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Veröffentlicht am 15.09.2016

Drei Frauen. Drei Generationen. Drei Meere.

Die Frauen vom Meer
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„Er legte ihnen die Freiheit zu Füßen, nach der sich Ilayda so lange gesehnt hatte, denn Vertrauen war nur ein anderes Wort mit derselben Bedeutung.“

Inhalt

Die drei Frauen vom Meer verbindet weit mehr ...

„Er legte ihnen die Freiheit zu Füßen, nach der sich Ilayda so lange gesehnt hatte, denn Vertrauen war nur ein anderes Wort mit derselben Bedeutung.“

Inhalt

Die drei Frauen vom Meer verbindet weit mehr als ein gemeinsamer Stammbaum und ein Leben voller Sehnsüchte und Wünsche, sie teilen sich ein Stück weit die Geschichte einer Familie, die aus ganz verschiedenen Menschen zusammengesetzt ist und ein lebendiges Gebilde bleibt, weil sie die Besonderheit und Einzigartigkeit jedes Einzelnen anerkennt und zu integrieren weiß. Während Ferah, die Großmutter sich selbst eine Familie aufbaut, die sie in ihrer Kindheit nicht hatte, möchte Elisabeth, ihre Schwiegertochter die Zwänge des türkischen Familienlebens nicht auf sich nehmen. Und Ilayda, die Enkeltochter fühlt sich in ihrem Heimatland ausgesprochen wohl, während sie in Deutschland eine Außenseiterin bleibt. Jede von ihnen besteht eigene Lebensprüfungen, jede hegt geheime Wünsche und hängt ihren Träumen nach und jede bemüht sich, für die Angehörigen einen Kompromiss einzugehen. Denn alle drei müssen feststellen, dass die Heimat, die sie sich erträumen nicht an einem einzigen Ort zu finden ist, auch nicht in einer Partnerschaft sondern einzig und allein in ihrem Herzen.

Meinung

Dieser ausgesprochen einfühlsame, emotionale Familienroman kombiniert nicht nur zwei gegensätzliche Kulturen miteinander, sondern rückt das Leben selbst in den Mittelpunkt der Erzählung. Er thematisiert dabei ganz hervorragend die Entwicklung einer Generation und auch die der nächsten und der übernächsten. Dabei sind es vor allem die Frauen, die ihre „Jungmädchenträume“ zurückstellen, die nachdem sie selbst Kinder bekommen und eine Familie gründen, auch ein anderes Weltbild gewinnen und die sich dennoch treu bleiben und sich weder von gesellschaftlichen Zwängen noch von wohlgemeinten Ratschlägen aus der Ruhe bringen lassen. Sie folgen ihrer Intuition und ihrem Herzen und gewinnen dadurch an Authentizität und Lebenskraft. Deniz Selek lässt den Leser teilhaben an den verschiedenen Rollenbildern, der Aufgabenverteilung und den Ansichten in der Türkei und geht dabei sowohl auf die besonders innigen zwischenmenschlichen Beziehungen ein, als auch auf die kritischen Aspekte eines Lebens im Schatten der Männer.

Fazit

Ich vergebe volle Punktzahl für diesen eindringlichen, sprachlich ansprechenden Familienroman, der viele wichtige Themen, wie Sehnsüchte, Hoffnungen, dass Muttersein, die tragende Rolle innerhalb der Familie, das Heimatgefühl und nicht zuletzt die Liebe zum Leben anspricht. Starke Charaktere, tolle Schauplätze und eine intensive Erzählweise verleihen diesem Roman eine hohe schriftstellerische Qualität, die ich als Leseempfehlung sehr gern an andere weitergebe. Ein Buch fürs Herz, für die Seele und für den Glauben an ein sinnerfülltes Dasein. Top!

Veröffentlicht am 15.09.2016

An den Grenzen der Liebe wartet das Leben

Worte in meiner Hand
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Helena war Magd im Hause Sergeant und trifft dort auf den Gast René Descartes. Und das verändert ihrer beider Leben ganz elementar. Es beginnt eine Liebe, die Helena und ihren „Monsieur“ über Jahre hinweg ...

