Profilbild von schnaeppchenjaegerin

schnaeppchenjaegerin

Lesejury Star
offline

schnaeppchenjaegerin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit schnaeppchenjaegerin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.01.2022

Mischung aus Medizin-Thriller, Dystopie und Familientragödie - spannend, emotional berührend und erschreckend realistisch beschrieben.

Der letzte Weg
0

In naher Zukunft sprechen die Mehrheit der Bakterien nicht mehr auf Antibiotikabehandlungen an, die Anzahl resistenter Superbakterien wächst. Grund ist der fahrlässige Umgang mit Antibiotika durch die ...

In naher Zukunft sprechen die Mehrheit der Bakterien nicht mehr auf Antibiotikabehandlungen an, die Anzahl resistenter Superbakterien wächst. Grund ist der fahrlässige Umgang mit Antibiotika durch die Behandlung von Nutztieren, wodurch sie in die Nahrungskette gelangten und das frühzeitige Absetzen der Medikamente bei Erkrankungen. Um die noch wirkungsvollen Antibiotika zu sparen, wurde in England ein Gesetz erlassen, dass Patienten über 70 Jahre vom Zugang zu Antibiotika ausschließt. Schon harmlose Infektionen stellen schließlich das Todesurteil dar. Kate Connelly arbeitet als Krankenschwester auf einer Isolierstation, wo sie erkrankten Menschen Beihilfe zum Suizid leistet.
Radikale Pro-Leben-Aktivisten protestieren gegen die Regierung und die Gesetzgebung und bedrohen die Angestellten in solchen Krankenhäusern. Auch Kate wurde bereits körperlich attackiert. Ihre Adoptivmutter ist vor Kurzem gestorben, da auch ihr im fortgeschrittenen Alter nicht mehr geholfen werden konnte. Am Todesbett riet sie Kate nach ihrer leiblichen Mutter zu forschen, die sie nie kennengelernt hat.

Lily Taylor steht kurz vor der Schwelle, dem 70. Geburtstag. Sie leidet an Arthritis und ist in einer luxuriösen Seniorenresidenz untergebracht, wo sie liebevoll umsorgt wird. Als sie eine Postkarte von einem anonymen Absender erhält, wird sie von ihrer Vergangenheit, die sie so lange erfolgreich verdrängen konnte, eingeholt.

Ungefähr 47 Jahre zuvor, 27 Jahre vor der "Großen Krise" forscht die Engländerin Dr. Mary Sommers in Südafrika als Botanikerin an einem Heilmittel gegen Tuberkulose. Unter dem Druck von Pharmakonzernen und Wissenschaftlern, die den Tod weniger Menschen in Kauf nehmen, um eine Mehrheit zu retten, gerät Mary zunehmend in einen Interessenkonflikt, denn sie hat sich in einen der Pharmakologen verliebt.

"Der letzte Weg" handelt von der Antibiotikakrise, einem Zukunftsszenario, das - nicht nur vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie - erschreckend realistisch ist. Multiresistente Keime, ein Bevölkerungsschwund, Bioterrorismus, Medikamentenknappheit und eine Ungleichbehandlung von Patienten abhängig von ihrem Alter prägen den Alltag in naher Zukunft. Grenzen sind geschlossen und die Menschen stehen unter permanenter medizinischer Aufsicht um eine Verbreitung von Krankheiten zu verhindern. Abende in Diskotheken oder spontane Umarmungen sind undenkbar.
Die Beschreibungen dieser schon fast apokalyptischen Zukunftsvorstellung wirken authentisch und werden durch die die vorgestellten Charaktere und ihre Familien lebendig. Die Arbeit als Krankenschwester, die für Kate überwiegend bedeutet, den Patienten zu einem schnellen Tod zu verhelfen, ist grausam und auch die Angst alter Menschen, die sich fast ausschließlich in steriler Umgebung aufhalten müssen, beklemmend.

