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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.11.2021

Chaotischer, schräger und sehr witziger Hörspaß

Niemals den roten Knopf drücken
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Nach ihrem Vulkanabenteuer und der Sache mit den Robotern machen sich die Freunde Egon und Jojo nun auf die Suche nach Dinosauriern. Bei einem Forscherausflug finden sie einen riesigen Knochen, der bestimmt ...

Nach ihrem Vulkanabenteuer und der Sache mit den Robotern machen sich die Freunde Egon und Jojo nun auf die Suche nach Dinosauriern. Bei einem Forscherausflug finden sie einen riesigen Knochen, der bestimmt von einem echten Dinosaurier stammt und dann tauchen im Düsewäldchen auch noch mysteriöse, gigantische Fußspuren auf. Echte Dinos in Düsedau? Klar, dass der Forscherclub nicht ruhen kann, bis die Wahrheit ans Licht kommt.

Kathi Naumann erzählt aus Egons Sicht, in Form eines Forschertagebuch. Die Geschichte ist lebendig, abwechslungsreich, kindgemäß und vor allem sehr witzig formuliert. Zwischendrin gibt es auch etwas zu lernen, schließlich sind die Jungs ja echte Forscher. Sprecherin Tanja Bunke liest verständlich, für mich aber ein wenig überbetont und etwas unnatürlich. Ihr Vortrag erinnerte mich an einen Zeitungsjungen aus dem letzten Jahrhundert, der permanent lauthals und aufgeregt die neuesten sensationellen Schlagzeilen verkündet. Im Hintergrund sind immer wieder Geräusche zu hören, die zur Handlung passen: Fernsehmusik, Gequassel, Morsezeichen oder Gebell.
Das Hörbuch richtet sich an Kinder ab sieben Jahren.

Egon und Jojo sind zwei wunderbare, sympathische Hauptfiguren. Egon ist selbstbewusst, spontan, neugierig, wissbegierig und abenteuerlustig. Sein Freund Jojo möchte auch gerne den Dingen auf den Grund gehen, gerät aber leicht in Panik und ist sehr ängstlich, ein Running Gag, der vielmehr witzig als beängstigend wirkt. Während Opa Erwin die Kinder in ihrem Forscherdrang unterstützt und ihnen zuverlässig mit Rat und Tat zur Seite steht, ist Jojos Mutter Frau Haase eine Helikoptermutter wie sie im Buche steht. Sie macht sich ständig übertriebene Sorgen um Jojo und sorgt so immer wieder für absurd-komische Momente.

Ob Jojo und Egon den Dinos auf die Spur kommen? Schaffen sie es gar, die Dinos in ihrer Falle zu fangen? Und werden sie den roten Knopf drücken?
Ziemlich spannend, turbulent, chaotisch, schräg und phantasievoll geht es im neuesten Abenteuer des Forscherclubs zu. Auch wenn ich die Sprecherin als etwas anstrengend und teils penetrant empfand, ist „Niemals den roten Knopf drücken oder die Dinos drehen durch“ ein gelungener, origineller Hörbuchspaß. Hoffentlich forschen Egon und Jojo noch lange weiter.

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Veröffentlicht am 10.11.2021

Die Anfänge des Kinos in Deutschland und eine besondere Liebesgeschichte

Der Traumpalast
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„Das ist die Kunst des Regisseurs“, erwiderte Tino. „Er schafft in unseren Köpfen eine Wirklichkeit, die es gar nicht gibt. So ähnlich wie der liebe Gott. Der gaukelt uns ja manchmal auch Dinge vor, die ...

„Das ist die Kunst des Regisseurs“, erwiderte Tino. „Er schafft in unseren Köpfen eine Wirklichkeit, die es gar nicht gibt. So ähnlich wie der liebe Gott. Der gaukelt uns ja manchmal auch Dinge vor, die nicht existieren. Zum Beispiel im Traum. Oder in der Liebe“.

Konstantin Reichenbach, der aus einer erfolgreichen Bankiersfamilie stammt, kehrt 1917 aus dem Krieg zurück. Mit einer Vision. Er möchte in Deutschland eine Filmgesellschaft gründen, eine Traumfabrik, die Hollywood Paroli bieten kann. Doch die politische und wirtschaftliche Lage in Deutschland ist nicht stabil, Tino braucht einflussreiche Verbündete.
Rahel Rosenberg will unbedingt Journalistin werden, doch ihre Texte werden bisher immer von dem verantwortlichen Redakteur abgelehnt. Rahel arbeitet daher als Krankenpflegerin in einem Lazarett, wo sie Konstantin Reichenbach kennenlernt. Beide mögen sich auf Anhieb, aber ihre Beziehung verläuft nicht ohne Komplikationen.

