Profilbild von buchina

buchina

Lesejury Star
offline

buchina ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit buchina über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.03.2022

Krimi und Biografie sind beide zu kurz gekommen

Mrs Agatha Christie
0

Die Idee der Reihe „Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte“ zu der dieser Roman zählt, finde ich sehr gut. Die Autorin hat sich bereits den Frauen Clementine Churchill und Mileva Einstein gewidmet. ...

Die Idee der Reihe „Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte“ zu der dieser Roman zählt, finde ich sehr gut. Die Autorin hat sich bereits den Frauen Clementine Churchill und Mileva Einstein gewidmet. Diese zwei Frauen standen vor allem öffentlich im Schatten ihrer berühmten Männer. Agatha Christie ist es andersherum, da ist sie die Berühmtheit und ihr Mann ist im Schatten.
Um Agathas Leben zu erzählen hat sich die Autorin das mysteriöse bis heute nicht geklärte Verschwinden von Agatha Christie 1926 herausgesucht. Agatha verschwand 11 Tage, was genau geschehen ist, wurde nicht geklärt.
Der Roman wechselt in kurzen Kapiteln zwischen zwei Zeit- und Handlungssträngen. Der eine Handlungsstrang beginnt mit dem Tag ihres Verschwindens und wird aus der Sicht ihres Mannes erzählt. Der zweite beginnt mit dem Kennenlernen der Beiden aus Sicht von Agatha und erzählt in großen Sprüngen die Ehe der Christies.
Beide Stränge konnten bei mir keine richtige Spannung aufbauen. Das lag zum einen an den Charakteren, beide blieben ohne Tiefe. Ihr Mann ist scheinbar nur langweilig, egoistisch und unsympathisch, während Agatha blind vor den gesellschaftlichen Zwängen ewig braucht, um eine Art Selbstbewusstsein aufzubauen. Viel zu wenig ging mir die Autorin darauf ein, wie Agatha es schaffte in Zeiten der Kriege zu einer der erfolgreichsten Krimiautorinnen zu entwickeln. Im Roman blieb sie völlig farblos.
Ich hatte bereits den Roman über Frau Churchill von der Autorin gelesen und fand die Darstellung von ihr furchtbar. Churchills Frau war mir nach dem Roman unsympathisch. Aber da ich biographische Romane sehr mag und hier auch den Krimiaspekt sehr spannend fand, habe ich mich wieder an einem Buch von Marie Benedict gewagt. Aber auch hier gefällt mir die Darstellung der Protagonistin nicht. Sie bleibt einfach ohne Tiefe mit wenig eigenen Gedanken. Auch aus der Geschichte ihres Verschwindens hätte man mehr machen können.
Insgesamt konnte mich diese Romanbiographie nicht überzeugen, mir fehlte die Spannung und auch das Bild von Agatha Christie blieb mir zu eintönig. Mir gefielen der Plot und der Aufbau des Romans.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.01.2022

Versuch nicht gelungen

Das Schattenhaus
0

Nachdem ich bis jetzt schon sehr unterschiedliche Romane von Tess Gerritsen gelesen habe, war ich sehr neugierig auf diese „Spukgeschichte“. Das Setting ist gelungen, ein gut beschriebenes für amerikanische ...

Nachdem ich bis jetzt schon sehr unterschiedliche Romane von Tess Gerritsen gelesen habe, war ich sehr neugierig auf diese „Spukgeschichte“. Das Setting ist gelungen, ein gut beschriebenes für amerikanische Verhältnisse altes Haus auf einem Hügel mit Blick aufs Meer. Eine Kochbuchautorin, die auf der Flucht vor ihren Problemen ist und ein geheimnisvoller Geist. Klingt nach einer leichten unterhaltsamen Spukgeschichte. Hätte es auch sein können, wenn die Autorin nicht noch Sex, Drugs und Krimi einbringen wollte. Dementsprechend ist der Roman eine ziemlich bunte Mischung geworden, die für mich nicht funktioniert.
Sehr unsympathisch ist mir die Protagonistin Ava, sie ist für mich naiv, wälzt sich im Selbstmitleid, trinkt und verhält sich total passiv. Für ein wenig S/M Sex macht sie alles mit. Als die Sexgeschichten mit ihrem heißen Seefahrergeist anfingen, dachte ich, ich bin im falschen Roman gelandet. Die liebe Ava konnte mich nicht mitnehmen. Die Krimigeschichte war anfänglich ganz gut eigebettet und ich konnte miträtseln was nun geschehen war, aber sie war zu früh zu durchschaubar. Die Auflösung war schon relativ früh klar. Schade, denn eigentlich kann die Autorin gute Krimis schreiben.
Mir gefiel der Handlungsort, die Küste von Maine mit seinen verschiedenen Bewohnern und ihren Verschrobenheiten. Die Autorin beschreibt den Ort sehr gut, ich konnte zum Teil das Meer riechen und hören. Die Atmosphäre ist ihr wirklich gelungen. Der Roman wäre wahrscheinlich besser für mich geglückt, wenn sie sich mehr auf bestimmte Teile konzentriert hätte. Für mich selbst hätten gerne die Sex- und Saufgeschichten wegbleiben können, die Krimigeschichte ein wenig mehr ausgebaut werden können, dann wäre das ganze runder geworden. Aber so ist es für mich eine der schlechteren Romane der ansonsten sehr guten Autorin.
Frau Thalbach als Sprecherin des Hörbuchs macht einen guten Job, obwohl sie mir manchmal die Stimme zu kratzig verstellt und gerade bei den Szenen mit dem Seefahrer wirkt es dann fast schon komisch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.01.2022

