Profilbild von Haberleitner

Haberleitner

Lesejury Star
offline

Haberleitner ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Haberleitner über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.12.2025

Wahre Freundschaft

Kursänderung
0

„Kursänderung – Reise mit Hindernissen“ von Johanna Ritter ist eine liebenswerte Geschichte über ein paar alte Leute und deren Freundschaft. Das rund 130 Seiten umfassende Büchlein erschien 2015 im SPICA ...

„Kursänderung – Reise mit Hindernissen“ von Johanna Ritter ist eine liebenswerte Geschichte über ein paar alte Leute und deren Freundschaft. Das rund 130 Seiten umfassende Büchlein erschien 2015 im SPICA Verlag; es ist die Fortsetzung von „Teezeit am Meer“.

Die Geschichte liest sich leicht und locker, sie ist humorvoll und vor allem mit sehr viel Einfühlungsvermögen in die Gedankenwelt älterer Menschen verfasst. Man fühlt sich auch ohne Kenntnis des Vorgängerbandes rasch vom Umfeld eingefangen. Trotzdem erscheint es besser, wenn man die Details der Vorgeschichte kennt. Sehr anschaulich spiegelt sich auch das Lokalkolorit einer ostfriesischen Insel wider, das raue Meer und stürmische Wetter, die Dünenlandschaft, das Ambiente, die spezielle ostfriesische Teezeremonie.

Im Mittelpunkt stehen Helga, Lotte und Hinnerk, drei alte Leute, die sich regelmäßig in einem Teestübchen treffen, einfach um gemeinsam verschiedene Teesorten zu genießen, zu plaudern und füreinander da zu sein. Vor ca. einem Jahr verstarb die Vierte im Bunde, Hilde. Nun sitzen sie etwas trübsinnig nur noch zu dritt an ihrem Stammtisch mit Meerblick. Sie vermissen Hilde. Nicht nur im Teestübchen, alles auf der Insel erinnert die Vier an gemeinsame Stunden, Unternehmungen. Besonders die zwei Frauen empfinden das unerträglich, planen sogar einen Umzug aufs Festland, wovon Hinnerk, der fest verwurzelt mit der Insel ist, nichts wissen möchte. Diese Meinungsverschiedenheit trübt die guten freundschaftlichen Beziehungen etwas. Fürs Erste planen sie Urlaubsreisen. Lotte und Helga schließen sich einer Damen-Reisegruppe an. Hinnerk, angeregt durch eine Lektüre über den Jakobsweg, will den norddeutschen Jakobsweg bewältigen. Er kann Tjalf, den Wirt des Teestübchens als Begleitung gewinnen. Obwohl die beiden Männer die Reise akribisch vorbereiten, stellt sich dem gemeinsamen Marsch letztlich ein Hindernis nach dem anderen in den Weg. Es passiert so einiges, das zwar die Pläne aller durchkreuzt, aber letztlich zeigt, wie wertvoll verlässliche Freunde und rege soziale Kontakte sind. Schließlich sind nicht nur sämtliche Missverständnisse aus dem Weg geräumt, sondern es eröffnen sich völlig unerwartete Möglichkeiten fürs Zusammenleben.

Mit hat diese Kurzgeschichte, in der es um wahre Freundschaft, Verbundenheit mit der Heimat und liebgewordene Traditionen geht, sehr gut gefallen. Die Charaktere sind lebendig gezeichnet, sie sind liebenswürdig, ein wenig schrullig und haben das Herz am rechten Fleck.

Eine bezaubernde Geschichte für zwischendurch, die ich gerne weiterempfehle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.11.2022

Tumult am Weihnachtsmarkt

Vergifteter Advent
0

„Vergifteter Advent“ von Mona Frick ist der erste Band der Kurzkrimi-Reihe rund um Oberkommissar Schäfer.
Ich bewerte hier nicht das Hörbuch, sondern die Taschenbuchausgabe.

Klappentext:
Menschen strömen ...

„Vergifteter Advent“ von Mona Frick ist der erste Band der Kurzkrimi-Reihe rund um Oberkommissar Schäfer.
Ich bewerte hier nicht das Hörbuch, sondern die Taschenbuchausgabe.

Klappentext:
Menschen strömen zum Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Unter ihnen: Einer gegen seinen Willen, einer mit einem mörderischen Plan und eine junge Frau voller Vorfreude. Beim Stand von Weihnachtsmann & Co. kreuzen sich alle Wege.
Wird es dem gewitzten Oberkommissar Schäfer und seinem jungen Kollegen Florian Henning gelingen, ein Attentat zu vereiteln?
Und was hat S21 damit zu tun, oder die illegale Organisation "Der süße Kuss"?

Ich stieg seinerzeit bei einer Leserunde mit Band 7 in die Serie ein, habe seither alle Folgebände gelesen, die davor wollte ich schon längst nachholen. Vorzüglich zur Jahreszeit passend verströmt der erste Band vorweihnachtliches Flair, mit Glühwein, Glitzerschmuck und Weihnachtsklängen.

Es ist ein nur knapp 40 Seiten umfassendes Büchlein mit einem weihnachtlich anmutenden Cover. Die Geschichte ist in mehrere Abschnitte unterteilt, wodurch man einerseits die Protagonisten näher kennenlernt, und andererseits die Geschehnisse am Weihnachtsmarkt jeweils aus deren Perspektive miterlebt. Da ist das Ehepaar Bromstetter, das einen Busausflug nach Stuttgart unternimmt, ein Mann namens Rüdiger Riedel, dessen Motivation zum geplanten Attentat man erfährt, Oberkommissar Schäfer und sein neuer Kollege Florian, die sich auf die Jagd nach dem Attentäter machen müssen, und Florians Freundin Katja, die die Weihnachtsatmosphäre genießt und nicht ahnt, welche Gefahr naht.

Der Schreibstil ist flüssig, in einer minimalistischen Art doch so beschreibend, dass sowohl das Stimmungsvolle des Weihnachtsmarkts, die wesentlichsten Hintergrundinformationen zu den verbrecherischen Machenschaften als auch die markantesten Charakteristika der Protagonisten zum Ausdruck kommen. Alles wirkt anschaulich und lebendig. Spannung, ein bisschen Action und vor allem auch eine Prise Humor runden diesen Kurzkrimi ab. Insbesondere Schäfers schwäbischer Dialekt lässt einen immer wieder schmunzeln.

Das Büchlein ist ideal für eine kurze Fahrt oder Wartezeit beim Arzt. Und es animiert zum Weiterlesen. Ich kenne ja schon einige der zukünftigen Fälle, die Schäfer und Bromstetter zu lösen haben – ich verrate euch: sie erleben so einiges Unterhaltsames wie auch Spannendes!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.03.2022

Es ist wundervoll, einander zu haben und alles zu zweit erleben zu können.

Eine Oase in Regensburg
0

Mit „Eine Oase in Regensburg“ endet nunmehr die berührende Trilogie von Rüdiger Marmulla rund um die wiedergefundene Jugendliebe von Richard.

Worum geht es?
Als Dana und Richard den Dachboden ihres Hotels ...

Mit „Eine Oase in Regensburg“ endet nunmehr die berührende Trilogie von Rüdiger Marmulla rund um die wiedergefundene Jugendliebe von Richard.

Worum geht es?
Als Dana und Richard den Dachboden ihres Hotels ausbauen wollen, um gemeinsam mit einem Schriftsteller eine Schreibwerkstatt zu eröffnen, findet sich in einem Versteck eine Fliegerbombe, deren Entsorgung ihr Projekt nicht nur verzögert, sondern bedroht. Zudem zieht ein schwerer Unfall Danas schlimme Folgen nach sich und stellt die Liebe der beiden auf eine harte Probe.

Wie die Vorgängerbände punktet auch diese Novelle durch die liebenswürdigen Akteure, die harmonische Atmosphäre, viel Gefühl und Verständnis. Wie groß die Probleme auch sind, die auf die Protagonisten herab prasseln, sie meistern alles mit unerschütterlichem Optimismus und tief empfundener Liebe.

Ich habe dieses rund 80 Seiten umfassende Buch diesmal in einem Zug ausgelesen. Es ist leicht und flüssig verfasst, meist bloß eine Seite pro Kapitel. Durch die vorwiegende Dialogform fühlt man sich sehr vertraut mit Dana und Richard. Schnell ist man mitten im Geschehen, es ereignet sich ja so einiges, man fühlt und bangt mit ihnen mit. Detaillierte Beschreibungen von Örtlichkeiten oder Personen bietet der Autor nicht, hier bleibt das meiste der Fantasie des Lesers überlassen. Auch wenn ich das eine oder andere fürs Kopfkino vermisst habe, so verstand ich doch, dass das Emotionale im Mittelpunkt stand.

Es erstaunt mich immer wieder, wie es dem Autor gelingt, trotz minimalistischer Ausschmückung so stark Gefühle zu vermitteln. Stichwort: bedingungslose Liebe. Und es ist genau das, was einen als Leser:in berührt, die tiefe Liebe, die sich durch das gesamte Buch, durch die gesamte Trilogie zieht. Nach dem Motto: „Es ist wundervoll, einander zu haben und alles zu zweit erleben zu können.“ Wer ersehnt sich das nicht? Oder wer, der die Liebe des Lebens fand, hatte diesen Gedenken noch nicht: „Der Winter des Lebens ist die Zeit, in der der Partner gegangen ist und man allein übrigbleibt. Daran mag ich jetzt gar nicht denken. Ich will, dass der Herbst, in dem wir jetzt sind, noch lange anhält. Ich will dich nicht verlieren.“ Ich jedenfalls konnte mich da voll identifizieren.

Die Trilogie wurde mit einer Rückblende auf den Beginn des ersten Bandes, auf die erste Begegnung Richards mit Dana, als Jugendlicher bei einem Schulfest, harmonisch abgerundet und schließt mit einem optimistischen Blick in die Zukunft.

Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, man muss also die Vorgängerbände nicht gelesen haben, aber ich würde es empfehlen. Denn gewisse Nuancen und Reaktionen der Protagonisten vermag man eben nur zuzuordnen, wenn man die komplette Serie kennt.

Es waren wieder sehr beglückende und besinnliche Lesestunden, die mir dieses Büchlein beschert hat, ein Abdriften in ein bisschen heile Welt – das tut in Zeiten wie diesen besonders gut.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.06.2021

Malerische, mörderische Provence

Provenzalischer Sturm
0

Chef de police Pierre Durand kannte ich bereits von früheren Fällen, war aber nicht völlig am Laufenden. Immerhin ist „Provenzialischer Sturm“ der 8. Band dieser Reihe. Dennoch kam ich nicht nur rasch ...

Chef de police Pierre Durand kannte ich bereits von früheren Fällen, war aber nicht völlig am Laufenden. Immerhin ist „Provenzialischer Sturm“ der 8. Band dieser Reihe. Dennoch kam ich nicht nur rasch in den Fall hinein, sondern fand mich auch problemlos im Umfeld von Pierre Durand zurecht.
Kurz zum Inhalt:
Das romantische Wochenende in einem eleganten Hotel, das Pierre plant, um Charlotte einen Heiratsantrag zu machen, steht unter keinem guten Stern. Zunächst stören die beiden zur Besuch kommenden Väter die Zweisamkeit, schließlich erleidet Charlotte einen Unfall und Pierre stößt bei seinen Ermittlungen nach dessen Ursache auf weitere, als Unfälle getarnte Morde.
Der locker-flüssige Schreibstil liest sich flott, man versinkt in die landschaftlichen Schönheiten der Provence und deren verlockende kulinarische Genüsse. An dem Dinner der Fernsehköche hätte ich gerne teilgenommen. Die französischen Ausdrücke und Phrasen unterstreichen das Ambiente und können notfalls im angefügten Glossar nachgeschlagen werden. Die kriminalistischen Ermittlungen werden durch Familiäres, etwas Romantik und auch humorvoll in Person der beiden charakterlich so unterschiedlichen Vaterfiguren aufgelockert.
Der Kriminalfall ist exzellent aufgebaut. Es fehlt weder an einer ansehnlichen Anzahl von Verdächtigen, noch an vielerlei Spuren und Motiven, sodass man als Leser wunderbar eigene Mutmaßungen anstellen kann.
Nicht nur Pierre und seine Partnerin Charlotte sind sympathisch gezeichnet, ebenso seine Mitarbeiter. Auch die übrigen Charaktere, ob Chefköche oder Weinbauern, wirken anschaulich und facettenreich.
Da der Tod eines Weinbauern im Zentrum der Ermittlungen steht, spielt die Thematik des Weinanbaus sowie das Interesse chinesischer Investoren an Weingütern eine wesentliche Rolle – in der Tat wissenserweiternde Ausführungen, mir waren sie etwas zu detailliert und zu ausgiebig.
Der Spannungsbogen fällt nach einem spektakulären, aufwühlenden Beginn im Zuge der anfangs schwer in Gang kommenden inoffiziellen Ermittlungen (Pierre Durand agiert lediglich als Privatperson) bzw. infolge der umfassenden Informationen über die Probleme der Weinbauern etwas ab, um schlussendlich in einem furiosen Finale eine völlig unerwartete Lösung zu offenbaren.
Mir hat das Buch erquickliche, spannende Lesestunden beschert und Lust auf weitere Kriminalfälle mit Pierre Durand gemacht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.01.2026

Ein mutiges Nein mit weitreichenden Folgen

Hazel sagt Nein
0

„Hazel sagt Nein“ (Originalausgabe 2025 erschienen unter „Hazel Says No“) ist der Debütroman von Jessica Berger Gross.

Der Roman gliedert sich in vier Teile, deren Titel Hazels Entwicklung veranschaulichen: ...

„Hazel sagt Nein“ (Originalausgabe 2025 erschienen unter „Hazel Says No“) ist der Debütroman von Jessica Berger Gross.

Der Roman gliedert sich in vier Teile, deren Titel Hazels Entwicklung veranschaulichen: Hazel sagt Nein, Öffentliche Schikanen, Hauptfigurenenergie und Sommer in Maine. Die jeweiligen Kapitel sind kurz gehalten. Der Schreibstil ist klar, vermittelt einen anschaulichen Eindruck der amerikanischen Lebensweise. Die Perspektivenwechsel – es wird abwechselnd aus Sicht von Hazel, deren elfjährigen Bruder Wolf und ihren Eltern Claire und Gus – erzählt, gestalten die Handlung nicht nur abwechslungsreich, sondern geben auch tiefen Einblick in deren Gedanken und Gefühle, zeigen auf, wie schwerwiegend sich das Ereignis auf alle auswirkt. Dass auch auf die Auswirkungen auf den Täter und dessen Familie eingegangen wird, rundet das Gesamtbild ab.

Die Atmosphäre im fiktiven Riverburg, wohin die Familie Blum von Brooklyn, umgezogen ist, ist gut vorstellbar dargestellt, das ländliche Flair, die rauen Wetterverhältnisse, ebenso die Charaktere. Trotz des ernsthaften Grundthemas eines sexuellen Übergriffs und dessen Folgen für Täter und Opfer liegt über all den Ängsten, der Unsicherheit und verzweifelten Momenten eine positive Grundstimmung. Dadurch liest sich das Buch lockerer als ich annahm, regt dennoch zum Nachdenken und Diskutieren an.

Da die Folgen von Hazels Nein sich nicht nur auf ihre Familie, das College und auf Bewohner von Riverburg beschränken, sondern durch die Medien weit ins Land hinausgetragen werden, wird auch auf die divergierenden Reaktionen eingegangen, auch auf jene, die versuchen, das Opfer zum Täter zu machen. Der mediale Hype um Hazel mag American Life entsprechen, mir war das zu ausufernd berichtet. Hazel steht der medialen Aufmerksamkeit zwiespältig gegenüber. Einerseits ist sie verlockend nahe an ihrem Traumziel, Schriftstellerin zu werden, andererseits fühlt sie sich bedrängt und überfordert und sehnt sich eigentlich nach einem Leben als ganz normale Studentin. Das Ende hat mich überrascht, angenehm überrascht.

Das Thema Me-Too ist sehr umfassend behandelt, vielschichtig betrachtet. Die Reaktion und Handlungen der Protagonisten sind nachvollziehbar. Ein gutes Buch, regt zum Diskutieren und Nachdenken an. Eine Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere