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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.08.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Auge um Auge, Mord um Mord
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Nach einer größeren Pause lässt Autor Peter Wehle seinen Hofrat Magister Ludwig Halb wieder ermitteln. Eigentlich hat er gar keine Zeit dazu, denn er steckt mitten in den Vorbereitungen zur Hochzeit mit ...

Nach einer größeren Pause lässt Autor Peter Wehle seinen Hofrat Magister Ludwig Halb wieder ermitteln. Eigentlich hat er gar keine Zeit dazu, denn er steckt mitten in den Vorbereitungen zur Hochzeit mit seiner Delia.

Der fünfte Fall für Halb und sein Team beginnt recht eigenartig: Eine Gruppe Ritter überfällt zwei ältere Ehepaare und raubt ihre Wertsachen. Ein Mann kommt nach einem Herzinfarkt gerade noch mit dem Leben davon. Dieser Überfall wird nicht der einzige bleiben und letztlich gibt es auch Tote.

Nun fragt man sich, wer dahinter steckt bzw. wohin die Truppe verschwindet, denn Ausrüstung und Pferde lassen sich ja nicht ganz so leicht verstecken. Bei den Ermittlungen trifft Hofrat Halb auf einen alten Bekannten, der im neuen Gewand seine Verbrecherkarriere weiterführt. Und auch Delias Vergangenheit, die man tunlichst unter den Tisch kehren möchte, kommt wieder ins Spiel.

Meine Meinung:

Peter Wehle hat mit seinem Hofrat Halb einen sympathischen Ermittler geschaffen. Immer wieder macht sich der Autor über die Titelsucht in Österreich lustig. Überhaupt trägt Humor, manchmal schwarz und bitterböse, zum Erfolg dieser Reihe bei. Daneben wird den Tafelfreuden inklusive Mehlspeisorgien gefrönt.

Obwohl es zu Beginn ziemlich gemächlich zugeht, nimmt der Krimi schnell an Fahrt auf und entwickelt sich zu einer komplexen Geschichte, die in einem furiosen Showdown endet.

Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet. Immer wieder blitzen Wiener Charme sowie das für Österreich typische „ein bisserl was geht immer“ durch.

Mir ist Hofrat Ludwig Halb und sein Team ans Herz gewachsen. Ich freue mich schon auf einen nächsten Fall und hoffe, diesmal nicht so lange darauf warten zu müssen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 5. Fall für Hofrat Magister Ludwig Halb, der mich bestens unterhalten hat, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 02.08.2022

Fesselnd bis zur letzten Seite

Flammen über der Marsch
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Mit diesem 8. Fall für Lyn Harms ist Autorin Heike Denzau ein wahres Meisterstück gelungen.

Eigentlich soll einem Brandstifter das Handwerk gelegt werden, der in der Marsch sein Unwesen treibt. Als die ...

Mit diesem 8. Fall für Lyn Harms ist Autorin Heike Denzau ein wahres Meisterstück gelungen.

Eigentlich soll einem Brandstifter das Handwerk gelegt werden, der in der Marsch sein Unwesen treibt. Als die Feuerwehr abermals zu einem Brand gerufen wird, werden zwei tote Frauen gefunden, wobei eine der beiden in einem nahen Bach ertränkt worden ist. Hat der Brandstifter seine „Arbeitsweise“ geändert? Denn bislang gab es nur Sachschaden.

Die Ermittlungen von Lyn Harms und ihren Kollegen führen sie nicht nur zur Familie der beiden Opfer, sondern auch zu einem Vermisstenfall, der bereits vier Jahre zurückliegt.

Je mehr sich die Polizei mit dieser Familie beschäftigt, desto klarer wird: Hier liegen zahlreiche Geheimnisse verborgen. Wie tief diese Abgründe sind, lest bitte selbst.

Meine Meinung:

Als Vielleserin bin ich schon zahlreichen KrimiautorInnen begegnet, doch kaum eine schafft es, mich so zu fesseln wie Heike Denzau.