Wenig emotional

Das verlorene Paradies
0

Auf den Autor bin ich erst wegen des Nobelpreises aufmerksam geworden. Da ich sehr gerne Literatur afrikanischer Autor:innen lese, freue ich mich auf das Hörbuch. Die Covergestaltung ist gelungen. Kein ...

Auf den Autor bin ich erst wegen des Nobelpreises aufmerksam geworden. Da ich sehr gerne Literatur afrikanischer Autor:innen lese, freue ich mich auf das Hörbuch. Die Covergestaltung ist gelungen. Kein kitschiges Afrikabild, sondern abstrakt, wenig aussagekräftig in schönen deckenden Farben.
Der Roman spielt Ende des 19. Jh. Hauptsächlich im heutigen Tansania. Eine Zeit in dem die Deutschen die Kolonialmacht in diesem Teil Ostafrikas. Protagonist ist Yusuf, ein Junge, der wegen den Schulden seines Vaters an „Onkel“ Aziz verkauft wird. Aus seinem Dorf herausgerissen, lernt das Leben einer Stadt als Arbeiter eines bekannten Kaufmannes kennen. Nachdem er ist im Geschäft mitgeholfen hat, geht er später mit zu den monatelangen Karawanen ins Landesinnere. Er wird erwachsen, aber während zu Beginn der Kolonialismus weniger direkt zu spüren war, wird dann auch Yusuf mit den Deutschen konfrontiert. Das Paradies ist vorbei, wenn es es jemals gab.
Das Buch beginnt sehr langsam. Beschreibungen folgen auf Beschreibungen. Die Spannung blieb bei mir aus und setzte erst sehr spät ein. Die Langatmigkeit des Romans kam vor allem auch durch die wenigen Emotionen, die das Geschehen in mir hervorrufen. Selbst Yusuf blieb mir fremd und ich konnte wenig mit ihm mitfiebern. Der auktoriale Erzähler schaute für mich auf das Geschehene hinab und hielt immer Abstand.
Gelungen fand ich die Beschreibungen des täglichen Lebens, ohne Kitsch. Die Sprache unter den Männern war zum Teil vulgär und abstoßend, dafür realistisch. Auch die Natur, Arbeits- und Kolonialbeschreibungen waren für mich realitätsnah beschrieben. Ich habe einen guten Einblick ins koloniale Ostafrika erhalten, aber gut unterhalten hat mich der Roman leider nicht. Selbst der Sprecher des Hörbuches konnte mich nicht überzeugen. Auch ihm fehlte Ausdruckskraft, seine Tonlage war sehr gleichbleibend, was natürlich zum Roman passt. Insgesamt bin ich etwas enttäuscht von dem Roman und würde ihn nicht unbedingt weiterempfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.10.2021

Schwere Kost

Wie schön wir waren
0

Nachdem ich „Das geträumte Land“ der Autorin gelesen hatte, freute ich mich sehr auf ihren neuen Roman, vor allem auch, da er diesmal direkt in Afrika spielt. Schauplatz ist ein westafrikanisches Dorf ...

