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jules_jude

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.12.2022

Ein Geheimnis, das besser im Dunklen geblieben wäre

Die dunklen Sommer
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"Die dunklen Sommer" von Miranda Beverly-Whittemore ist ein Spannungsroman mit toller Prämisse, deren schwache Umsetzung mich jedoch nicht wirklich begeistern konnte.

Die Geschichte beginnt mit einer ...

"Die dunklen Sommer" von Miranda Beverly-Whittemore ist ein Spannungsroman mit toller Prämisse, deren schwache Umsetzung mich jedoch nicht wirklich begeistern konnte.

Die Geschichte beginnt mit einer Schwester und einem Bruder. Dann kommt es zu einer Tragödie, und wir erfahren, dass der Bruder stirbt, der Vater ins Gefängnis geht und die Mutter nach Mexiko abhaut. Das Mädchen namens Saskia zieht dann zu ihrer Großmutter, die sie jedoch an eine andere Familie weitergibt. Saskia zieht bei ihrer neuen Familie ein, wo sie ihren neuen "Bruder" Xavier und dessen Vater Phil kennenlernt. Bald nimmt Phil Xavier und Saskia mit zu einer sektenähnlichen Kommune, die sich mitten im Wald befindet und die von Abraham angeführt wird. Dort lernen sie sich von der weltlichen Lebensweise zu "entdingen". Doch dann kommt es irgendwann zu einer Tragödie, die dazu führt, dass Saskia, Xavier und ihre dort kennengelernten Freunde getrennte Wege gehen und nie wieder miteinander sprechen. Bis alle fünf Erpresserbriefe über etwas erhalten, was sie alle vor vielen Jahren im Wald getan haben. Was geschah damals?

Die ersten Seiten konnten noch mein Interesse an der Geschichte wecken. Auch liest es sich angenehm, der Schreibstil ist bildhaft und atmosphärisch passend für die geheimnisvolle Handlung. Der Roman wird in zwei sich abwechselnden Zeitsträngen erzählt, einen in der Gegenwart und einen in der Vergangenheit. Normalerweise mag ich es, wenn man den handelnden Personen in verschiedenen Zeitebenen folgt, doch hier waren die Kapitel teilweise so kurz, dass durch das Hin- und Herspringen zwischen den beiden Zeitebenen kein richtiger Lesefluss zustande kommen konnte und besonders im Falle der Handlung in der Vergangenheit teilweise nicht richtig ersichtlich war, wie viel Zeit zwischen den einzelnen Ereignissen vergangen war. Statt Spannung zu generieren, erzeugten die kurzen Kapitel und Rückblicke in die Vergangenheit eher für Verwirrung.
Ein weiteres Manko dieser sprunghaften Erzählweise ist, dass die Charaktere für mich nie an Tiefe gewonnen haben, ihre Charakterisierung blieb sehr oberflächlich und eindimensional. Besonders zu Saskia, der Protagonistin des Romans, konnte ich keine Verbindung aufbauen. Sie hatte wie alle anderen keine wirkliche Persönlichkeit.
Auch die vielversprechende Handlung mit einem Kult im Zentrum des Geschehens konnte mich nicht fesseln. Nicht nur, dass sie sich in Nebensächlichkeiten verlor, auch war mir ziemlich schnell klar, in welche Richtung die Geschichte sich entwickeln würde. Spannung kam so leider überhaupt nicht auf.

"Die dunklen Sommer" ist für mich ein Buch, das das Potenzial hatte, eine spannende und geheimnisvolle Geschichte über einen Kult zu werden, was aufgrund der schlechten Charakterisierung und langatmigen Erzählweise enttäuschenderweise nicht der Fall war.

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Veröffentlicht am 10.09.2022

Spannungsarmer und detailverliebter Roman über Sylvia Beach

Die Buchhändlerin von Paris
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„Die Buchhändlerin von Paris“ von Kerri Maher liest sich eher wie eine ausführliche Biografie anstatt als ein historischen Romanes über Sylvia Beach und ihrer englischsprachigen Pariser Buchhandlung "Shakespeare ...

„Die Buchhändlerin von Paris“ von Kerri Maher liest sich eher wie eine ausführliche Biografie anstatt als ein historischen Romanes über Sylvia Beach und ihrer englischsprachigen Pariser Buchhandlung "Shakespeare and Company", in der viele bekannte Schriftsteller und Denker der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie z. B. Joyce oder Hemingway.
Berühmt wurde Sylvia durch die Veröffentlichung von James Joyces Ulysses, als niemand sonst es veröffentlichen wollte. In Amerika wurde das Buch als pornografisch eingestuft, wodurch es dort weder veröffentlicht noch verkauft werden konnte. Weiteres Thema ist ihre Beziehung zu Adrienne Monnier, ebenfalls Inhaberin einer Buchhandlung in Paris und wie Sylvia, eine Förderin amerikanischer, französischer und britischer Schriftsteller.

Der Roman ist gut recherchiert und lässt sich auch leicht lesen, aber inhaltlich fokussiert er sich meiner Meinung nach zu sehr auf die Veröffentlichung von Ulysses und Sylvias Kampf diesen zu veröffentlichen. Als Folge dessen blieb die Charakterzeichnung abgesehen von Sylvia ziemlich schwach, so hatte ich mir z. B. einen tieferen Einblick in ihre Beziehung mit Adrienne Monnier gewünscht. Auch der eher nüchterne Schreibstil führt dazu, dass man wenig emotionale Nähe zur Handlung und den Charakteren aufbaut, worunter die Spannung des Romans deutlich leidet. Zudem nahm mit fortschreitender Seitenzahl Sylvias Besessenheit mit Joyce und Ulysses mir regelrecht die Lust am Weiterlesen.

Folglich konnte „Die Buchhändlerin von Paris“ mich nicht wirklich begeistern, nach Lesen des Klappentextes hatte ich mir einen spannenderen Roman über Sylvia Beach vorgestellt. Die Liebesbeziehung zu einer Frau, ihre Leidenschaft für Literatur und ihr Kampf Ulysses veröffentlichen zu können, hatten als Themen an sich auf jeden Fall das Potenzial dazu. Doch die Umsetzung konnte dem nicht gerecht werden. Ein zu sachlicher und wenig emotionaler Schreibstil gepaart mit zu vielen Details in Bezug auf Joyce als Person und sein Werk machen es zu einer interessanten Biografie über Sylvia Beach aber auch nicht mehr.

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Veröffentlicht am 07.06.2022

Wein ist Poesie in Flaschen, dieser Roman über die Winzerin Greta eher nicht

Gretas Erbe
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Vorneweg: „Gretas Erbe“ ist der erste Band der Trilogie rund um die Winzerin Greta. Der zweite Band „Gretas Geheimnis“ erscheint noch im Herbst dieses Jahres.

Hat mir das Buch gefallen? – Nicht wirklich.
Würde ...

Vorneweg: „Gretas Erbe“ ist der erste Band der Trilogie rund um die Winzerin Greta. Der zweite Band „Gretas Geheimnis“ erscheint noch im Herbst dieses Jahres.

Hat mir das Buch gefallen? – Nicht wirklich.
Würde ich es weiterempfehlen? – Eher nicht.

„Gretas Erbe“ spielt während der 70er in Kirchheim, einem Weinort in Westdeutschland und handelt von Greta, die als Waise bei der Winzerfamilie Hellert auf deren Hof lebt. Greta hat es nicht leicht, da ihre Zieheltern sie spüren lassen, dass sich nicht zur Familie gehört. Nur mit Robert, den Sohn der Hellerts, versteht sie sich gut. Greta ist selbstbewusst, intelligent und weiß, was sie vom Leben will und dazu zählt nicht auf dem Weingut der Hellerts zu arbeiten. Sie hat andere Pläne für ihre Zukunft, bis ein Erbe alles verändert und damit endet Band 1. Womit ich schon bei meinem ersten Kritikpunkt wäre, nämlich dem, dass der Titel ausschlaggebende Handelspunkt erst nach mehr als 300 Seiten relevant wird und dann auch noch vergleichsweise kurz abgehandelt wird, ist für mich zu antiklimatisch, da habe ich mir mehr erwartet.

Ebenso konnte der Schreibstil mich nicht richtig fesseln, viele Passagen waren eher langatmig und voll von uninteressanten Beschreibungen, sodass ich viele Textstellen einfach nur überflog. Auch weniger 70er-Jahre Referenzen hätten das Leseerlebnis angenehmer gemacht.

Alles in allem war es für mich eher eine Enttäuschung, vielleicht bin ich auch eher das falsche Publikum für diese Romantrilogie. Leser, die sich für Einblicke in die Weinherstellung und die Bewirtschaftung eines Weinhofes interessieren, Romane über selbstbewusste Frauen mögen sowie in 70er-Jahre Flair schwelgen wollen, könnten von der Buchreihe angetan sein.

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Veröffentlicht am 20.07.2022

Missratene Mixtur

Die versteckte Apotheke
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Der Inhalt von „Die versteckte Apotheke“ klingt zunächst vielversprechend. Erzählt wird die Geschichte mittels zwei Zeitsträngen, einen in der Vergangenheit und einen in der Gegenwart. Im 18. Jahrhundert ...

Der Inhalt von „Die versteckte Apotheke“ klingt zunächst vielversprechend. Erzählt wird die Geschichte mittels zwei Zeitsträngen, einen in der Vergangenheit und einen in der Gegenwart. Im 18. Jahrhundert treffen wir auf Nella, eine Apothekerin, die seit Jahrzehnten Giftmischungen herstellt. Frauen kommen zu ihr, wenn sie sich nirgendwo anders hinwenden können, und sie gibt ihnen Mixturen an die Hand, die ihre Probleme beseitigen. Als ein junges Mädchen namens Eliza ihren Laden betritt, setzt das eine Kette von Ereignissen in Gang, von denen es kein Zurück mehr gibt. In der Gegenwart folgen wir der Geschichtsliebhaberin Caroline, die in London Urlaub macht und auf die Spur der Apothekerin Nella kommt.

Ich erhoffte mir eine spannende und interessante Geschichte über drei außergewöhnliche Frauen mit Mystery-Elementen, doch leider wurde ich zutiefst enttäuscht. Die Geschichte konnte mich zu keinem Zeitpunkt in ihren Bann ziehen, noch empfand ich sie insgesamt als spannend.
Mein größtes Problem hatte ich mit den zwei Zeitebenen. Bei zwei Zeitebenen besteht immer die Gefahr, dass eine von ihnen überzeugender sein könnte als die andere und genau das ist hier definitiv passiert. Die Handlung mit Nella und Eliza steht im Mittelpunkt des Romans und war deutlich die faszinierendere von beiden. Aber selbst diese wurde schnell schwerfällig und eher langweilig. Es fühlte sich an, als würden die aufregenden Momente zu schnell und zu einfach gelöst und die weniger interessanten dafür in die Länge gezogen.
Völlig unnötig war in meinen Augen Carolines Geschichte in der Gegenwart. Ich wurde zu keinem Zeitpunkt warm mit ihr, sie war mir vor allem anfangs zu weinerlich, noch verstand ich ihre Motivation hinter ihren Handlungen. Meiner Meinung nach hätte die Handlung davon profitiert, wenn Carolines Handlungsstrang komplett weggelassen worden wäre und sich die Handlung nur auf Eliza und Nella fokussiert hätte, so hätte die Geschichte der beiden auch mehr an Tiefe und Plausibilität gewonnen. Nämlich viele Handlungspunkte machten für mich einfach keinen Sinn und wirkten zu konstruiert.

„Die versteckte Apotheke“ ist für mich leider eine große Enttäuschung und ein Beispiel für ein Buch, das zu viel versprochen und zu wenig geliefert hat.

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Veröffentlicht am 05.07.2022

Eine Enttäuschung auf ganzer Linie

Freizeit
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Als Leserin folgt man Franziska auf ihren Weg durch ihr Leben, sie scheint nach einer gescheiterten Beziehung und nach zwei Jahren in Paris auf der Suche nach sich selbst zu sein und was sie eigentlich ...

Als Leserin folgt man Franziska auf ihren Weg durch ihr Leben, sie scheint nach einer gescheiterten Beziehung und nach zwei Jahren in Paris auf der Suche nach sich selbst zu sein und was sie eigentlich vom Leben will. Sie lässt sich treiben, erinnert sich an vergangene Tage und schreibt an ihrem Manuskript weiter, das stark von ihrem eigenen Leben und ihren Blick auf die Welt geprägt ist. Ebenso wird man als Leserin Zeuge, wie sie ihre Mitmenschen und ihre Umwelt beobachtet und man lernt ihre Freunde und Familie kennen.

Soweit so gut oder in diesem Fall auch eher nicht gut. Denn der Roman konnte mich überhaupt nicht begeistern. Es war für mich weder ein handlungsorientierter Roman noch eine Milieu- oder Charakterstudie, dazu fehlte einfach der roter Faden und Tiefe für mich. Auch sehe ich den Roman nicht als einen Roman über die junge Generation, denn ich bin Teil dieser Generation und ich fühl mich nicht angesprochen oder entlarvt.
In Bezug auf den Buchinhalt ist zu sagen, dass die Charaktere mir alle fremd geblieben sind und zu oberflächlich dargestellt wurden, sie waren für mich alle nur Hüllen ohne irgendwelche besonderen Eigenschaften und Gefühle. Die Handlung, so weit vorhanden, plätscherte vor sich hin, ohne dass sie irgendwie mein Interesse geweckt hätte. Auch der Schreibstil war nicht mein Fall. Es war mir sprachlich zu einfach gehalten, es liest sich für mich so, als hätte ein Schreibanfänger den Roman verfasst. Ich weiß bis jetzt immer noch nicht, was ich eigentlich gelesen habe und was der Roman mir sagen wollte oder sein wollte.

Für mich leider eine große Enttäuschung und ich kann auch keine Leseempfehlung aussprechen. (1.5 Sterne)

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