Der Krimi beginnt beinahe ruhig und entwickelt sich immer mehr zu einer Abfolge von Verbrechen, um das Vorhergegangene zu vertuschen. Das Sprichwort der alten Römer „crimen criminem invocat“ übersetzt: „Ein Verbrechen zieht weitere nach sich“, passt hier perfekt.

Ihre Figuren sind durchdacht, scheinen Menschen wie du und ich zu sein, doch niemand weiß um die tiefen Abgründe dieser Personen. Dass sich einige der irdischen Gerichtsbarkeit entziehen, ist durchaus verständlich, wenn auch mehr als feige.

Sehr gut sind die Passagen, in denen die Leser quasi im Kopf des Täters sitzt, gelungen. Dieses Selbstmitleid, in dem sich der Täter suhlt, ist sowohl für die Ermittler als auch für die Leser schwer zu ertragen. Das beweist auch Reaktion der Polizisten.

So quasi als „Gegenmittel“ zur intensiven Polizeiarbeit dürfen wir aktiv am Familienleben von Lyn Harms teilnehmen. Hier sorgen die beiden Töchter und das Nesthäkchen Emil für heitere Momente. Die Autorin schafft hier eine ausgewogene Mischung, die mir sehr gut gefällt. Bin schon neugierig, ob die Figur der Doro in den nächsten Fällen eine Rolle spielen wird. So Spökenkieker sind eine Bereicherung in jedem Krimi.

Fazit:

Ein kriminalistisches Meisterstück, dem ich gerne eine Leseempfehlung und 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 17.07.2022

Wer hat Dora gesehen?

Die Passage nach Maskat
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Man schreibt das Jahr 1929. Es ist Spätsommer und Cay Rademacher entführt seine Leser auf einen Luxusliner, die Champollion, der in Marseille in See sticht und in den Orient fährt.

An Bord ist eine illustre ...

Man schreibt das Jahr 1929. Es ist Spätsommer und Cay Rademacher entführt seine Leser auf einen Luxusliner, die Champollion, der in Marseille in See sticht und in den Orient fährt.

An Bord ist eine illustre Gesellschaft: Anita Berger, Femme Fatale und Nackttänzerin aus Berlin, ein undurchsichtiger Anwalt aus Rom, eine englische Lady und ein Amerikaner, der vorgibt ein Ingenieur zu sein sowie das schwerreiche Kaufmannsehepaar Rosterg, das mit seinem Prokuristen Bertold Lüttgen, der Tochter Dora und deren Ehemann Theodor Jung Richtung Maskat unterwegs sind, um Gewürze einzukaufen.

Theodor, ein traumatisierter Kriegsveteran, ist den Rostergs nicht fein genug, fristet er doch seinen Lebensunterhalt als Reporter der Berliner Illustrierten. Während die Schwiegereltern in einer Suite logieren und mit ihrem Reichtum protzen, sind Theodor und Dora in einem anderen Teil des Schiffes untergebracht. Noch immer gediegen.

Kurz nach der Abreise verschwindet Dora plötzlich und nichts, aber auch wirklich nichts, erinnert daran, dass sie überhaupt an Bord war.
Kapitän, Zahlmeister sowie die Eltern und andere Gäste behaupten, Dora wäre in Hamburg geblieben, um sich ihren Geschäften zu widmen. Man zeigt Theodor Telegramme, die Dora gesendet haben soll.

Dann geht ausgerechnet jener Passagier, der Dora doch an Bord gesehen haben will über Bord und ein Schläger, eines der berüchtigten Ringvereine aus Berlin, der im Zwischendeck reist, wird ermordet.

Wem kann Theodor noch trauen? Ist er durch den langjährigen Gebrauch seiner Medikamente verwirrt?