Nachdem ich „Das geträumte Land“ der Autorin gelesen hatte, freute ich mich sehr auf ihren neuen Roman, vor allem auch, da er diesmal direkt in Afrika spielt. Schauplatz ist ein westafrikanisches Dorf mit Namen Kosawa. Ein Dorf, das langsam stirbt. Nicht durch Wegzug und Überalterung, sondern die Menschen, auch Kinder sterben. Schuld daran hat ein Ölkonzern, der in der Nähe Öl fördert und damit Boden und Wasser verseucht. Der Roman beginnt mit einer Dorfversammlung, die regelmäßig stattfindet und wo auch Mitarbeiter des Konzerns dabei sind und versuchen die Bevölkerung zu beschwichtigen. Diese Versammlung geht aber anders aus, als die vorherigen.
Im Roman wechseln immer wieder die Perspektiven und die Zeiten, was es mir erst einmal sehr schwierig machte, überhaupt eine lineare Handlung zu verfolgen. Dazu kommt, dass der Erzählstil der Autorin für mich ungewöhnlich ist. Die Charaktere trotz ihres unsagbar furchtbaren Schicksals blieben mir fremd. Ich konnte mich einfach wenig in sie hineinfühlen, sie hielten mich auf Abstand.
Ich muss zugeben, ich quälte mich durch das Buch. Immer wenn ich ein wenig in der Geschichte drin war und es voranging, gab es wieder einen Sprung und ich war draußen. Für mich gab es keinen wirklichen Lesefluss. Es gab auch immer wieder Wiederholungen und die Geschichte ging nur schleppend voran.
Das ist wirklich schade, denn der Inhalt des Buches ist so wichtig und mir gefiel gut, dass diese Machenschaften anhand eines kleinen Dorfes, welches noch sehr traditionell aufgebaut ist, beschrieben werden. Die Erklärungen zur Glaubenswelt und zum täglichen Leben in dem Dorf gefiel mir sehr gut. Aber dennoch konnte mich der Roman nicht überzeugen. Ein Roman muss nicht nur inhaltlich interessant sein, sondern mich auch packen. Aber weder die Charaktere, noch die Umsetzung der Handlung in eine gut lesbare Geschichte haben mich überzeugt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.07.2021

Es bleibt oberflächlich

Das Land der Anderen
0

Die Aufmachung des Romans hat mich neugierig gemacht. Das Cover ist sehr gelungen mit einem Foto, was realistisch wirkt und viel zu erzählen hat. Dazu der reale Hintergrund, dass die Autorin eigene familiäre ...

Die Aufmachung des Romans hat mich neugierig gemacht. Das Cover ist sehr gelungen mit einem Foto, was realistisch wirkt und viel zu erzählen hat. Dazu der reale Hintergrund, dass die Autorin eigene familiäre Geschichte in ihren Roman einfließen lässt. Mit einer Geschichte von einer ungewöhnlichen Liebe in einer anderen Zeit. Dies klang für mich nach einer interessanten und spannenden Mischung.
Der Roman beginnt sehr vielversprechend. Mathilde geht mit ihrem Mann Amine nach dem Zweiten Weltkrieg in sein Heimatland Marokko. Für Mathilde, die im Elsass aufgewachsen ist, ist Marokko ein Kulturschock. Zum einen, weil sie nun die Rolle als Ehefrau hat mit eigenem Haushalt und einen Mann, den sie kaum kennt. Zum anderen, weil natürlich das Leben in Marokko ein wenig anders ist als in Deutschland. Zuerst wohnen sie noch in der Stadt bei ihrer Schwiegermutter. Nach anfänglichen Problemen lebt sich Mathilde gut ein, dann zieht Amine mit ihr aber auf eine Farm ins Nirgendwo.
Ich habe unter anderem auf eine starke Charakterstudie über Mathilde gehofft und wie sie sich ihr Leben in der Fremde einrichtet. Aber trotz gewählter persönlicher Ich-Perspektive blieb mir Mathilde und auch die anderen Charaktere fremd. Bis zum Ende konnte ich mir weder Mathilde, noch ihr Zuhause oder auch nur das Land in der Zeit, in der sie lebt wirklich vorstellen. Am besten wurde noch Amine beschrieben, seine Hilflosigkeit und sein Jähzorn. Seine Handlungsweisen konnte ich ein wenig nachvollziehen. Mathildes Entscheidungen verstand ich nicht.
Es gibt viele interessante Entwicklungen, aber selten wurden sie zu Ende geführt. Vieles wird angedeutet, aber es wird nicht aufgelöst. Am Ende blieben eigentlich nur Fragen. Insgesamt konnte mich der Roman nicht überzeugen. Mir gefiel die Geschichte und Idee des Buches. Der Schreibstil war gut zu lesen, auch wenn ich oft das Gefühl hatte, die Autorin wollte besonders literarisch Schreiben, so wirkte es oft übertrieben. Mir gefiel, dass immer wieder die Perspektive zwischen den Protagonisten wechselte, aber dies hat eben nicht gereicht die Personen im Roman wirklich kennenzulernen. Vielleicht war es zu viel, so dass alles nur oberflächlich bleiben konnte. Menschen, geprägt zum Teil zerstört durch den Krieg, Kulturschock für Mathilde, aber auch Amine, ein Land inmitten des Unabhängigkeitskampf, Feminismus, sexualisierte Gewalt etc. Bei dieser Vielzahl an Themen schafft es die Autorin alles nur am Rande anzusprechen, es fehlte mir die tiefere Auseinandersetzung mit allem.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere