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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.05.2022

Ein komplexer Krimi

Die Richterin und der Tanz des Todes
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Auch den 5. Fall für die Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt habe ich gerne gelesen. Die Autorin beschert ihrer Leserschaft einen komplexen Krimi.

Die charismatische Flamencotänzerin Santana wird ...

Auch den 5. Fall für die Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt habe ich gerne gelesen. Die Autorin beschert ihrer Leserschaft einen komplexen Krimi.

Die charismatische Flamencotänzerin Santana wird während der Generalprobe zu den „Nemausus – une danse travers les siècles“ ermordet und Mathilde de Boncourt ist live dabei. Bei den Ermittlungen stellt sich heraus, dass Santana ihren Erfolg nicht nur ihrer Begabung und ihrer Zähigkeit verdankt, sondern auch das eine oder andere Mal zu den „Waffen einer Frau“ gegriffen hat, um ihre Karriere voranzutreiben.

Ob ihr Verlobter davon Wind bekommen hat und Santana aus Eifersucht ermordet hat?

Doch dann wird Dolcé, die anstelle von Santana in der Show tanzen soll, ermordet, wieder erstochen. Welchen Zusammenhang gibt es zwischen den Opfern?

Meine Meinung:

Der Autorin ist wieder ein spannender Krimi gelungen, der nicht nur die kulinarischen Besonderheiten in und rund um Nîmes farbenfroh beschreibt, sondern einen Einblick in die Lebensweise der Gitanos gibt.

Neben dem bewährten Ermittlerteam Rachid Bouraada, Felix Tourrain und Coralie Mollard darf auch die bekannte Sängerin Marta Torres vorsichtig Erkundigungen einholen. Martas Bekanntheit ist in der Region ein Türöffner, der vor allem bei den Gitanos, die üblicherweise der Polizei gegenüber wenig mitteilsam sind, hilfreich ist.

Neben den Ermittlungen bekommen wir es wieder Einblick in das Seelenleben von Mathilde und auch von Rachid zu tun, die beide voneinander fasziniert sind, sich aber noch (?) nicht erklärt haben. Die zarten Pflänzchen einer aufkeimenden Zuneigung müssen gepflegt und gehegt werden.

Mathilde de Boncourt ist eine Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht, die ihre liebt und die mit dem Laster des Rauchens kämpft. Sie kann kaum ohne ihre „Gauloise Blonde“ auskommen. In vielen Büchern wird vor allem das Rauchen konsequent verdammt. Dass es hier quasi erlaubt ist, macht den Krimi authentisch.

Der Krimi besticht nicht nur durch das Lokalkolorit, sondern durch unerwartete Wendungen, die die Spannung erhöhen. Zahlreiche Hinweise verdichten sich zu einer heißen Spur, um dann doch in einer Sackgasse zu enden.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi, der uns wieder die kulinarischen Genüsse der Region um Nîmes näherbringt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 08.05.2022

Ein Wien-Krimi vom Feinsten

Mexikoplatz
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Psychologin Nicky Witt verlässt um drei Uhr morgens das Haus ihrer neuen Bekanntschaft und entdeckt eine weibliche Leiche im Park am Mexikoplatz. Als die Polizei wenig später eintrifft, ist die Tote verschwunden ...


Psychologin Nicky Witt verlässt um drei Uhr morgens das Haus ihrer neuen Bekanntschaft und entdeckt eine weibliche Leiche im Park am Mexikoplatz. Als die Polizei wenig später eintrifft, ist die Tote verschwunden und Nicky ahnt noch nicht, in welchen Strudel der Ereignisse sie hineingezogen wird.

Das Ermittlerduo Felix Grohsmann und Johanna „Joe“ Kettler beginnen mit ihren Recherchen und stoßen auf eine Vermisstenanzeige: Lisa, eine Studentin der Wirtschaftsuniversität ist abgängig. Wenig später taucht die Leiche wieder auf und wird als die vermisste junge Frau identifiziert. Je tiefer Grohsmann und Kettler in das Umfeld der Toten eintauchen, desto größer ist die Diskrepanz zwischen den Bildern, die Lisas Eltern bzw. Studienkollegen von ihr haben.

Nicky Witt, die zunächst einmal auf der Liste der Verdächtigen steht, beginnt die psychologischen Aspekte dieses Verbrechens zu beleuchten. Damit kann sie den Ermittlern den einen oder anderen Hinweis geben.

Die Auflösung ist ein wenig überraschend, aber schlüssig.

Meine Meinung:

Autorin Mina Albich ist mit diesem Debüt-Krimi ein spannendes Buch gelungen, das in die Psyche der Menschen blicken lässt. Da haben wir zum einen die Klienten der Psychologin, von denen der eine oder andere Nicky Witt an die Grenzen ihrer Geduld bringen und zum anderen jene, die mit beiden beiden Beinen im Leben stehen, obwohl es manchmal nicht so leicht ist. Mina Albich hat lebendige Charaktere erschaffen. Menschen wie du und ich, die Höhen und Tiefen des Lebens durchmachen. Felix Grohsam ist trotz jahrelangen Polizeidienstes ein umgänglicher Mensch geblieben. Nach wie vor trauert er um seine verstorbene Frau Caro, doch langsam scheint er aus seinem Schneckenhaus hervorzukriechen.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen. Jeder Charakter darf so reden, wie ihm oder ihr der Schnabel gewachsen ist. Daher gibt es in einigen Dialogen, wohl dosierte Dialektpassagen. Nicht zu viel, sondern angenehm authentisch, sodass sich der Krimi rundum stimmig präsentiert.

Gut gefällt mir, dass wir sowohl Einblick in die Arbeit der Psychologin erhalten als auch den Polizisten bei ihren Ermittlungen, die manchmal mühsam sind, über die Schultern schauen dürfen.

Geschickt für uns die Autorin an der Nase herum. Sie legt Spuren, die in der einen oder anderen Sackgasse münden. Elegant sind auch die Eigenheiten so mancher Örtlichkeit wie die Architektur der Wirtschaftsuniversität oder die Kirche am Mexikoplatz eingeflochten.

Diese Art Krimi hat Reihenpotenzial. Ich hoffe, schon bald eine Fortsetzung mit Felix, Joe und Nicky lesen zu dürfen. Indizien dafür gibt es ja eine Menge.


Fazit:

Ein gelungenes Krimi-Debüt, das mich gut unterhalten hat. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 08.05.2022

Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln

Atuk
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Nach dem Roman „Kukum“, der die Lebensgeschichte seiner Urgroßmutter Almanda erzählt, widmet sich Michel Jean nun in „Atuk“ seiner Großmutter Jeanette.

Jeanette wächst mit ihren Eltern und Geschwistern ...

Nach dem Roman „Kukum“, der die Lebensgeschichte seiner Urgroßmutter Almanda erzählt, widmet sich Michel Jean nun in „Atuk“ seiner Großmutter Jeanette.

Jeanette wächst mit ihren Eltern und Geschwistern in den Wäldern in der Provinz Quebec auf. Als sie sich 15-jährig in Xavier Gagnon, einen Mann verliebt, der als Weißer gilt und ihn gegen den Willen ihrer Eltern heiratet, verliert sie nach den damals gültigen Gesetzen ihren Status als Indianerin und muss das den Innu zugeteilte Reservat verlassen. Sie zieht in die Stadt, bekommt elf Kinder.
Dieser Umstand bewirkt, dass auch der Autor Michel Jean in der Stadt aufwächst und nun in seinen Romanen auf Spurensuche nach seinen Wurzeln geht.

Meine Meinung:

Der Roman ist in der Ich-Form geschrieben. Das Besondere ist, dass es zwei Ich-Erzähler gibt, nämlich Jeanette als „Sie“ und Michel als „Er“. Abwechselnd erzählen sie uns ihre Geschichte bzw. Erlebnisse. Wir steigen in das Buch zum Begräbnis von Jeanette ein. Nach und nach enthüllen uns die beiden Erzählstränge die Lebensweisen der Innu.
Für den Autor ist die Spurensuche nicht einfach. Er muss sich zahlreichen Vorurteilen stellen, denen die Autochthonen ausgesetzt sind. Er berichtet von der Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeiten der Indianergesetze. Wenn eine Innu einen Weißen oder Mischling heiratet, verliert sie, wie es Jeanette ergangen ist, ihren Indianerstatus. Heiratet ein Weißer eine Innu, so wird er in die Gemeinschaft aufgenommen und genießt (?) den Schutz der Gesetze.

Wie schon in „Kukum“ wird die Lebensart der Innu, über die in der Geschichte Kanadas kaum etwas zu lesen ist, sehr einfühlsam dargestellt. Dazu hat der Autor die Sprache seiner Vorfahren erlernt. Manchmal fühlt er ob der nach wie vor bestehenden Vorurteile ohnmächtigen Zorn. Er hat den Indianer in sich.

Fazit:

Eine einfühlsame und interessante Suche nach den eigenen Wurzeln, der ich wieder 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 02.05.2022

Fesselnd bis zur letzten Seite

Blutgrund
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In seinem zweiten Fall bekommt es Chefinspektor Thomas Radek vom LKA St. Pölten mit einem komplexen Kriminalfall zu tun.
Zunächst wird ein Wanderarbeiter bei einem Überfall schwer verletzt, wobei das ...

In seinem zweiten Fall bekommt es Chefinspektor Thomas Radek vom LKA St. Pölten mit einem komplexen Kriminalfall zu tun.
Zunächst wird ein Wanderarbeiter bei einem Überfall schwer verletzt, wobei das Motiv, ein einfacher Raubüberfall oder doch Fremdenfeindlichkeit nicht ganz ersichtlich sind. Als dann kurze Zeit später ein Journalist, der sich mit dem Thema Wanderarbeiter beschäftigt hat, ermordet wird, scheinen die Zusammenhänge klar. Der Verfassungsschutz mischt sich ein, da nach dessen Ansicht die Täter im rechten Lager zu finden sind. Aber stimmt das auch? Und welche Rolle spielt der Verein, der sich für die Rechte von Wanderarbeitern starkmacht?

Sonja, die Schwester des ermordeten Journalisten entdeckt brisante Aufzeichnungen und gemeinsam beginnen Thomas Radek und sein Kollege dieser Hintergrundinformation nachzugehen.

Meine Meinung:

Mit diesem Krimi ist Autor Peter Glanninger ein zweiter, fesselnder Fall für Thomas Radek gelungen. Hier wird auf solide Ermittlungsarbeit großen Wert gelegt, die auch manchmal frustrierendes Zusammentragen von Informationen, das letztlich in einer Sackgasse mündet, beinhaltet. Seriöse Polizeiarbeit ist eben Wühlen im sprichwörtlichen Dreck. Als gelernter Polizist, weiß der Autor, worüber er schreibt. Das wirkliche (Ermittler)Leben unterscheidet sich eben gravierend von TV-Krimis à la CSI. Schmunzeln musste ich über die Typen vom Verfassungsschutz, die sich den Fall mit lautem Getöse unter den Nagel reißen wollten, nur um dann kleinlaut abziehen zu müssen.

Peter Glanninger spricht mehrere heiße Eisen an: das Elend der ausgebeuteten Wanderarbeiter, die Korruption in der (Stadt)Politik sowie die Machenschaften im Bauwesen.

Gut gefällt mir, dass ich mit den Protagonisten durch Niederösterreichs Landeshauptstadt St. Pölten streifen darf. Es gibt wenige Krimis, die dort spielen.

Ob sich das zarte Pflänzchen der gegenseitigen Zuneigung zwischen Thomas und Sonja entwickeln darf?

Fazit:

Ein gelungener zweiter Fall für Thomas Radek, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 02.05.2022

Gipfel sammeln

Osttirol Summits
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Dieser Berg- und Wanderführer bietet eine vollständige Liste der jeweils höchsten Punkte aller 33 Osttiroler Gemeinden. Man kann diese „Hochpunkte“ als Berg-, Ski- oder Radtour erklimmen.

Für Flachländer ...

Dieser Berg- und Wanderführer bietet eine vollständige Liste der jeweils höchsten Punkte aller 33 Osttiroler Gemeinden. Man kann diese „Hochpunkte“ als Berg-, Ski- oder Radtour erklimmen.

Für Flachländer wie mich ist das Sammeln von Gipfeln schwer begreiflich zu machen, scheint aber die Leidenschaft vieler Bergfexe zu sein. Ob dabei nicht das Wesen einer Bergtour verloren geht? Nämlich eins sein mit der Natur.

Sei es, wie es sei, Gabriel Seitlinger weiß, worüber er schreibt, ist er doch studierter Geograf, Mitarbeiter der Salzburger Landesregierung, Abteilung Raumplanung und leidenschaftlicher Bergsteiger.

Er beschreibt bekannte und weniger bekannte Touren. Insgesamt 75 an der Zahl. Die Touren sind nach geografischen Gesichtspunkten zusammengefasst:

Venedigergruppe
Glocknergruppe
Schobergruppe
Villgratner Berge
Karnische Alpen
Lienzer Dolomiten

Bei jeder Tour ist angegeben, ob sie sich als Berg-, Ski- oder Radtour eignet. Kartenausschnitt, Angabe von Koordinaten, Anforderungen, Ausrüstung und Ausgangspunkt vervollständigen den „Steckbrief“.

Fazit:

Dieser Bergtourenführer bietet ein kompaktes Kompendium der schönsten und höchsten Berggipfel Osttirols. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.