Meine Meinung:

Cay Rademacher versteht es ausgezeichnet, die zunächst ausgelassene Stimmung an Bord des Ozeanriesen darzustellen: Es wird getafelt, Champagner fließt in Strömen und der Kokainverbrauch steigt mit jedem Tag. Inmitten dieses Tanzes auf dem Vulkan verschwindet Dora.

Die verzweifelte Suche nach seiner Ehefrau bringt Theodor an den Rand des Wahnsinns. Lange ist nicht klar, wer für das Verschwinden von Dora verantwortlich ist. Die Auflösung ist so fesselnd wie ungewöhnlich. Nein, ich verrate nichts - selbst lesen ist angesagt!

Wie wir es von Cay Rademacher gewöhnt sind, sind seine Charaktere bis ins kleinste Detail ausgearbeitet - die Guten wie die Bösen. Und zwielichtige Gestalten gibt es an Bord der Champollion jede Menge. Kaum jemand zeigt sein wahres Gesicht. Auf der Suche nach Dora enthüllt Theodor einige Geheimnisse und gerät mehrmals in akute Lebensgefahr.

Fazit:

Eine komplexe und teilweise verstörende Geschichte, die sowohl Krimi als auch historischer Roman ist. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 17.07.2022

Eine literarisch psychologische Aufarbeitung

Endlich Nora!
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Jens Dahmen ist 55 Jahre alt, als er sich 2018 nach einer tiefen Krise entschließt, endlich seinen „Schamkäfig“, wie er es nennt zu verlassen und sich als ein im falschen Körper Geborener zu outen. Er ...

Jens Dahmen ist 55 Jahre alt, als er sich 2018 nach einer tiefen Krise entschließt, endlich seinen „Schamkäfig“, wie er es nennt zu verlassen und sich als ein im falschen Körper Geborener zu outen. Er hat sich seit seiner Kindheit als Mädchen bzw. als Frau gefühlt, lange an sich gezweifelt, später geheiratet und zwei Kinder bekommen. Erst die schwere Krise zeigt dem bislang erfolgreichen Geschäftsmann, dass er sein Leben ändern muss.

In diesem Buch, das gleichsam eine literarisch-therapeutische Aufarbeitung der Transition vom Mann zur Frau darstellt, zeichnet Nora ihren oft schwierigen und langen Weg auf.

Meine Meinung:

Schon das Cover lädt ein, die Geschichte von Nora zu lesen: der offene Blick und das strahlende Lächeln.

Sehr gut gefällt mir der sachliche und dennoch humorvolle Schreibstil. Sie erzählt von seinen Besuchen in einer Boutique in Hamburg und der professionelle Beratung inkl. Schminkkurs, ihr Herantasten an einen weiblichen Gang mit Stöckelschuhen.

Auch die Zweifel werden beschrieben. Besonders Noras Eltern haben zu Beginn einige Hemmungen und sprechen sie noch lange als Jens an.

Nora Dahmer spricht mit diesem Buch allen jenen, die das Gefühl haben, im falschen Körper zu stecken, Mut zu, sich nicht mehr zu verstellen. Das Buch bricht einige Tabus, die nach wie vor in den Köpfen der Menschen vorhanden sind.

Ich habe dieses Buch mit großem Interesse gelesen, weil der Sohn meiner Freundin gerade die Transition zur Tochter durchmacht und sich die Familie in einer Art Ausnahmezustand befindet. Die amtliche Änderung des Geschlechtes ist bereits durch. Jetzt steht die Hormontherapie an. Hier ist die Verunsicherung bei den Brüdern und deren Ehefrauen deutlich spürbar, denn statt ihre Entscheidung wenigstens zu akzeptieren, wird sie leider scheel angesehen.

Fazit:

Ein gelungenes Buch zu einem sensiblen Thema, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 17.07.2022

Gut, dass die Wirklichkeit anders war ...

Es geschah im November
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In diesem dystopischen Roman beschreibt die tschechische Autorin, was geschehen hätte können, wenn das kommunistische Regime im Jahr 1989 die Herrschaft bewahrt hätte.

