Derb, draufgängerisch & direkt
Boston Belles - HunterEin unverbesserlicher Frauenheld und Taugenichts, der verbessert werden soll und eine gnadenlos zielstrebige Sportlerin, die locker gemacht werden soll - so das Rezept von "Boston Belles - Hunter". Eben ...
Ein unverbesserlicher Frauenheld und Taugenichts, der verbessert werden soll und eine gnadenlos zielstrebige Sportlerin, die locker gemacht werden soll - so das Rezept von "Boston Belles - Hunter". Eben dieser Hunter hat bei einer seiner Sexkapaden endgültig über die Strenge geschlagen und bekommt von seinem Vater Abstinenz, Zölibat und Arbeit im familieneigenen Großunternehmen verordnet. Um das alles zu gewährleisten, soll er mit der ehrgeizigen Sailor zusammenleben, an die sich selbst der Playboy nicht herantraut. Die fragt sich unterdessen, was um alles in der Welt sie dazu bewegt hat, sich auf den Deal einzulassen, denn so kalt, wie Hunter glaubt, lässt dieser sie nicht.
Das klang für mich anfangs alles ziemlich gut, richtig packen konnte mich die Geschichte dann aber doch nicht. Ein Grund dafür könnte der teilweise ziemlich derbe Schreibstil von LJ Shen sein - natürlich denkt ein Charakter wie Hunter sicher nicht wie ein Unschuldsengel, aber die unaufhörlichen Anspielungen auf alles, was im Entferntesten mit Sex zu tun hat, waren zumindest für mich mit der Zeit ziemlich ermüdend.
Außerdem konnte mich die Liebesgeschichte zwischen Hunter und Sailor leider auch nicht wirklich mitreißen. Was mit einem vielversprechenden Knistern begonnen hatte, entwickelte sich für mich nicht wirklich authentisch weiter. Immer wieder gerieten die zwei deutlich aneinander und schienen dabei einfach nicht auf einer Wellenlänge zu liegen, sich nicht wirklich zu verstehen. Zudem erfuhr man kaum etwas vom ganz normalen Alltag der beiden, sondern bloß von den besonderen Hürden, die sie darin jeweils bewältigen mussten - diese beiden Elemente der Story waren mir im Übrigen beide zu dramatisch und aufgebauscht, ein solcher Fall, auf den sie sich gemeinsam hätten konzentrieren können, wäre in meinen Augen deutlich passender gewesen. So kam mir die ganze Beziehung immer sehr geladen und nicht gerade bodenständig vor.
Trotz alldem habe ich in der Leserunde natürlich auch sehr viele Stimmen gehört, denen das Buch sehr gut gefallen hat und all meine Kritikpunkte sind nun einmal Geschmackssache. Ich will und kann für diesen Roman also keine Empfehlung aussprechen, denn mich hat er enttäuscht, aber gleichzeitig kann ich auch niemandem abraten, dessen Geschmack er vielleicht treffen könnte.