Helena war Magd im Hause Sergeant und trifft dort auf den Gast René Descartes. Und das verändert ihrer beider Leben ganz elementar. Es beginnt eine Liebe, die Helena und ihren „Monsieur“ über Jahre hinweg begleitet, die viele Höhen und Tiefen durchlebt, die von Verletzungen und Zugeständnissen geprägt ist, die Früchte trägt und Staub aufwirbelt. Sie sind nicht vom gleichen gesellschaftlichen Stand, es trennen sie gut zwanzig Lebensjahre, er war ein großer Denker, Forscher und Gelehrter, sie war eine praktisch begabte, an allen Dingen interessierte junge Frau und so teilen sie eine gewisse Schnittmenge ihres Lebens auf einzigartige Art und Weise.
Das Besondere an diesem historischen Roman ist seine atmosphärische Dichte, die Reflexion ganz verschiedener Gefühle, eine Abwechslung zwischen Hoffnung, Wut, Enttäuschung und Hingabe. All das geschildert aus der weiblichen Sicht, denn die Hauptprotagonistin ist hier Helena Jans van der Strom, die den Leser an ihrer Lebensgeschichte teilhaben lässt. Die Sprache ist trotz zahlreicher französischer bzw. holländischer Begriffe gut verständlich und passt auch in unsere Zeit.
Fazit: Der Roman ist einer der Besten, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Die Geschichte hat mich einfach gepackt, die Handlung erinnert mich an so vieles, was ich selbst erlebt und gefühlt habe und verläuft oft ganz anders, als ich es mir gewünscht hätte. Empfehlenswert für alle, die gerne einen Mix aus historischem Roman, Liebesgeschichte und persönlicher Lebensgeschichte lesen und zu Gunsten der Romantik und Dramatik Abstriche machen können. Ein tolles Buch!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Noah und der alte Mann

Der Junge mit dem Herz aus Holz
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Noah Barleywater, ein achtjähriger Junge läuft eines Tages von zu Hause fort, um ein Abenteuer zu erleben aber vor allem weil er das langsame Sterben seiner Mutter nicht ertragen kann. Durch Zufall gelangt ...

Noah Barleywater, ein achtjähriger Junge läuft eines Tages von zu Hause fort, um ein Abenteuer zu erleben aber vor allem weil er das langsame Sterben seiner Mutter nicht ertragen kann. Durch Zufall gelangt er an einen alten Spielzeugladen, in dem ein ebenso alter Mann lebt und plötzlich befindet sich Noah in einer Phantasiewelt, voller Zauberei, sprechender Gegenstände und mysteriöser Begebenheiten. Noah und der alte Mann erzählen sich gegenseitig ihre Lebensgeschichten und schöpfen aus den Worten des anderen Kraft und Zuversicht für ihre Zukunft. Eine besondere Freundschaft beginnt, die den Lebensweg von Noah nachhaltig prägt …
Nicht mein erstes und mit Sicherheit nicht mein letztes Buch von John Boyne, der hier eine wunderschöne, traurig-hoffnungsvolle Geschichte erzählt. Eine märchenhafte Story die mir tolle Lesestunden geschenkt hat. Liebevoll zeichnet der Autor die beiden Hauptprotagonisten, beschreibt fast kindlich-naiv deren Charakter und ebenso ihre Handlungen, doch dahinter verbergen sich ganze Lebensgrundsätze und jahrelange Erfahrungswerte. Mühelos und leicht taucht man in die Geschichte ein, identifiziert sich mit den beiden außergewöhnlichen Helden und kann dabei eine Menge über das Leben lernen.
Besonders die Verflechtung der Gegensätze hat mich fasziniert: Jung und Alt, Trauer und Hoffnung, Abenteuerlust und Heimatverbundenheit, Einsicht und Rebellion. Niemals verläuft ein Leben ausschließlich nach Plan, niemals erfüllen sich all unsere Wünsche und doch können wir am Ende erreicht haben, was wir uns einst selbst versprachen. Tolle Worte, schöne Sprache – ein Roman fürs Herz und für die Seele.
Fazit: Menschliche Beziehungen, Zuwendung und Trost sind die Kernfragen dieses kleinen aber feinen Romans, der sich für alle Altersgruppen eignet und mich mit tränenden Augen und lächelndem Herzen zurücklässt. Absolute Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Der Feldzug eines Serienmörders

Die stille Bestie (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller 6)
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Durch bloßen Zufall gelingt es dem FBI-Team in Quantico den gemeingefährlichen Massenmörder Lucien Folter zu stellen und ihm zum Geständnis all seiner Gräueltaten zu bewegen. Mit Hilfe des Ermittlers Robert ...

