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Veröffentlicht am 19.05.2022

Mack Attack zum Ersten

Blood Destiny - Bloodfire
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Mackenzie Smith lebt bei einem Gestaltwandlerrudel, obwohl sie selbst ein Mensch ist. Eigentlich ist das unter Strafe verboten und sollte die Bruderschaft - also quasi die Royals der Gestaltwandler - das ...

Mackenzie Smith lebt bei einem Gestaltwandlerrudel, obwohl sie selbst ein Mensch ist. Eigentlich ist das unter Strafe verboten und sollte die Bruderschaft - also quasi die Royals der Gestaltwandler - das herausfinden, droht nicht nur ihr der Tod, sondern ihrem gesamten Rudel. Als eines Tages ihr Ziehvater John ermordet wird, macht sie sich auf die Suche nach dem Mörder. Dabei kommt ihr nicht nur ihr Temperament und ihr aufkochendes Blut in die Quere, sondern auch der Anführer der Bruderschaft, Lord Alpha Corrigan. Auch wenn seine Name wie eine Zahnpasta klingt, ist er doch scharfsinnig und ultrahotmännlich und sie muss aufpassen, dass er sie nicht nur enttarnt, sondern sie nicht auch ihr Herz verliert.

Helen Harper ist mir durch die amüsanten Hex Files aufgefallen und jetzt habe ich gemerkt, dass ich offensichtlich eine ganze Reihe von ihr seit Jahren auf dem E-Reader horte. Der Einstieg in diese Reihe ist auch gewohnt locker, lässig und schnell, aber man merkt auch, dass es wohl so ziemlich das Erstverlegte der Autorin ist, denn man stolpert über so einige handwerkliche Fehler. Mack ist mir nicht durchweg sympathisch und Corrigan weist starke Ähnlichkeit mit Harpers anderen ultrahotmännlichen Helden ohne Alleinstellungsmerkmale. (Oder besser, die anderen, denn er ist ja wahrscheinlich der Erste.) Trotzdem war es eine schnell zu lesende und spannende Geschichte, die zwar auch viele Klischees bedient, aber durch Harpers sympathischen Stil nicht zu nervig ist.

Veröffentlicht am 28.04.2022

Klufti, Udo und das Neuland

Affenhitze (Kluftinger-Krimis 12)
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Es ist heiß auf der Ausgrabungsstätte der Paläontologen, die erst vor kurzem einen Sensationsfund gemacht haben: Udo, der erste aufrecht gehende Menschenaffe. Großes Bamborium hat sich angekündigt, selbst ...

Es ist heiß auf der Ausgrabungsstätte der Paläontologen, die erst vor kurzem einen Sensationsfund gemacht haben: Udo, der erste aufrecht gehende Menschenaffe. Großes Bamborium hat sich angekündigt, selbst der Ministerpräsident will vorbeischauen und intelligent in die Kameras schauen. Eine Leiche als Fotobomb macht sich da natürlich nicht gut, genauso die wenig elegante Figur, die der "Präsident" Kluftinger abgibt. Die Leiche entpuppt sich als viel frischer als Udo, handelt es sich doch um den Entdecker des Menschenaffen, Doktor Brunner, der im Gegensatz zu Udo keineswegs mehr aufrecht steht. Kluftinger hat eigentlich keine Zeit für diverse Fälle, hat er doch endlich das Neuland des Internets betreten und die Social Media für sich entdeckt ...

Wenn man Kluftinger kennt, mag man gar nicht glauben, dass ein intelligentes Wesen wie Udo tatsächlich ebenfalls aus dem Allgäu stammt. Was in den ersten paar Büchern der Reihe noch für Schmunzeln und amüsiertes Kopfschütteln sorgte, also die ganzen Marotten und die völlige Unfähigkeit des Kommissars, nicht nur aufrecht zu gehen, sondern dabei auch noch vernunftbegabte Schlüsse zu ziehen, hat sich mittlerweile ganz schön ausgeleiert. Den Fall fand ich zwar wieder interessanter als die beiden Vorgänger, aber jetzt wäre es doch langsam mal ein echter Plottwist, wenn sich Kluftinger nicht als extremer Allgäudepp darstellte, sondern auch ab und zu intelligente Entscheidungen oder Überlegungen hegt, sodass er nicht immer nur über die Aufklärung seiner Fälle stolpert.

