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Veröffentlicht am 04.04.2022

Welch ein außergewöhnlich gutes Buch

Wo die Wölfe sind
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Inti Flynn lebt mit ihrer Zwillingsschwester sehr zurückgezogen in den schottischen Highlands. Gemeinsam mit ihren Kollegen möchte sie hier Wölfe ansiedeln. Sie liebt diese Tiere und weiß, welchen Mehrwert ...

Inti Flynn lebt mit ihrer Zwillingsschwester sehr zurückgezogen in den schottischen Highlands. Gemeinsam mit ihren Kollegen möchte sie hier Wölfe ansiedeln. Sie liebt diese Tiere und weiß, welchen Mehrwert sie für die Natur haben. Jedoch sehen das die Einwohner des Ortes nicht so. Inti muss viel Aufklärungsarbeit leisten und dabei wird ihre Geduld auf eine harte Probe gestellt. Aber „Wo die Wölfe sind“ ist so viel mehr, als „nur“ ein Buch über Wölfe.

Inti leidet an einer Krankheit, die äußerst selten ist. Die „Mirror-Touch-Synthesie“ lässt Betroffene den Schmerz erleiden, den ihr Gegenüber im gleichen Moment spürt. Kaum vorstellbar, wie belastend das sein kann. Wer sich näher dazu informieren möchte, der sollte im Netz fündig werden, dann ja, diese Erkrankung gibt es tatsächlich.

Das Buch ist für mich ein weiteres Highlight im Lesejahr 2022. Die Autorin beschreibt ihre Zuneigung zur Natur und hier ganz besonders zu Bäumen. Sie und ihre Schwester lernten vom Vater, mit ihnen zu „reden“. Sie hörten Wurzeln sprechen, wenn sie ihr Ohr auf die Erde legten. Und dann die Zuneigung zu „ihren“ Wölfen. Oh man, kein Mensch schaffte bisher, dass ich mich für diese Tiere interessierte. Dabei lebten sie doch weit vor mir auf dieser Erde und gehörten zum Ökosystem dazu. Bis der Mensch sie ausrottete.

Die schöne Sprache und die vielen Bilder, die beim Lesen in meinem Kopf entstanden, ließen mich wahrhaftig genießen. Ich tauchte ein in die Natur Schottlands und zitterte mit Inti. Auch die Skepsis der Einwohner konnte ich gut verstehen. Selbst die Spannung kam nicht zu kurz. Ein wunderbares Buch, dass ich ohne Abstriche empfehle, der sich für Natur und gute Literatur begeistern kann.

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Veröffentlicht am 02.04.2022

So anschaulich kann Geschichtsunterricht sein

Das Spital zu Jerusalem
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Immer wieder gab es Christen, die ins „gelobte Land“ zogen. Sie wollten in Palästina für ihr Recht kämpfen und „Ungläubige“ bekehren. Dazu zählten Ritter, Bauern, Tagelöhner und einfache Leute.
"Das Spital ...

Immer wieder gab es Christen, die ins „gelobte Land“ zogen. Sie wollten in Palästina für ihr Recht kämpfen und „Ungläubige“ bekehren. Dazu zählten Ritter, Bauern, Tagelöhner und einfache Leute.
"Das Spital zu Jerusalem" berichtet davon. Die Hauptpersonen des Romans sind ein Jude, der inkognito reist und eine junge Frau, die als Tochter eines reichen Kaufmanns stets unter strenger Beobachtung steht.

Der Jude stammt aus Mainz und musste mit ansehen, wie seine Lieben von brutalen Christen niedergemetzelt wurden. Um nicht alleine zu bleiben schloss er sich einer Schar von Christen an, die gen Jerusalem zogen. Das war gefährlich und immer wieder hatte ich die Befürchtung, dass er als Jude erkannt wurde. Die Tochter des Kaufmanns hatte zwar ihren Starrkopf, konnte sich aber am Anfang der Geschichte kaum gegen ihren strengen Vater durchsetzen.

Dieser Historische Roman besticht durch intensive Recherche. Es dauerte zwar eine Weile, bis ich mit den vielen Namen und Orten des Geschehens zurecht kam. Meine Ausdauer wurde belohnt und ich tauchte ein in die Zeit um 1095. Es ist für mich undenkbar, welche Mühen Menschen auf sich nahmen, um ihren angeblich „einzig wahren“ Glauben zu verteidigen. Aber dann frage ich mich, ob es nicht heute auch so ist? Gibt es nicht genug Auseinandersetzungen, die mit Glaubensfragen im Zusammenhang stehen?

Die Geschichte der Johanniter war interessant und spannend zu lesen. Es gefällt mir, wenn Romane wesentliche Fakten gut verpackt und anschaulich darstellen. Das ist dem Autor bei diesem Buch gelungen.

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Veröffentlicht am 25.03.2022

Die Kunst des erzählenden Sachbuchs wurde perfekt umgesetzt

Putins Netz. Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste
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„Putins Netz“ wurde zu einer Zeit veröffentlicht, die passender nicht sein konnte. Die Autorin hätte wohl auch nicht gedacht, dass Putin diesen Krieg anzetteln würde. Allerdings zeigt das Buch, dass die ...

„Putins Netz“ wurde zu einer Zeit veröffentlicht, die passender nicht sein konnte. Die Autorin hätte wohl auch nicht gedacht, dass Putin diesen Krieg anzetteln würde. Allerdings zeigt das Buch, dass die Entwicklung Putins so enden musste. Es beschreibt nicht nur seinen Werdegang, sondern auch jenen, den seine Befürworter durchliefen. Wie aus einem unbekannten Mitarbeiter des KGB´s dieser „Zar“ werden konnte, das ist so unglaublich, dass es fast wie ein Thriller anmutet.

Es dauerte etliche Tage, bis ich mich durch den dicken Wälzer durcharbeitete. Viele Namen, die häufig russisch und daher für mich schwer zu behalten waren, stoppten den Lesefluss immer wieder. Der Autorin gelang allerdings der Spagat zwischen trockenem Sachbuch und unterhaltsamer Lektüre. Aber es gibt auch mir bekannte Persönlichkeiten, wie Obama, Trump oder Merkel, die erwähnt werden. Es ist unglaublich, wie Herr Putin zunächst in sein Amt gedrängt wurde und es jetzt nicht mehr abgeben möchte. Wie er und seine Mannen Unmengen an Geld in die Hand nahmen und nehmen, wie sie zudem alle ihre Fühler nach Europa ausstreckten. Und sie sind heute fest in vielen Statten der Union etabliert.

Nie hätte ich gedacht, dass tatsächlich Menschen getötet und/oder moralisch zerstört wurden, nur weil sie den Ansichten des Kremls, in Person Putin, widersprachen. Welchen Zusammenhang es zwischen den Prunkbauten in Moskau und den Zuwendungen aus dem „Westen“ für die russische Bevölkerung gibt. Und dass Trump enge Beziehungen zu Russland pflegte, das ist wohl jedem bekannt, der seinen Werdegang verfolgt. Oh man, welch ein Chaos der Seilschaften, welches nur die Betroffenen erkennen. Eins steht fest: Die Grundlage des hier beschriebenen Übels ist sehr viel Geld. Und dieses wird nicht den Armen, sondern den Reichsten der Reichen nützen.

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Veröffentlicht am 22.03.2022

Welch ein bemerkenswertes Buch

Der Aufgang
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Stefan Hertmans kauft ein altes Haus in Belgien. Dabei hätte er nie daran gedacht, dass dieses Gebäude einmal Thema seines Buches werden sollte. Schnell erfuhr er, dass in dem Haus ein NS-Offizier lebte. ...

Stefan Hertmans kauft ein altes Haus in Belgien. Dabei hätte er nie daran gedacht, dass dieses Gebäude einmal Thema seines Buches werden sollte. Schnell erfuhr er, dass in dem Haus ein NS-Offizier lebte. Herr Hertmans forschte nach und heraus kam dieses bemerkenswerte Buch
„Der Aufgang“.

Welch ein fantastisches Werk. Die Sprache, die Fakten und die Fotos, eine Harmonie, die ich so noch bei keinem Buch finden konnte. Der SS-Mann Wilhelm Verhulst verschwieg gekonnt, was er hinter dem Rücken seiner Frau trieb. Und das nicht ohne Grund. Die war nämlich so gar nicht mit dem einverstanden, was ein Herr H. trieb. Sie konnte wohl als Pazifistin durchgehen.

Das Buch ist ein wertvolles Stück Zeitgeschichte und deckt etliche Fakten auf, die mir so nicht bekannt waren. Oder hätten Sie gewusst, dass in Belgien Büsten aus Gips aufgestellt wurden und von wem sie stammten? Oder wie auch dort die Menschen verfolgt wurden, nur weil sie Juden waren? Dass einige Anhänger dann Unterschlupf in Deutschland fanden, ist wohl das Ergebnis ihrer Loyalität zu H.

Stefan Hertmans sprach mit den Kindern und Kindeskindern des Ehepaares Verhulst. Er schlug viele Unterlagen nach und sorgte so für die Authentizität seines Romans. Und das Cover ist mal wieder sehr gelungen. Wie eigentlich immer beim Verlag Diogenes.

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Veröffentlicht am 09.03.2022

Eine spannende Ermittlung in Dänemark

Gezeitenmord
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Darauf wartete sie schon lange. Endlich darf Lykke Teits selbstständig in einem Mordfall ermitteln. Und dann wird ihr auch noch ein sympathischer Kollege aus Deutschland zur Seite gestellt. Besser kann ...

Darauf wartete sie schon lange. Endlich darf Lykke Teits selbstständig in einem Mordfall ermitteln. Und dann wird ihr auch noch ein sympathischer Kollege aus Deutschland zur Seite gestellt. Besser kann es für sie nicht laufen. Aber dann entwickelt sich der Fall zu einem ganz persönlichen Trauma. Ein Mann wird tot im Watt gefunden. Von einem Jungen, der danach nicht mehr aufzufinden ist. Er wurde entführt. Die Einwohner des Ortes Melum sind in Aufruhr, da vor etlichen Monaten bereits ein Mädchen verschwand. Was ist los an der dänisch/deutschen Grenze? Treibt sich ein Pädophiler Triebtäter hier herum?

„Gezeitenmord“ entführte mich einmal mehr nach Dänemark nahe der Grenze zu Deutschland. Die Autorin beschreibt die Gegend rund um Aarhus recht bildhaft und das gefiel mir gut. Die Story nimmt schnell Fahrt auf und immer wieder gibt es spannende Augenblicke. Beschrieben werden die Gedanken der Ermittler und auch der entführte Junge kommt immer mal wieder zu Wort. Ob er gerettet werden kann und wer der oder die Täter sind, das erfahren Sie, wenn sie das unterhaltsame Buch „Gezeitenmord“ lesen.

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