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Veröffentlicht am 28.05.2024

Trubel am Ammersee

Die Kranichfrauen
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Nach Kriegsende lebt die 20-jährige Paula in München und soll nach dem Willen ihrer Eltern möglichst rasch verheiratet werden. Paula hat jedoch etwas anderes vor, sie beabsichtigt, den Sommer gemeinsam ...

Nach Kriegsende lebt die 20-jährige Paula in München und soll nach dem Willen ihrer Eltern möglichst rasch verheiratet werden. Paula hat jedoch etwas anderes vor, sie beabsichtigt, den Sommer gemeinsam mit ihrer Freundin Anna am Ammersee zu verbringen. Vor allem aber freut sie sich auf die elegante Familienjacht Kranich, Paula ist eine begeisterte Seglerin. Auf dem Gelände des Segelklubs sind amerikanische Soldaten stationiert. Sie planen, die Jacht als Kriegsbeute in die USA zu überführen. Da fassen Paula und Anna den Plan, die Kranich zu entführen.

Renate Greil hat ihren sorgfältig recherchierten ersten historischen Roman in der idyllischen Voralpenlandschaft rund um den Ammersee angesiedelt. Sämtliche Schauplätze sind so authentisch beschrieben, dass sich der Leser sofort hineinversetzen kann. Im Jahr 1947 ist der Krieg endlich vorbei, aber Lebensmittel sind noch knapp. Die Situation ist besonders für Kinder schwierig, als der amerikanische Captain Bill für Freizeitbeschäftigung im Segelclub sorgt. Die Freude darüber ist nicht nur bei den Kindern groß, sondern auch bei Paula und Anna. Eröffnet sich für die beiden doch die Möglichkeit, ihrem Alltag im Elternhaus zu entfliehen und einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen. Was gar nicht so einfach ist, da die jungen Frauen noch nicht volljährig sind und die Einwilligung ihrer Väter benötigen. Anhand von Paula und Anna werden die strengen gesellschaftlichen Wertevorstellungen dieser Zeit sichtbar. Mittels der Figur des jungen Juden Eli zeigt die Autorin auf, wie sehr Antisemitismus und nationalsozialistische Ideologien immer noch in Teilen der Bevölkerung vorhanden waren.
Es hat mich sehr beeindruckt, dass Anna und Paula sich keinen Widrigkeiten beugen und ihr Leben letztendlich selbst bestimmen, jede auf ihre Weise. Obwohl die Erzählung in der Mitte stellenweise etwas langatmig und von Wiederholungen geprägt war, habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt. Ich vergebe für diesen Roman vier Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 17.09.2023

Vergangenheit und Gegenwart vereint

Das Collier mit der Herzblume
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Die neunzigjährige Charlotte lebt in London. Inspiriert durch einen Zeitungsartikel reist sie gemeinsam mit ihrer Enkelin Hannah in ihre alte Heimat, ein kleines Dorf im Sauerland. Hier werden Erinnerungen ...


Die neunzigjährige Charlotte lebt in London. Inspiriert durch einen Zeitungsartikel reist sie gemeinsam mit ihrer Enkelin Hannah in ihre alte Heimat, ein kleines Dorf im Sauerland. Hier werden Erinnerungen an ihre Kindheit wach und ihre große Liebe Paul, von dem sie durch tragische Umstände getrennt wurde. Ihre Enkelin Hannah, eine Fotografin, lernt in dem Ort den jungen Mann Eliah kennen. Er bittet sie, ihm Fotos zusenden. Diese zeigt er seinem Großvater, was ungeahnte Ereignisse in Gang setzt.

Sophia Hartlieb hat ihren Roman in zwei Zeitebenen angelegt, im Kriegsjahr 1943 in Deutschland sowie im London und in der Schweiz der Gegenwart. Es ist eine berührende Erzählung, die zunächst die Geschichte Charlottes und ihrer Familie im zweiten Weltkrieg zum Inhalt hat. Am Beispiel ihres Vaters, eines Dorfschullehrers, wird Mut und Zivilcourage unter unmenschlichen Bedingungen deutlich. Mit ihm hat die Autorin einen starken Charakter geprägt, der entschlossen ist, für seine Mitmenschen das eigene Leben zu riskieren. Er versteckt ein jüdisches Kind und sorgt damit für Konflikte auch innerhalb der Familie.
Nach 75 Jahren trifft Charlotte ihre einstige große Liebe zufällig wieder. Über allem steht das Geheimnis eines in den Kreistagen verschollenen Schmuckstückes, eines Colliers in Form eines tränenden Herzens. Die Autorin verbindet die verschiedenen Handlungsstränge geschickt miteinander und hat authentische Protagonisten geschaffen. Während mir die ersten Kapitel des Buches sehr zugesagt haben, nimmt das Ende aus meiner Sicht eher den Charakter eines etwas zu gefühlsseligen Liebesromans ein.

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Veröffentlicht am 25.08.2023

Kein Schachmatt für Alma

Fräulein vom Amt – Spiel auf Leben und Tod
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Das für die Buchreihe typische, kontrastreich gestaltete Cover stimmt auf das Buch ein.
Diesmal findet in Baden-Baden 1925 ein internationales Schachturnier statt, das viele Besucher anzieht. Auch Alma ...

Das für die Buchreihe typische, kontrastreich gestaltete Cover stimmt auf das Buch ein.
Diesmal findet in Baden-Baden 1925 ein internationales Schachturnier statt, das viele Besucher anzieht. Auch Alma und ihre Freundin Emmi verfolgen einige Partien. Dann wird Gertrude, die Cousine einer Kollegin vom Amt, tot in einer Wäschetrommel der Waschdampfanstalt gefunden. Während die Polizei von einem Unfall oder Selbstmord ausgeht, hat Alma daran ihre Zweifel. Für sie gibt es zu viele Ungereimtheiten. Unbeirrt beginnt sie Nachforschungen in Gertrudes Umfeld. Im frivolen Tanzlokal Libelle entdeckt sie eine Spur, die sie selbst in Gefahr bringt.

Der dritte Teil der Buchreihe um Alma, das Fräulein vom Amt, spielt wiederum im mondänen Kurort Baden-Baden. Alma wird immer wieder in Mordfälle und deren Ermittlungen verwickelt. Ob sie will oder nicht, sie kann nichts dagegen tun. Ihr kriminalistischer Spürsinn lässt ihr keine Ruhe und ist bei anderen Personen stats gefragt. Der tragische Tod der jungen Wäscherin Gertrude inspiriert Alma zu eigenen Ermittlungen. Es ist spannend zu lesen, wie sie ihre eigenen Methoden entwickelt, um den Mordfall aufzuklären. Auch das Familienleben Almas kommt nicht zu kurz, etwa ihre Besuche bei Eltern, Bruder und Großmutter. Die Autorin spart nicht mit witzigen Dialogen, einfach großartig. Zudem wird das gesellschaftliche Leben in dieser Zeit geschildert, der aufkommende Nationalsozialismus bildet ebenso ein Thema wie die schlechtere Bezahlung der weiblichen Beschäftigten der Post. Zu den weiteren sympathischen und sehr authentischen Protagonisten zählen wieder die treue Freundin Emmi und Polizist Ludwig. Ich habe mich mit dem Buch sehr gut unterhalten gefühlt, wenn auch das Ende etwas mehr ausgebaut sein könnte. Ich vergebe vier Sterne und spreche eine Kaufempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 21.05.2022

Sommerfeeling am Müggelsee

Die Freundinnen vom Strandbad (Die Müggelsee-Saga 1)
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Bereits das freundliche und ansprechend gestaltet Cover vermittelt fröhliche Stimmung und macht Lust auf Sommer und Strandbad.

Die Erzählung beginnt im Sommer des Jahres 1956 im Strandbad am Müggelsee ...

Bereits das freundliche und ansprechend gestaltet Cover vermittelt fröhliche Stimmung und macht Lust auf Sommer und Strandbad.

Die Erzählung beginnt im Sommer des Jahres 1956 im Strandbad am Müggelsee und hat die Erlebnisse, Träume und Erwartungen der Freundinnen Martha, Bettina und Clara zum Inhalt. Bislang kannten sich die Schülerinnen nur vom Sehen, als ein Badeunfall die drei näher zusammenbringt. Bald darauf werden sie enge Freundinnen. Aufgewachsen in unterschiedlichen Verhältnissen teilen sie nun ihre Erwartungen und Träume miteinander. Die rebellische Clara kann sich mit dem SED-Regime nicht arrangieren, während Betty sich in einen linientreuen Regisseur verliebt und Martha sich aktiv in der FDJ angagiert. Bald ist es vorbei mit der Idylle im Strandband, als in Berlin der Bau der Mauer erfolgt. Jede der Freundinnen muss nun eine eigene Entscheidung treffen und ihre Freundschaft wird auf eine Bewährungsprobe gestellt.

Der Roman von Julie Heiland beginnt amüsant, der Leser befindet sich sofort mitten im Geschehen. Anhand der bildhaften Erzählung kann ich mir gut die Stimmung im Strandbad vorstellen, sehe Uschis Kiosk vor mir, kann die gute Laune der drei Freundinnen nachempfinden. Der Roman ist in einzelne Kapitel aufgeteilt, worin Martha, Clara und Betty abwechselnd zu Wort kommen. Die Lebensweise der Menschen in Ostdeutschland als ein Teil der Zeitgeschichte wird widergespigelt. Am Beispiel Claras und ihrer Familie wird deutlich, welchen Repressalien Andersdenkende in der DDR ausgesetzt waren. Dazu trägt die Weigerung Claras, der FDJ beizutreten, wesentlich bei. Sie verbaut sich dadurch ihre Zukunft. Im Gegensatz dazu steht Martha, Tochter von priveligierten SED-Mitgliedern und überzeugtes FDJ-Mitglied. Betty befindet sich mehr in der Mitte, ist aber alles andere als eine Rebellin. Dennoch werden alle drei Freundinnen, ob diese Freundschaft hält, muss sich nach dem Mauerbau herausstellen. Völlig überzeugen konnten mich die Darstellungen nicht, einiges wirkte konstruiert und einige Passagen waren langatmig. Ich vergebe für das Buch dennoch vier Sterne und spreche eine Kaufempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 05.05.2021

Wechselvolle Schicksale vor der Kulisse Islands

Das Mädchen im Nordwind
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Luise, die Tochter eines jüdischen Kaufmanns, lernt 1936 in Lüneburg den Isländer Jónas kennen und lieben. In den folgenden Jahren wird die Situation für die Juden in Nazideutschland immer gefährlicher. ...

Luise, die Tochter eines jüdischen Kaufmanns, lernt 1936 in Lüneburg den Isländer Jónas kennen und lieben. In den folgenden Jahren wird die Situation für die Juden in Nazideutschland immer gefährlicher. Bald schon wird es für Luise und Jónas zur Gewissheit, dass Luise Deutschland verlassen muss, um den menschenunwürdigen Bedingungen zu entgehen und ihr Leben zu retten. Doch was wird dann aus ihren Eltern?
Die junge deutsche Tischlerin Sofie restauriert in Island ein Haus und entdeckt Briefe, die Luise einst geschrieben hat. Dann macht Sofie die Bekanntschaft des eigenwilligen Isländers Björvin und stellt fest, dass er ein Nachkomme von Luise ist. Diese Erkenntnis wirbelt das Leben der beiden kräftig durcheinander.

Der Roman „Das Mädchen im Nordwind“ von Karin Baldvinsson  spielt abwechselnd in zwei Zeitebenen, was der Erzählung Spannung verleiht. Überzeugend verknüpft die Autorin das Schicksal zweier Frauen und damit die Ereignisse aus Vergangenheit und Gegenwart. Die Not der Juden in Nazideutschland, ihr schwerer Alltag, wird mit jedem Abschnitt des Buches spürbarer. Karin Baldvinsson hat ausdrucksstarke, sympathische Protagonisten geschaffen. Luise und Sofie sind starke Frauen, deren Schicksale eng miteinander verbunden sind. Sehr beeindruckt hat mich auch Jónas, der unbeugsam zu Luise steht und unter Einsatz seines Lebens versucht, Luises Eltern zu helfen. Mit Sofie und Björgvin werden die Episoden aus der Vergangenheit abgeschlossen. Für die Menschlichkeit und gegen das Vergessen – ein passender Einsteig in die Erzählung. Das Buch besticht durch die bildhafte Sprache, auch wenn einzelne Ereignisse in Island etwas langatmig gestaltet sind. Insgesamt handelt es sich um einen sehr bewegenden Roman, für den ich vier Sterne vergebe und eine Kaufempfehlung ausspreche.

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