Veröffentlicht am 22.04.2022

Avatar der Stadt

Die Wächterinnen von New York
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Städte sind lebende, atmende Wesen. Irgendwann erreichen sie einen Punkt, an dem sie sozusagen reif sind, als echte Stadt zu gelten. Zugleich ist das auch der Zeitpunkt, auf den irgendeine nicht wirklich ...

Städte sind lebende, atmende Wesen. Irgendwann erreichen sie einen Punkt, an dem sie sozusagen reif sind, als echte Stadt zu gelten. Zugleich ist das auch der Zeitpunkt, auf den irgendeine nicht wirklich erklärte Wesenheit darauf wartet, sie den schmackhaften Stadtleckerbissen einzuverleiben und Städte damit entweder ganz zu töten oder als leere Hülle zu hinterlassen. Um das zu verhindern wählt New York einen Avatar aus, der sie vertritt. Doch dieser Avatar wird bei dem ersten Kampf schwer verletzt und braucht daher Mitstreiter - die WächterInnen von New York.

Puh. Ehrlich. Ich weiß überhaupt nicht, was ich von diesem Buch denken soll. Ist es absolut genial, weil es eine völlig neue Idee ist? Oder lacht sich die Autorin über uns tot, weil wir das nur glauben sollen? Ganz egal, welche der Alternativen zutreffend ist, ich fand absolut keinen Zugang zu dem Buch. Mir war schon - obwohl interessant - die Prämisse zu suspekt, vor allem nicht so erklärt, dass ich mir darunter was vorstellen kann. Meistens hatte ich das Gefühl, das Buch entstand unter Einfluss von Drogen oder Halluzinationen oder es wäre hilfreich, selbst welche zu nehmen, um sich auf das Ganze einlassen zu können. Da mir völlig unklar ist, was dieses Buch ausdrücken wollte, ich aber im Zweifelsfalle dem Gedanken, dass es zu genial für mich war, es zu verstehen, Raum geben möchte, entscheide ich mich für eine mittlere Bewertung.

Veröffentlicht am 29.03.2022

Solstasia

A Song of Wraiths and Ruin. Die Spiele von Solstasia
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Im Königreich Sonande, in dem das Volk der Zirani herrscht, gibt es alle zehn Jahre ein berühmtes Turnier, zu dem aus allen Landesteilen die Zuschauer strömen. Auch Malik aus dem verachteten Volk der Eshrani ...

Im Königreich Sonande, in dem das Volk der Zirani herrscht, gibt es alle zehn Jahre ein berühmtes Turnier, zu dem aus allen Landesteilen die Zuschauer strömen. Auch Malik aus dem verachteten Volk der Eshrani kommt mit seinen Schwestern zur großen Stadt, allerdings aus anderen Gründen. Sie wollen sich dort unter falscher Identität einen Job suchen und Geld verdienen. Doch dann nimmt ein Dämon Maliks kleine Schwester gefangen und er schließt einen verhängnisvollen Deal mit ihm. Um seine Schwester zu befreien, muss er für den Tod der Prinzessin Karina sorgen. Die hingegen bietet dem Sieger des Turniers ihre Hand, auch sie mit Hintergedanken. Um ihre ermordete Mutter zurückzuholen braucht sie das Herz eines Königs.

Eigentlich gibt es in dem Buch alles, was ich mag. Exotik, wilde, unbekannte Tiere, Magie, eine interessante Geschichte - und dennoch konnte es mich nicht packen. Es lag nicht mal an den seltsamen Namen oder Begriffen, aber ich hatte nicht das Gefühl, großartige Spannung zu erleben, nicht einmal in den Actionszenen. Für mich blieben auch sowohl Malik als auch Karina zu blass als Protagonisten, die die Geschichte tragen und zu etwas Besonderem machen könnten. Schade. Dennoch empfehle ich sie weiter, denn manchmal passt es einfach zwischen Buch und Leser nicht, was nicht heißt, dass es an dem Buch liegt.

