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Veröffentlicht am 19.06.2022

Adam und Eva

Talberg 2022
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In Talberg geht die Welt unter. Es regnet schon tagelang und das Wasser steigt unaufhaltsam und die Verbindung zur Außenwelt ist komplett unterbrochen. Adam, ein ehemaliger Kripobeamter aus München, ist ...

In Talberg geht die Welt unter. Es regnet schon tagelang und das Wasser steigt unaufhaltsam und die Verbindung zur Außenwelt ist komplett unterbrochen. Adam, ein ehemaliger Kripobeamter aus München, ist nach Talberg versetzt worden, weil er in dem Ort geboren wurde. Durch den vielen Regen ist eine alte Eiche umgestürzt. In deren Wurzelwerk wird ein Skelett gefunden. Adam kämpft verzweifelt mit sich selbst, da er ein massives Alkoholproblem hat. Doch diese Chance will er sich nicht entgehen lassen. Er will den Fall lösen, bevor das LKA übernehmen kann. Also sichert er das Skelett und bringt es zu einem pensionierten Arzt, der zwar nicht glücklich über diesen Umstand ist, aber doch die ersten Untersuchungen unternimmt, obwohl es nicht sein Fachgebiet war. Adam macht sich auf den beschwerlichen Weg der Recherche, da es immer noch unerbittlich regnet. Am nächsten Morgen steht dann eine LKA Beamtin, Eva, vor ihm, die sich zu Fuß auf den Weg nach Talberg gemacht hat, da sie bei dem Skelettfund eine Verbindung zu einem aktuellen Fall vermutet. Nur langsam gewöhnen sich Adam und Eva aneinander und machen sich auf die beschwerliche Klärung des Falles. Nachdem der Doktor ermordet wurde und der Kopf des Skeletts verschwunden ist, ist es gewiss der Mörder lebt noch im Ort.
„Talberg ist ein sehr dunkler Krimi, der tief in die Vergangenheit des niederbayrischen Ortes Talberg eintaucht. Einer der Hauptprotagonisten, Adam, ist aufgrund von persönlichen nach Talberg versetzt worden und wird dort ganz massiv mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Diese Erlebnisse werden immer wieder durch Rückblicke in die Vergangenheit unterstützt. Es muss schon eine grausame Zeit gewesen sein in Talberg und die Familie war für Adam und seine Schwester nicht immer ein Ort des Geborgenseins. Ganz im Gegenteil die Alkoholsucht seines Vaters und seine Gewaltausbrüche sind ihm im Gedächtnis geblieben. Die zweite Protagonistin, Eva, der der zweite Teil des Buches gewidmet ist, ist so das Gegenteil von Adam. Eine sehr toughe Frau, die weiß, was sie will. Sie möchte den Mörder finden, doch dazu braucht sie Adam, da der halt die Bewohner des Ortes besser kennt als sie. So spinnt sich eine Geschichte zwischen den beiden, die zwischen zu- und Abneigung hin und herschwankt. Durch die Rückblicke im zweiten Teil dieses Buches, bei denen es um Erlebnisse seines Vaters geht, wird immer deutliche, was in diesem Ort geschehen ist. Doch der Spannungsbogen wird sauber bis zum bitteren Ende ausgeführt und lässt am Ende nur ein kleines Fragezeichen zurück.
Zuerst war ich von der dunklen Atmosphäre in diesem Roman sehr erschreckt, weil ich bildlich diesen Ort vor mir sah. Diese Atmosphäre hat sich durch das Buch hindurchgezogen, aber so auch zur Spannung beigetragen. Ich fand den Roman spannend und interessant, mir sehr aktuellem Background.

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Veröffentlicht am 06.06.2022

Hinnerk

Die Schwebfliege
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Hinnerk arbeitet bei einer Umweltbehörde in Norderstedt und führt ein unaufgeregtes Leben. Er hat zwar manchmal mit seinem Chef ein paar Reibereien, aber eigentlich ist er ganz zufrieden. Er hat ein ungewöhnliches ...

