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Veröffentlicht am 12.10.2023

"We will meet again."

Elizabeth II. und die Lieben ihres Lebens
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Biographische Fiktion mit Herz

„Elizabeth tat einen Atemzug und seufzte, schloss die Augen und ließ die Welt und die Menschen, die ihr mehr bedeuteten, als sie jemals in Worte fassen konnte, hinter sich.“

Mit ...

Biographische Fiktion mit Herz

„Elizabeth tat einen Atemzug und seufzte, schloss die Augen und ließ die Welt und die Menschen, die ihr mehr bedeuteten, als sie jemals in Worte fassen konnte, hinter sich.“

Mit „Elizabeth II. und die Lieben ihres Lebens“ hat Gabriele Diechler eine Romanbiographie vorgelegt, in welcher das Leben der britischen Königin von der Wiege bis zum Sterbebett porträtiert wird. Die Autorin stützt sich dabei auf diverse Sekundärquellen, die sie zu einem kohärenten Ganzen verarbeitet. Biographische Fiktion ist nicht unbedingt mein bevorzugtes Genre, da real existierenden (oder historischen) Persönlichkeiten nicht selten Worte in den Mund gelegt werden. Diechlers Roman hebt sich jedoch angenehm von anderen Vertretern des Genres ab, da hier eine Geschichte mit wahrem Kern unglaublich leichtfüßig und in fast liebevollem Ton erzählt wird, ohne zur langatmigen Nacherzählung zu werden. Auch ist das Ganze keine reine Fleißarbeit, dies wird mit jeder lesenswerten Seite deutlich.
Man kann auch wissenschaftliche Biographien von Historikern oder Anglisten lesen. Mit „Elizabeth die II. und die Lieben ihres Lebens“ werden jedoch Berührungsängste abgebaut, da die Publikation eben nicht nur für eine rein akademische Leserschaft verfasst worden ist. Diechler nähert sich dem Sujet dennoch mit wissenschaftlicher Redlichkeit, neben Quellen – und Literaturangaben findet man im Buch auch einen Stammbaum, manche Dialoge sind aber sicherlich fiktiv, man sollte also nicht alles für bare Münze nehmen, obwohl hier sauber recherchiert wurde. Die Beerdigung von Prinz Philip dient als Exposition, dann wird die Lebensgeschichte der Queen, die sich der „Zwei Körper des Königs“ zeitlebens bewusst war, chronologisch aufgefächert, und es gibt eine metatextuelle Ebene, da die Protagonistin ihre Tagebücher zur Hand nimmt. Besonders gut gefielen mir die aussagekräftigen Zitate, die die Quintessenz mancher Kapitel darstellen. Bei der Lektüre des Buches wird man stellenweise unweigerlich an die Netflixserie “The Crown“ erinnert, da es thematische Überschneidungen gibt. Und wirkt nicht das Leben der Windsors stellenweise wie eine Seifenoper? Gabriele Diechler gelingt es, die Menschlichkeit einer Monarchin sichtbar zu machen, Geschichte lebendig werden zu lassen & mit ihrem Buch ‚zum Weiterlesen‘ zu animieren.

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Veröffentlicht am 17.07.2022

Eine Frau geht ihren Weg

Die Hennakünstlerin
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Wertung:
Für Alka Joshis „Hennakünstlerin“ gibt’s von mir viereinhalb von insgesamt fünf möglichen Sternen.
Worun geht’s?

- Indien, 1955. Die Inder haben sich endlich vom britischen Joch befreit, Nehru ...

Wertung:
Für Alka Joshis „Hennakünstlerin“ gibt’s von mir viereinhalb von insgesamt fünf möglichen Sternen.
Worun geht’s?