Die Autorin verwendet Fachbegriffe, überfordert die/ den Leser*in jedoch nicht. Die Geschichte bleibt durchgehend nachvollziehbar und schlüssig. Die Wechsel der Perspektiven sorgen für Abwechslung und Mini-Cliffhanger, während die Einschübe aus Zeitungsartikeln die Fiktion noch bedrohlicher wirken lassen.

Es ist eine Mischung aus Medizin-Thriller, Dystopie und Familientragödie, die nicht nur aufgrund des bedrückend realistisch beschriebenen Zukunftsszenarios sondern auch durch die Einzelschicksale der Charaktere spannend und gleichzeitig emotional berührend beschrieben ist.
Am Ende bleibt nur zu hoffen, dass diese Geschichte keine Prophezeiung, sondern eine Warnung ist, rechtzeitig einzulenken, um ein solches katastrophales Szenario zu verhindern, das nicht nur die Todeszahlen in die Höhe schießen lässt, sondern auch Sozialneid hervorruft und Bürgerkriege provozieren könnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.01.2022

Gelungene Mischung aus Drama und Kriminalroman, Emotionen und Spannung. Schuld und Sühne, Buße und Vergeltung sowie der schier aussichtslose Kampf um Gerechtigkeit sind die zentralen Themen.

Von hier bis zum Anfang
0

Cape Haven ist ein malerischer Ort an der Küste Kaliforniens, eine Kleinstadt, in der jeder jeden kennt und die Nachbarn ein Auge auf den anderen haben.

Vor 30 Jahren ist dort ein Mädchen ums Leben gekommen. ...

Cape Haven ist ein malerischer Ort an der Küste Kaliforniens, eine Kleinstadt, in der jeder jeden kennt und die Nachbarn ein Auge auf den anderen haben.

Vor 30 Jahren ist dort ein Mädchen ums Leben gekommen. Der Täter, Vincent King, hat seine Strafe abgesessen, wird entlassen und kehrt als verurteilter Mörder zurück nach Cape Haven.
Dort lebt Duchess mit ihrem Bruder Robin und ihrer Mutter Star Radley, die den Tod ihrer jüngeren Schwester nie verkraftet hat. Duchess ist erst 13 Jahre alt, fühlt sich jedoch verpflichtet, ihrem Bruder die Mutter zu ersetzen und ihre Familie zu schützen. Sie bezeichnet sich selbst als Outlaw und geht mir unerbitterlicher Härte gegen jeden vor, der sich ihr in den Weg stellt.
Provinzpolizist Walk hat in Cape Haven bisher nur mit Bagatelldelikten zu tun gehabt und versucht zu verhindern, dass Duchess auf die schiefe Bahn gerät.

Als jedoch sein ehemaliger bester Freund Vincent aus dem Gefängnis entlassen wird, ereignet sich wenig später ein Verbrechen, das die Kleinstadt erschüttert. Vincent ist der Hauptverdächtige, aber Walk glaubt an seine Unschuld und möchte diese beweisen. Er bittet seine Exfreundin die Verteidigung für Vincent zu übernehmen und ermittelt eigenmächtig weiter, obwohl die State Police den Fall übernommen hat.

Der Roman wird abwechselnd aus der Perspektive der 13-jährigen Duchess und des Polizisten Walk erzählt. Duchess ist ein starkes Mädchen, ein trotziger Teenager, das viel zu reif für ihr Alter ist. Sie kümmert sich rührend um ihren Bruder und versucht ihre Mutter vor übergriffigen Männern zu schützen. Sie nimmt keine Hilfe an und möchte alles alleine schaffen, da sie kein Vertrauen in die Erwachsenen hat. Sie hat ein gutes Herz, das man vor Hass und Verbitterung aber kaum sieht.