Maria und ihr Mann, an sich eher ...

In diesem dystopischen Roman beschreibt die tschechische Autorin, was geschehen hätte können, wenn das kommunistische Regime im Jahr 1989 die Herrschaft bewahrt hätte.

Maria und ihr Mann, an sich eher unpolitische Bewohner einer Kleinstadt in Mähren, nehmen im November 1989 an einer Demonstration gegen die Regierung teil. Sie werden wenig später wie Hunderttausende andere verhaftet. Während Marie von einem Schnellgericht zu 20 Jahren Haft verurteilt wird, fehlt von ihrem Mann seither jede Spur. Maries Kinder sind zum Zeitpunkt der Verhaftung bei den Großeltern. Der Sohn aus Maries vorehelicher Beziehung mit einem Oberarzt wird von diesem in den Westen verbracht. Lenka, das kleine Mädchen wird in einem staatlichen Kinderheim untergebracht. Die Unterbringung der Kinder von Regimegegnern in staatlichen Erziehungsanstalten ist eine übliche Vorgangsweise. So können die Kinder indoktriniert werden.

Als Marie nach 15 Jahren vorzeitig entlassen wird, steht sie vor dem Nichts und muss noch fünf Jahre Zwangsarbeit in einem kleinen Dorf ableisten. Sie kann sich ein neues Leben aufbauen.

Tochter Lenka, inzwischen selbst verheiratet und erfolgreiche, regimetreue Journalistin, erfährt sie von einer ehemaligen Schicksalsgefährtin, dass ihre Mutter noch lebt. Ein Treffen der beiden Frauen endet mit einem fatalen Missverständnis.

Meine Meinung:

Dieser Roman der tschechischen Autorin ist - vor allem im Lichte der Ereignisse in der Ukraine, wo Hunderte ukrainische Kinder zur Umerziehung nach Russland verschleppt werden - mehr als beklemmend. Die „Samtene Revolution“ 1989 ist zum Glück in Wirklichkeit gut ausgegangen. Aber, wie die Geschichte lehrt, war dies nicht immer so. Die Demonstrationen im Prager Frühling 1968 wurden vom Regime gemeinsam mit der sowjetischen Armee blutig niedergeschlagen.

Dieser dystopische Roman schildert die Zustände eines Staates, der seine Bürgerinnen und Bürger mit allen Mitteln unterdrückt. In dem es verboten ist, seine freie Meinung zu äußern und jeder/jede aufgrund einer Denunziation verhaftet und ins Gefängnis gesteckt werden kann.

Der Alltag im Gefängnis wird eindrücklich beschrieben, als wäre die Autorin selbst dort gewesen. Auch die Schilderungen des Lebens im Kinderheim lässt einem die Gänsehaut beim Lesen aufsteigen.

Maries Leben ist stellvertretend für alle jene, deren Leben eine ähnliche Wendung genommen hat. Die von einem unmenschlichen System in die Mangel genommen worden sind und es teilweise auch noch werden. Maries Geschichte ist eine erschreckende Lebensgeschichte, die aber trotzdem nicht ganz ohne Hoffnung ist.

Die Autorin ist Jahrgang 1963, d.h. sie hat als Kind die Niederschlagung des Prager Frühlings und den Einmarsch der sowjetischen Truppen erlebt. Sie ist daher in der kommunistischen Welt aufgewachsen und hat die Repressalien Regimekritikern gegenüber, wenn nicht am eigenen Leib bzw. In der eigenen Familie erlebt, dann zumindest (vermutlich hinter vorgehaltener Hand) erzählt bekommen.

Wie bei allen Romanen der Autorin muss auch die Übersetzerin, Raija Hauk, genannt werden, die die Bücher sehr einfühlsam ins Deutsche übersetzt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem dystopischen Roman 5 Sterne und eine Leseempfehlung.