- Indien, 1955. Die Inder haben sich endlich vom britischen Joch befreit, Nehru ist Premierminister.
Eine junge Frau bricht aus einer gewalttätigen Ehe aus. Sie ist völlig mittellos, zurück zu den Eltern kann sie nicht, zu groß ist die Schande. Glücklicherweise konnte ihr ihre Schwiegermutter nützliche Kenntnisse vermitteln, Kurtisanen in Agra brachten ihr die Feinheiten exotischer Hennamuster bei. Ihr Weg führt sie nach Jaipur. Um zu überleben, beginnt Lakshmi als „Hennakünstlerin“ zu arbeiten, sie bemalt die Hände und Füße reicher Kundinnen mit einzigartigen Mustern. Außerdem stellen sich ihre Kenntnisse in Pflanzenheilkunde als nützlich heraus – die Wirkung von diversen Heilpflanzen ist bei Lakshmis Kundschaft heiss begehrt. Die Damen aus Rajasthans High Society sind ganz begeistert von den Tinkturen, Mittelchen und Schönheitscremes, sie schwören auch auf die empfängnisverhütende oder fruchtbarkeitsfördernde Wirkung. Lakshmi achtet sehr darauf, ihre Herkunft zu verschleiern, lässt ihr Umfeld im Glauben, sie sei eine geschiedene Frau – mit der Unabhängigkeit von den Briten hat sich auf dem Subkontinent scheinbar Einiges geändert; doch der Androzentrismus und das Kastenwesen spielen noch immer eine Rolle. Trotzdem gelingt es der Protagonistin, gesellschaftliche Anerkennung und einen gewissen Wohlstand zu erlangen, sie beginnt sogar, ein Haus zu bauen. Als die Inderin vom Tod der Eltern und der überraschenden Existenz einer Schwester erfährt, werden die Karten neu gemischt.
Waren Lakshmis Bemühungen umsonst?
Eine Ich- Erzählerin führt durch das Geschehen. Besonders gut gefielen mir die Hindi – Einsprengsel im Text, die das Ganze authentisch wirken lassen. Die Figurenzeichnung habe ich als gelungen empfunden, auch wenn sie stellenweise hätte nuancierter sein können. Lakshmi ist der „Boss“ für ihren kleinen Gehilfen Malik. Die Interaktion zwischen den beiden gefiel mir gut, die Schwester Rahdha benimmt sich hingegen manchmal trotzig und pubertär. Dieser Kontrast bringt Würze in den plot, die Handlung wird auf gute und schlechte Weise beeinflusst. Alka Joshi erzählt bildhaft und farbenfroh. Der Stil liest sich angenehm flüssig, daher habe ich die Geschichte gern verfolgt & mich so gut unterhalten gefühlt, dass ich im Anschluß an die Lektüre in Dietmar Rothermunds „Geschichte Indiens“ geschmökert habe.

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Veröffentlicht am 18.01.2022

It Ain't Over 'til It's Over

Where the Roots Grow Stronger (Shetland-Love-Reihe 1)
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Eckdaten:

ISBN 9783844927818

Gesprochen von Karoline Mask & Arne Stephan. Erschienen im Verlag Hörbuch Hamburg, das ungekürzte Audiobook hat eine Länge von 12 h & 13 Minuten und es ist nicht als CD erhältlich.

Schauplatz ...

Eckdaten:

ISBN 9783844927818

Gesprochen von Karoline Mask & Arne Stephan. Erschienen im Verlag Hörbuch Hamburg, das ungekürzte Audiobook hat eine Länge von 12 h & 13 Minuten und es ist nicht als CD erhältlich.

Schauplatz Bristol (England):

Die sensible Kunststudentin Fiona Linklater hat endlich ihren Bachelor-Abschluss in der Tasche. Das dreijährige Studium ist beendet, vorbei ist auch die Zeit der Zweck-WG. Als introvertierte Person konnte Fiona nicht wirklich eine Beziehung zu ihrer Mitbewohnerin aufbauen, doch gemeinsame Weihnachtsfeiern wurden zum festen Ritual. Glücklicherweise gibt es Menschen, die Fiona akzeptieren, wie sie ist. Die extrovertierte Irina zählt zu Fionas besten Freundinnen.

Als Fiona vom Tod ihres Vaters erfährt, muss sie zurück nach Hause, zurück nach Lerwick. Zwar liebt sie die rauhe Landschaft der Shetlands, doch sie fürchtet sich vor dem Wiedersehen mit ihren Schwestern, da sie einigermaßen überstürzt nach England geflohen war und den Kontakt zu allen Menschen aus ihrer Vergangenheit – auch zu ihrem Freund Connal – abbrach. Doch Fiona hat ihre Gründe – nach dem frühen Tod der Mutter und der Abwesenheit des Vaters war ein weiterer Schicksalsschlag für die junge Frau schwer zu verkraften.

Können Fionas Schwestern Effie & Nessa ihr verzeihen? Wie wird Connal auf ihre Rückkehr reagieren?

