nicht anonymisiert und so kommt es zum persönlichen Treffen. Toni hat eigentlich genug eigene Probleme psychischer und sozialer Art und sieht sich allmählich auch mit denen der Spenderfamilie konfrontiert.
Eine Spirale immer neuer Wendungen, Überraschungen und Entdeckungen entwickelt einen starken Sog, der mich als Leser nicht mehr losgelassen hat, nachdem einige Längen im Mittelteil des Buchs überwunden waren.
Das Cover passt perfekt: Toni deckt ein Puzzleteil nach dem anderen auf und nicht nur die Geheimnisse der Spenderfamilie treten zu Tage, sondern auch die ihrer eigenen Familie.

Geschickt gestaltet, gibt es zwei sich abwechselnde Zeitebenen, die nur sechs Monate auseinander liegen und sich am Schluss vereinen. Die Ereignisse in der Vergangenheit werden von einem personalen Erzähler aus Tonis Perspektive geschildert, während in der Gegenwart Toni die Ich-Erzählerin ist und schon der Auftakt „Ich bin nicht mehr Toni. Ich bin jetzt eine andere.“ erzeugt große Spannung und nimmt den Leser von Beginn an gefangen.
Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft, sehr angenehm zu lesen. Dinah Marte Golch ist eine erfolgreiche und preisgekrönte Drehbuchautorin, die ihr Können auch in diesem Roman unter Beweis stellt.
Das Buch behandelt eine Vielzahl von Themen, die alle plausibel zur Erzählung beitragen und mir gut recherchiert erscheinen. Als besonders hilfreich und glaubwürdig empfand ich die Ausführungen von Tonis Therapeuten und auch das Nachwort der Autorin.

Eine Identifikationsfigur gibt es für mich im Roman nicht, aber alle Protagonisten sind authentisch und glaubhaft beschrieben, vor allem Tonis schmerzhafte Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit, ihren Gefühlen und den Träumen ist völlig nachvollziehbar und hat mich sehr berührt.

Ich kann das Buch allen Lesern empfehlen, die sich für Familiengeschichten und -geheimnisse interessieren, für Traumabewältigung und mögliche psychische Folgen von Organtransplantationen.

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Veröffentlicht am 28.09.2021

Sehr spannend und unterhaltsam

Reality Show
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Zehn superreiche mächtige Personen werden ausgerechnet an Heiligabend in ihrem Zuhause als Geisel genommen. In einer auf allen Sendern live übertragenen „Reality Show“ werden diese einflussreichen Menschen, ...

Zehn superreiche mächtige Personen werden ausgerechnet an Heiligabend in ihrem Zuhause als Geisel genommen. In einer auf allen Sendern live übertragenen „Reality Show“ werden diese einflussreichen Menschen, die die Politik und das wirtschaftliche Geschehen in Deutschland bestimmen, einzeln zur Rechenschaft gezogen und die Fernsehzuschauer stimmen darüber ab, ob und wie sie bestraft werden sollen.
Das Geschehen spielt in einer nahen Zukunft, die Corona-Pandemie ist vorbei und es hat einen politischen Rechtsruck gegeben.

Das Cover passt hervorragend zum Buch mit der Signalfarbe Orange im schummrigen Dunkel und dem ungehinderten Blick durch eine Fensterfront in ein Zimmer, in dem ein bewaffneter Mann drohend steht.
Das Buch besteht aus vielen Kapiteln, die auf zwei Zeitebenen spielen, die Überschriften machen klar, wer hier wann im Mittelpunkt steht, so dass ich gut den Überblick behalten habe.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen.

Durch den ständigen Perspektivwechsel entwickelt die Geschichte eine große Dynamik und es fällt zunehmend schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Der Anfang des Buchs, in dem die Geiseln einzeln vorgestellt werden, zieht sich etwas, aber mit der Vorstellung der jungen Leute, die den Plan nicht nur zur Geiselnahme und der Reality Show, sondern auch zu einem „Systemneustart“ austüfteln und nach jahrelanger Vorbereitung akribisch durchführen, fesselt die spektakuläre Geschichte immer mehr und lässt bis zum Ende nicht mehr los.
Der Roman ist spannend, abwechslungsreich und sehr geschickt angelegt, immer wieder werden zum Beispiel auch die Gedanken und Reaktionen der Fernsehzuschauer eingestreut, was am Ende zu einem runden Schluss beiträgt.

Die jungen Protagonisten werden durch Rückblenden in ihrer Entwicklung glaubhaft dargestellt und durch die jeweilige Ich-Perspektive sieht der Leser die anderen Gruppenmitgliedern aus verschiedenen Blickwinkeln, wodurch die Charaktere sehr nahbar und authentisch erscheinen.

Anne Freytag kann offensichtlich nicht nur Jugendbücher, sondern auch Thriller schreiben und ich empfehle das Buch jedem Leser intelligenter Spannungsliteratur und durchdachter Utopien. Mich hat es bestens unterhalten.

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Veröffentlicht am 03.05.2021

Welten vereinen

Laudatio auf eine kaukasische Kuh
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Olga, eine junge Frau mit georgischen Wurzeln, studiert in Bonn Medizin und steht kurz vor dem 3. Staatsexamen. Sie ist mit Felix zusammen, ebenfalls angehender Arzt. Sorgen macht ihr die Vorstellung, ...

Olga, eine junge Frau mit georgischen Wurzeln, studiert in Bonn Medizin und steht kurz vor dem 3. Staatsexamen. Sie ist mit Felix zusammen, ebenfalls angehender Arzt. Sorgen macht ihr die Vorstellung, Felix ihrer in München lebenden griechisch-georgischen Familie bald vorstellen zu müssen, da werden fremde Welten aufeinander prallen.
Unerwartet tritt der Lebenskünstler Jack in Olgas Leben und bringt ihre Gefühle völlig durcheinander.
Eine Reise der ganzen Familie nach Georgien hilft Olga, zu sich zu finden und allmählich zu erkennen, was sie will.

Cover und Titel sind sehr gelungen, ein Blickfang mit der halben bunten Kuh, dem farbigen ungewöhnlichen Titel und – auf dem hinteren Cover geht es weiter ;)
Angelika Jodl hat einen flüssigen und humorvollen Schreibstil, spielt auch mit der Sprache und formuliert ausdrucksstark und treffend.
Sie kennt Georgien und schildert die uns größtenteils fremde Kultur mit ihren Traditionen und Werten authentisch, einfallsreich und eindrucksvoll. Selbst Medea spielt eine Rolle. Auch Olga muss sich mit der Großfamilie, deren Erwartungen, Sitten und Gebräuchen auseinandersetzen. Keine leichte Aufgabe für die junge Frau, die sich selbst als „so deutsch wie ein Bamberger Hörnchen“ bezeichnet.

Der Autorin gelingt es, anschaulich und mit leichter Hand darzustellen, wie schwierig es für Migranten ist, in einem neuen Land Wurzeln zu schlagen, sich zu integrieren (oder auch nicht) und wie die zweite Generation hin und hergerissen ist zwischen der Herkunftskultur und dem Selbstverständnis in der neuen Heimat.
Fast alle Protagonisten sind überzeichnet dargestellt in ihrem Fühlen und Handeln. Dadurch wird die Geschichte sehr bunt, abwechslungsreich und ziemlich verrückt.
Es hat Spaß gemacht, das Buch zu lesen, es hat mir Georgien etwas näher gebracht und mich gut unterhalten.

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