Walks Aufgaben als Polizist sind auf Ordnungswidrigkeiten beschränkt. Er kennt die Kleinstadt und ihre Einwohner sehr gut und greift dort ein, wo es nötig ist. Er glaubt an das Gute im Menschen, weshalb er seinen ehemals besten Freund Vincent auch nie als Mörder angesehen hat. Nachdem er als Jugendlicher bei dem Prozess vor dreißig Jahren gegen ihn ausgesagt hat, möchte er ihn nun unterstützen, denn in diesem Fall glaubt er an seine Unschuld.
"Von hier bis zum Anfang" ist eine Familientragödie, die zwar nüchtern, aber auf diese Art dennoch sehr eindringlich und bewegend geschildert ist. Die Geschichte ist fesselnd und die deprimierenden Schicksale der genannten Figuren berühren. Auch wenn die Geschichte an einem malerischen Ort spielt, wo Häuser mit bestem Ausblick stehen und der Wert der Immobilien stetig steigt, ist die Atmosphäre dort beklemmend. Der Ort wirkt verloren, Hoffnungslosigkeit macht sich breit. Das Schicksal der Figuren erscheint vorgezeichnet, als könnten sie ihm nicht entgehen.

Cape Haven wird von seiner Vergangenheit eingeholt, als ein vermeintlicher Mörder zurückkehrt und sich ein neues Unglück mit weitreichenden Folgen ereignet. Das Drama entwickelt sich zunehmenden zu einem spannenden und wendungsreichen Krimi. Auch wenn ein Täter schnell gefunden ist, fragt man sich nach dem Motiv und warum sich der in Walks Augen Unschuldige nicht gegen die Vorwürfe wehrt, die rein auf Indizien beruhen.
Die Mischung aus Drama und Kriminalroman, Emotionen und Spannung ist gelungen. Es ist eine authentische Geschichte mit individuell gestalteten, vielschichtigen Charakteren, die zeigt, wie sehr die Vergangenheit auch nachfolgende Generationen belastet, wenn das Leid unverarbeitet bleibt. Sehr eindringlich und nachvollziehbar ist zudem geschildert, wie weit Menschen gehen, um die, die sie lieben zu schützen. Schuld und Sühne, Buße und Vergeltung sowie der schier aussichtslose Kampf um Gerechtigkeit sind die zentralen Themen in einem komplexen Handlungsgefüge, das immer wieder aufs Neue überrascht.

Und auch wenn gerade zu Beginn das Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Ausweglosigkeit überwiegt und die Hauptfiguren durch Rückschläge zurückgeworfen werden, schwingt doch eine Spur Hoffnung und die Chance auf einen Neuanfang mit, die eine Abwärtsspirale verhindern kann, denn selbst die offensichtlich Bösen haben ihre guten Eigenschaften.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.12.2021

Dramatische Geschichte auf zwei Erzählebenen, hinter der viel mehr Gefühl und Tiefgang steckt, als der Klappentext und das etwas kitschige Cover vermuten lassen.

Wir zwei in diesem Augenblick
0

Auf einer Party lernen sich die pflichtbewusste BWL-Studentin Anna und der vor kurzem von München nach Bamberg gezogene Fotograf und Mitarbeiter einer Werbeagentur, Max, kennen. Sie verbringen den Abend ...

Auf einer Party lernen sich die pflichtbewusste BWL-Studentin Anna und der vor kurzem von München nach Bamberg gezogene Fotograf und Mitarbeiter einer Werbeagentur, Max, kennen. Sie verbringen den Abend gemeinsam mit dem Spiel "Wahrheit oder Pflicht" und verlieben sich nach mehreren anschließenden Treffen ineinander.
Während Max spontan und voller Ideen ist und Anna damit mitreißt, hat diese immer wieder Bedenken, ob Max der richtige Partner für sie ist. Sie ist festgefahren in ihren Gewohnheiten und bürdet sich selbst eine Vielzahl an Pflichten auf, möchte ihr Studium bestmöglich abschließen, in der Firma ihres Vaters Verantwortung übernehmen und die perfekte Tochter sein. Durch Max lernt sie eine neue Seite an sich kennen, die ihr Angst macht und sie innerlich zu zerreißen droht.