„Where the roots grow stronger” ist der Auftaktband der dreiteiligen Shetland Love – Reihe. Jeder Band stellt eine Linklater – Schwester in den Mittelpunkt.

Kathinka Engels Stil gefällt mir sehr, durch den Einsatz von Lyrik durchbricht sie das klassische (sehr langweilige) „Er sagt – sie sagt“ – Schema des New Adult Genres. Ein gelungenes Experiment! Die Geschichte wird abwechselnd aus Fionas und Connals Perspektive geschildert. Connals Gedichte sind ebenso aufschlussreich wie Fionas Gedanken. Die Figurenzeichnung kann überzeugen, Fionas Handlungen sind nachvollziehbar. Ich mochte auch die Nebenfiguren, wie die Ersatzmutter der Linklater – Schwestern oder die loyale Irina. Gerne würde ich ein Irina – Spin – Off lesen. Inhaltlich geht es um eine Liebesgeschichte, wie so oft im New Adult – Genre. Darüber hinaus geht es jedoch auch um das Frausein an sich und um die Definition von Familie. Diese Aspekte gefielen mir gut, stellenweise war mir der feministische Ansatz aber ein wenig zu plakativ umgesetzt. Genderkritische Aussagen von Alteingesessenen werden von den Protagonistinnen mit einem Augenrollen quittiert, Frauen (wie Connals Mutter) haben solidarisch zu sein. Die feministische Dimension von Fionas Kunst ist jedoch passend & angemessen gestaltet. Im zweiten Teil der Reihe findet Engel erfreulicherweise das richtige Maß, ich mag’s subtiler. Die Handlung ist trotz melancholischer Untertöne nie deprimierend & stets spannend, es gibt keine Wiederholungen. Die Liebesszenen sind nicht unbedingt mein Fall, im Gegensatz zu vielen anderen Autoren & Autorinnen vermittelt Kathinka Engel aber gerade jungen Leserinnen ein realistisches Bild von Sexualität und sie betont die Wichtigkeit von Safer Sex. Daumen hoch!

Es gibt in der Geschichte tolle Momente für’s Herz, wenn die Protagonisten im Karaoke – Pub „Can’t help falling in Love“ schmettern und dabei bittere Tränen vergießen, wird es mir persönlich aber zu kitschig. Insgesamt ist der plot trotz Herzeleid dennoch mitreißend und facettenreich. Kathinka Engel präsentiert keine zuckersüße „Stars – Hollow “- Adaption. Sie zeigt die Vor – und Nachteile einer kleinen Gemeinde auf. Wie kann man seinen Platz in einer Gemeinschaft finden, wenn man (vermeintlich) von der Norm abweicht? Unterhaltung mit Tiefgang, es gibt kein unnötiges Drama.

Auch wenn man als Leser/in bereits zu Beginn der Lektüre mit einem happy ending rechnet, gelingt es der Autorin doch, überraschende Momente zu präsentieren. Die story ist perfekt gegliedert.

Fazit:

Ein gelungener Auftakt! „Where the roots grow stronger” ist ein New – Adult – Roman, der mit sympathischen Figuren und traumhaften Naturbeschreibungen punkten kann. Auch wenn mir der zweite Band („Where the waves rise higher“) einen Tick besser gefiel, spreche ich trotz aller Kritikpunkte eine Leseempfehlung aus. Ein schönes (ungekürztes!) Hörbuch, die Sprecher machen ihre Sache gut!

4,5 /5

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Veröffentlicht am 16.11.2021

"Sagenhafter " Schmöker

Outlander – Feuer und Stein
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Der Zweite Weltkrieg ist vorbei. Die Engländerin Claire Randall reist mit ihrem Ehemann Frank durch Schottland, das Paar gönnt sich die zweiten Flitterwochen. Während der Akademiker seine Familiengeschichte ...