Hinnerk arbeitet bei einer Umweltbehörde in Norderstedt und führt ein unaufgeregtes Leben. Er hat zwar manchmal mit seinem Chef ein paar Reibereien, aber eigentlich ist er ganz zufrieden. Er hat ein ungewöhnliches Hobby, denn er studiert das Leben von Schwebfliegen. Eines Abends hat er eine verhängnisvolle Begegnung mit einem zwielichtigen Menschen, Aribert, und bei diesem trifft er Tatjana eine Frau, die er von früher kennt. Er hat sie geliebt und auch jetzt ist sie ihm nicht ganz egal. Einige Tage später taucht sie bei ihm auf und klagt ihm ihr Leid. Doch Hinnerk weiß nicht, was er von dieser Begegnung halten soll, Seine Gefühle von damals sind nicht mehr so stark, aber ihr scheint es schlecht zu gehen bei Aribert. Doch Aribert lässt nicht locker und Hinnerk taucht ein in die Welt von Kriminellen, aber er kennt das Leben der Schwebfliege, vielleicht kann ihm das ja helfen.
„Die Schwebfliege“ von Anja Gust ist ein Krimi, der sich langsam aufbaut, aber sehr tiefgründig ist. Die Hauptfigur Hinnerk ist eigentlich ein langweiliger Typ. Arbeitet in einer Behörde und beschäftigt sich in seiner Freizeit mit dem Leben der Schwebfliege. Hört sich unspektakulär an, har aber im Laufe des Krimis noch eine tiefere Bedeutung. Eigentlich ist Hinnerk kein Frauentyp und doch wird er für zwei Frauen zur entscheidenden Person. Der Roman zeichnet auch ein Sittenbild, in das Hinnerk wirkt, wie ein Fremdkörper. In meinen Augen dreht sich alles, um dieses Abhängigkeitsverhältnis, das in diesem Gewerbe typisch ist und man/frau schon viel Kraft aufweisen muss, um aus diesem Karussell auszusteigen. Spannend ist der Roman schon, obwohl am Anfang bei mir schon einige Fragezeichen auftauchten. Was hat diese Schwebfliege mit diesem Fall zu tun. Und das ist nicht vordergründig zu finden, aber es spielt eine wichtige Rolle und mit viel Phantasie kann man es auch im gesamten Buch wieder finden. Der Spannungsbogen ist langsam, aber spannend aufgebaut und der Schluss hat mich dann schon überrascht, aber er war auch irgendwie logisch.
Wie es mir immer wieder in Romanen passiert, wenn der Anfang eigentlich ein bisschen nichtssagend erscheint, entwickelt er sich doch sehr spannend. Wer tiefsinnige Krimis mag ist hier gut aufgestellt. Mir hat er jeden Fall gefallen.

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Veröffentlicht am 30.04.2022

Heimkehr

Mord in Montagnola
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Ein Toter in einer Nevera, grausam getötet. So beginnt der vorliegende Kriminalroman. Moira, die in Frankfurt lebt und hier ihren kranken Vater besuchen will platzt in diese Mordermittlungen. Sie trifft ...

Ein Toter in einer Nevera, grausam getötet. So beginnt der vorliegende Kriminalroman. Moira, die in Frankfurt lebt und hier ihren kranken Vater besuchen will platzt in diese Mordermittlungen. Sie trifft ihren alten Schulfreund Luca zufällig im Ort, der Rechtsmediziner in Lugano ist. Er spricht Moira an und bittet sie der Polizei bei den Übersetzungen zu helfen. Er weiß das Moira Übersetzerin ist. In der Polizeistation ist sie nicht unbedingt gerne gesehen, da der Capo keine Amateure in seine Ermittlungen einbeziehen möchte. Doch die leitende Staatsanwältin unterstützt Moiras Tätigkeit und so ist sie mitten in den Ermittlungen. Ihr Vorteil ist, dass sie die Dorfbewohner kennt und da sie bei ihrem Vater wohnt, kann sie auch unauffällig Erkundungen erlangen. Der Tote war ebenfalls ein Dorfbewohner, aber wohl auch sehr zwielichtig. Kurz vor den Hermann Hesse Festspielen, verschwinden wertvolle Handschriften. Außerdem tauchen Videos auf, die den Toten in ein schlechtes Licht rücken. Das alles treibt Moira und die Polizei an, dem Mörder auf die Schliche zu kommen.
Die Rückkehr in ihr Heimatdorf hatte sich Moira anders vorgestellt. Doch nun ist sie Dank ihres Schulfreundes mitten in einer Mordermittlung. Es ist ein ungewöhnlicher Ansatz eine Dolmetscherin in eine Ermittlung einzubauen und man kann schon Zweifel an der Authentizität der Figur hegen. Doch vielleicht dient sie in diesem regionalen Krimi dazu, die Verschlossenheit der Dorfbewohner aufzubrechen. Ein Stilmittel, das sicherlich erlaubt ist. Diese Moira bringt dem Leser auch die Schönheiten der Region, aber auch die einzelnen Menschen Charakterlich näher. Sie ist hier als Mittelpunkt der Geschichte gewählt und mir gefällt das ehr gut. Natürlich geht es hier nicht nur um den Todesfall, sondern auch um die Interaktionen der Menschen im Ort mit denen von außerhalb. Da ist Moira natürlich gut vernetzt durch ihren Vater Ambrogius, der für den typischen Dorfbewohner steht. Ein bisschen eigen, aber mit jedem bekannt, aber auch ein großer Dickschädel, was diese Figur noch sympathischer macht. Aber auch die Katzen, die sich im Haus tummeln, haben alle besondere Eigenschaften und nicht nur ihre Namen. So ist es fast klar, dass die Aufklärung des Mordes in diesem Kreis läuft. Fast hätte ich Luca vergessen, den Verflossenen, wo aber immer noch eine romantische Flamme glimmt. Der Spannungsbogen, der hier aufgebaut worden ist, hält für das Ende noch eine kleine Überraschung parat.
Ich mag diese Art von Krimis, die sich sehr stark mit den Menschen beschäftigt und der Kriminalfall aus der Interaktion der Menschen und des Geschehens bezieht. Für mich ist es ein gelungenes Werk, das spannend und unterhaltsam ist und ich gleich noch Anhaltspunkte in Kultur, Hermann Hesse, und Geografie des Tessin, erhalten habe.

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Veröffentlicht am 05.04.2022

Kunstprojekt

TEAM HELSINKI
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Vor dem Haus der Familie Lehmosoja wird ein Container aufgefunden, in dem eine Tote liegt; ertrunken. Das Team Helsinki um Paula Pihjala übernimmt die Ermittlungen. Das Besondere an der Toten war die Tatsache, ...

Vor dem Haus der Familie Lehmosoja wird ein Container aufgefunden, in dem eine Tote liegt; ertrunken. Das Team Helsinki um Paula Pihjala übernimmt die Ermittlungen. Das Besondere an der Toten war die Tatsache, dass sie eine junge Schwarze war und deren Identität nach einigen Ermittlungen erst festgestellt wurde. Doch was hatte dieser Mensch mit den Lehmosojas zu tun? Dieser Frage musste das Team in ihren Ermittlungen nachgehen. Auch der Container stand im Mittelpunkt des Interesses, da er eine besondere Anfertigung für ein Kunstprojekt war. Die Familie Lehmosoja konnte sich erst keinen Reim auf diese Tat machen. Doch nach und nach kamen immer mehr Hinweise zu Tage. Das hatte auch damit zu tun, das Jerry der Sohn der Familie eine person of color war. So langsam kam Licht ins Dunkel der Geschichte und Verbindungen der Lehmusojas mit Namibia traten immer deutlicher in den Vordergrund. Doch in welcher Beziehung stand die tote Frau mit Jerry und wer war der Mörder dieser Frau? Hier wartet noch einige Arbeit auf das Team bis zum sehr überraschenden Ende.
Im Krimi „Die Tote im Container“ von A.M.Ollikainen dreht sich alles um das Ermittlungsteam Helsinki. An der Spitze steht Paula Pihjala mit ihren drei Kollegen. Diese Charaktere sind sehr unterschiedlich angelegt. Die sehr dominante Paula und ihre Kollegen Karhu, Renko und Hartikainen bilden ein sehr sympathisches Team. Dann sind da noch die Familie Lehmusoja, Mai Rinne und Lauri Aro. In diesem Kreis spielt sich das meiste ab. Dazu stößt noch der Künstler Paavali Kassiinen. Geschickt hat der Autor die Ermittlungsarbeiten aufgebaut und den Roman in drei Teile geteilt. Und so ist auch der Spannungsbogen aufgebaut. Die ersten beiden Kapitel sind zur Erläuterung für das abschließende Kapitel und man erfährt eine Menge über die Personen, aber es bleibt geheimnisvoll und leicht unter der Oberfläche. Die Spannung entlädt sich im letzten Kapitel angefeuert durch einen Rückblich nach Namibia. Hier wird auch noch mal Einblick in die Familienstruktur der Lehmusojas gegeben, die sehr zur Aufklärung beiträgt. Der Erzählstil ist auch abhängig vom Spannungsgrad. Zu Beginn sehr detailliert und vielleicht auch ein wenig langatmig, wie Ermittlungen mal so sind, aber zum Ende dann auch sehr engagiert, um die Spannung zu spüren. Es gibt noch einen geheimnisvollen Rahmen um diese Story und die hat es in sich.
Alles in allem war es ein sehr spannender und unterhaltsamer Krimi. Mich hat das Team Helsinki nicht enttäuscht.

