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Veröffentlicht am 25.04.2022

Nur ein großer Wunsch

Warten auf ein Wunder
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Dublin 2010: Jede Woche treffen sich Caroline, Natalie und Janet in einer Selbsthilfegruppe für Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben. Sie haben (fast) keine Geheimnisse voreinander, teilen sie doch ...

Dublin 2010: Jede Woche treffen sich Caroline, Natalie und Janet in einer Selbsthilfegruppe für Frauen, die ungewollt kinderlos bleiben. Sie haben (fast) keine Geheimnisse voreinander, teilen sie doch das gleiche Schicksal. Nur Ronnie, die Neue, schweigt sich aus.

Irland 1976: Als Catherine mit 17 unverheiratet schwanger wird und ihr Freund sich nicht zu dem Kind bekennt, wird sie in ein katholisches Mutter-Kind-Heim abgeschoben. Als sie ihr Kind dann nicht zu Adoption freigeben will, löst sie einen Skandal aus.

„Warten auf ein Wunder“ ist mir extrem nahe gegangen. Was die Frauen in der Hoffnung auf ein eigenes Kind alles auf sich nehmen, die unzähligen Behandlungen, Operationen und Schmerzen, den physischen und psychischen Druck, ist unvorstellbar. Leider bleiben ihre Beziehungen dabei oft auf der Strecke, weil der Wunsch nach dem Kind irgendwann größer ist als die Liebe zu ihrem Partner. „Acht Jahre, vier Operationen, sechs IVFs, ein toter Hund und ein Ehemann, der mich soeben verlassen hat, und sogar ich will noch mal von vorne anfangen.“ (S. 33) Trotzdem können sie den einen großen Wunsch einfach nicht loslassen – und obwohl ich ihre körperlichen Schmerzen beim Lesen selber spüren konnte, habe ich sie verstanden, mit ihnen gehofft und gebangt und auch geweint, wenn es wieder einen Rückschlag gab – vielleicht auch darum, weil ich selber keine Kinder bekommen kann.

Während ich mit Caroline, Natalie, Janet und Ronnie eher mitgelitten habe, hat mich Cathrines Geschichte sehr wütend und traurig gemacht. Obwohl sie auf einem Bauernhof lebt, wurde sie nie aufgeklärt, wusste nicht, wie ein Baby entsteht. „Woher weißt du, dass du schwanger bist?“ „Weil meine Mami mich geschlagen hat.“ (S. 99)
Was sie in dem Heim erlebt, lässt sich nur mit unmenschlich bezeichnen. Die schwangeren, oft minderjährigen Mädchen bekommen (angeblich zu ihrem Schutz) neue Namen und eine Arbeitsnummer, mit der sie gerufen werden – das hat bei mir sofort Assoziationen an die Verhältnisse in den KZ´s geweckt. Sie werden wie Dreck behandelt, müssen bis zum Umfallen arbeiten und bekommen meist erst dann medizinische Betreuung, wenn es schon zu spät ist. Nicht wenige Mädchen sterben bei der Geburt. Das ist aber egal, denn die Nonnen interessieren sich sowieso nur für die Babys, die sie für viel Geld an neue Eltern vermitteln. „Wir waren alle Gefangene in dem engen Netz aus einer engstirnigen Gesellschaft und Eltern, die uns jegliche Unterstützung verweigerten, einer Kirche, die uns als verdorbene, unzüchtige Sünderinnen hinstellte, und einem Geschäftsmodell, welches Kinder gegen Spenden an Adoptiveltern vermittelte, sowohl innerhalb Irlands als auch ins Ausland.“ (S. 223) Vor allem war es mit der Geburt für Cathrine noch nicht vorbei, ganz im Gegenteil, der von vornherein fast aussichts- und hoffnungslose Kampf um ihr Kind beginnt erst danach richtig …