Der Klappentext klingt nach einer dramatischen Young Adult-Liebesgeschichte, bietet jedoch unerwartet so viel mehr. Die Geschichte handelt auf zwei Zeitebenen und schildert nicht nur die Romanze von Anna und Max in der Gegenwart in Bamberg, sondern auch eine scheinbar eigenständige Geschichte in der Vergangenheit, beginnend im Jahr 1989. Darin zieht die Galeristin Charlotte mit ihrem Ehemann Thomas aufs Land und wird in ein in ihren Augen spießiges Leben gedrängt, das ihr nicht behagt. Als Hausfrau und Mutter wechselt sie zwischen Über- und Unterforderung, der Dorfklatsch ist ihr zuwider. Mit dem Versuch, ein Stück ihrer Freiheit wiederzuerlangen und aus der Tristesse auszubrechen, beginnt sie ein gefährliches Spiel, bevor das Schicksal brutal zuschlägt.

Die Erzählebenen wechseln in kurzer Abfolge und sind empathisch aus unterschiedlichen Perspektiven der handelnden Personen geschildert. Es fällt leicht, sich in Anna und Charlotte hineinzuversetzen und in ihre Rollen, in die sie sich gedrängt fühlen. Ihre Hintergründe sind aufschlussreich, während es in Bezug auf Max und ein Unglück in seiner Familie zunächst nur vage Andeutungen gibt.

Vergangenheit als auch Gegenwart fesseln gleichermaßen, denn sowohl die noch junge Liebe von Anna und Max als auch die Ehe von Charlotte und Thomas bergen Konfliktpotenzial und sind brüchig.
Mindestens genauso spannend ist jedoch zu erfahren, was hinter dem traurigen Prolog steckt und in welchem Zusammenhang die beiden Erzählebenen stehen, denn weder die Namen noch die Handlungen geben unmittelbar Aufschluss und lassen den/ die Leser*in eigene Vermutungen anstellen. Die Tragödie, die die Protagonisten miteinander verbindet, ist dann so einschneidend, dass sie sich Jahre später noch, zerfressen von Trauer und Schuldgefühlen, selbst und ihrem Glück im Wege stehen.

"Wir zwei in diesem Augenblick" ist eine dramatische Geschichte, hinter der viel mehr Gefühl und Tiefgang steckt, als der Klappentext und das etwas kitschige Cover vermuten lassen. Die Geschichte ist einfühlsam und lebendig geschildert und erzeugt durch die Undurchschaubarkeit und die Geheimnisse, die die glaubwürdig und individuell gezeichneten Protagonisten bergen, eine Sogwirkung. Romantik, Drama, Vergangenheitsbewältigung und Selbstfindung sind die Themen, die auf beiden Erzählebenen auf ihre Art berühren und für einen spannenden und dynamischen Handlungsverlauf sorgen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.12.2021

Eine zur Jahreszeit passende warmherzige, romantische und humorvolle Geschichte, die zeigt, dass man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen sollte.

Unsere Zeit ist immer
0

Minnie ist dreißig Jahre alt und fühlt sich vom Pech verfolgt, insbesondere an ihrem Geburtstag scheint immer alles schief zu gehen. Minnie wurde am 1. Januar 1990 geboren und hat es knapp verpasst, das ...

Minnie ist dreißig Jahre alt und fühlt sich vom Pech verfolgt, insbesondere an ihrem Geburtstag scheint immer alles schief zu gehen. Minnie wurde am 1. Januar 1990 geboren und hat es knapp verpasst, das erste 1990er-Baby in London zu werden, für das ein Preis ausgeschrieben war. Stattdessen ging der Gewinn an eine Frau, die zeitgleich mit ihrer Mutter in den Wehen lag und dieser auch noch die Idee für den Namen gestohlen hat. So wurde der früher geborene Junge Quinn getauft, was Glück bedeutet, und Minnies Eltern mussten sich notgedrungen einen neuen Namen aussuchen. So wurde aus dem Mädchen eine Minnie Cooper, ein Name, der in ihrer Schulzeit mit schlimmen Hänseleien verbunden war.
An ihrem 30. Geburtstag lernt Minnie durch einen Zufall bei einer Silvesterparty Quinn kennen, dem sie unweigerlich die Schuld an ihrer anhaltenden Pechsträhne gibt. Während er aus einem reichen Elternhaus stammt und erfolgreicher Finanzberater ist, wohnt Minnie in einer Einzimmerwohnung und kann sich mit ihrem kleinen "Essen auf Rädern"-Unternehmen kaum über Wasser halten.
Während Minnies Leben weiter bergab geht, sie ihre Wohnung verliert, sich von ihrem unsensiblen Freund trennt, ihr Catering-Unternehmen pleite geht und sie sich auch noch mit ihrer besten Freundin Leila entzweit, geht ihr Quinn nicht mehr aus dem Kopf und lässt ihr Herz bei jeder Begegnung höher schlagen.

