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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.08.2023

Ein ehrliches Porträt der Postpartalen Zeit

Milchbar
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"Wenn da niemand ist, der dir zeigt, dass Mutterschaft für immer ist, kann die Erkenntnis etwas anderes als ein völliger Schock sein? Wie kann sich dieser Zustand überhaupt Mutterschaft nennen?"


In "Milchbar" ...

"Wenn da niemand ist, der dir zeigt, dass Mutterschaft für immer ist, kann die Erkenntnis etwas anderes als ein völliger Schock sein? Wie kann sich dieser Zustand überhaupt Mutterschaft nennen?"


In "Milchbar" erzählt Szilvia Molnar von einer jungen Frau, die gerade ihr erstes Kind geboren hat. Abwechselnd berichtet die Ich-Erzählerin, deren Namen wir nicht kennen, von der Vorfreude während der Schwangerschaft, und den ernüchternden Wochen nach der Geburt. Wochen mit Schlafmangel, Hormonchaos, Wunden, Schmerzen, Fremdbestimmtheit, Konflikten in der Partnerschaft und mit viel Zärtlichkeit und Liebe. Wochen, auf die einen niemand vorbereiten kann. Gefühle, die Nicht-Gebärende nicht nachvollziehen können. Ich habe so viel aus diesem Buch ähnlich erlebt. Szilvia Molnar schafft es, all diese verwirrenden Gefühle ganz offen und verwundbar zu benennen. Ein tolles Buch, das für mich die postpartale Zeit erstaunlich akkurat beschreibt. Ich würde das Buch jedoch nicht während der Schwangerschaft empfehlen.

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Veröffentlicht am 05.07.2023

Eine feministische Perspektive auf die bürgerliche Kleinfamilie der Achtziger Jahre

Lügen über meine Mutter
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Daniela Dröscher erzählt vom Aufwachsen in einer typischen Kleinfamilie im Deutschland der 1980er Jahre. Der Vater ist der Ernährer, die Mutter Mädchen für alles - sie erzieht die Kinder, schmeisst den ...

Daniela Dröscher erzählt vom Aufwachsen in einer typischen Kleinfamilie im Deutschland der 1980er Jahre. Der Vater ist der Ernährer, die Mutter Mädchen für alles - sie erzieht die Kinder, schmeisst den Haushalt, arbeitet nebenbei als Sekretärin, versucht mit zusätzlichen Jobs noch mehr Geld reinzuholen - und nichts davon wird gesehen. Stattdessen nörgelt der Vater nur an ihr rum, kritisiert endlos oft ihr Gewicht. Von Gleichberechtigkeit (wie zu erwarten) keine Spur.

Dröschers Erzählung ist unglaublich stark. Der Schreibstil ist gut zu lesen, flüssig, aus der Sicht der Tochter, die vieles nicht versteht und dennoch alles beobachtet. Eingesprenkelt sind Kapitel aus der Gegenwart, Gedanken der Autorin und Gespräche mit ihrer Mutter heute. Vieles wird nicht explizit gesagt, vieles muss man sich dazu denken. Was für ein besonderer, feministischer Roman. Klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 15.05.2023

Unglaublich wichtiges, reflektiertes Buch, das ich jedem nur empfehlen kann!

Alle_Zeit
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Wie hängt Zeit mit Geld zusammen? Freizeit? Arbeit? Privilegien? Wie steht es mit Zeit und Feminismus? Wer hat Zeit, sich politisch zu engagieren? Wieso haben Frauen, die Care Arbeit leisten, keine Zeit ...

Wie hängt Zeit mit Geld zusammen? Freizeit? Arbeit? Privilegien? Wie steht es mit Zeit und Feminismus? Wer hat Zeit, sich politisch zu engagieren? Wieso haben Frauen, die Care Arbeit leisten, keine Zeit mehr für ihre Hobbies? Wieso machen Männer keine oder deutlich weinger Care Arbeit als Frauen und was sind die Folgen?

Teresa Bücker argumentiert in "Alle_Zeit", dass Zeit eine zentrale Ressource unserer Gesellschaft ist, die (wie Geld) ungleich verteilt ist und was dies für Folgen hat. Es geht um Arbeitszeit, Care-Zeit, Freizeit, Macht, Privilegien, Politik und Feminismus. Bückers Argumente sind ausnahmslos gut recherchiert, klug und reflektiert. Das Buch ist keineswegs eins, was nur Frauen etwas angeht, nein, das Buch sollte von ausnahmslos JEDEM gelesen werden. Für mich DAS Buch des Jahres 2022, von mir gibt es fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 18.05.2022

Ehrlich und berührend

Meine Schwester
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«Da waren sie wieder. Die schwarzen Raben. Meine ganze Kindheit und Jugend über waren sie da. Sie kündigen sich nicht an. Sie näherten sich langsam, aber unaufhaltsam. Und dann waren sie da, ließen sich ...

«Da waren sie wieder. Die schwarzen Raben. Meine ganze Kindheit und Jugend über waren sie da. Sie kündigen sich nicht an. Sie näherten sich langsam, aber unaufhaltsam. Und dann waren sie da, ließen sich draussen auf den Bäumen nieder. Sie warteten, bis es so weit war. Und mit einem Schlag waren sie im Haus. Sie setzten sich überallhin, in die Küche, an den Esstisch, auf das Sofa. Sie waren im Flur, auf der Treppe und im Badezimmer. Sie saßen da, und sie blieben. Wie lange sie bleiben würden, wusste man nie. Einen Monat. Drei Monate. Oder länger?»

Bettina Flitner verlor 2017 ihre ältere Schwester durch Suizid. Jahre zuvor hatte sie ihre Mutter auf die selbe Weise verloren. Nun teilt sie ihre Geschichte. Sie erzählt vom Aufwachsen in Köln, dem Jahr in New York City, den Beziehungsproblemen der Eltern, den Ängsten der Mutter und später der Schwester, den Aufenthalten in der Psychiatrie. Sie erzählt von den schwarzen Raben, die sie so gut kennt. Und obwohl sie die Raben schon so oft gesehen hat, weiss sie nicht, wie man sie verjagen kann.

Flitners Biographie hat mich sehr berührt. Ihr Schreibstil ist ehrlich, teils poetisch, und immer schonungslos. Obwohl sie nie Depressionen erlebt hat, schafft sie es mit den schwarzen Raben doch unglaublich treffend, diese zu beschreiben. Danke, Frau Flitner, dass Sie über dieses Thema sprechen. Dass Sie die Familiengeschichte öffentlich machen. Ich schätze das sehr, wie hoffentlich viele andere Leser auch. Ein sehr wichtiges, gutes, berührendes, trauriges Buch.

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Veröffentlicht am 17.04.2022

Inspirierend

Manifesto. Warum ich niemals aufgebe. Ein inspirierendes Buch über den Lebensweg der ersten Schwarzen Booker-Prize-Gewinnerin und Bestseller-Autorin von »Mädchen, Frau etc.«
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"Die Rebellin im Außen ist zur Vermittlerin im Innen geworden und hat begriffen, dass wir mit an dem Tisch sitzen müssen, an dem die Entscheidungen getroffen werden, und dass es letztlich sehr viel wirkungsvoller ...

"Die Rebellin im Außen ist zur Vermittlerin im Innen geworden und hat begriffen, dass wir mit an dem Tisch sitzen müssen, an dem die Entscheidungen getroffen werden, und dass es letztlich sehr viel wirkungsvoller ist, die Leute in Gespräche zu verwickeln, als sie anzubrüllen (auch wenn dies mitunter sehr befriedigend sein kann)."

Bernardine Evaristo - eine BIPOC LGBTQ Frau, die im England der Sechziger Jahre als Kind einer Engländerin und eines nigerianischen Einwanderers aufwuchs. Sie erfuhr viel Rassismus und schaffte es doch, immer ihre Träume zu verfolgen. Mit sechzig gewann sie den Booker Prize und wurde international bekannt. In ihrer Autobiografie erzählt sie von ihrer Kindheit und Jugend, ihrer Familie, Rassismus Erfahrungen, Beziehungen, und wie sie schließlich zum Schreiben kam. Sie erzählt auch davon, wie lange Schreiben dauern kann. Alle ihre Bücher werden kurz vorgestellt. Sie endet schließlich mit generellen Tipps für das Leben und Schreiben und erzählt von ihrem Aktivismus.

Ich habe bisher noch kein Buch von Frau Evaristo gelesen, dies wird jedoch nicht das letzte sein. Der Schreibstil ihrer Autobiografie ist locker und humorvoll, wie auch kritisch und reflektiert. Die Themen sind gut gewählt und waren auch für mich als nicht schreibende Person überaus relevant. Ich habe gerne über diese interessante Frau gelesen und bleibe sehr inspiriert zurück. Eine tolle, starke, kluge Frau!

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