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Veröffentlicht am 02.04.2022

Vita eines Helden

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße
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Michael Hartung ist ein ehemaliger DDR-Bürger, der auch als Erwachsener seinen Platz im Leben noch nicht gefunden hat. Ursprünglich war er bei der Bahn angestellt, doch dieser Job und auch alle weiteren ...

Michael Hartung ist ein ehemaliger DDR-Bürger, der auch als Erwachsener seinen Platz im Leben noch nicht gefunden hat. Ursprünglich war er bei der Bahn angestellt, doch dieser Job und auch alle weiteren Versuche in der Selbstständigkeit waren nicht von Bestand. Seit Jahren ist er Inhaber einer schlecht laufenden Videothek, der Streaming-Dienste zunehmend die Kundschaft abgraben. 
Es naht der 30. Jahrestag der Maueröffnung. Der findige Journalist Landmann entdeckt, dass eben dieser Michael Hartung seinerzeit einen Zug von der DDR in den Westen umgeleitet hat. Eine Sensationsstory bahnt sich an, da spielt es keine Rolle, wie oft Hartung betont, dass die Weichenstellung nur ein unglücklicher Unfall gewesen ist. Hartung wird zum Helden stilisiert. Die "Heldensage" entwickelt eine Eigendynamik, die sich für ihn und noch mehr für Landmann in finanzieller Hinsicht lohnt. Doch der Held zaudert immer mehr, und je mehr er alles hinterfragt, umso größer wird der Druck auf ihn.
Ja, es ist wirklich ein Plot wie ein Schildbürgerstreich. Die Protagonisten sind Menschen wie du und ich, ohne Allüren, sondern mit ganz normalen Alltagsproblemen.
Die Sicht der Westdeutschen auf den Osten wird gewaltig auf die Schippe genommen. Klischees wollen in der breiten Öffentlichkeit bedient werden und schon rollt der Rubel. 
Michael Hartung ist allerdings ein Mann, dem man bei der Mannwerdung zuschauen kann. Wenn er sich noch anfangs genügsam von Tag zu Tag treiben lässt, so endet die Geschichte mit einem Michael Hartung, der sein Leben reflektiert und sich seiner Vergangenheit ehrlich stellt. 
"Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße" ist eine leicht erzählte Geschichte, die unter der Oberfläche erstaunlichen Tiefgang verbirgt.

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Veröffentlicht am 23.03.2022

Magische Fuchsjagd

Signs of Magic 1 – Die Jagd auf den Jadefuchs
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Das schöne Cover mit dem stilisierten Fuchs als Emblem bietet schon einen ersten Hinweis auf den Inhalt dieses Fantasy-Romans für jugendliche Leser. Als Altersangabe steht 14 Jahre, aber ich denke, auch ...

Das schöne Cover mit dem stilisierten Fuchs als Emblem bietet schon einen ersten Hinweis auf den Inhalt dieses Fantasy-Romans für jugendliche Leser. Als Altersangabe steht 14 Jahre, aber ich denke, auch Zwölfjährige werden von Albert und Matilda fasziniert sein. Die beiden Hauptpersonen werden durch zwei Sprecher (Lara Trautmann und Max Felder) vertreten, die sehr gekonnt in ihre Rollen schlüpfen.
Albert ist ein ambitionierter Hobbyzauberer für Kindergeburtstage, der mit kleinen Taschenspielertricks sein Publikum bei Laune hält. Albert liebt eine vermögende junge Rechtsanwältin, die ihn lieber in einem renommierten Beruf sehen würde. Genaugenommen passen die beiden nicht gut zusammen.
Matilda lebt mit ihrem trunksüchtigen Vater im heruntergekommenen Familienschloss, dessen Keller ein düsteres Geheimnis birgt. Matilda braucht dringend Geld, damit ihr Heim nicht an die Bank fällt. Alle zehn Jahre findet die Jagd auf den magischen Jadefuchs statt. Dem Gewinner winkt ein unfassbar grosses Preisgeld. Matilda sieht darin ihre letzte Chance. Den bärenstarken Hausmeister konnte sie schon als Jagdbegleitung gewinnen, aber es fehlt ein Zauberer, der den Fuchs anschließend auch mit magischen Bannsprüchen in der Fuchsfalle gefangen halten kann. Der ahnungslose Albert schließt sich den beiden an. Er träumt von einer Zauberertournee und ist natürlich entsetzt, als er sich auf einer mörderischen Jagdreise wiederfindet.
Matilda und Albert sind zwei sehr unterschiedliche Charaktere, die sehr gut beschrieben werden. Sie sind sympathisch, haben aber auch ihre Macken. Gerne treffen sie falsche Entscheidungen, sodass man als Leser am liebsten regulierend eingreifen möchte. Es gibt auch Fieslinge, die ihnen Steine in den Weg legen. Für Action ist jedenfalls ausreichend gesorgt. Was die magische Seite angeht, da hätte der Autor gerne noch eine Schippe drauf legen können, denn die nimmt erst mit der Fuchsjagd an Fahrt auf. Schön an der Handlung ist, dass sie immer wieder wie der Fuchs einen Haken schlägt und eine neue Wendung nimmt.
Kurz: ein Jugendbuch ohne Langeweile und als Hörbuch ebenfalls sehr zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 21.03.2022

Gut geplant Gärtnern

Mein Permakultur-Balkon
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Dieses Buch ist eine tolle Grundlage, wenn man nur einen Balkon zur Verfügung hat, aber dennoch vom eigenen Gemüse träumt. Es gibt wertvolle Tipps zu allen möglichen Themen, angefangen von den Pflanzgefäßen ...

Dieses Buch ist eine tolle Grundlage, wenn man nur einen Balkon zur Verfügung hat, aber dennoch vom eigenen Gemüse träumt. Es gibt wertvolle Tipps zu allen möglichen Themen, angefangen von den Pflanzgefäßen über Saatgut, Mischkulturen und noch vieles mehr. Wichtig ist vor allem eine gute Planung. Dazu werden einzelne Gemüse vorgestellt, quasi mit Gebrauchsanleitung.
Das Buch ist sehr handlich. Die Erläuterungen sind klar und verständlich, aber faszinierend sind die Fotos vom Balkon der Autorin. Einen größeren Ansporn zum Gärtnern kann es fast gar nicht geben.

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Veröffentlicht am 18.03.2022

Geschichte vom Verlorensein

Das Fundbüro der verlorenen Träume
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In ihrer Arbeit im Fundbüro der Londoner U-Bahn geht Dot Watson vollständig auf. Akribisch katalogisiert sie die Gegenstände, wobei die Dinge fast schon menschlich auf sie wirken. Seitdem Dots Mutter im ...

In ihrer Arbeit im Fundbüro der Londoner U-Bahn geht Dot Watson vollständig auf. Akribisch katalogisiert sie die Gegenstände, wobei die Dinge fast schon menschlich auf sie wirken. Seitdem Dots Mutter im Pflegeheim liegt, verbringt sie auch den Feierabend allein und liest in ihren geliebten Reiseführern. Diese stammen allesamt aus dem Fundbüro. Dot träumt sich rund um die ganze Welt, so wie ursprünglich einmal ihre Pläne waren, bis der Tod des Vaters alles veränderte.
Zuerst fand ich Dots verrückte Gedankengänge ziemlich überzogen und ermüdend. Doch nach und nach öffnet sich die Sicht auf ihr Leben. Man versteht, was in ihr vorgeht und beobachtet gespannt, wie sich die junge Frau weiter entwickelt, sich von alten Zwängen befreien kann, weil sie einen klareren Blick auf die Vergangenheit bekommt.
Es ist ein schöner Roman, der den Leser entschleunigt und nebenbei ganz still und leise darauf hinweist, dass Dinge ihren eigenen Wert haben, den man erkennen sollte, anstatt der ständigen Gier nach Konsum zu erliegen.
Die Sprecherin Julia Meier hat sich Dots Charakter wunderbar einverleibt und es ist ein Genuss, ihr zuzuhören.

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Veröffentlicht am 13.03.2022

spannende Jugendfantasy

Prison Healer 1: Prison Healer. Die Schattenheilerin
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Als Kind landet Kiva zusammen mit ihrem Vater im schlimmsten Gefängnis des Landes: Zalindov. Mit den Jahren wächst sie in die Aufgaben einer Heilerin im Krankenhaustrakt hinein. Nach dem Tod des Vaters ...

Als Kind landet Kiva zusammen mit ihrem Vater im schlimmsten Gefängnis des Landes: Zalindov. Mit den Jahren wächst sie in die Aufgaben einer Heilerin im Krankenhaustrakt hinein. Nach dem Tod des Vaters geben ihr nur geheime, eingeschmuggelte Botschaften ihrer Familie weiterhin Hoffnung auf ein Leben in Freiheit. Sie hofft, dass diese kommt und sie befreien wird. Doch die Zeit verstreicht, die Hoffnung sinkt. Außerhalb der Gefängnismauern tobt ein immer verbitterter werdender Bürgerkrieg. Ausgerechnet die Anführerin der Rebellen, Tilda, wird verhaftet und kommt auf ihre Krankenstation. Man zwingt Kiva, Tildas Leben um jeden Preis zu retten. Deswegen nimmt Kiva auch Tildas lebensgefährliche Prüfungen auf sich, die ihnen beiden unter Umständen die Freiheit schenken könnten.
Der Leser lernt eine düstere und gefährliche Gefängniswelt kennen, in der das Recht des Stärkeren gilt, vor allem aber das Recht der Aufseher. Mit Kiva und ihren Freunden wird dagegen das Gute personifiziert, denn die Heilerin behandelt ihre Kranken alle mit der gleichen Sorgfalt. Wenn die Protagonisten so sympathisch sind wie in diesem Fall, dann steht man dem ganzen Buch direkt schon sehr positiv gegenüber. Auch wenn die Handlung über weite Strecken sehr ruhig voranschreitet, bleibt man mit Interesse bei der Sache, weil man persönlich Anteil nimmt. Ab dem Eintreffen von Tilda zieht das Spannungslevel deutlich an. Es gibt Action, und ganz besonders die Prüfungen bringen einen zum Mitfiebern. Wenn auch vieles im Geschehen vorhersehbar gewesen ist, aber der Schluss ist unglaublich gut gelungen. Zum Glück wird es eine Fortsetzung geben.
Das Hörbuch wird richtig gut von Nina Reithmeier vorgelesen. Ihre Stimmlage passt perfekt zum Charakter von Kiva.

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