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Veröffentlicht am 25.06.2022

Rotschlipse

Die Jagd nach dem Stiefel
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1932, kurz vor dem Machtantritt der Nazis. Die Zeiten sind hart, kriegshetzerische Stimmen werden immer lauter, die Nazis sind überall auf dem Vormarsch. Paul, ein zwölfjähriger Junge, findet beim Zeitungsaustragen ...

1932, kurz vor dem Machtantritt der Nazis. Die Zeiten sind hart, kriegshetzerische Stimmen werden immer lauter, die Nazis sind überall auf dem Vormarsch. Paul, ein zwölfjähriger Junge, findet beim Zeitungsaustragen eine Leiche: Jemand hat den Schiemann von der Antifa ermordet! Zusammen mit seinen Freunden Jack, Gerda, Rosel, Fanny und Falkenauge macht er sich auf die Jagd nach dem Mörder. Ihr einziger Hinweis ist eine Zeitung mit einem Stiefelabdruck, einem Stiefel mit Nägeln, wie sie zumeist von Nazis getragen werden. Sie prägen sich den Abdruck ein und suchen in der ganzen Gegend nach diesem einen Stiefel, denn wenn sie den finden, finden sie auch den Mörder ...

Hier taucht man ganz tief in eine sehr dunkle Zeit ein und bekommt aus Sicht von Kindern die volle Breitseite dessen, was es bedeutet, zu den armen Arbeiterschichten zu gehören. Dennoch lassen sich diese sechs Freunde nicht unterkriegen, im Gegenteil. Auf clevere und mutige Art und Weise trotzen sie nicht nur gehässigen, wohlhabenden Klassenkameraden, sondern tragen ihr Herz auch auf dem rechten Fleck und wollen einen Mörder, der von der Polizei höchstens halbherzig verfolgt wird, das Handwerk legen. Etwas ungewohnt und seltsam erscheinen solche Worte wie "Genosse", wenn es von den Kindern verwendet wird; auch die Sache mit den Pionieren kannte ich bisher nur aus DDR-Literatur. Dennoch gehörte es einfach zur damaligen Zeit. Das Einzige, was mich wirklich etwas gestört hat, war die Logik - ich glaube, nicht einmal in der damaligen Zeit ohne DNA-Spuren würde man jemanden als Mörder anklagen, nur weil man seinen Stiefelabdruck neben einer Leiche gefunden hätte, aber gut. Richtig erschütternd fand ich, was im Epilog darüber erzählt wurde, was aus den sechs Freunden wurde - nur drei von ihnen überlebten diese grausame Zeit. Jedenfalls fände ich es gut, dieses Buch als Schullektüre einzuführen.

Veröffentlicht am 18.04.2022

Tochter der Ojibwe

Firekeeper's Daughter
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Daunis ist 18, sehr clever und steht kurz davor, ihr Studium zu beginnen. Außerdem ist sie halb und halb eine Ojibwe; ihr Vater gehörte zum Tribe, ihre Mutter ist alter, weißer Michiganadel. Zum Glück ...

Daunis ist 18, sehr clever und steht kurz davor, ihr Studium zu beginnen. Außerdem ist sie halb und halb eine Ojibwe; ihr Vater gehörte zum Tribe, ihre Mutter ist alter, weißer Michiganadel. Zum Glück hat sie ein sehr gutes Verhältnis zu den meisten ihrer indigenen Verwandten und auch ihre beste Freundin ist ein Teil des Stammes. Eines Tages wird sie ermordet, vor Daunis Augen, von einem Freund, der unter Drogen steht. Doch wie gelangten diese Drogen überhaupt ins Reservat? Und welche Rolle spielen der neue Mitschüler Jamie, der sich gleich ins Eishockeyteam von Daunis' Bruder gespielt hat? Wenn Daunis Antworten will, muss sie sowohl ihre weiße als auch ihre indigene Hälfte umarmen und sich auf unangenehme Wahrheiten und lebensgefährliche Situationen einstellen.