Peter Prange schreibt abwechselnd aus der Sicht seiner Protagonisten Konstantin „Tino“ Reichenberg und Rahel, aber auch aus der Perspektive von Tinos Mutter Constanze Reichenberg oder Tinos Freund und Geschäftspartner Erich Pommer. Pranges Schreibstil ist klar strukturiert, gut verständlich und lässt sich flüssig lesen. Der Text ist in viele kurze Kapitel unterteilt, die oft genau dann enden, wenn es besonders spannend wird. Danach findet meist ein Schauplatz-, Perspektiv- oder Situationswechsel statt. Die äußere Aufmachung des sehr dicken „Wälzers“ finde ich gelungen. Das Cover zeigt ein „Filmtheater“, wie es typischerweise in den Zwanziger Jahren aussah, auf dem Vorsatzpapier ist der Traumpalast, der UFA-Palast am Zoo in Berlin abgebildet.

Peter Pranges Hauptfiguren sind interessant und alles andere als durchschnittlich, sie haben das Zeug für eine echte Hollywoodliebe. Dass sich beide auch als Verlobte noch siezen, spricht Bände. Rahel ist intelligent, gebildet, leidenschaftlich, ehrgeizig, stolz und schön. Auch Tino weiß genau, was er will. Er hat ein besonderes berufliches Ziel, für das er fast alles tun würde, privat droht er allerdings, „verloren“ zu gehen. Während Rahels Eltern ihre Tochter vergöttern, entspricht Tino nicht den Erwartungen seiner Eltern. Er muss es ohne ihre Unterstützung schaffen.
Rahel und Tino sind typische Prange-Charaktere, sie sind nachvollziehbar und authentisch gezeichnet, aber bleiben immer auch ein kleines bisschen unnahbar, werden eher auf nüchterne, sachliche als auf emotionale Art beschrieben, sind daher nicht durchweg sympathisch. Sie lassen der Phantasie noch etwas Raum.
Neben fiktiven Figuren wie die beiden Hauptfiguren oder Tinos „schwierige“ Mutter Constanze, wirken viele historische Figuren mit: Erich Pommer, Emil Georg von Stauß, Alfred Hugenberg, Major Alexander Grau und viele weitere. Dass fiktive Figuren auf real historische treffen, finde ich sehr spannend.

Peter Prange erzählt sehr ausführlich, wie es zur Entwicklung der UFA kam, dabei spielen aber eher das Geschäftliche, die Firma selbst, die politischen Entwicklungen Hauptrollen, die Leidenschaft für den Film und die Kunst ist nur ansatzweise zu spüren. Filme sind Träume, aber gleichzeitig eben auch knallhartes Geschäft. Den Konflikt zwischen Kunst und Wirtschaftlichkeit stellt ein Dialog zwischen Tino und Erich Pommer treffend dar:
„Geld regiert die Welt.“, erklärte er. „Film ist ein Geschäft wie alles andere auch.“
Pommer hatte dafür nur ein verächtliches Schnauben „Film ist kein Geschäft! Film ist Kunst!“
„Aber Kunst geht nach Brot. Sonst ist es zur Brotlosigkeit nur ein Schritt.“
Ich hätte mir an manchen Stellen gewünscht, dass die Filme inhaltlich noch etwas mehr in den Fokus gerückt werden, dass die Emotionen beim Filmemachen und Anschauen noch deutlicher durchkommen.

Im Nachwort erklärt der Autor, welche Frage ihn beim Schreiben umtrieb: „Wie war es möglich, dass die Generation meiner Großeltern, aufgewachsen in einer Kulturnation wie Deutschland und mit Goethe und Kant im geistigen Gepäck, in den zwanziger Jahren Hitler den Weg zur Macht ebnen und ihm in die Barbarei des Nationalsozialismus folgen konnte?“.
Diese Frage spielt in „Der Traumpalast- Im Bann der Bilder“ eine ganz entscheidende Rolle. Die komplexen politischen Zusammenhänge, die Anfänge der Entwicklungen, die Hitlers späteren Aufstieg ermöglicht haben, werden sehr genau geschildert, für mich manchmal zu detailliert und umfangreich. Mich erreicht Peter Prange vor allem dann, wenn er von Menschen erzählt, die durch die Geschichte beeinflusst werden, die konkret die Geschichte leben und erleben.
Auch wenn die Handlung mitunter etwas gestraffter hätte erzählt werden können - gerade wenn es ums nüchterne Geschäft, die komplexe Wirtschaftssituation und um Politik geht - hat mich der Roman durchaus gepackt und gut unterhalten. Nicht der beste Roman des Autors, „Eine Familie in Deutschland“ hat mich noch mehr überzeugt und emotional mitgenommen, aber eine durchaus interessante und lesenswerte Lektüre. Ich bin sehr gespannt, wie es mit Rahel und Tino weitergeht.

