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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.03.2023

Überseicht

Schokolade am Meer - Süße Wünsche
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Hanna steht vor dem Altar mit Sven als dessen Ehefrau herein fegt samt zwei Polizisten im Schlepptau. Die Hochzeit platzt, Hanna ist entsetzt-traurig, verständlich. Thies wiederum ist zusammen mit seinen ...

Hanna steht vor dem Altar mit Sven als dessen Ehefrau herein fegt samt zwei Polizisten im Schlepptau. Die Hochzeit platzt, Hanna ist entsetzt-traurig, verständlich. Thies wiederum ist zusammen mit seinen Brüdern Erbe einer kleinen, fiktiven Insel im nordfriesischen Wattenmeer und führt mit ihnen eine Schokoladenmanufaktur. Als Hannas Tante stirbt und ihr ihr Haus auf der Insel hinterlässt, lernen die beiden sich kennen.

Der Haken ist nicht die Liebesgeschichte sondern dass sich kein Wohlfühlfaktor einstellen mag. Der Roman ist überseicht und für mich bereits auf den ersten 65 Seiten schwer verdaulich. Sehr viele Namen und Bezeichnungen schwirren herum. Das betrifft sowohl Hannas Familie und Heimat zwischen Kiel und Eckernförde sowie ihren Lieblingsplätzen an der Schlei als auch Thies. Hanna grübelt viel und Thies ist vor allem zu Beginn ein fürchterlicher Schwadlappen. Hinzu kommen viele wörtliche und inhaltliche Wiederholungen. Und ja, man kann sich merken, dass Sven bereits verheiratet ist und Thies reicher Erbe samt zwei Brüdern. Das braucht man nicht auf jeder dritten Seite noch mal zu lesen. Der Lesefluss kommt kurz gesagt überhaupt nicht in Gang. Dazu kommt noch, dass Hanna zwar Erbin ist, aber dieser Fakt ihre Mutter und Oma völlig aus dem Tritt bringt. Und dies wird kurz erzählt, lässt mich als Leserin ratlos zurück. Denn alles andere rund um Hannas Gemütszustände wird breit ausgewalzt. Weder mit Thies noch mit Hanna wurde ich warm. Nicht mal mit der Insel, obwohl ich die nordfriesischen Halligen und Inseln sehr gerne mag. Auch da passt so einiges nicht zusammen, worüber ich sonst weg lesen würde. Aber bei dieser Herangehensweise kommt das als Negativpunkt noch obendrauf. Und es wird nicht besser.

P. S.: Ein "Sand" ist normalerweise kleiner als eine Hallig und deutlich kleiner als eine Insel mit 1 - 2 Dörfern und mehr. Wie mehrere Manufakturen, Fewos und Wohnhäuser auf eine Mini-Insel passen, ist mir ein Rätsel. Ebenso die Bezeichnung der Hauptstraße als "Küstenstraße". Die Küste ist das meernahe Festland. So ein klein wenig Recherche wäre hilfreich gewesen, um wenigstens die Begrifflichkeiten passend zu setzen.

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Veröffentlicht am 06.08.2022

Farblose Figuren

Mit dir hatte ich nicht gerechnet
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Fiona stand früher als Seriendarstellerin bei MGM vor der Kamera bis sie abrutschte. Das ist zehn Jahre her. Seitdem arbeitet sie in der Druckerei ihres Vaters und spielt Theater. Sam ist arbeitsloser ...

Fiona stand früher als Seriendarstellerin bei MGM vor der Kamera bis sie abrutschte. Das ist zehn Jahre her. Seitdem arbeitet sie in der Druckerei ihres Vaters und spielt Theater. Sam ist arbeitsloser Schauspieler als er das Angebot erhält in der Neuauflage einer alten SErie mitzuspielen. Allein, der Produzent möchte nur Fiona in der Hauptrolle. Sie sagte bereits ab. Sam versucht sie zu überzeugen doch noch mitzumachen.

Im Prinzip ist das nicht nur der Einstieg sondern auch der Plot. Das genügt allerdings nicht, um einen lesenswerten Roman zu entwickeln. Die Geschichte plätschert unheimlich banal vor sich hin. Ich habe es nicht zu Ende gelesen. Sämtliche Figuren bleiben farblos und nichtssagend. Schade.

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Veröffentlicht am 30.11.2019

Verwirrend

Alles, was wir sind
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Anfangs fand ich den Stil und die Art, wie Lara Prescott schreibt, gut. Bis zur halben Mitte ungefähr. Dann verlor ich ein wenig den eh schon geringen Überblick, wer eigentlich gerade spricht. Das Problem: ...

Anfangs fand ich den Stil und die Art, wie Lara Prescott schreibt, gut. Bis zur halben Mitte ungefähr. Dann verlor ich ein wenig den eh schon geringen Überblick, wer eigentlich gerade spricht. Das Problem: Wer erzählt, steht (mehr oder weniger) in der Kapitelüberschrift, die Ich-Erzählenden werden namentlich nie genannt. Man weiß nicht: Frau oder Mann? Man weiß nur: Bürger der Sowjetunion, Inhaftierte/r der UDSSR, Mitarbeitende des CIA.

Autorin geht nie in die Tiefe

Man erfährt, wenn jemandem etwas Schlimmes widerfährt. Und auch, dass Pasternak von den Russen daran gehindert werden sollte, "Dr. Schiwago" zu schreiben und einen Verlag dafür zu finden. Während die U.S.A. unbedingt wollten, das es erscheint. Die jeweiligen Warums erfährt man nicht. Stattdessen erfährt man sehr viel über das Leben berufstätiger Stenotypistinnen, die für den CIA arbeiteten. Und manchmal auch Schlimmes. Das wird dann ausgewalzt, in zugegebenen gutem Schreibstil. Aber das Buch bleibt an der Oberfläche. Ähnlich, wie die Höflichkeit der U.S.-Amerikaner: viel Smalltalk, wenig Tiefe. Ein smalltalkendes Buch sozusagen. Das trifft es ziemlich. Ich habs gern umgekehrt oder, wenn schon seicht, dann so, dass ich mir zumindest die Erzählenden, die Umgebungen, vorstellen kann. Hier fehlt mir ziemlich viel.

Äußerliches & Umweltschädliches

Was mir überhaupt nicht gefiel: Der Verlag wickelt das gebundene Buch in einen Schutzumschlag aus transparenter Plastikfolie ein. Jeder weiß, das Plastik umweltschädlich ist. Andere Verlage, wie Ullstein z. B., finden umweltfreundliche Alternativen. Diese Folie ärgerte mich richtig.

Veröffentlicht am 22.10.2019

79 Geschichten

Der Untergang der Könige
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Ein Dieb sitzt im Kerker, bewacht von dem Gestaltwandler Klaue, und wartet auf seinen "Bruder", der ihm den Tod bringen soll. Um sich die Zeit bis dahin zu vertreiben, erzählt der Dieb seinem Bewacher ...

Ein Dieb sitzt im Kerker, bewacht von dem Gestaltwandler Klaue, und wartet auf seinen "Bruder", der ihm den Tod bringen soll. Um sich die Zeit bis dahin zu vertreiben, erzählt der Dieb seinem Bewacher seine Geschichte. Aber nicht nur das, auch der Gestaltwandler kennt den Dieb gut - weil er dessen Gedanken lesen kann. Heraus kam

Ein Buch voller Erzählungen

Die Autorin stellt sich meiner Meinung nach selbst mit ihrer Herangehensweise eine Falle. Denn die Erzählungen des Diebs sind nur nachvollziehbar durch diejenigen von Klaue, welche ungefähr ein Jahr vorher beginnen. Gesamt entstanden so neunundsiebzig Geschichten, die zwar aufeinander aufbauen, aber immer wieder rückwärts gerichtet sind und so ein wenig irritieren. Man taucht ein in eine Welt der Drachen, Elfen, Assassinen und Bruderschaften, leider aber nicht wirklich. Denn keine dieser Gestalten wird so gut beschrieben, dass man sie sich oder den Grund ihres Handelns/Wesens gut vorstellen kann. Zudem merkte ich spätestens in der Buchmitte:

Viele Gestalten verwirren

Viele Gestalten und sehr viele Namen schwirren durch diese Geschichten. Dazu sind alle der Magie fähig, viele können sich verwandeln und viele Namen sind einander ähnlich. Eine Art Übersicht gelang mir nicht. Zumindest nicht im E-book, darin sind zwar ettliche Typen, die zuerst auftreten mit einer roten Zahl für den Anhang gekennzeichnet. Aber, was nutzt das im e-book (785 Seiten stark) ständig in den Anhang zu blättern und dann wieder zurück an die Leseausgangsseite? Ab der Mitte wird die Story langweilig. Man weiß, dass der Dieb ein Sklave geworden ist und wie und warum, dass er für die Taten herhalten muss, die seine Herrschaften im auftrugen. Aber sonst?

Veröffentlicht am 04.10.2019

Zimtgebäck und Winterküsse

Zimtgebäck und Winterküsse
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Der Originaltitel lautet "The white christmas Inn" und passt richtig gut. Denn es dreht sich alles um eine eingeschneite, heimelige Pension mitten in den Bergen. Ein Schneesturm sorgt für gesperrte Straßen, ...

Der Originaltitel lautet "The white christmas Inn" und passt richtig gut. Denn es dreht sich alles um eine eingeschneite, heimelige Pension mitten in den Bergen. Ein Schneesturm sorgt für gesperrte Straßen, unerwartete Gäste und allerlei Aufregung. Statt Zimtgebäck stehen Brownies hoch im Kurs und geküsst wird nicht viel. Auch das Titelbild verschafft eine völlig falsche inhaltliche Vorstellung.

Eigentlich ist die Pension viel zu klein für die vielen unterschiedlichen Gäste. Weil eine Schriftstellerin ihre Suite mit einem fremden Mann und seinen kleinen Töchtern teilt, kommt es aber hin. Es ist weniger eine zusammenhängende Geschichte, die hier vorliegt. Es sind unterschiedliche Episoden beschrieben. Jede für sich hat durchaus etwas für sich. Einige laden zum Schmunzeln ein oder zum Kichern. Trotzdem wurde ich mit diesem Buch nicht warm. Und ich dachte darüber nach, was mir fehlte. 

Nett genügt nicht

Die Figuren sind nett beschrieben, einigermaßen gut ausgearbeitet. Aber ich wurde mit keiner so richtig warm. Keine von ihnen wird so beschrieben, dass ich sie mir oder/und ihr Handeln vorstellen konnte. Sie blieben allesamt blass. Die Kinderbuchautorin ist das erste Mal in der Pension und nimmt sofort einen Fremden in ihre Suite auf, liest seinen Kindern das neue, noch nicht erschienene Buch vor und schenkt es ihnen. Finde ich weder total süß noch glaubwürdig. Ähnlich ergeht es mir mit anderen Figuren - glücklicherweise nicht mit allen! Die Episode rund um die versetzte Braut ist knuffig, aber auch da fehlt es: an Wärme, an vertieftem Hintergrund. Keine einzige Episode ist so gut ausgearbeitet, dass es Freude bereitet sie zu lesen. Es reicht gerade so für eine annehmbare Bettlektüre vor dem Einschlafen.