Der Zweite Weltkrieg ist vorbei. Die Engländerin Claire Randall reist mit ihrem Ehemann Frank durch Schottland, das Paar gönnt sich die zweiten Flitterwochen. Während der Akademiker seine Familiengeschichte auf den Spuren seiner Vorfahren erkundet, liebt die junge Frau Wanderungen durch die Natur. Eines Tages „fällt“ sie durch einen Steinkreis. Schließlich begreift sie, dass sie durch die Zeit gereist sein muss. Im Jahr 1743 trifft sie auf furchtlose Highlander, die gegen die englischen Besatzer rebellieren. Claire ahnt nicht, welche Rolle der junge Jamie Fraser in ihrem Leben spielen wird…

Der Zeitreiseroman (eigentlich ist es ein Mix aus Romance & Histodrama) aus Diana Gabaldons Feder liest sich überraschend gut. Obwohl ich die Verfilmung bereits kannte, habe ich mich keine Sekunde lang gelangweilt. Besonders gut gefielen mir der Anfang und der Mittelteil der Geschichte. Ein mitreißender plot, farbenprächtige Naturbeschreibungen und runde Figuren (die Nebenfiguren gefielen mir besonders gut, Geilis Duncan ist spitze) sorgen für Spannung. Das Ganze hätte das Zeug zum 5-Sterne – Schmöker, wenn das letzte Drittel des Buches nicht ausgesprochen brutal wäre. Der Finalteil hat mir den Spaß vermiest. Wenn dieser Teil nicht gewesen wäre, hätte ich über Claires forsche Art und ahistorische Ausdrücke aus Jamies Mund hinwegsehen können („modern“ im Jahre 1743?). Claire passte sich für meinen Geschmack auch zu schnell an die ungewöhnlichen Umstände an, parlierte fast perfekt Gälisch, niemand schöpfte Verdacht (bis auf den Vorwurf der Spionage natürlich). Natürlich schrammt die story stellenweise auch haarscharf am Kitsch vorbei, „Feuer und Stein“ hat mich dennoch erstaunlich gut unterhalten, daher gibt’s von mir viereinhalb von insgesamt fünf möglichen Sternen.



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Veröffentlicht am 29.09.2021

Eine runde Sache

Frei von Angst durch die Heilung der Mitte
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„Der Ansatz des Westens ist es, gegen die Angst direkt vorzugehen, der Ansatz des Ostens ist es, den Körper und den Geist so zu stärken, dass die Angst verschwindet.“

Dr.med. Georg Weidinger studierte ...

„Der Ansatz des Westens ist es, gegen die Angst direkt vorzugehen, der Ansatz des Ostens ist es, den Körper und den Geist so zu stärken, dass die Angst verschwindet.“

Dr.med. Georg Weidinger studierte Medizin &Psychologie in Wien, außerdem Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) an der MedChin (in Europa). Er ist Präsident der Österreichischen Gesellschaft für TCM.
Mit „Frei von Angst durch die Heilung der Mitte“ hat er einen Ratgeber vorgelegt, in welchem er dem Patienten (m/f) auf Augenhöhe begegnet. Westliche Behandlungsmethoden und östliche Heilungsansätze werden gut verständlich präsentiert, das Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf der TCM. Die Umschlaggestaltung des Buches finde ich klasse, der Band liegt gut in der Hand und er besitzt die richtige Größe.
Es gibt praktische Tipps, die nicht nur die vielzitierten Atemübungen umfassen, dies gefiel mir sehr gut. Überhaupt ist die Gliederung des Buches sehr gelungen, der Autor spricht kein Fachchinesisch, da das Sachbuch sich nicht nur an Mediziner wendet, es soll eben kein Aufsatz in einer Fachpublikation sein. Georg Weidinger integriert Yogaübungen & eine gesunde Lebensführung in das von ihm präsentierte Pyramidenmodell, er lehnt jedoch die Schulmedizin nicht ab und betont, dass in manchen Fällen Medikamente nötig seien. Bravo! Hier wird kein esoterischer Quatsch propagiert, sondern auf seriöse Weise Hilfe angeboten.
Manche Tipps werde ich sicher ausprobieren. Ein warmes Frühstück etwa soll Körper und Geist stärken. Die klugen und treffenden Analysen des Autors -
„Eine Tablette aus einer Pflanze ist nicht dasselbe wie die Pflanze selbst.“ - haben mich positiv überrascht.
Die zur Auflockerung eingestreuten Illustrationen habe ich aber leider als störend empfunden, ich hätte auf die Bilder verzichten können. Daher ziehe ich bei meiner Bewertung einen halben Stern ab. Ansonsten ist das Buch aber eine runde Sache, daher empfehle ich „Frei von Angst durch die Heilung der Mitte“ von Dr. med. Georg Weidinger gerne zur Lektüre.

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