Anna McPartlins neues Buch ist eine emotionale Achterbahnfahrt, hat mich sprachlos, wütend und traurig gemacht. Abwechselnd erzählt sie sehr einfühlsam Carolines, Natalies und Janets zum Teil verzweifelte Anstrengungen auf dem Weg zum eigenen Kind und lässt Ronnie immer ein bisschen mehr von sich preisgeben. Der Zusammenhalt und die beispiellose gegenseitige Unterstützung, das Mutmachen, aber auch die Versuche, sich von dem Kinderwunsch zu lösen haben mich sehr berührt. „Manchmal müssen wir uns auf das konzentrieren, was wir haben, anstatt auf das, was wir nicht haben.“ (S. 152)
Parallel dazu wird Cathrines Geschichte weitererzählt, wie schwer es ihr fällt, nach der Geburt wieder Fuß zu fassen, sich ein neues Leben aufzubauen. Sie weiß nicht, ob sie je wieder Vertrauen zu einem Mann fassen und eine körperliche Beziehung zulassen kann, denn eigentlich haben die Nonnen sie gebrochen.

„Warten auf ein Wunder“ ist ein ganz besonderes und sehr emotionales Lesehighlight für mich.

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Veröffentlicht am 22.04.2022

Im Fenster brennt noch Licht

Morgen kann kommen
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Nachdem ich „Morgen kann kommen“ von Ildikó von Kürthy bereits gelesen habe, habe ich in den letzten Tagen Ildikós Stimme gelauscht, während sie mir ihr Buch nicht einfach nur vorgelesen, sondern die Geschichte ...

Nachdem ich „Morgen kann kommen“ von Ildikó von Kürthy bereits gelesen habe, habe ich in den letzten Tagen Ildikós Stimme gelauscht, während sie mir ihr Buch nicht einfach nur vorgelesen, sondern die Geschichte erzählt hat.

Als Ruth erkennt, dass ihr Mann sie betrügt, fährt sie kurzentschlossen mit Auto und Hund aber ohne Gepäck in das einzige Zuhause, in dem sie sich je wohl gefühlt hat – die Villa ihrer Großeltern in Hamburg. In ihrem Zimmer dort brannte immer eine kleine Lampe im Fenster, wie bei einem Leuchtturm, damit sie sich im Dunklen nicht fürchtete und nach Hause fand. Sie hat das Haus zuletzt vor 15 Jahren betreten, bevor es zum großen Knall kam, bevor sie sich mit ihrer Schwester Gloria zerstritten hat. Der gehört das Haus jetzt, doch sie bewohnt es nicht allein. Gloria wirkt nach außen sehr barsch, hat aber ein großes Herz. Jeder der ein offenes Ohr oder einen Unterschlupf braucht, findet das bei ihr. Wie Rudi, der gute Sozi, der Ordnung liebt und immer für andere da ist. Er wird nicht mehr lange bleiben, nur noch bis zu seinem selbstbestimmten Tod. Oder der exaltierte Erdal, der eigentlich gerade eine Detox-Kur macht, die er aber nicht erträgt. Er bringt seine Cousine Fatma und ihre Teenager-Tochter mit, die das Fass zum Überlaufen bringen …

Nicht zum ersten Mal ist mir aufgefallen, dass ich beim Hören einen anderen Focus auf ein Buch habe als beim Lesen, andere Stellen werden plötzlich wichtig. Mir fallen die Ähnlichkeiten und Unterschiede der Schwestern stärker auf, ihre früher extrem innige Beziehung, wie sehr sie sich gegenseitig Mut und Halt gegeben haben.
Außerdem finde ich den Kontrast zwischen Ruth, die gerade mit einem Knall zurück ins Leben findet, und Rudi stärker, der sich immer mehr verabschiedet, ganz leise, um niemanden zu stören. Mir wird bewusster, wie er den Bezug zur Wirklichkeit und Realität immer mehr verliert, wie seine Angst vorm Tod immer kleiner wird, während die vorm Dahinsiechen zunimmt. Welche seiner Ängste gewinnt am Ende? Und natürlich stellt sich mir dann die Frage, wie mutig man sein muss, um seinem Leben ein Ende zu setzen, bevor eine Krankheit das übernimmt.
Aufgelockert werden diese schwierigen Themen durch Erdal, der immer im genau richtigen Moment schonungslos offen das ausspricht, was andere nicht mal zu denken wagen und die Situationen dadurch auflockert. Die Balance zwischen Humor und den nachdenklichen Stellen gelingt Ildikó von Kürthy sehr gut, auch bei der Modulation ihrer Stimme trifft sie immer genau die richtige Nuance Gefühl oder Witz.

Ildikó von Kürthy hat es auch mit ihrem Hörbuch geschafft, mich zum Lachen und Weinen zu bringen, zum Nachdenken und Träumen. „Morgen kann kommen“ hat mich sprachlos gemacht und erschüttert – aber gleichzeitig auch Hoffnung verbreitet.

Und wenn ich mich jetzt am Ende zwischen Buch oder Hörbuch entscheiden müsste, dann könnte ich das ehrlich gesagt nicht. Mir hat es sowohl beim Selbstlesen als auch Zuhören sehr gut gefallen und extrem berührt. Ich bin gespannt, ob und wie Ruths und Glorias Geschichte weitergeht. Denn jedem Ende wohnt ein Anfang inne …

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Veröffentlicht am 14.04.2022

Der Styx von Wien

Das Mädchen und der Totengräber (Die Totengräber-Serie 2)
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Leopold von Herzfeldt muss sich auf seiner Dienststelle immer noch gegen die Anfeindungen seiner Kollegen wehren, die ihn hassen, weil er jung ist und mit modernen Methoden arbeitet und, weil er Jude ist. ...

Leopold von Herzfeldt muss sich auf seiner Dienststelle immer noch gegen die Anfeindungen seiner Kollegen wehren, die ihn hassen, weil er jung ist und mit modernen Methoden arbeitet und, weil er Jude ist. Auch sein Vorgesetzter ist nicht immer gegen Vorurteile gefeit, aber er traut ihm einiges zu und betraut ihn mit der Aufklärung eines sehr ungewöhnlich Falls – im Kunsthistorischen Museum wird die mumifizierte Leiche von Professor Alfons Strössner gefunden, der angeblich seit 3 Monaten auf Ausgrabungen in Ägypten weilt. Strössner war vor Jahren auf einer Expedition, deren Mitglieder inzwischen fast alle gestorben sind – sind sie dem Fluch einer Mumie erlegen?! Man wünscht sich Diskretion und keinerlei Aufsehen oder gar eine Pressemeldung. Da Leo so unauffällig wie möglich ermitteln soll, sucht er Hilfe bei Totengräber Augustin Rothmayer, der sich schon von Berufs wegen mit Mumien auskennt und gerade ein Buch über die Totenkulte verschiedener Völker schreibt. Auch Leos heimliche Freundin, die Tatortfotografin Julia Wolf, hilft ihm bei seinen Nachforschungen.
Doch noch ein anderer Fall beschäftigt Wien. Immer wieder tauchen verstümmelte Leichen junger Männer in verschiedenen Stadtteilen auf. Sie alle scheinen Stricher gewesen zu sein und nach ihrem Tod fehlt ihnen etwas Entscheidendes: „Gegen das hier wäre Jack the Ripper nicht mehr als ein blutiger Witz.“ (S. 294) Der Täter wurde bereits zwei- oder dreimal gesehen, verschwand immer aber urplötzlich – geht ein mordendes Phantom um in Wien?!

„Das Mädchen und der Totengräber“ ist bereits der zweite Fall der Reihe mit Leo, Julia und Totengräber Rothmayer und hoffentlich noch lange nicht der letzte. Oliver Pötzsch hat mit ihnen sehr eigenwillige, unangepasste und unverwechselbare Protagonisten geschaffen, die es in ihrem Leben nicht leicht haben.
Leo kann seine gute Kinderstube und das reiche Elternhaus nicht ablegen, man sieht sie ihm schon von weitem an und nicht wenige halten ihn darum eher für einen Dandy oder Schnösel, als einen Inspektor. Dabei ist er sehr gut in seiner Arbeit, ihm fallen logische Fehler und andere Ungereimtheiten sofort ins Auge. Dann beißt er sich daran fest und gibt nicht auf, bis er wirklich alles aufgedeckt hat – sehr zum Leidwesen seiner vorgesetzten. Er setzt auf die neuesten Ermittlungsmethoden wie Tatortfotografie, Fingerabdrücke (ein Trick, um den Täter zu überlisten) und Stadtpläne, auf denen er die Tatorte kennzeichnet um den Täter einzukreisen und näher kennenzulernen, zudem versuchte er ein Psychogramm von ihm zu erstellen. Doch je mehr er sich in seine aktuellen Fälle stürzt, um so mehr vernachlässigt er Julia …
Julia ist etwas halbseiden und geheimnisvoll. Sie lebt mit ihrer unehelichen Tochter im Bordell und macht die Arbeit als Tatortfotografin nur, weil Leo sie ihr versorgt hat und sie das Geld braucht. Dabei gehen ihr die Leichen, die sie fotografieren muss, sehr zu Herzen. Sie ist neugierig und hat ein Auge für Details, entdeckt, wenn etwas auf einem Foto bzw. am Tatort nicht stimmt und ermittelt dann auf eigene Faust. Sie liebt Leo, aber die Unterschiede zwischen ihnen scheinen immer größer und unüberwindbarer zu werden. Er versucht sie in seine Welt zu ziehen, geht nicht auf ihre Wünsche und Vorstellungen ein. Ist ihre Liebe zum Scheitern verurteilt?
Rothmayer ist ein echter Kauz, der seine ganze Familie verloren hat und seit einiger Zeit ein Mädchen bei sich auf dem Friedhof wohnen und arbeiten lässt, das ihn an seine Tochter erinnert. Allerdings ist das Jugendamt dagegen und Rothmayer hat so seinen ganz eigenen Methoden, sich die ungeliebten Besucher vom Hals zu halten …

Oliver Pötzsch hat wieder einen extrem spannenden Fall konstruiert – eigentlich sind es sogar zwei – auf deren Auflösungen ich nie gekommen wäre.
Der Fall mit der Mumie zieht Kreise bis nach ganz oben, selbst Erzherzog Ferdinand scheint involviert zu sein, und Leo muss sich auf großem Parkett beweisen.
Für die Morde an den Strichern hingegen muss er in der Wiener Unterwelt (Kanalisation) hinabsteigen und auch dafür ist er sich nicht zu schade. „Hier wird alles angespült, das Schöne und das Hässliche, das Leben und der Tod. Aber in letzter Zeit, so seit vielleicht einem Jahr …“ (S. 356)

Geschickt integriert der Autor historische Details wie die Völkerschau im Wiener Tiergarten, gegen die vor allem Julia rebelliert. Sie kämpft dagegen an, dass afrikanische Ureinwohner wie wilde Tiere gehalten und ausgestellt werden.

Für mich ist dieser Krimi rundum gelungen! Ich bin schon sehr gespannt auf den Nächsten Fall des dynamischen Trios.

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Veröffentlicht am 12.04.2022

Wie Phoenix aus der Asche

Morgen kann kommen
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„Beide Schwestern waren Opfer. Vielleicht konnten sie zusammen die Kraft finden, zurück auf die Bühne ihres eigenen Lebens zu treten.“ (S. 198)

Ruths Leben ist auf den Lügen ihres Mannes aufgebaut, die ...

„Beide Schwestern waren Opfer. Vielleicht konnten sie zusammen die Kraft finden, zurück auf die Bühne ihres eigenen Lebens zu treten.“ (S. 198)

Ruths Leben ist auf den Lügen ihres Mannes aufgebaut, die sie bisher nicht sehen konnte oder wollte. Sie hat schon immer lieber weg- als hingesehen, hat erduldet statt aufzubegehren, gegeben statt zu fordern und sich immer zurückgenommen. Jetzt findet sie ein Foto, dass ihr die ganze Wahrheit aufzeigt: „Mein Mann betrügt mich, ich bin in den Wechseljahren, habe kein Kind, ein derangiertes Selbstbewusstsein und garantiert nicht den Mut, neu anzufangen.“ (S. 187) Was soll sie jetzt machen? Gehen oder bleiben? Weiter wegsehen oder endlich Konsequenzen ziehen? Sie weiß nicht mehr weiter, steigt in ihr Auto und fährt nach Hamburg in die Villa ihrer Großeltern, die inzwischen ihrer Schwester Gloria gehört.

Die ist das genaue Gegenteil von Ruth, hat erst gegen den dominanten Vater und später alle anderen Männer revoltiert. Sie hat sich nie in ihr Leben reinreden lassen, gewährt jeder gefallenen oder geschundenen Seele Unterschlupf und kümmert sich um sie, wie sie es bis vor 15 Jahren für Ruth getan hat. Bis es zum großen Knall kam, bis ES passiert ist, bis der Kontakt zwischen ihnen abrupt endete. Gloria ist damals fast zerbrochen, dann aber mit Rudis Hilfe wie Phoenix aus der Asche wieder auferstanden. Wird Ruth das auch schaffen?

Rudi, der gute Sozi, ist einer von Glorias Untermietern – aber nur noch so lange, bis er alles in Ordnung gebracht hat, so wie schon sein ganzes Leben, nur bis zu seinem Tod, dessen Zeitpunkt er selbst bestimmen wird. Er ist ihr Anker und Ruhepol, stets höflich und hilfsbereit, aber unter seiner Oberfläche brodelt es.

Auch Glorias Freund Erdal ist bei ihr untergekrochen und schwänzt seine gebuchte Detox-Kur. Er kann und will nicht auf Nahrung, Alkohol oder Drama verzichten. Erdal ist König seiner Welt, von Mutti verwöhnt und verhätschelt, leidet er jetzt am Empty-Nest-Syndrom, denn seine und Karstens Söhne kommen langsam in die Pubertät und nabeln sich ab. Und obwohl sich sein Universum vorrangig um ihn dreht, sieht er trotzdem genau, was bei anderen falsch läuft und greift dann in seiner unnachahmlichen und direkten Art ein.

Ildikó von Kürthy hat es wieder geschafft, mich zum Lachen und Weinen zu bringen, zum Nachdenken und Träumen. „Morgen kann kommen“ hat mich sprachlos gemacht und erschüttert – aber gleichzeitig auch Hoffnung verbreitet. Es geht um Beziehungen zwischen Partnern und Geschwistern, um Kinder und Pubertiere, Mütter und Väter, Lebenslügen und Wahrheiten.

Beim Lesen habe ich mir die Frage gestellt, ob mir das gleiche wie Ruth hätte passieren können. Wie erkennt man einen manipulativen Partner, eine toxische Beziehung und wie kommt man dann möglichst unbeschadet raus? „Ich habe mich vor meinen Augen aufgelöst. Meine Konturen sind verschwommen, ich weiß nicht mehr, wo ich aufhören und wo er anfängt.“ (S. 134) Ab einer bestimmten Stelle hatte ich eine Vermutung, was ES war, und um so mehr taten mir die Schwestern leid, als diese sich dann bewahrheitet hat.

Ich liebe Ildikó von Kürthys Protagonisten (endlich wieder Erdal!) und ihren Erzählstil. Sie schreibt humorvoll und klar auf den Punkt und spricht unbequeme Wahrheiten aus: wie wir Frauen uns geben, was wir uns selbst antun oder antun lassen, nur weil wir denken, dass es erwartet wird oder den gesellschaftlichen Konventionen entspricht, oder um einfach unsere Ruhe zu haben. Sie zeigt wie in „Neuland“ und ihren Kolumnen auf, was für ein falsches Bild wir oft von uns haben und wie wir uns für unser Aussehen geißeln.

Sie verdeutlicht aber auch, wie wichtig Familienbande und Freunde sind, auf die man sich verlassen kann, und dass man sich selbst (ver)trauen muss – und nie die Hoffnung verlieren sollte. Wie schon in „Es wird Zeit“ macht sie Mut für einen Neunanfang, für den es nie zu spät ist.

Ich schließe das Buch mit einem lachenden und einem weinenden Auge, viel zu schnell war es wieder ausgelesen, aber Ruths und Glorias berührende Geschichte wird noch lange in mir nachklingen.

5 Sterne und meine Leseempfehlung für dieses Highlight.

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Veröffentlicht am 03.04.2022

Backen kann jeder!

Teigliebe
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Backt Ihr regelmäßig Kuchen, Kekse oder Torten? Wenn nicht, was hindert Euch daran? Traut Ihr Euch nicht? Fehlen Euch die passenden (Grund-)Rezepte? Meine Leidenschaft fürs Backen wurde schon früh geweckt, ...

Backt Ihr regelmäßig Kuchen, Kekse oder Torten? Wenn nicht, was hindert Euch daran? Traut Ihr Euch nicht? Fehlen Euch die passenden (Grund-)Rezepte? Meine Leidenschaft fürs Backen wurde schon früh geweckt, denn ich durfte meiner Oma oft in der Küche helfen. Von ihr habe ich auch das Standardbackbuch der DDR „Das Backbuch“ geerbt.

Etwas ganz Ähnliches aber viel Moderneres hat jetzt Anna Röpfl herausgebracht. In „Teigliebe“ erklärt sie die 4 Grundteigarten Rührteig, Mürbeteig, Hefeteig und Biskuitteig reichlich bebildert Schritt für Schritt. Außerdem kann man über einen QR-Code auch Videoanleitungen ansehen. Zu jedem Grundteig gibt es verschiedene Varianten und vegane und glutenfreie Alternativen. Wer es ausgefallen mag oder keine komplette Kücheneinrichtung hat, kann auf Rezepte ohne Backofen (Parfait), Backform (Muffins), Waage (Tiramisu) oder Rührgerät (Kekse) zurückreifen – es sollte sich also trotz jedes Handicaps das passende Backwerk finden lassen.
Da das Buch mit Tipps und Tricks zu Zutaten, Ausrüstung und Hilfsmitteln startet, ist es wirklich auch für totale Backneulingen geeignet. Und wenn man dann geübt ist, kann man am Ende eigene Rezepte eintragen.

Schon beim Betrachten der wunderbaren Fotos läuft einem das Wasser im Mund zusammen und inzwischen haben wir einige Rezepte ausprobiert. Besonders angetan haben es uns die supersaftigen Rührkuchen (das ist nämlich eine echte Kunst), der Hefekranz und der Apfel-Bienenstich, den musste ich jetzt schon zweimal backen.
Allerdings habe ich auch das Talent, genau das Rezept zu finden, welches nicht klappt. In „Teigliebe“ bin ich am No bake White Chocolat Cheesecake gescheitert, der trotz über 24 h Kühlzeit einfach nicht fest wurde. Allerdings macht er sich bestimmt gut als Dessert in Gläsern, vielleicht probiere ich das noch mal aus.

Mein Fazit: Teigliebe ist ein tolles Backbuch für Einsteiger (oder Fortgeschrittene, die auf der Suche nach neuen Rezepten sind). Mir hat die Auswahl und Vielfältigkeit der Rezepte gefallen und dass es zu jeder Teigvariante auch vegane oder glutenfreie Alternativen gibt.

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