Cover-Bild Die Tochter
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20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 176
  • Ersterscheinung: 24.01.2022
  • ISBN: 9783446272323
Kim Hye-jin

Die Tochter

Roman
Ki-Hyang Lee (Übersetzer)

Kim Hye-jin, die neue literarische Entdeckung aus Südkorea, erzählt die Geschichte einer Frau, deren Weltbild angesichts des queeren Lebensentwurfs ihrer Tochter aus den Fugen gerät.

Seit Jahren teilen Mutter und Tochter wenig mehr als ein wortkarges Mittagessen pro Woche. Zwischen ihren Nudelschalen türmt sich ein Berg aus Ungesagtem. Die Mutter, Pflegerin im Seniorenheim, führt ein unauffälliges, bescheidenes Leben. Ihre Tochter Green hat einen anderen Weg gewählt: Sie hat keinen Mann, kaum Einkommen und liebt eine Frau. Als das Paar bei der Mutter einziehen muss, prallen die radikal verschiedenen Lebensentwürfe aufeinander.
Mit großer Sensibilität und sanfter Wucht ergründet Kim Hye-jin die Ängste einer Generation, die sich dem selbstbestimmten Leben ihrer Kinder stur in den Weg stellt. Ein notwendiger Roman über die Enge und Starrheit von Tradition und die Möglichkeit zum Wandel.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.04.2022

Kulturschock

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Dieses Buch hat auf jeden Fall tiefe Spuren bei mir hinterlassen. Der asiatische Raum allgemein, aber auch (Süd-)Korea im Besonderen war in meinem Lexikon der Allgemeinbildung bisher ein blinder Fleck. ...

Dieses Buch hat auf jeden Fall tiefe Spuren bei mir hinterlassen. Der asiatische Raum allgemein, aber auch (Süd-)Korea im Besonderen war in meinem Lexikon der Allgemeinbildung bisher ein blinder Fleck. Man kennt so einige schwammige Allgemeinplätze und -phrasen, das Bild das sie zeichnen, ist aber sehr trübe und nur schwer zu erkennen. Dank "Die Tochter" habe ich nun aber zumindest einen tiefen Einblick in die gesellschaftlichen Strukturen und Wertevorstellungen Südkoreas erhalten und es hat sich wie ein ziemlicher Kulturschock angefühlt.

Das Buch erzählt von einem namenlosen Mutter-Tochter-Gespann. Die Ältere besitzt ein Haus, muss aber auch in relativ hohem Alter noch für ihren Lebensunterhalt als Pflegerin in einem Seniorenheim arbeiten. Ihre Tochter arbeitet an der Universität, steckt aber aufgrund gewisser Umstände in finanziellen Schwierigkeiten und zieht nun mit ihrer Freundin wieder bei ihrer Mutter ein.

Die Erzählung, aus Sicht der Mutter mit ihren alten Wertevorstellungen geschildert, betrachtet zum einen die Arbeitssituation und den Umgang mit älteren, pflegebedürftigen Menschen, zum anderen die eigene Einstellung und mangelnde Akzeptanz zur/ der Homosexualität ihrer eigenen Tochter. Die Umstände im Pflegeheim sind erheblich auf Profit bzw Sparsamkeit ausgelegt, zu Lasten der Angestellten und vor allem der Bewohner. Die Alten werden ohne Anstand und Respekt behandelt, das Altern wird als etwas wenig erstrebenswertes dargestellt (zumindest solange man keine Familie hat, die sich um einen kümmern kann oder will).

Im krassen Kontrast dazu steht die Homosexualität der Tochter, die in Korea offenbar immer noch nicht akzeptiert wird und sogar als Kündigungsgrund angewendet werden kann.

Die Autorin hat ein einfühlsames Seelen- und Gedankenbild über Generationenkonflikte und Ansprüche im Wandel der Zeit und Gesellschaft gezeichnet. Es ist mit Sicherheit nicht leicht zu lesen, trifft einen mitunter sehr hart, liefert aber genauso auch interessante und wichtige Einblicke in eine so fremde und im Grunde verschiedene Kultur.

Ich habe es sehr gerne gelesen, werde es auch immer wieder in die Hand nehmen und habe viel Denkstoff daraus mitgenommen.

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Veröffentlicht am 20.02.2022

Weiter mitlaufen oder ausbrechen?

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Obwohl ich einen sehr breit gefächerten Buchgeschmack habe, war dies der erste Roman aus Südkorea, den ich gelesen habe. Überrascht hat mich schon zu Beginn die Sprache des Romans, die trotz Übersetzung, ...

Obwohl ich einen sehr breit gefächerten Buchgeschmack habe, war dies der erste Roman aus Südkorea, den ich gelesen habe. Überrascht hat mich schon zu Beginn die Sprache des Romans, die trotz Übersetzung, einen ganz anderen Klang hat und auch die Gedanken der Protagonistin in einer für mich neuen Art und Weise präsentierte.

Aus der Sicht der Protagonistin, die den Roman über ohne Name bleibt, taucht man in ihre Welt ein, die überwiegend aus ihrem Alltag und ihrer Arbeit in einem Pflegeheim besteht. Wäre da nicht ihre Tochter, so würde die "Mutter", wie ich sie fortan nennen möchte, einem sehr eintönigen Leben nachgehen. Doch das Leben der Tochter, die nur mit ihrem Spitznamen "Green" benannt wird, bringt das traditionelle Weltbild ihrer Mutter sehr ins Wanken, da sie auf Frauen steht; genauer gesagt auf ihre Freundin "Rain". Geldsorgen zwingen die beiden jungen Frauen, bei Greens Mutter einzuziehen, was deren Weltbild noch stärker in Schieflage bringt. Trotzdem die Mutter versucht, sich den beiden Mädchen und ihrem untraditionellen Lebensstil anzunähern, hat sie große Schwierigkeiten damit und leidet sowohl psychisch als auch körperlich sehr stark darunter. Eigentlich wünscht sie sich nämlich nichts anderes als in Konformität mit dem traditionellen Verständnis der südkoreanischen Kultur zu leben. Allerdings hat sie immer wieder Gedanken, die dem widersprechen. Auch wenn es um die Pflege der ihr zugeteilten älteren, dementen Dame Tsen geht. Und so befindet sie sich in einem ständigen inneren Konflikt, ob sie sich gegen das System auflehnen oder ob sie lieber weiter still und brav mitlaufen soll.

Ein sehr interessanter Roman, der mich viel ins Nachdenken gebracht hat. Ungewöhnlich zu lesen, wenn man sonst überwiegend "westliche" Bücher liest, aber sehr vielschichtig und interessant. Manche Passagen waren mir ein wenig zu sehr in die Länge gezogen und an der ein oder anderen Stelle fand ich es etwas holprig zu lesen, was sicherlich an der großen Diskrepanz beider Sprachen liegt. Für mich war es jedenfalls eine Lektüre, die mir viele neue Blickwinkel aufgezeigt hat und dafür bin ich dem Buch und der Autorin sehr dankbar. Allerdings blieb es mir zum Teil auch etwas zu sehr an der Oberfläche und mir fehlte an der ein oder anderen Stelle womöglich das Verständnis der koreanischen Kultur.

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Veröffentlicht am 03.02.2022

Love is Love - Der Kampf um selbstbestimmtes Lesen

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Eine Geschichte über ein Mutter Tochter Verhältnis, welches an dem Lebenswandel der Tochter zu zerbrechen droht. Die Tochter leidet unter Geldmangel und zieht mit Mitte Dreißig wieder bei der Mutter ein. ...

Eine Geschichte über ein Mutter Tochter Verhältnis, welches an dem Lebenswandel der Tochter zu zerbrechen droht. Die Tochter leidet unter Geldmangel und zieht mit Mitte Dreißig wieder bei der Mutter ein. Sie ist aber nicht allein, sondern bringt ihre Partnerin mit. Ihre Mutter kann das nicht akzeptieren, dass ihre Tochter eine Frau liebt. Gleichgeschlechtliche Liebe empfindet die Mutter als unanständig. Für sie ist das ekelhaft, was sie treiben. Ständig nörgelt sie, sie möchte doch ein normales Leben führen und einen Mann heiraten. Eine Familie gründen. Sie will ihre Freundin aus dem Haus werfen, da sie aber die Miete schon 4 Monate voraus bezahlt hat, kann sie nicht verhindern, dass die beiden im Haus zusammenbleiben. Wer auf so engem Raum zusammenlebt, da muss es Konflikte geben. Bei allem was passiert, ist für mich der ruhende Pol Rain, die Freundin ihrer Tochter. Bewundernswert wie sie alles aushält.

Große Menschlichkeit zeigt die Mutter bei der Arbeit im Pflegeheim. Wie hält man beißenden Uringestank und stinkenden Stuhl jeden Tag aus? Diese Leute sollten viel besser bezahlt werden. Was sie für ihre Patientin Tsen leistet ist bewundernswert, wenn auch die Entführung aus dem Pflegeheim sehr unrealistisch ist. So viel Menschlichkeit hätte ich ihr nicht zugetraut, weil sie bei ihrer Tochter einfach nicht nachgeben will. Ich bin selbst Mutter und kann ihre Abneigung gegenüber dem Lebenswandel ihres einzigen Kindes nicht nachvollziehen. Mütter wollen das Beste für ihre Kinder, man sollte aber nicht in Beziehungen sich einmischen. Das ist in Süd Korea wohl nicht der Fall, denn Homosexualität wird dort noch immer totgeschwiegen.

Zum Ende hin wird es versöhnlicher, aber die konservative Gesellschaft steht noch dazwischen. Der Roman liest sich flüssig, ich konnte ihn kaum aus der Hand legen. Ein Lob an die Autorin, ich habe selten so ein gutes Buch gelesen, wenn es teilweise um das Thema queer ging. An den kühlen Ton im Buch musste ich mich zu Beginn erst gewöhnen.

Ich vergebe volle 4 Sterne und eine Lese Empfehlung.

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Veröffentlicht am 03.02.2022

Das Dilemma mit der Realität...

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Kultur aus Südkorea ist ja gerade mega in und nachdem mich bereits südkoreanische Lektüre gut unterhalten hatte und so besonders war, wollte ich auch dieses Buch unbedingt lesen.

In der Geschichte geht ...

Kultur aus Südkorea ist ja gerade mega in und nachdem mich bereits südkoreanische Lektüre gut unterhalten hatte und so besonders war, wollte ich auch dieses Buch unbedingt lesen.

In der Geschichte geht es um ein Mutter- Tochter- Verhältnis. Aus Geldmangel muss die Tochter wieder bei der Mutter einziehen, was die andere mit Zähneknirschen hinnimmt. Doch außer Green zieht auch deren Partnerin mit ein. Was sollen die Leute denken?

Die Handlung wird uns über die Mutter als Ich- Erzählerin nahe gebracht, die dauerhaft namenlos bleibt. Durch diese Perspektivwahl bekommen wir ihre Gedanken und Emotionen hautnah mit. Sie ist gefangen in dem was sie von der Gesellschaft gelernt hat und das was jetzt neu auf sie zu kommt, nämlich dass sie eine Tochter hat, die wohl nicht mit Mann und Kindern leben wird. Dieser Zwiespalt ist enorm gut heraus gearbeitet.

Zudem versteckt sich im Buch an vielen Stellen Gesellschaftskritik. So wird deutlich, dass man immer mehr für weniger arbeiten muss und wie die Zustände in der Gesellschaft, in Pflegeeinrichtungen und ähnliches sind.

Green und Rain haben in meinen Augen eher Gastrollen gespielt. Man bekommt nur durch den Blick der Mutter deren Beziehung mit, aber eben eingefärbt durch Vorurteile und Klischees, aber nie die Realität. Die beiden waren mir durchaus sympathisch, da hätte ich zu gern auch mal deren Perspektiven erlebt.

Für mich war besonders, dass die Mutter eine enorme Entwicklung durchmacht und dann doch mehr auf den Bauch hört, was ich als gut und richtig empfand.

Etwas schade fand ich, dass die letzten fünfzig Seiten nicht mehr ganz so gut waren wie der Rest. Ich glaube 80 Prozent der Menschen würden das was die Mutter auf sich nimmt einfach nicht tun. So gutherzig ist leider kaum jemand und deswegen war das Ende für mich nicht ganz glaubwürdig.

Fazit: Eine intensive Geschichte über ein Thema, das immer mehr in den Fokus rücken sollte. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und viel über Südkorea gelernt.

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Veröffentlicht am 16.07.2022

Einander (nicht) verstehen

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Eine Frau in Südkorea - Anfang sechzig verwitwet, Mutter einer erwachsenen Tochter. Sozial befindet sie sich - so schätze ich es ein - wohl so in der Mitte der Gesellschaft, doch in ihrer Heimat ist es ...

Eine Frau in Südkorea - Anfang sechzig verwitwet, Mutter einer erwachsenen Tochter. Sozial befindet sie sich - so schätze ich es ein - wohl so in der Mitte der Gesellschaft, doch in ihrer Heimat ist es wohl für keinen einfach, finanziell klarzukommen und so arbeitet sie als Pflegerin in einem privaten Altenheim. Sie ist zuständig für eine einzige Patientin, eine sehr interessante Frau, die ein Leben im Ausland, verbunden mit dem Einstehen für zahlreiche Menschen hinter sich hat. Sie kann nicht verstehen, dass diese, jetzt, auf den letzten Stufen ihres Lebens und obwohl sie für ihre Unterkunft selbst zahlt und zwar eine ordentliche Summe, von der Leitung des Heimes mehr und mehr mit Geringschätzung behandelt wird und versucht ihrerseits, soweit möglich, es ihr noch so bequem wie möglich zu machen.

Ihre Tochter trifft sie nur einmal wöchentlich und wenn diese sich außer der Reihe meldet, geht es immer nur um Geld. Um sie unterstützen zu können, erwartet die Tochter sogar, dass die Mutter ihr eigenes Leben umstellt, selbst auf den wenigen Komfort, den sie hat, verzichtet.

Doch irgendwann ergibt sich die Notwendigkeit, dass die Tochter - selbst schon über Dreißig - zu ihrer Mutter zurückzieht, aus rein wirtschaftlichen Gründen. Sie kommt nicht allein, sondern mit ihrer Lebensgefährtin.

Die Homosexualität ihrer Tochter kann die Mutter nicht akzeptieren, obwohl die Partnerin ihrer Tochter eine überaus angenehme junge Frau ist, die sich zudem durchaus um sie bemüht. Erst durch die Eskalation der Situation der queeren Community wie auch der Situation im Pflegeheim kann sie sich öffnen.

Ein ungewöhnlicher Roman, der sowohl einfühlsam als auch kraftvoll daher kommt. Gerade dadurch, dass der Schilderung eine gewisse Sachlichkeit zugrunde liegt, gewinnt die Handlung an Eindringlichkeit./