Gleich vorneweg: Wer kitschiges NA oder YA erwartet, ist hier falsch. Zwar beginnt das Buch recht gemütlich mit typischen Problemen Jugendlicher überall auf der Welt, aber schnell merkt man, dass das Leben und die Kultur der Ojibwe doch etwas abweichen. Die Denk- und Lebensweise unterscheidet sich ziemlich von der unseren und hier wird auch nicht der edle Wilde aka Winnetou propagiert, der nichts falsch machen kann. Sowohl auf indigener als auch auf weißer Seite gibt es die Anständigen und diejenigen, denen alles außer Profit und Macht egal ist und natürlich alle Aspekte dazwischen. Mir gefällt, dass Daunis eine intelligente, junge Frau ist, die ihren Weg geht, und die auch nicht ihren Verstand verliert, weil ein hübscher Typ sich für sie interessiert. Der Anfang war vielleicht ein bisschen gemütlich, sorgte aber dafür, dass man in das Geflecht der Beziehungen und wer zu wem gehörte, einsteigen konnte. Das Buch ist geeignet für Leute, die sich auf andere Kulturen einlassen möchten und nicht empört sind, wenn es auf realistische und unkitschige Weise endet. 4,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 15.03.2022

Hinter der Maske

Would You Miss Me?
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Jahrelang waren Nora und Vivien die besten Freundinnen, beinahe wie Schwestern. Bis zu dem Tag, an dem sie sich verstritten haben - ausgerechnet wegen eines Jungen. Drei Wochen Funkstille, dann erhält ...

Jahrelang waren Nora und Vivien die besten Freundinnen, beinahe wie Schwestern. Bis zu dem Tag, an dem sie sich verstritten haben - ausgerechnet wegen eines Jungen. Drei Wochen Funkstille, dann erhält Nora eine Message mit gelöschtem Text. Und dann ist Vivien verschwunden, einfach so. Nora ist sicher, dass ihr etwas passiert ist, doch niemand scheint daran zu glauben. Als Viviens Sachen unten am Fluss gefunden werden, halten sie alle für tot. Doch Nora gibt ihre Suche und ihre Freundschaft nicht auf, und selbst wenn das bedeutet, dass sie sich auf Viviens neue Freunde einlassen muss, die totale Vollpfosten sind. Aber sind sie das wirklich? Nora lernt in kurzer Zeit nicht nur etwas über ihr Verhältnis zu Vivien, sondern auch über andere Menschen.

Es ist kein Geheimnis, dass ich die Bücher von Heidrun Wagner mag. Es handelt sich immer um Jugendthriller, in denen sie es schafft, den typischen Jugendspeak aufzugreifen, ohne ihn übermäßig zu strapazieren. Sie legt jede Menge falscher Fährten und ihre Geschichten nehmen zwar (erste) Liebe mit ins Programm, jedoch angenehm unkitschig und so verpackt, dass nicht einmal Leute ohne Herz mit den Augen rollen müssen. Bis auf eine Stelle am Schluss, die mir geringfügig übertrieben vorkam, fand ich das Buch durchweg mega unterhaltsam, spannend und flüssig, beinahe schon süffig zu lesen. 4,5/5 Punkten und eine Empfehlung für Leute, die keinen Bock mehr auf den üblichen Kitsch haben.

Veröffentlicht am 01.02.2022

Fitness forever

Für Fitness ist es nie zu spät
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Erika Rischko schafft acht Minuten Unterarmstütz, stemmt 50 Kilo, macht Wandhocke mit 50 Kilo, acht Stunden Spinning, Hardcore Fitness vom Feinsten. Na und, sagt ihr vielleicht. Gibt ja genügend Leistungssportler, ...

Erika Rischko schafft acht Minuten Unterarmstütz, stemmt 50 Kilo, macht Wandhocke mit 50 Kilo, acht Stunden Spinning, Hardcore Fitness vom Feinsten. Na und, sagt ihr vielleicht. Gibt ja genügend Leistungssportler, die das machen.

Mag sein. Aber sind diese Leistungssportler auch 82 Jahre alt?

Erika ist eine kleine, zierliche Person und man mag gar nicht glauben, wozu sie fähig ist, doch sie beweist es auf ihren Social Media Kanälen allen Skeptikern. Dabei hat sie erst mit Mitte 50 überhaupt angefangen, sich für ihre Fitness zu interessieren.

Mit diesem Buch hat sie ein Motivationswerk geschaffen, das anspornt, Wissen kompakt zusammenfasst und über 70 Übungen vorstellt, mit denen man gezielt alle Muskelgruppen trainiert. Dabei gibt es auch Checklisten, um seinen eigenen Stand erst einmal feststellen zu können und Trainingsprogramme als Einstieg, bevor man sich daran wagt, vielleicht seine eigenen Gruppen zusammenzustellen.

Der Fitness-Doc Professor Froböse gibt dazu noch Tipps in Bezug auf Gesundheit und Ernährung. All die zusammengefassten Erkenntnisse sind eigentlich nicht neu, aber hier schön kompakt dargestellt, um wieder auf den richtigen Weg zu gelangen.

Die Erkenntnis: Jeden Tag ein bisschen Training tut überhaupt nicht weh und für Fitness ist es nie zu spät.

Veröffentlicht am 23.01.2022

Einen Donnerstag später

Der Mann, der zweimal starb (Die Mordclub-Serie 2)
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Manchmal sollte man vorsichtig sein mit dem, was man sich wünscht. Während die knuffige alte Joyce sich ein bisschen mehr Action wünscht - hat sie doch scheinbar Blut geleckt bei dem ersten Fall, den der ...

Manchmal sollte man vorsichtig sein mit dem, was man sich wünscht. Während die knuffige alte Joyce sich ein bisschen mehr Action wünscht - hat sie doch scheinbar Blut geleckt bei dem ersten Fall, den der Donnerstagmordclub gelöst hat - wird zuerst ihr lieber Freund Ibrahim von Kleinkriminellen überfallen und schwer verletzt und dann taucht auch noch einer von Elizabeths alten Ex auf: in mehrfacher Hinsicht. Er ist ein alter Geheimdienstkollege und außerdem ein geschiedener Ehemann. Und er hat Probleme, die 20 Millionen Pfund wert sind. Der Donnerstagmordclub läuft zu Höchstform auf, ganz besonders, als rechts und links wieder Tote den Weg säumen. Gegen diese Truppe sehen sämtliche Kriminellen alt aus.

Mann, ich liebe diese alten Herrschaften! Die sind so wahnsinnig clever, rührend umeinander besorgt, richtig gute Freunde. Und sie haben mittlerweile auch richtig gute Freunde bei Polizei und gewissen Kreisen, von denen die Polizei nicht unbedingt etwas wissen möchte. Auf jeder Seite gibt es Tränen zu lachen und im nächsten Moment wieder erschütternde Ereignisse zu bedauern. Dabei sind die alten Leute natürlich keine Superhelden. Sie haben ihre Wehwehchen, machen das aber mit Cleverness und einer Kaltschnäuzigkeit wett, die einfach nur beeindruckend ist. Gut gefällt mir, dass hier nicht auf Zehenspitzen um den unvermeidlichen Tod oder Demenz oder andere altersbedingte Probleme getippelt wird; diese Themen nehmen die Ladies und Gentlemen genauso bei den Hörnern wie alles andere, das sie anpacken. Das Einzige, was man vielleicht ein bisschen kritisieren könnte, wäre ihre Wunderwaffe Bogdan, aber da auch dieser so sympathisch ist, lasse ich das durchgehen und wünsche mir einfach nur endlich eine Verfilmung bei Netflix. 4,5/5 Punkten.