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Veröffentlicht am 29.04.2022

Ein absolutes Wohlfühlbuch

Der vergessene Geschmack von Glück
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„Der vergessen Geschmack von Glück“ ist ein absolutes Wohlfühlbuch und ich habe wirklich jede Minute, die ich dieses Buch gelesen habe, sehr genossen.

In erster Linie liegt dies daran, dass mit spürbarer ...

„Der vergessen Geschmack von Glück“ ist ein absolutes Wohlfühlbuch und ich habe wirklich jede Minute, die ich dieses Buch gelesen habe, sehr genossen.

In erster Linie liegt dies daran, dass mit spürbarer Hingabe und Detailverliebtheit über qualitative Lebensmittel, der Zubereitung und das Essen dieser geschrieben wurde. Ich liebes es zu kochen und ich liebe es zu essen. Meine Eltern sind beide begnadete Köche und mein Bruder machte die Leidenschaft unserer Familie zum Beruf, in dem er eine Ausbildung als Koch in der gehobenen Gastronomie absolvierte. Und das Niveau unserer familiären Küche wurde seitdem noch einmal mehr angehoben.
All die vielen sehr detailreichen Schilderungen der Zubereitung und der Komposition der Lebensmittel haben mich total begeistert. Ich könnte an dieser Stelle noch hunderte Zeilen darüber schreiben, wie gut ich die sehr authentischen Beschreibungen, wie es in einer Großküche zugehen kann, fand. Doch man könnte den Eindruck gewinnen, das Buch würde nur aus Passagen bestehen, in denen Essen zubereitet wird. Dabei liegt der Fokus der Geschichte natürlich nicht darauf, sondern auf den tollen Charakteren und ihrer Geschichte.

Die Erzählperspektive wechselt zwischen Anna-Greta Olsson, einer fabelhaften Köchin und Besitzerin eines Hotels auf einer kleinen Insel in den Jahren 1911-1913, und dem jungen, von der Leidenschaft verlassenen Koch Leif Söderberg, der rund hundert Jahre später auf eben diese Insel gelangt.
Der Perspektivwechsel hat mir sehr gut gefallen, ich mochte sowohl den Erzählstrang rund um Anna-Greta und den von Leif sehr gerne. Wirklich passend wechselten die Perspektiven immer wieder, erzeugten dadurch viel Spannung und fütterten den Leser mit genau der richtigen Dosierung an neuen Informationen.
Die Nebencharaktere sind teilweise etwas farblos, aber auf den knapp 350 Seiten, die sich wirklich sehr schnell lesen lassen, fehlt etwas der Platz, um ihnen mehr Tiefe und Raum zu bieten. Wobei dies auch nicht beabsichtigt ist, sie sind kleine Instrumente für den Plot. Natürlich sind das alle Nebencharaktere in jedem Buch, es ist angenehmer, wenn man als Leser nicht einen solchen Eindruck bekommt, indem diesen Charakteren einfach ein wenig Entfaltungsmöglichkeiten geboten wird. Aber hier ist es eher passend, die Geschichte fokussiert sich einfach sehr auf einzelne Charaktere.
Ein paar Charaktere sind etwas klischeehaft beschrieben, es passt zur Geschichte und zur Handlung und stört nicht wirklich, aber an sich mag ich es weniger, wenn Charaktere sehr in schwarz und weiß gehalten sind.

Neben den kulinarischen Beschreibungen gefielen mir die über die Natur der kleinen schwedischen Insel besonders gut. Sehr atmosphärisch wurde über das Meer und die Fauna der Insel geschrieben. Generell mochte ich den Schreibstil sehr gerne.
Auch die Kapitelüberschriften, die immer bestimmte Phrasen des Kapitels waren, fand ich unterhaltsam. Eine echt schöne Art, Kapitel zu benennen. Nur die Kapitel von Anna-Greta Olsson waren anders beschrieben, jedoch auch anders nummeriert.

Das Buch ist als Fantasy eingeordnet, doch würde ich es nicht als solches bezeichnen. Es gab kleinere, fiktive Erscheinungen, die jedoch nicht das Buch dominierten. Vielmehr ist es ein Roman mit einer Ahnung von fiktiven Elementen.

Das Ende überrascht nicht wirklich. Große Plottwists gibt es nicht, es ist eigentlich schon zu Beginn der Lektüre klar, wie das Buch enden wird. Aber das fand ich total ok, eigentlich sogar recht schön. Es ist ein „feel good“-Buch, das mich aus der Hektik des Alltags riss und das ich in den ruhigen Minuten des Tages genießen konnte.

Ich bin sehr angetan von dem Buch, auch wenn es einzelne kleine Schwachstellen hat. Aber über diese kann ich sehr gut hinwegsehen, schließlich hat mich der Rest des Buches einfach begeistern können. Wer auf der Suche nach einem tollen Buch zum Abschalten ist und etwas Leidenschaft für gutes Essen hat, dem kann ich das Buch wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 07.04.2022

Mehr als nur eine toll recherchierte Sage!

Schildmaid
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Mit nordischer Mythologie habe ich bisher wenige Berührungspunkte gehabt. Aufgewachsen bin ich mit den griechischen und römischen Sagen (den von Peter Kaempfe sensationell vertonten geschrieben von Dimiter ...

Mit nordischer Mythologie habe ich bisher wenige Berührungspunkte gehabt. Aufgewachsen bin ich mit den griechischen und römischen Sagen (den von Peter Kaempfe sensationell vertonten geschrieben von Dimiter Inkiow) und denen blieb ich weiter befeuert durch Latein und Alt-Griechisch auf dem Gymnasium bis heute treu. Einzig die Erzählung der nordischen Mythen und Sagen von Neil Gaiman brachten mir diese etwas näher.
Und ich muss gestehen, dass ich trotz reichlicher Bemühungen immer noch zu schnell und zu einfach in Schubladen-Denken verfalle. Nordische Sagen hatten für mich bisher einen eher negativen Beigeschmack, sie wirkten mir zu rau, teils zu brutal. Bestärkt wurde ich in meiner eigenen beschränkten Sichtweise dadurch, dass diese Mythologie immer wieder durch rechte Ideologien missbraucht und instrumentalisiert wird.

Aber wenn sich ein Autorenduo wie die Vögte an ein Buch setzt, dann weiß ich inzwischen aus Erfahrung, dass ich eine Geschichte geliefert bekomme, die voller fantastischer Elemente die Leser:innen in ihren Bann zieht, gesellschaftskritisch ohne mit dem Finger erhoben auf Missstände hinweist, mit Vorurteilen aufräumt und dabei dann auch noch eine absolut fesselnde Lesezeit bietet.

„Schildmaid“ ist eine Sage, angelehnt an die Sagen der nordischen Mythologie und nimmt Leser:innen gleich sehr atmosphärisch in Empfang. Der Schreibstil ist ganz anders, als ich ihn erwartet habe und anders als ich ihn so kenne. Stilistisch wirkt er vor allem durch die allwissende Erzählperspektive und den kurzen Beschreibungen weniger wichtiger Charaktere wie eine Geschichte, die schon wiederholte Male erzählt wurde. Wie eine Nacherzählung oder Sage, also sehr passend und wunderbar geschrieben. Ich mochte den Schreibstil sehr!
Die kurzen Kapitel, die mal ein paar Seiten, oft aber auch nur ein paar Absätze lang sind, sind wohl typisch für die nordischen Sagen und ich finde es wirklich toll, wie viel Zeit spürbar in die Recherche geflossen ist. Das ist noch an weiteren Stellen im Buch und um das Buch herum zu merken.
Zum Beispiel gibt es keine Karte, obwohl diese bei dem Abenteuer der Schildmaid manchmal ganz nett gewesen wäre. Aber das Autorenduo hat sich dagegen entschieden, da es unter anderem im Viking Age keine Karten gab. Ein weiterer, kleiner Detailpunkt, der zur tollen Atmosphäre beiträgt! An dieser Stelle seien einmal die Social Media Kanäle und die Website empfohlen, auf denen sich wirklich viele weitere Hintergrundinformationen zum Buch finden lassen. Unter anderem auch,