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Veröffentlicht am 03.04.2022

Neuanfang

Mörderische Brise
2

Die Pastorin Clara Clüver ist auf dem Weg, um ihre erste Pfarrstelle in Travemünde anzutreten. Es ist für die ein Neuanfang. Doch daraus wird erst einmal nichts, da der alte Pfarrer seine Stell so einfach ...

Die Pastorin Clara Clüver ist auf dem Weg, um ihre erste Pfarrstelle in Travemünde anzutreten. Es ist für die ein Neuanfang. Doch daraus wird erst einmal nichts, da der alte Pfarrer seine Stell so einfach nicht räumt. Also macht sie sich auf die Suche nach einer Bleibe für die nächsten Tage. Zur gleichen Zeit wird am Stand von Niendorf ein Toter gefunden. Es handelt sich um den Gastronomen Erich Konstantin, der im Ort nicht nur Freunde hatte. Auf ihrer Suche trifft Clara auf Jule und ihre zwei Kinder und die Buchhändlerin Frieke, die ihr eine Unterkunft auf ihrem Hof anbietet. Die drei Frauen verstehen sich sehr gut und Jule, deren Ex-Mann Polizist ist, ermuntert Clara sich an den Ermittlungen zu beteiligen, da sie ja so einen klaren Verstand hat. So ermitteln die beiden und stellen den beteiligten Fragen, die für sie zielführend sind. Natürlich ist das nicht ganz legal, aber „Sherlock“ Clüver fühlt sich ganz wohl dabei. Doch sie ahnen nicht wie nah sie dem Mörder schon gekommen sind.
Mörderische Brise ist ein Küstenkrimi von Christian Humberg. Die Ermittlerin ist hier die Pastorin Clara Clüver. Der Krimi zeichnet die wunderschönen Seiten der Ostseeküste von Travemünde auf und regt das Kopfkino an, dort zu verweilen. Auch die Personen sind sehr intensiv beschrieben, eine Frauenclique, die sich auf Mördersuche begibt. Die mitspielenden Männer kommen nicht gut weg in diesem Krimi. Jules Ex-Mann hat als Polizist und als Mensch keine guten Karten aus Sicht von Jule und Bengt wird auch als sehr tollpatschig beschrieben. Naja als Mann ist er für Clara schon interessant doch das wird hier nicht weiter thematisiert. Allerdings werden schon leichte sympathische Hinweise eingeflochten. Pastor Kruse, dessen Stelle Clara antreten soll wird als sehr unsympathisch beschrieben. Ansonten finde ich es sehr spannend die Sagengestalt des Roggenbuk hier einzubauen, dessen Festspiele auch in der Zeit stattfinden. Das an dieser Geschichte noch eine andere eingewoben wurde, ist in meinen Augen ein Schmankerl in diesem Buch. Die Mordgeschichte ist für diesen Krimi, habe ich den Eindruck, eher Beiwerk und dient dazu die Damen in ein schönes Licht zu setzen. Nichtsdestotrotz ist ein Spannungsmoment erkennbar und die Überraschung am Schluss auch so nicht vorhersehbar.
Insgesamt finde ich diesen Krimi gut, nicht nur aufgrund der spannenden Story, sondern das Gesamtgebinde, also regionale Besonderheiten, Charaktere und Spannung, ist gut zusammengefügt. Der Titel bezieht sich allerdings mehr auf die Wetterlage als den Inhalt des Küstenkrimis.

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