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Veröffentlicht am 03.10.2025

Moderner, realistischer Roman über das Leben einer jungen Schwedin

Beste Zeiten
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Beste Zeiten ist der 2.Roman von Jenny Mustard rund um das Leben junger Erwachsener in der heutigen Zeit.

Sickan ist Studentin einer Stockholmer Uni und möchte sich ein anderes, besseres Leben erschaffen. ...

Beste Zeiten ist der 2.Roman von Jenny Mustard rund um das Leben junger Erwachsener in der heutigen Zeit.

Sickan ist Studentin einer Stockholmer Uni und möchte sich ein anderes, besseres Leben erschaffen. Eigentlich heißt sie Siv und wurde an der Schule einer schwedischen Kleinstadt gemobbt. Diese Erfahrungen möchte sie abstreifen und endlich dazugehören. Mit Hanna findet sie zu einer ersten Freundschaft und über sie zu weiteren Bekannten und Freunden. Sie lernt Abbe kennen und verliebt sich.

Der Roman wird in der Ich-Form erzählt und legt die Gedanken- und Gefühlswelt Sickans offen. Der Einstieg ins Buch ist etwas zäh, ab der Mitte zieht das Tempo dessen, was geschieht, an und das Buch entwickelt sich als ein Pageturner, meines Empfindens nach. Im Wechsel erleben wir Sickan im Hier und Jetzt und Rückblenden, die ihre Art zu denken und zu fühlen nachvollziehbar machen. Den Schreibstil von Jenny Mustard finde ich sehr eindrücklich, klar und durch Empathie gekennzeichnet. Ich habe mich immer wieder mal gefragt, wieviel Jenny in Sickan steckt. Was Jenny erlebt haben könnte, um Sickan so stark zeichnen zu können. Ich empfinde den Roman als realistisch und auch immer wieder bedrückend. Dennoch erlebe ich Sickan als mutige und aktive junge Frau, die sich und ihr Leben ändern will.
Das Cover ist ein Hingucker. Ich sehe darauf Sickan und neben sich Feuer, an dem sie sich verbrennen könnte. Insgesamt aber habe ich den Eindruck, Sickan rettet sich irgendwie aus jeder Situation selbst.

Beste Zeiten ist ein moderner Roman über die Jahre einer jungen Frau, die sich und das Leben neu erfindet, ein Roman über Freundschaft und erste Liebe und über noch viel mehr, was das Leben bereit hält. Wer sich für das Seelenleben eines Menschen und seine Beziehungen interessiert, liegt bei der Geschichte goldrichtig. Ich fand es spannend und berührend, Sickan kennenzulernen.

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Veröffentlicht am 05.02.2023

Mond- und Sonnenmagierin

Luna und Sunny
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Luna und Sunny von Corinna Wieja - Wenn die Magie des Mondes erwacht - ist der erste Band eines magischen Lebens in einem Dorf bei Oxford.

Die 12j. Luna nimmt mit ihrem Freund Liem an einem Schüleraustausch ...

Luna und Sunny von Corinna Wieja - Wenn die Magie des Mondes erwacht - ist der erste Band eines magischen Lebens in einem Dorf bei Oxford.

Die 12j. Luna nimmt mit ihrem Freund Liem an einem Schüleraustausch teil. Nicht nur ihr Koffer ist weg, auch fühlt sie sich anfangs unwohl in ihrer Gastfamilie, denn sie hat den Eindruck, Sunny könnte sie nicht leiden. Luna entdeckt auf dem Flughafen und während der Autofahrt einen schimmernden Fuchs. Auch im Haus bei Sunny beobachtet sie Seltsames. Bis ihr eines Tages von einem Sperlingskauz eröffnet wird, sie sei eine Mondmagierin. Luna möchte nicht an Magie glauben. Aber es muss etwas daran sein, sonst könnte sie sich nicht mit einem Vogel unterhalten. Um ihre magischen Kräfte zu entfalten, braucht sie Hilfe, und die ausgerechnet von Sunny.

Corinna Wieja versetzt die Leser im Prolog in eine schaurige Stimmung, Unheil droht einem Dorf. Aber wer ist diese dunkle Gestalt? Das Rätsel wird wohl erst im zweiten Band aufgelöst. Im ersten Band können wir uns prima in Luna hineinversetzen, was sie denkt und empfindet. Sie wirkt unsicher, tritt in Fettnäpfchen und hat lustige Verdrehungen von Redewendungen parat. Liem zeigt sich als bester und ehrlicher Freund und weiß sehr viel. Sunny wirkt anfangs abweisend und misstrauisch, was gute Gründe hat.

In der ersten Buchhälfte wirkt alles geheimnisvoll, in der zweiten werden die Geheimnisse und Rätsel in schneller Folge aufgelöst. Es gibt immer wieder auch schaurige Momente und Spannung zieht sich durch das gesamte Buch.

Das Cover mit silbrig glitzerndem Titel zeigt Luna. Es wurde liebevoll gestaltet von Alexandra Helm.

Ein kurzweiliges Buch für Leser ab 10 Jahren, das magische Kräfte entfaltet und den Wert bester Freundschaften hochhält.

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  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 10.04.2022

Der Koch, der zu Möhren unter einem Sternenhimmel spricht

Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach
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Ein poetisches Buch, in dem sich alles zum Guten und zum Glück hin wendet.

Elsa und Robert Walch führen einen Gasthof im Elsass. Während Elsa sich um Gäste und ihre Zwillinge kümmert, hegt und pflegt ...

Ein poetisches Buch, in dem sich alles zum Guten und zum Glück hin wendet.

Elsa und Robert Walch führen einen Gasthof im Elsass. Während Elsa sich um Gäste und ihre Zwillinge kümmert, hegt und pflegt der eigenbrötlerische Koch sein Gemüse im Garten und zaubert Gerichte am Herd. Robert ist bereits 52 und spricht nur selten mit Menschen außerhalb seiner Familie. Doch dann helfen Hassan und seine Mutter auf dem Gasthof aus, und letztendlich trifft die temperamentvolle Engländerin Maggie ein. Gibt es einen Weg in die Liebe für Robert?

Julia Mattera verzaubert mit ihren charmant mit feinen Strichen bis ins Detail erarbeiteten Figuren. Sie stimmt die Leser zuversichtlich und schenkt ihnen Glück und zum Ende auch Appetit auf elsässische Gerichte.
Während sie im ersten Teil gut in die Geschichte hineinführt, zieht sie im zweiten Teil das Tempo rasant an. Vielleicht wollte man als Leserin die Geschichte zwischen den Figuren mehr auskosten.

Wer es poetisch, verspielt, kurios, ins Schöne und Glückliche verfärbt mag, liegt mit diesem Buch um einen Koch, der liebevoll mit seinem Gemüse spricht, richtig.

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Veröffentlicht am 20.03.2022

Der Schatten eines Deichfürsten

Deichfürst
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Deichfürst von Heike van Hoorn, ein Ostfriesland-Krimi, bietet eine kurzweilige, zeitgeschichtlich interessante, aber mäßig spannende Lektüre.

Auf der Baustelle für ein Emssperrwerk wird ein Holzsarg ...

Deichfürst von Heike van Hoorn, ein Ostfriesland-Krimi, bietet eine kurzweilige, zeitgeschichtlich interessante, aber mäßig spannende Lektüre.

Auf der Baustelle für ein Emssperrwerk wird ein Holzsarg gefunden, in den der reiche, sehr alte Bauer Tadeus de Vries verfrachtet wurde. Erstickungstod. Der neue Hauptkommissar in der Kripo Leer, Stephan Möllenkamp, ermittelt mit seinem Team in viele Richtungen. Die Lokalreporterin Gertrud Boekhoff geht auf ihre eigene Spuren- und Tätersuche und kreuzt dabei immer wieder Möllenkamps Wege. Wird der Täter ermittelt und werden seine Motive aufgedeckt?

Das Buch durchziehen zwei Erzählstränge - ein Strang mit den aktuellen Ermittlungen zum Tathergang und ein Strang aus den Jahren nach dem 2.Weltkrieg bis hin in das aktuelle Geschehen hinein. Durch die Rückblenden wird Spannung in das Buch gebracht. Die zahlreichen Ermittlungsrichtungen bringen eher interessante zeitgeschichtliche Informationen und plattdeutsche Dialogeinschübe als Spannung und mutieren beinahe hin zu Ablenkungsmanövern. Ab dem letzten Drittel erahnt man als Leser den Täter, dennoch gibt es Überraschungen bis zum Schluss. Die plattdeutschen Einschübe werden in den Fußzeilen übersetzt. Es kommen im Buch sehr viele Figuren vor, die aber eher oberflächlich gezeichnet scheinen. Die Autorin schrieb ihren ersten Kriminalroman sprachlich gewandt, kann aber noch Potential für folgende Bücher ausbauen, insbesondere was die Spannungserhaltung betrifft.

Ich empfehle Deichfürst gern als kurzweilige Urlaubslektüre. Das Cover ist mit Ausnahme der Farbwahl gelb für den Buchtitel recht passend, denn sonnig gelb erstrahlend ist die Figur des Deichfürsten keineswegs.

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Veröffentlicht am 08.05.2025

Liebe zwischen Women

Women
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Chloé Caldwell scheint einen autofiktionalen, kurzen Roman geschrieben zu haben, in dem sich die Ich-Erzählerin in eine neunzehn Jahre ältere, in Partnerschaft lebende Frau namens Finn verliebt.

Mittlerweile ...

Chloé Caldwell scheint einen autofiktionalen, kurzen Roman geschrieben zu haben, in dem sich die Ich-Erzählerin in eine neunzehn Jahre ältere, in Partnerschaft lebende Frau namens Finn verliebt.

Mittlerweile zählt der 2014 erschienene Roman als ein Klassiker der queeren Literatur.

Der Schwerpunkt liegt in diesem Roman auf der Gefühlsachterbahn der Ich-Erzählerin. Man spürt, dass die Autorin gefühlsmäßig zu sehr in ihrer vergangenen Affäre steckte, als sie ihr Buch schrieb. Sie fühlte sich in der Beziehung nicht sicher und konnte ihre Geliebte nicht gut einschätzen.
So bleibt Finn eher blass und ihre Motive und Wünsche sind nicht sonderlich herausgearbeitet.
Ich glaube, dass dieser Roman wegen seiner Wahrhaftigkeit zum Kultbuch wurde. Es ist keine ausgedachte und für die Leser geschnitzte Liebesgeschichte. Vermutlich finden sich viele Menschen der LSBTIQ+ Szene wieder.

Die Schreibweise im großen und ganzen finde ich ziemlich gut. Dass die Autorin die Leser anspricht, gefällt mir. Die Abschnitte - Episoden oder Momente oder Gedanken und Reflexionen finde ich sehr gut zusammengefügt.

Das Cover mit der sinnlichen Berührung zweier Frauenhände passt genau zur Geschichte. Hände, die sich berühren, aber später wieder loslassen, für immer.

Das Buch enthält Vor- und Nachwort. Die eigentliche Geschichte beginnt auf Seite 15, was leider nicht markiert ist.

Women, ein Roman, der in die Intimsphäre einer jungen Frau schauen lässt. Das erfordert viel Mut zur Selbstenthüllung.

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