Und nun habe ich, sehr ungewöhnlich für mich, abschweifend viel über das Buch geschrieben und sehr wenig über die Charaktere und den Inhalt. Aber bei manchen Bücher muss in einer Rezension etwas weiter ausgeholt werden, damit all die tollen Punkte Erwähnung finden.
Es wimmelt in diesem Buch nur so von interessanten und facettenreichen Charakteren. Nicht alle können natürlich mit derselben Akribie beschrieben werden, schließlich befinden sich fast 20 Personen auf der Schildmaid. Aber ausgewählte Frauen und ihr Schicksal werden tiefergehend beschrieben.
Allen voran natürlich Eyvor, die Erbauerin des Schiffes. Oder Dineke, eine Navigatorin.
In vielen Frauen habe ich mich wiedergefunden, andere waren mir fremd. Aber fasziniert war ich immer. Und neugierig auf mehr!
Denn Judith und Christian Vogt schaffen es auf wirklich spielerische Art und Weise Themen in ihre Geschichten einfließen zu lassen, die vielleicht unwichtig erscheinen, aber einen echten Impact darstellen. Ich hätte ein Buch lesen können, in dem sich eine Gruppe von Frauen aufmacht, um ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen und dabei Irrungen und Wirrungen, Gefahren und göttlichen Einmischungen begegnen müssen.
Aber die Schildmaid ist eben ein Ort, an dem gesellschaftliche Themen, die sonst wenig Beachtung finden oder in den Hintergrund gedrängt werden, endlich einen Platz finden.
Und so habe ich ein Buch gelesen, in dem Themen wie Transsexualität, Identitätsfindung, Selbstbestimmung und Inklusion.
Und was eine Familie zu einer Familie macht, welche Familienbilder es gibt, welche es geben sollte, was Mutterschaft sein kann.
Wie wichtig es ist, immer weiter zu lernen und anderen zuzuhören. Ob mit der Stimme und Ohren, oder mit den Händen und Gebärden.
Und was für eine furchtbare Tragödie eine Krankheit wie Endometriose sein kann.
Ich kann es noch immer nicht glauben, dass all dies plus natürlich die eigentliche Handlung auf gerade einmal knapp 400 Seiten gepasst hat und ziehe meinen imaginären Hut vor den Vögten.

Mein Text wird diesem Buch nicht gerecht. Also bleibt mir an dieser Stelle nur noch eines: Lest dieses Buch!

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Veröffentlicht am 10.03.2022

Berührend, unterhaltend und empfehlenswert!

Kurz mal mit dem Universum plaudern
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Bücher aus dem Hanser Verlag haben mich bisher nie enttäuscht. Ganz im Gegenteil, brachte der Verlag bisher immer wieder Bücher heraus, die mich absolut fesseln und überzeugen konnten.
„Kurz mal mit dem ...

Bücher aus dem Hanser Verlag haben mich bisher nie enttäuscht. Ganz im Gegenteil, brachte der Verlag bisher immer wieder Bücher heraus, die mich absolut fesseln und überzeugen konnten.
„Kurz mal mit dem Universum plaudern“ hat mich unheimlich überrascht. Ich habe auf Grund des Klappentextes nicht mit der Tiefe und Ausdehnung der Handlung gerechnet. Dabei ist der Klappentext wirklich passend, aber es steckte einfach so viel mehr zwischen den Buchdeckeln als ich vorher erwartet hatte. Das Buch war eine wahre Explosion an Themen und hat mich einfach aus den Socken gehauen.

Cliff war dabei die erste Überraschung. Er war viel roher und ursprünglicher, als ich erwartet hatte. Und überraschte mich eher auf eine unschöne Art und Weise. Aber schnell lernte ich Cliff zu schätzen. Er ist einfach ein Charakter, den man nicht so häufig in Büchern findet. Und obwohl ich das Buch vor ein paar Wochen schon beendet habe und erst jetzt dazu gekommen bin, die Rezension vollständig zu verfassen, ist er mir nach wie vor präsent im Hinterkopf, wenn ich Erinnerungen an das Buch wachrufe. So traurig das ist, ich lese so viele verschiedene Bücher, dass die meisten Charaktere schnell in einem undurchsichtigen Nebelschleier verschwinden, sobald ein paar Wochen verstrichen sind. Nur die wirklich guten Charaktere und die, die sich stark von der Masse abheben, bleiben in Erinnerung. Und Cliff sowie ein paar der Nebencharaktere heben sich wahrlich von der Masse ab.

Die Handlung hat mir auch wirklich gut gefallen. Und wie bereits angedeutet, gab es ein ganzes Potpourri an Themen, die über die üblichen Verdächtigen des Genres hinausgehen. Eine TW möchte ich an dieser Stelle deshalb ansprechen ohne zu spoilern: Selbstmord, Drogenkonsum, Alkohol.
Ein paar Lücken im Konstrukt habe ich dennoch beim Lesen gefunden ohne danach wirklich gesucht zu haben. Für ein paar Plottwists hätte ich schon etwas zu fest beide Augen zudrücken müssen, um sie unkommentiert zu überlesen. Das ist etwas schade, da an so vielen Stellen spürbar viele Gedanken in die Geschichte eingeflossen sind, wodurch ein paar Twists nur noch unglaubwürdiger wirkten.
Aber diese kleinen Stolperer werden gleich wieder wett gemacht durch die humorvolle Art der Charaktere und dem unterhaltsamen Schreibstil. Auch wenn wirklich viele Kraftausdrücke verwendet wurden.

Meine Worte werden dem Inhalt nicht gerecht, deswegen hier die Aufforderung: Lest das Buch! Es wird vielleicht etwas schwer im Magen liegen, aber zu gleichen Teilen auch Hoffnung schenken.

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Veröffentlicht am 28.01.2022

Grandiose Rückkehr des Donnerstagsmordclubs

Der Mann, der zweimal starb (Die Mordclub-Serie 2)
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Nachdem mich schon der erste Band rund um die Senioren des Donnerstagsmordclubs so begeistert hat, freute ich mich schon sehr auf unterhaltsame Lesestunden.
Vieles am ersten Band hat mich sehr überraschen ...

Nachdem mich schon der erste Band rund um die Senioren des Donnerstagsmordclubs so begeistert hat, freute ich mich schon sehr auf unterhaltsame Lesestunden.
Vieles am ersten Band hat mich sehr überraschen können, weshalb meine Erwartungen an dieses Buch relativ hoch waren.

Schnell ist man als Leser:in wieder mitten drin im abenteuerlichen Leben des Quartetts aus Elizabeth, Joyce, Ibrahim und Ron. Denn Ruhe und dröger Alltag ist zumindest für diese vier Bewohner der Seniorenresidienz „Coopers Chase“ ein absolutes Fremdwort. Wie aus dem nichts taucht Elizabeths Ex-Mann, ebenfalls Geheimagent, auf und ab diesem Zeitpunkt jagen sich die Ereignisse nur so. Diamanten, Drogen, Morde, Intrigen, Verrat und die große Frage: Sollte Joyce sich einen Hund aus dem Tierheim holen?

Zu einem solch reichhaltigen Plot gesellt sich britischer Humor und ein Sammelsurium an liebenswerten Charakteren. Für mich eine absolut gelungene Mischung!
Erstaunlicher Weise hat mir dieser Band sogar noch einen kleinen Ticken besser gefallen als der erste. Ich mag die vier einfach. Auch wenn Elizabeth immer noch zu viel einer Mary Sue an sich hat, immer die Lösung parat, immer einen Schritt voraus, immer ungeschlagen und immer das Werkzeug, um alle Dinge zu lösen.
Es gab in diesem Band viele Elemente, die ich sehr mochte, kleine Plot Linien, die zu einem tollen Gesamtbild beitrugen. Zum Beispiel, wie es sich anfühlen kann, wenn man seine eigenen Grenzen überschreitet und was für einen Auftrieb einem das Gefühl geben kann, sich mehr zu trauen. Und wie fragil dieses Gefühl ist, da es uns so schnell wieder genommen werden kann. Oder, dass es verständlich ist, sich einsam zu fühlen, allein zu sein obwohl man umgeben von Menschen ist. Und das eine Therapie wirklich viel Gutes bewirken kann. Oder wie furchtbar es ist, einem geliebten Menschen dabei zusehen zu müssen, wie er immer mehr der Demenz verfällt.
Und obwohl diese Themen durchaus ernst sind, vielleicht sogar zu traurig klingen, ist die Geschichte so positiv und nimmt sich dieser auf eine wirklich tolle und verständnisvolle Weise an. Ohne jedoch in eine toxische Positivität abzudriften.

Das Tempo ist etwas rasanter als der erste Band und vor allem das letzte Viertel hat mich absolut in Beschlag genommen. Aus der Hand legen konnte ich das Buch zu dem Zeitpunkt auf gar keinen Fall mehr und musste einfach immer weiter lesen.
Zu dem etwas rascheren Tempo tragen auch die vielen eher kurzen Kapitel und die Abwechslung der Handlung bei. Meist ist das Buch abhängig vom jeweiligen Charakter in Perspektive des personalen Erzählers geschrieben, Joyce hingegen hat öfters Kapitel als Ich-Erzählerin, da sie wie auch im ersten Band den Leser wieder an ihren Gedanken teilhaben lässt, die sie in ihr Tagebuch schreibt. Als personaler Erzähler treten natürlich überwiegend unsere Senioren auf, doch auch die Mitglieder der Orts angehörigen Polizei, Chris und Donna, oder sogar der ein oder andere Bösewicht. Mir gefiel dieser Perspektivwechsel sehr gut.
Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, phasenweise eher umgangssprachlich.

Ich bin sehr erleichtert, dass es in absehbarer Zeit einen weiteren Band geben wird. Wer den ersten Band mochte, der wird mit diesem auch seine große Freude haben. Wer dem britischen Humor verfallen ist und Cosy Crime Leser:innen kann ich diese Reihe nur wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 25.01.2022

Interessanter Erfahrungsbericht über die Arbeit mit MSF eines Allround-Managers

Ein Krankenhaus im Kongo
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Helfen, das – so ist meine feste Überzeugung – ist die beste Eigenschaft von uns Menschen. Jeder hilft irgendwie irgendwem auf die ihm oder ihr mögliche Art und Weise. Den Großeltern Einkäufe vorbeibringen, ...

Helfen, das – so ist meine feste Überzeugung – ist die beste Eigenschaft von uns Menschen. Jeder hilft irgendwie irgendwem auf die ihm oder ihr mögliche Art und Weise. Den Großeltern Einkäufe vorbeibringen, einer guten Freundin zu hören, spenden an eine Organisation, an die man glaubt oder Winterjacken an Flüchtlingsheime geben. Und dann gibt es noch Menschen wie Robert Kösch, denen diese Art von Hilfe nicht mehr reicht, die mehr machen wollen, die sich selber für anderen hinten anstellen.
Robert Kösch lebte für sieben Monate im Kongo, um dort mit „Ärzte ohne Grenzen“ (Médecins Sans Frontières, kurs MSF) ein Krankenhaus zu bauen.
Doch das Leben hat manchmal ganz andere Pläne und Corona ist nicht die einzige Überraschung und das einzige Hindernis, das genommen werden muss.

Ich mag Erfahrungsberichte unheimlich gerne und könnte mich total in ihnen verlieren. Ich bin selber keine Ärztin, habe aber genug Ärzt:innen in meinem Bekanntenkreis und habe auch dadurch natürlich schon viel über die Arbeit von MSF gehört. Einen Erfahrungsbericht habe ich aber zuvor noch nicht darüber gelesen und war deswegen sehr gespannt auf all die Dinge, die Robert Kösch so zu berichten hat.
Ich persönlich habe gedacht, dass bei MSF nur Ärzt:innen und medizinisches Personal arbeiten, was für ein naiver Irrglaube. Schließlich hängen an einer solch großen Organisation ganz verschiedene Berufe mit dran. Das war gleich das Erste, was ich beim Lesen des Klappentextes lernte, denn Robert Kösch ging als Allround-Manager für Personal, Finanzen und Logistik nach Baraka im Kongo.
Und das blieb für mich nicht die einzige interesante Information. MSF handelt losgelöst von Religion und Politik vor Ort, um sich nicht einer bestimmten Seite zuordnen zu lassen. Losgelöst bedeutet jedoch natürlich nicht, dass MSF ohne Grenzen agieren kann, denn immer wieder müssen Entscheidungen und Handlungen mit ortsansässigen Parteien diskutiert und neu bewertet werden.
Es gab neben vielen Informationen zu MSF auch einige Gedankengänge des Autors, die ich sehr spannend fand, vor allem was Entwicklungshilfe eigentlich ist, wo deren Grenzen liegen und ob die Art und Weise wie geholfen wird überhaupt die richtige ist. Aber was wären die Alternativen? Und wer bestimmt was richtig und was falsch ist? Gibt es bei Hilfe überhaupt ein richtig und ein falsch?
Ich hätte mir gewünscht, dass einige dieser Gedankengänge noch ein wenig mehr in die Tiefe gegangen wären und ausführlicher diskutiert worden wären, aber vielleicht habe ich als Leserin ja das Glück, das Robert noch einmal an einem Projekt teilnehmen wird und dieses in Buchform festhalten möchte 

Generell ist das Buch sehr chronologisch aufgebaut, Passagen über Roberts neuen Alltag, mittlere bis kleine Kulturschocks und all die schönen Stunden mit nicht mehr so fremden Menschen werden genauso erzählt wie die Tätigkeitsfelder für einen Allround-Manager bei MSF, Schilderungen über die Arbeit und Arbeitsbedingungen vor Ort und die harsche Realität im Kongo.
Skurril war es für mich, nochmals über die Anfänge von Corona zu lesen. Über das Anfang 2020 noch vermeintlich weit entfernte Virus in einem vollkommen anderen Land auf einem ganz anderen Kontinent. Auch die Reaktionen im Kongo, sowohl von politischer als auch gesellschaftlicher Art, haben mich interessiert.

Der Schreibstil ist sehr locker und umgangssprachlich, die Kapitel relativ kurz gehalten. Nachdem ich das Buch in die Hand nahm, hatte ich auch schon wieder etliche Seiten gelesen. Toll fand ich die Bilder, die in der Mitte des Buches abgedruckt waren.

Alles in allem hatte ich sehr viel Vergnügen mit der Lektüre und konnte viel über die Arbeit von MSF mitnehmen. Empfehlen kann ich das Buch auf jeden Fall.

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