Minnie ist ein etwas chaotische, aber liebenswürdige Frau, die sich so lange selbst im Weg steht, bis sogar ihre beste Freundin Leila von ihr genervt ist. Minnie trägt das Laster mit sich herum, dass sie seit ihrer Geburt vom Pech verfolgt ist - eine inzwischen selbsterfüllende Prophezeiung, die ihr von ihrer Mutter von klein auf eingeredet wurde.
Quinn ist dagegen offenbar das ganze Glück in den Schoß gefallen. Minnie weiß allerdings lange nicht, wie es bei Quinn hinter den Kulissen aussieht und dass auch er eine Last mit sich herumträgt, die es ihm kaum ermöglicht, engere Bindungen einzugehen.

"Unsere Zeit ist immer" ist eine turbulente, witzige und bittersüße Geschichte, die von den ersten Seiten an fesselnd geschrieben ist. Die Charaktere, vor allem Minnie und die Figuren, die sie im Lauf der Geschichte begleiten, sind liebevoll gezeichnet und sorgen mit ihrer individuellen Art unweigerlich für amüsante Dialoge und Episoden.
Durch Rückblenden auf vergangene Silvester lernt man zudem Quinn näher kennen, der doch nicht so viel Glück im Leben hatte, wie es zu Beginn den Anschein hat. Dabei bindet die Autorin geschickt Szenen ein, die darauf hinweisen, dass Minnie und Quinn in der Vergangenheit immer haarscharf aneinander vorbeigelaufen sind.

Die Annäherung zwischen den beiden verläuft sehr allmählich, während Minnie beginnt, ihre Probleme zu lösen. Auf diese Weise bleibt es spannend, ob aus der entstandenen Sympathie und Freundschaft zwischen den beiden mehr werden kann und wie sie die zwischen ihnen stehenden Hürden überwinden können.

"Unsere Zeit ist immer" ist eine zur Jahreszeit passende warmherzige, romantische und humorvolle Geschichte, die zeigt, dass man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen sollte und wie wichtig Freundschaft gerade in schwierigen Zeiten ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.11.2021

Vielschichtiger und feinfühlig geschilderter Roman mit starken Figuren und eine Hommage an Bücher und Bibliotheken, die Menschen verbinden und lebensrettend sein können.

Eine Bibliothek in Paris
0

Die zwölfjährige Lily lebt in den 1980er-Jahren in der Kleinstadt Froid in Montana. Sie hat ein neugieriges Wesen und interessiert sich deshalb sehr für ihre Nachbarin Odile, eine lebensältere, elegante ...

Die zwölfjährige Lily lebt in den 1980er-Jahren in der Kleinstadt Froid in Montana. Sie hat ein neugieriges Wesen und interessiert sich deshalb sehr für ihre Nachbarin Odile, eine lebensältere, elegante Französin, die verwitwet ist und zurückgezogen lebt. Als Lilys Mutter stirbt, fühlt sie sich noch einsamer und versucht über Französischstunden mehr über die geheimnisvolle Odile herauszufinden. Die beiden freunden sich an und Odile erzählt ihr aus ihrem Leben in Frankreich, als sie zur Zeit der deutschen Besatzung in einer amerikanischen Bibliothek in Paris arbeitete.

Odile liebte schon immer Bücher, weshalb es für sie ein Traum ist, in einer Welt voller Bücher, einer Bibliothek, zu arbeiten. Entgegen der Vorstellungen ihrer Eltern bewirbt sie sich 1939 in der American Library und wird dort aufgrund ihrer Leidenschaft für Bücher eingestellt. Als der Krieg ausbricht, meldet sich ihr Zwillingsbruder Rémy freiwillig, um gegen die Deutschen zu kämpfen. Odile kann dies nicht nachvollziehen und sorgt sich um ihren Bruder. Als Paris von den Deutschen besetzt ist, leistet sie jedoch wie von selbst Widerstand, indem sie Bücher aus der Bibliothek an Personen ausliefert, die diese nicht mehr betreten dürfen. Zudem verstecken sie und die anderen Mitarbeiter Bücher, um sie vor der Vernichtung zu retten und liefern Bücher an Die Front, um den Soldaten Mut zu machen und ein Zeichen der Solidarität zu senden. Ihre Mission ist nicht ungefährlich und schon bald werden die Reihen lichter. Lieb gewonnene Subskribenten werden verhaftet und in Internierungslager verbracht und den angestellten Amerikanern empfohlen, Europa zu verlassen, da mit einem Kriegseintritt Amerikas und folglich Problemen für feindliche Ausländer zu rechnen ist.

"Eine Bibliothek in Paris" ist ein Roman, der auf zwei Zeitebenen handelt. Die Gegenwart, von 1983 bis 1988, erzählt von einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen den Generationen, während die Geschichte in der Vergangenheit von 1939 bis 1944 von der Kraft der Bücher und von einer Bibliothek als Zufluchtsort in einer schweren, kultur- und menschenfeindlichen Zeit erzählt.
Die Geschichte in der Gegenwart macht neugierig darauf, was die Französin Odile in der Vergangenheit erlebt haben mag und weshalb sie gegenwärtig so zurückgezogen in Montana lebt. Über die Jahre hinweg entwickelte sich eine Freundschaft mit der jugendlichen Lily, die auf der Suche nach Halt und Geborgenheit und fasziniert von der älteren Dame ist. Durch die parallele Handlung in der Vergangenheit, auf der der Schwerpunkt des Buches liegt, erfährt man mehr über Odile und ihr Leben in Paris während des Zweiten Weltkrieges und was letztlich dazu geführt hat, dass sie nach Amerika emigrierte.

Der Schreibstil ist bildhaft und liebevoll detailliert. Die Faszination Odiles für Bücher und ein selbstbestimmtes, freies Leben ist nachvollziehbar geschildert. Die Arbeit und der Alltag in der alles andere als verstaubten Bibliothek ist lebendig und authentisch beschrieben. Bezeichnend ist zudem, dass ein Teil der Menschen in der American Library, denen Odile begegnet, historisch belegte Persönlichkeiten sind, die die Macht der Bücher genutzt haben, um Widerstand gegen die deutsche Besatzung zu leisten. Es ist begeisternd zu lesen, was Bücher erreichen können und was diese Menschen geleistet und in Kauf genommen haben, selbst in den Fokus der Gestapo zu rücken. Die Verbindung von realen Ereignissen und realen Personen mit einer fiktiven Handlung ist gelungen und lebensecht warmherzig geschildert. Es fällt leicht, sich sowohl in Lily, aber vor allem auch in Odile als junge Frau hineinzuversetzen und ihre Wertvorstellungen zu teilen.
Dieser bildhafte, historische Roman wird zudem durch eine Liebesgeschichte ergänzt, die durch die Belastungen der Protagonisten durch Naziterror und Bespitzelung nie in den Vordergrund rückt und zudem wunderschön zartfühlend erzählt wird. Er handelt von den Gräueltaten in düsteren Tagen, von Eifersucht und Denunziantentum und den Fehlern, die Menschen in schwierigen Zeiten begehen und damit selbst Freundschaften zerstören.
Es ist ein vielschichtiger und feinfühlig geschilderter Roman mit starken Figuren und eine Hommage an Bücher und Bibliotheken, die Menschen verbinden und lebensrettend sein können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere