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Veröffentlicht am 16.07.2022

Kurzweilig

Das letzte Grab
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Carla Winter ist Strafverteidigerin in Frankfurt. Sie hat ihr Leben im Griff, bis sie eines Tages vom Tod ihres Ex-Mannes Felix erfährt. Plötzlich befindet sie sich im Schussfeld brutaler Verbrecher und ...

Carla Winter ist Strafverteidigerin in Frankfurt. Sie hat ihr Leben im Griff, bis sie eines Tages vom Tod ihres Ex-Mannes Felix erfährt. Plötzlich befindet sie sich im Schussfeld brutaler Verbrecher und muss um ihr Leben fürchten. Scheinbar hatte ihr ehemaliger Ehemann Verbindungen zu dubiosen Raubkunstgeschäften im Nahen Osten, und dummerweise wird jetzt eine wertvolle Statue vermisst. Carla soll sie nun beschaffen. Da hilft nur noch abhauen! So beginnt für die Anwältin eine gefährliche Reise in die Türkei, wo sie Antworten finden will.

Diesem Buchteaser konnte ich nicht widerstehen! Die Mischung aus Abenteuer, Krimi, sowie politischen und kulturellen Bezügen machte mich unglaublich neugierig. Vor allem, weil ich aus dem Hause Tropen schon einige besondere Geschichten lesen durfte.

Den Fall um Clara Winter und ihren Ex-Mann fand ich absolut interessant gestaltet, allem voran die Darstellung dieser speziellen kriminellen Parallelwelt, die der Normalbürger in der Regel überhaupt nicht wahrnimmt. Die Geschichte wirkte auf mich zum größten Teil authentisch, bis auf einige Reaktionen und Entscheidungen der Protagonistin. Aber gut, Carla Winter schien mir mit einem sehr speziellen Charakter gesegnet zu sein, der meiner Meinung nach stellenweise leider etwas überreizt wurde. Im Grunde mochte ich die unkonventionelle Anwältin, doch ab und an konnte ich mit ihrer überbetonten Coolness nicht umgehen, weil sie mir in so mancher Situation zu künstlich und bemüht erschien. Ihre Durchsetzungskraft wirkte auf mich daher nicht echt und die in der Schlussphase von Felix gezeigte Unterwürfigkeit ihr gegenüber ziemlich unpassend. Besonders hinsichtlich seines Hintergrunds fand ich seine Reaktionen einfach nicht glaubhaft.

Dafür gefielen mir die Nebenfiguren. Sie waren allesamt auf ihre Art speziell und damit interessant und meist sehr unterhaltsam. Vor allem der scharfsinnige Professor, der durch Carlas Fall wieder auflebte, hatte es mir angetan.

Das Tempo der Geschichte fühlte sich für mich nicht gleichbleibend hoch an, sondern wechselte phasenweise in einen ruhigeren Modus. Mich störte das überhaupt nicht, denn in diesen Abschnitten erfuhr ich mehr über Land und Leute, wobei der Autor die jeweils passende Atmosphäre sehr gut einfing.

Gerne empfehle ich „Das letzte Grab“ weiter. Thema, Idee und Handlung konnten eindeutig bei mir punkten. Ich würde mir sogar eine Fortsetzung um Carla Winter wünschen, die sich künftig weiterhin nicht ganz so alltäglichen Themen widmet.

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Veröffentlicht am 14.07.2022

Erschütternde Einblicke

Catching up with the Carters - In your eyes
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Aphrodite Carters Leben gehört der Öffentlichkeit. Schon seit sie denken kann, steht ihre Familie im Rampenlicht, und zwar im Reality-TV. Hier ist jeder Skandal willkommen, daher beobachtet man jeden Schritt ...

Aphrodite Carters Leben gehört der Öffentlichkeit. Schon seit sie denken kann, steht ihre Familie im Rampenlicht, und zwar im Reality-TV. Hier ist jeder Skandal willkommen, daher beobachtet man jeden Schritt von ihr ganz genau. Die Medien betiteln sie als It-Girl, und jeder private Moment wird ausgeschlachtet. Die Wahrheit kennt jedoch niemand, bis auf Garett, der zu einer rivalisierenden Reality-TV-Familie gehört. Die beiden verbindet viel, denn im Geheimen fanden sie bereits vor Jahren zusammen, bis ein Verrat sie trennte. Als Garett und Aphrodite dann am Set einer Datingshow aufeinandertreffen, finden die lange unterdrückten Gefühle ihren Weg.

Der Glamour der Promiwelt fasziniert, und in Verbindung mit einer verbotenen Liebe macht es das ganze Thema zusätzlich aufregend. Deswegen überzeugte mich hier bereits der Klappentext, ich wollte diese Geschichte unbedingt lesen. Da das Cover auf mich recht zurückhaltend wirkte, hoffte ich auf ein wenig mehr als den üblichen Promi-Kitsch. Und so war es dann auch.

Ich finde, Fam Schaper ist diese Geschichte wirklich gut gelungen. Obwohl ich anfangs die Befürchtung hatte, die Story schleppe sich mühselig von Kapitel zu Kapitel, starteten die Entwicklungen der Figuren nach einer Aufwärmphase durch. Im Nachhinein wurde mir klar, dass mir zu Beginn der Erzählung die Oberflächlichkeit und die Durchtaktung im Showbusiness präsentiert wurde, was für das Verständnis wirklich wichtig war. Schockierend fand ich die Entmenschlichung der Reality-Stars, die lediglich als Gelddruckmaschine zählten. Deutlicher kann man dieses Thema wohl kaum ansprechen.

Die Protagonisten konnten bei mir im ersten Moment jedoch nur teilweise punkten, bis ich begriff, dass ihr unverständliches Verhalten wahrscheinlich nur erschreckend authentisch wiedergegeben wurde. Aphrodite hatte mein vollstes Mitgefühl, ihre Hilflosigkeit fand ich erschütternd, und der an ihr begangene Verrat brachte mich wirklich an meine Grenzen. Ich konnte ihre Situation glaubhaft annehmen, was wohl auch am ungekünstelten Schreibstil der Autorin lag. Später wendete sich das Blatt, Aphrodite handelte wie eine gestörte, schwache und unselbständige Persönlichkeit. Aber genau genommen wurde sie genau dazu erzogen, in Anbetracht ihres bisherigen Lebens. Mit dieser Erkenntnis im Gepäck, konnte ich mich auch hier wieder emotional mit der jungen Frau verbinden.
Garett war mir allerdings etwas zu zurückhaltend. Obwohl ich diesen ruhigen Pol mochte, fehlte mir die Entschlossenheit und Tatkraft. Aber was soll ich sagen? Die Medien und die Familie hatten hier wohl ebenso ganze Arbeit geleistet. In der Gesamtheit fand ich die Stimmungen und Persönlichkeiten der Protagonisten fabelhaft wiedergegeben. Auch, wenn mich so manches nervte, war es doch letztlich einfach ein Abbild ihrer verunsicherten Seelen.

Meine Sympathien erstreckten sich auch auf die Freunde der beiden Verliebten. Mit viel Verständnis und Geduld begleiteten sie die Hauptfiguren, wobei ihre eigenen Sorgen ebenfalls Gehör fanden und sich harmonisch in das Geschehen einfügten. Vor allem das Ende der Datingshow wirkte auf mich menschlich und herzlich. Vorhersehbar – aber schön.

So oberflächlich wie „Catching up with the Carters“ laut Klappentext vielleicht wirken mag, es steckt sehr viel Wahrheit in der Geschichte. Mich hat der Roman jedenfalls positiv überrascht und gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 11.07.2022

Gelungener Einblick in die Geschichte der Champagnerhäuser

Die Champagnerfürstin
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Frankreich/Reims 1858: Als Jeanne Pommery ihren Mann verliert, muss sie sich hinsichtlich der Weiterführung ihres Weinhandelsunternehmens Gedanken machen. In dieser Phase begegnet sie Barbe-Nicole Clicquot, ...

Frankreich/Reims 1858: Als Jeanne Pommery ihren Mann verliert, muss sie sich hinsichtlich der Weiterführung ihres Weinhandelsunternehmens Gedanken machen. In dieser Phase begegnet sie Barbe-Nicole Clicquot, die ihren Schicksalsschlag teilt und ihr Mut macht, sich in der Männerwelt zu behaupten. Jeanne lernt einiges durch die Erzählungen Mme. Clicquots, die mit den Jahren durch viel Engagement und Charakterstärke ein Weltimperium aufbauen konnte. Doch Jeanne möchte neue Wege gehen, denn der Welt fehlt noch ein Brut-Champagner, der ihr Möglichkeiten für neue Märkte erschließt.

Erzählungen, die von historischen Fakten inspiriert wurden, locken mich immer wieder. Die Marken Clicquot und Pommery waren mir bisher zwar ein Begriff, doch jeglicher Hintergrund dazu gänzlich unbekannt. Daher war ich voller Vorfreude, als ich das Buch mit dem sehr edlen, passenden Cover in der Hand hielt. Ich konnte es kaum abwarten darin zu schmökern.

Ich mochte die Geschichte! Hinsichtlich des Klappentextes hatte ich zwar einen anderen Schwerpunkt erwartet, was mich einige Male etwas irritierte, aber mein Lesevergnügen deswegen nicht schmälerte. Ich erwartete hauptsächlich die Entwicklung des Hauses Pommery, vielleicht auch die beider Handelsmarken parallel, doch dieser Roman ging vor allem auf die Lebensgeschichte der Witwe Clicquot ein.

Die Erlebnisse dieser weltberühmten Witwe erstaunten und berührten mich zunehmend, was wohl zum großen Teil dem Schreibstil der Autorin geschuldet war. Sie kreierte ausgleichend zu den Widrigkeiten der damaligen Zeit auch immer eine herzliche Seite innerhalb der Beziehungen der Figuren zueinander, die sie prima in die Handlung einband. So nahm ich umso mehr die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der beiden Witwen Pommery und Clicquot wahr, die aufgrund ihrer Persönlichkeit und ihren Privilegien halfen wo sie nur konnten, oder auch Angestellte und Freunde in ihr Leben zogen, die sie wohlwollend unterstützten.

Obwohl mir der Handlungsstrang um Jeanne Pommery eindeutig zu knapp geraten war, mochte ich die recht umfassende Ausarbeitung der wichtigsten Figuren beider Familien und deren Freunde. So hatte ich ziemlich schnell ein gutes Bild eines jeden Charakters vor Augen, was mich der Geschichte emotional näher brachte. Vor allem mochte ich die Unvoreingenommenheit, den Zuspruch und die Bewunderung, die den beiden mutigen Frauen von einigen Vertrauten erwiesen wurde.

Historisch gesehen war die damalige Zeit nicht wirklich schön, Kriege und die damit verbundenen Ängste und Verluste schienen nicht abzureißen. Die betreffenden Kapitel im Buch fand ich im Hinblick auf die Grausamkeiten glücklicherweise recht umsichtig dargestellt, ausgedehnt blutiges Gemetzel blieb hier aus. Allerdings überforderten mich die vielen historischen Fakten zur damaligen Kriegslage, bzw. zur Besetzungshistorie. Eine Zeittafel hätte hier gute Dienste geleistet!

„Die Champagnerfürstin“ stellte sich am Ende für mich als historischen Roman mit großem Unterhaltungswert heraus. Vor allem an den großartigen Figuren hatte ich meine Freude, wobei mir der Part von Jeanne Pommery eindeutig zu knapp bemessen war. Mir gefiel in erster Linie der Schreibstil von Annette Fabiani, daher werde ich die Bücher der Autorin künftig im Auge behalten.

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Veröffentlicht am 27.06.2022

Bestechend schönes Flair

Und dann kam das Glück
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Die schüchterne Chloé ist Inhaberin eines Blumenladens in der „Rue de la Chance“, im Pariser Künstlerviertel Belleville. Als das Gebäude nebenan renoviert wird, sieht sie sich täglich mit dem lästigen ...

Die schüchterne Chloé ist Inhaberin eines Blumenladens in der „Rue de la Chance“, im Pariser Künstlerviertel Belleville. Als das Gebäude nebenan renoviert wird, sieht sie sich täglich mit dem lästigen Baulärm und dem Schmutz konfrontiert und befürchtet, dass ihr Geschäft darunter leidet. Mehr als einmal möchte sie die Situation auf der Baustelle ansprechen, wenn da nur nicht der attraktive Bauleiter Ben wäre, der ihr Herzklopfen verursacht!

Vom entzückenden, stimmungsvollen Cover geködert, wusste ich sofort, dass ich dieses Buch lesen möchte. Selten hat mich ein Titelbild so angesprochen, es passte perfekt zur Geschichte. Eine sehr gute Wahl!

Die große Stärke dieses Romans lag eindeutig im bezaubernden Flair, welches sich mit Leichtigkeit in mein Leserherz schlich. Schon recht früh regte sich in mir ein Urlaubs-Feeling, und ich wünschte mir, ich könnte selbst in dieser malerischen Straße flanieren und in den heimeligen Läden stöbern. Die Atmosphäre und der Schauplatz dieser Geschichte nahmen zwar verhältnismäßig viel Raum ein und drängten die Liebesgeschichte etwas in den Hintergrund, aber überraschenderweise störte mich das überhaupt nicht, denn die zauberhaft-verträumte Kulisse mit den überaus freundlichen Figuren hatte in ihrer Gesamtheit eine Art Perfektionismus, der schon wieder künstlerischen Wert hatte. Mir gefiel es!

Die Protagonisten dieses ersten Bandes, Chloé und Ben, traten sympathisch, aber auch zurückhaltend auf, so dass ich beide leider nicht ganz erfassen konnte. Dies änderte sich auch bis zum Ende des Buches nur mäßig, daher blieben für mich in diesem Fall ein paar Fragen offen. Vielleicht brauchte es für diesen Roman diesbezüglich aber auch nicht mehr, denn meiner Meinung nach wurde in dieser Erzählung mehr das Thema Freundschaft und Zusammenhalt in den Fokus gerückt. Chloés Freunde standen ihr Tag und Nacht zur Seite, sie lösten und schufen Probleme, lachten und weinten gemeinsam. Diese Momente fand ich durchaus herzerwärmend, angesichts dessen empfand ich deren Verhalten am Ende der Geschichte dann aber ziemlich seltsam und irgendwie unpassend.

Im Ganzen mochte ich die erste Hälfte des Buches lieber. Später wurde mir die Handlung nämlich etwas konfus, gefühlt unvollständig, wobei aber ein ureigener Charme in den Szenen erhalten blieb. Bedauerlicherweise erschien mir Chloé im Laufe der Geschichte immer einfältiger und jammervoller, wobei sie auch noch einen zu bemüht herbeigeschriebenen Konflikt mit ihrer Mutter auferlegt bekam. Insofern war mir das Finale zu künstlich überanstrengt, was ich unwahrscheinlich schade fand.

Zusammenfassend punktete „Und dann kam das Glück“ bei mir als spielerischer, atmosphärischer Sommerroman, mit dem es sich gedanklich leicht in das französische Savoir-vivre reisen ließ. Emotionale Tiefe oder tollkühne Taten sucht man hier zwar vergebens, aber wie sagt man so schön: Paris ist immer eine (literarische) Reise wert!

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Veröffentlicht am 30.05.2022

Pausenlose Überraschungen

Schlaflos auf Sylt
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Merle wird 50 und möchte ihren Jahrestag unbehelligt und ruhig verbringen. Dafür leistet sie sich einen Urlaub auf Sylt und plant dort einen schönen Abend in der Sansibar. Doch es kommt anders, denn ihre ...

Merle wird 50 und möchte ihren Jahrestag unbehelligt und ruhig verbringen. Dafür leistet sie sich einen Urlaub auf Sylt und plant dort einen schönen Abend in der Sansibar. Doch es kommt anders, denn ihre Schwestern organisieren eine Überraschungsparty! Und zu Merles Entsetzen erscheinen Menschen aus ihrer Vergangenheit auf der Bildfläche, die sie nie und nimmer erwartet hätte!

Das Wort „Eskalation“ wurde wahrscheinlich für dieses Buch erfunden! Auf Merles Feier gaben sich nämlich abenteuerlich-schräge Momente die Hand. Die Autorin leistete hier fantastische Arbeit, denn die Fülle an filmreif peinlichen, absurden, nervigen, aber auch sensiblen Momenten war meiner Meinung nach nur schwer zu toppen. Unweigerlich feierte und leidete ich mit der Protagonistin mit und war fassungslos über das bestellte Durcheinander des Abends. Es war einfach nur urkomisch!

Die Figuren zeigten sich mir allesamt liebenswert, so verschieden und speziell sie auch waren. Allen voran Merle, mit der man sich identifizieren konnte und die so viele Überraschungen in wenigen Stunden verkraften musste. Durch ihren Blick über die Gäste und deren Verhalten erfuhr man warmherzig-humoristisch ein wenig über alle möglichen Phasen des Älterwerdens, aber auch so manche sensible Reflexion der Vergangenheit.

Außerdem hatte ich selten so viele Lieblingszitate in einem Buch. Vielleicht lag es an den zum Schießen komischen Vergleichen, welche die Autorin zog. Jedenfalls spürte man, dass sie aus aus dem Herzen heraus schrieb, stets mit einem Augenzwinkern und positivem Schwung.

„Schlaflos auf Sylt“ ist ein sehr lebendiges Buch. Hier geht es richtig rund und keine Peinlichkeit wird ausgelassen. Wer ein spaßiges Lesevergnügen mit liebevoller Aufarbeitung der Vergangenheit sucht, ist hier goldrichtig. Empfehlenswert!

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