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Veröffentlicht am 09.11.2021

Motivierender München-Reiseführer und packender Kinderkrimi in einem

Kommissar Kugelblitz - Kugelblitz in München
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Kommissar Kugelblitz freut sich auf ein paar unbeschwerte Tage in München, seine Nichte Bonny hat ihn zu Feier ihres 13. Geburtstag eingeladen. Doch schon bald rückt der Geburtstag und Kugelblitzs geplante ...

Kommissar Kugelblitz freut sich auf ein paar unbeschwerte Tage in München, seine Nichte Bonny hat ihn zu Feier ihres 13. Geburtstag eingeladen. Doch schon bald rückt der Geburtstag und Kugelblitzs geplante Auszeit in den Hintergrund. Ronny, Bonnys Vater der ebenfalls bei der Polizei arbeitet, ist einem Ring von Drogenhändlern auf der Spur. Und Kugelblitz trifft zufällig auf einen Verdächtigen, den er schon aus Hamburg kennt. Klar, dass K K da nicht einfach untätig zusehen kann. Und schon steckt er mitten in neuen Ermittlungen…

Ursel Scheffler schreibt in sehr einfachen, kurzen und klar verständlichen Sätzen im Präsens. Das Buch hat ein kleines, handliches Format. Auf der Umschlaginnenseite ist eine Karte mit Münchens wichtigen Sehenswürdigkeiten abgedruckt. Max Walther hat zur Geschichte passende Schwarz-Weiß-Bilder gezeichnet, sie zeigen wichtige Szenen, Personen und Schauplätze.
Kommissar Kugelblitz mit bayrischer Flagge und Gamsbarthut ist auf jeder Seite zu sehen. Die Kapitel enden jeweils mit drei Krimifragen. Die Antwort muss mit der am Lesebändchen befestigten Lupe im Lösungsfeld entschlüsselt werden. Allerdings ist die Lösung nur bei wirklich gutem Licht genau zu erkennen.
Die Schrift ist größer gedruckt, der Zeilenabstand ist etwas weiter. Optisch erinnert der Text an Erstlesebücher, allerdings sind die Kapitel länger als bei Büchern für Leseanfänger. Kinder ab acht Jahren werden die Geschichte sicher schon eigenständig lesen können. Die wenig anspruchsvolle Sprache erleichtert dabei das Verständnis, thematisch ist die Geschichte aber eher für Kinder ab zehn Jahren geeignet. Sehr gut kann ich mir die Reihe auch als Klassenlektüre vorstellen: sie richtet sich auch an schwächere Leser, der Text regt zum gemeinsamen Lesen, Rätseln und Diskutieren an.

Alle wichtigen Figuren werden vorne im Buch vorgestellt. Kommissar Kugelblitz sieht recht gemütlich aus, was an seiner Vorliebe für Süßes liegen mag. Aber gemütlich ist KK definitiv nicht. Wenn es um seinen Beruf geht, den er mit großer Leidenschaft ausübt, ist Kugelblitz sehr engagiert und wird sogar in seinem Urlaub aktiv. Kugelblitz schaltet schnell, kombiniert wie kein zweiter, ist findig, kennt die besten Tricks. Er ist ein Kommissar wie aus dem Bilderbuch. Mit seiner wissbegierigen, aufgeweckten Nichte Bonny können sich die jungen Leserinnen und Leser sicher identifizieren. Dass auch Kriminelle und ihr Leben näher beleuchtet werden, finden meine Mitleser und ich reizvoll. Wie die Drahtzieher des Drogenschmuggels agieren, wird interessant dargestellt.

Der große Coup, um den es in „Kugelblitz in München“ geht ist ganz schön komplex. Ein spannender Fall, bei dem Kugelblitz zeigt, was er so alles drauf hat. Zweifellos sind die Ermittlungen sehr packend, allerdings ist das Thema „Drogenkriminalität“ für Kinder doch noch sehr abstrakt. Bonnys Lehrer erklärt zwar genau, gut nachvollziehbar und sehr plausibel die Gefahren von Drogen, aber Drogen sind glücklicherweise kein Thema aus dem Leben der Zielgruppe. Der Fall ist gegen Ende nicht vollständig abgeschlossen, was für meinen Sohn nicht ganz befriedigend war. Der Inhalt bezieht sich teilweise auch auf den Vorgängerband.
Trotzdem uns die Handlung mitgerissen hat, hätte ich mir ein Thema gewünscht, zu dem die Kinder einen konkreteren Bezug hätten aufbauen können.
Sehr gut hat mir hingegen die Verbindung von regionalen Besonderheiten und Kriminalfall gefallen. Kugelblitz macht mit Bonny eine Münchentour und stellt seiner Nichte die bayrische Landeshauptstadt auf eine persönliche Weise vor. Man erfährt dabei viel Unterhaltsames und Wissenswertes über die Sehenswürdigkeiten, zum Beispiel über den Teufelstritt in der Frauenkirche. Kugelblitz Stadtführung ist alles andere als langweilig. Im Anhang des Buchs werden einige bekannte Münchner Sehenswürdigkeiten genauer beschrieben, außerdem gibt es noch eine Sammlung von 100 bayrischen Ausdrücken. Eine sehr amüsante Zusammenstellung!
Wer nach München fährt, ist gut beraten dieses Buch mitzunehmen und vor Ort den Schauplatz der Geschichte zu erkunden. Das wird definitiv eine lebendige, besondere Stadterkundung, wenn man dabei nachliest, was KK über manche Orte zu erzählen hat. Auch wenn mich das Thema des Falls nicht hundertprozentig überzeugt, finde ich das Buch insgesamt durchaus überzeugend: spannend, informativ und lehrreich, actionreich, motivierend, zum Miträtseln und Nachdenken und vor allem kurzweilig. Für uns sicher nicht das letzte Buch aus der Reihe.

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Veröffentlicht am 04.11.2021

Komische Krähe und kluger Kauz- hübsch gestaltetes Bilderbuch mit wichtiger Botschaft

Kasi Kauz und die komische Krähe (Kasi Kauz 1)
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Wer ist denn das? Im Wald taucht ein komischer Vogel mit leuchtend buntem Gefieder auf, der seltsame schrille Laute von sich gibt. Alle Bewohner des Waldes sind sehr neugierig, aber auch ziemlich misstrauisch ...

Wer ist denn das? Im Wald taucht ein komischer Vogel mit leuchtend buntem Gefieder auf, der seltsame schrille Laute von sich gibt. Alle Bewohner des Waldes sind sehr neugierig, aber auch ziemlich misstrauisch und skeptisch. Kasi Kauz will herausfinden, was die Tiere genau gegen die „komische Krähe“ haben. Ob er es schafft, die Wogen zu glätten und die Vorurteile abzubauen?

Autor Oliver Wnuk formuliert kindgemäß und lebendig im Präsens. Die einfachen, kurze Sätze sind gut zu verstehen. Matthias Derenbachs farbenfrohe, detaillierten und liebevollen Illustrationen laden zum genaueren Betrachten ein. Seine niedlichen, individuellen Figuren werden bei den Kindern sicher gut ankommen. Mir persönlich ist die Darstellung von Kasi Kauz mit den überdimensionierten Augen allerdings ein bisschen zu kitschig geraten, aber das ist natürlich Geschmacksache.
Zum Vorlesen eignet sich die Geschichte für Kinder ab fünf Jahren, jüngere Kinder werden die Handlung zwar nachvollziehen, aber die Aussage der Geschichte nicht vollständig erfassen können.

Eine bunt gemischte Figurentruppe hat Oliver Wnuk da zusammengestellt. Während der fremde „Blödmann“ schreiende Vogel von den Waldbewohnern argwöhnisch beäugt wird, werden die Leser sofort wissen, was das für ein exotisches Tier ist. So verschieden die Waldtiere sind, alle haben sie Sorge, dass die Ankunft des Fremden ihr Leben verändern könnte. Darin sind sich Ente, Eichhörnchen und Wildschwein einig. In dieser Hinsucht erinnern sie doch sehr an uns Menschen, die in bestimmten Situationen ebenso Vorurteile gegenüber Unbekannten haben. Kasi Kauz aber greift ein. Kasi ist eine wunderbare Figur. Der kleine Kauz beobachtet genau, zeigt sich neugierig und lässt sich auf Neues ein. Und dazu ist er noch ziemlich klug, hört anderen sehr aufmerksam zu und geht auf sie und ihre Bedenken ein. Kasi Kauz mit seiner bedächtigen, ruhigen Art ist ein Vorbild, kein komischer, sondern ein kluger Kauz.

Die einfache Geschichte ist recht schnell erzählt. Aber trotzdem macht es Spaß, Kasi Kauz bei seiner Vermittlungsmission zu begleiten. Von seiner unaufgeregten, gelassenen, durchdachten Gesprächsführung kann so mancher Erwachsene noch etwas lernen. Kasi verdeutlicht, wie wichtig Zuhören für gegenseitiges Verständnis ist. Sorgen werden vom ihm ernst genommen und mit entsprechenden Argumenten entkräftet. So beweist Kasi letztendlich, dass man nur bereit sein muss, sich auf Fremde einzulassen, dann sind sie nicht mehr fremd. Nebenher macht Kasi noch klar, dass viel Besitz nicht glücklicher macht, dass Schönheit nicht nur äußerlich ist, sondern auch von guten Taten kommt und dass wir doch alle letztendlich eines gemeinsam haben, wir alle wollen glücklich sein.
„Kasi Kauz und die komische Krähe“ ist eine kleine, nette, ansprechend bebilderte und weise Geschichte, eine Art Parabel über die Angst vor Unbekanntem und Fremdem. Die Handlung ist nicht spektakulär oder aufregend, hat aber im übertragenen Sinn durchaus aktuellen, gesellschaftlichen Bezug. Für mich ein lesenswertes Vorlesebuch mit kluger Hauptfigur und wichtiger Botschaft.

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Veröffentlicht am 01.11.2021

Hörbuch mit Musso-Effekt - fesselnd mit einigen unerwarteten Wendungen

Eine Geschichte, die uns verbindet
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Schriftstellerin Flora Conway muss in New York Schreckliches erleben. Während des Versteckspiels in der Wohnung verschwindet ihre kleine Tochter Carrie spurlos und wird auch nach Monaten nicht gefunden. ...

Schriftstellerin Flora Conway muss in New York Schreckliches erleben. Während des Versteckspiels in der Wohnung verschwindet ihre kleine Tochter Carrie spurlos und wird auch nach Monaten nicht gefunden. Flora ist verzweifelt und möchte nicht mehr weiterleben.
Auch dem Pariser Bestseller-Autor Romain Ozorski droht der Verlust seines Sohnes Theo, seine Exfrau plant, den gemeinsamen Sohn mit nach Amerika nehmen. Auch für Romain ist ein Leben ohne seinen geliebten Sohn unvorstellbar.
Beide Personen sind auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden. Aber wie genau, das bleibt zunächst ein Geheimnis.

Autor Guillaume Musso erzählt aus der Perspektive seiner Figuren, hauptsächlich aus Floras und Romains. Sein Schreibstil ist angenehm flüssig, klar und gut verständlich. Die beiden Sprecher Richard Barenberg und Heike Warmuth lesen betont, manchmal etwas nüchtern, aber für mich dennoch überzeugend und mitreißend.

Flora Conway und Romain Ororski sind Figuren, die durch den Verlust ihrer Kinder zu zerbrechen drohen. Sie leiden und ich litt mit ihnen, gibt es doch für mich wenig Schlimmeres, als die Vorstellung, ohne sein Kind weiterleben zu müssen. Musso hat erneut sehr interessante Protagonisten geschaffen, unglückliche Menschen, die offensichtlich an ihrem Schicksal zerbrechen, aber auch Geheimnisse vor den Lesern hüten. Die Nebenfiguren wie Polizist Mark oder Verlegerin Fantine haben ebenso etwas Undurchsichtiges, Rätselhaftes, sie sind schwer einzuschätzen.

Guillaume Mussos Romane warten stets mit besonderen Überraschungen auf. Kaum findet man sich in der Handlung gut zurecht, ist plötzlich alles ganz anders. Auch hier wird mit einem Knall offenbart, wie Flora und Romain zusammengehören, wer sie wirklich sind. Und dabei kommt es immer wieder zur Vermischung von Fiktion und Realität. Was passiert wirklich, was nur in den Köpfen den Figuren? An mehreren Stellen war ich so verwirrt, dass ich mich erst wieder orientieren und sammeln musste. Zum Schluss sind nicht alle Fragen beantwortet, aber die meisten und wichtigsten schon. Manches wird auch der Phantasie der Leserschaft überlassen.
Für mich stellen Mussos Bücher ein eigenes Genre dar. Es sind keine Liebesroman, keine Krimis, keine Thriller, kein Fantasy, aber irgendwie doch alles zusammen. Bisher wurde ich von jedem seiner Romane gepackt und durch die unvorhergesehenen Wendungen kalt erwischt. Auch „Eine Geschichte, die uns verbindet“ macht da keine Ausnahme: Ein packendes Hörbuch über Realität, Fiktion, Schicksal, das Leben als Schriftsteller und die besondere Liebe zu seinen Kindern. Empfehlenswert für alle, die sich gerne überraschen lassen.

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