Veröffentlicht am 20.03.2022

Ein Fehler erster Art

Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe
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Olive ist Doktorandin an einer renommierten Uni, und als solche ständig unter Stress. Aufgrund der Tatsache, dass sie früh ihre Mutter verloren und ihren Vater nie kennengelernt hat, wird sie von Ängsten ...

Olive ist Doktorandin an einer renommierten Uni, und als solche ständig unter Stress. Aufgrund der Tatsache, dass sie früh ihre Mutter verloren und ihren Vater nie kennengelernt hat, wird sie von Ängsten gequält, nie genug zu sein. Als sich ihre beste Freundin Anh in den Mann verliebt, mit dem sie vorher ausgegangen ist, aber wegen des weiblichen Äquivalents des Bro-Codes nicht danach handelt, behauptet sie, sowieso schon jemand anderes zu daten und küsst den ersten Typen, der ihr über den Weg läuft. Das ist ausgerechnet das Wunderkind Adam Carter, Doktor, und allgemein anerkannter Stinkstiefel. Aus Gründen willigt er ein, mit ihr eine Fake-Beziehung vorzuspielen - doch irgendwann ist es kein Spiel mehr.

Ich bin hier ein bisschen hin- und hergerissen. Für ein Buch dieses Genres war es gar nicht übel und ich habe es sogar ganz gern gelesen. Hier ist einiges richtig gemacht worden: intelligente Frau, intelligenter Mann, niemand behandelt den anderen wie Dreck. Dazu ein paar Themen wie Diversität und den Kampf von Frauen in von Männern dominierten Fachbereichen. Teilweise ist es absurd witzig, was meinem Humor absolut zugute kommt. Und dann gab es wieder ein paar Sachen, die mich einfach nur genervt haben, weil der Kitsch da aus jeder Seite troff. Natürlich ist Adam das Sinnbild eines Adonis, muskulös, wunderschön, dazu noch hochintelligent. Er wird ständig als absolutes Ar... loch dargestellt, doch egal, wie oft es wiederholt wurde, er hat sich nicht einmal so benommen. Im Gegenteil, er war zu jedem Zeitpunkt der perfekte Gentleman, der perfekte Retter in der Not, der perfekte Liebhaber, der perfekte ... Perfekte. Er war so perfekt, dass er nicht mal mehr eine eigene Meinung hatte. Ich möchte keinesfalls einen Ego, der eine Frau wie Dreck behandelt, aber es darf gern ein Mann sein, der nicht immer nur sinnbildlich "Ja, Schatz" sagt.

Und Olive? Bei der 167-Stunden-Woche, die sie hatte, konnte sie noch regelmäßig genug Sport machen, um Marathons zu laufen, ernährte sich aber durchweg nur von Junkfood. Okay? Vielleicht bin ich ja nur neidisch. Dazu das - abgesehen natürlich vom einzig echten Antagonisten in der Geschichte - geradezu Glücksbärchiland, in dem sie alle lebten. Wenn nicht mal jemand weinend irgendwo hinlief, weil Doktor Ar..., der gar kein Ar... war, etwas gesagt hatte, konnte man quasi überall nur aufgeklärte, nette, moderne Leute sehen, die nicht mal mit der Wimper zuckten, wenn zwei Männer miteinander rummachten. So sehr ich mir das im wahren Leben wünschte, so unwahrscheinlich finde ich es.

Alles in allem eine nette Geschichte für Leute, die gern im Glücksbärchiland leben, auf Regenbogenrutschen in Zuckerwasser plumpsen und einfach die verrückt spielende Welt da draußen für ein paar Stunden abschalten möchten. Ein Wohlfühlbuch? Zweifellos, solange man mit der Zucker/Diabetesgefahr leben kann, die man sich hier möglicherweise einfängt.