Durch bloßen Zufall gelingt es dem FBI-Team in Quantico den gemeingefährlichen Massenmörder Lucien Folter zu stellen und ihm zum Geständnis all seiner Gräueltaten zu bewegen. Mit Hilfe des Ermittlers Robert Hunter, einem ehemaligen Studienfreund des Verdächtigen bekommen die Beamten alle notwendigen Informationen aus erster Hand. Doch Lucien verfolgt ein eigenes, viel größeres Ziel und macht Robert Hunter zur Marionette in einem abgekarteten Spiel. Als er schließlich ein noch lebendes Opfer erwähnt, bei dem jede weitere Stunde in Gefangenschaft den Tod bedeuten könnte, setzt Hunter alles auf eine Karte …

Chris Carter scheint ein Garant für gruselige, brutale Thriller mit einer großen Portion Nervenkitzel zu sein, wenn man den Rezensionen und Kritiken Glauben schenken darf. Deshalb habe auch ich mich an sein neuestes Werk gewagt, um den Autor kennenzulernen und ich wurde nicht enttäuscht.

Der Thriller ist wirklich top, weil er von der ersten bis zur letzten Seite eine ganz eigene spannungsgeladene Gruselatmosphäre schafft und immer nur einen Brocken neues Wissen für den Leser bereithält. Dadurch dass er fast ausschließlich aus Sicht eines Psychopathen bzw. eines persönlich betroffenen Ermittlers geschildert wird, bekommt die schockierende Handlung umso mehr Erzähltiefe und Bedeutsamkeit. Auch die Story an sich und der übergeordnete Plan des Täters, eine Art Enzyklopädie für Massenmörder zu verfassen, ziehen den Leser regelrecht ins Geschehen hinein, so dass man den Mörder hier unter vielen verschiedenen Gesichtspunkten präsentiert bekommt. Und darüber hinaus erfährt man sogar noch Dinge, die in anderen Thrillern niemals benannt werden oder einfach im Geschehen untergehen.

Bei den beschriebenen Foltermethoden und Tötungsvarianten spielt Chris Carter geschickt mit einer gewissen Härte und Brutalität, dennoch wirken die Szenarios nicht monströs abschreckend – weil man nach und nach ein immer härteres Niveau geboten bekommt und sich auf die Verschärfung der Umstände einstellen kann.

Fazit: Dieses Buch ist ein wahrer Pageturner, der durch seine Handlung besticht und auch Neuleser für Chris Carter begeistern kann. Brutal, packend und schonungslos – taucht man in das kranke Seelenleben eines Psychopathen ein, für den es nichts Schöneres gibt als das Morden. Unbedingt lesen!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Leihmutterschaft wider Willen

Das Juwel - Die Gabe
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Die 16-jährige Violet wird auf Grund ihrer Gabe so wie viele andere junge Mädchen aus dem Sumpf für ein Leben als Surrogat ausgebildet. Surrogate werden von ihren Familien isoliert und leben als zukünftige ...

Die 16-jährige Violet wird auf Grund ihrer Gabe so wie viele andere junge Mädchen aus dem Sumpf für ein Leben als Surrogat ausgebildet. Surrogate werden von ihren Familien isoliert und leben als zukünftige Leihmütter im Herzen der Insel, dem „Juwel“. Dort sollen sie für die Adligen deren Kinder austragen, weil diese selbst keine mehr bekommen können. Das Leben im „Juwel“ bietet leider nicht nur Prunk und Glamour sondern kostet in erster Linie die persönliche Freiheit. Violet sehnt sich nach zu Hause und als man ihr die Möglichkeit zur Flucht anbietet, fiebert sie dem Tag des endgültigen Entkommens entgegen. Doch ihre Liebe zu Ash, dem Angestellten des Hauses zum See lässt sie zweifeln und hoffen zugleich: Wäre ein Leben in Sicherheit möglich? Kann man die Liebe aufs Spiel setzten oder sogar versuchen sie zu retten und gemeinsam fliehen? Während Violet ihre Entscheidung trifft, überschlagen sich die Ereignisse und ihre Sicherheit gerät ins Wanken …

Der neue Jugendroman von Amy Ewing, der gleichzeitig der Auftakt einer Buchreihe ist, konnte mich auf ganzer Linie überzeugen. Besonders die bildlichen Beschreibungen des Lebens und der Menschen in dieser Dystopie sprechen mich an. Während des Lesens hat man immer das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein und gemeinsam mit der Hauptprotagonistin die kuriosesten Abenteuer zu erleben.

Vor allem die Romanidee mit der Leihmutterschaft, ihrer Bedeutung für die jungen Mädchen aber auch für die Gesellschaft im „Juwel“ hat mich überzeugt. Große Themen wie Freiheitsberaubung, Sklaverei und Unterdrückung werden nicht nur angesprochen sondern mit Leben erfüllt, weil die Handlung ganz genau erspüren lässt, welch große Mächte hier am Werk sind. Ebenso die Intrigen und teils tödlichen Ränkespiele am Palast der Fürstin und in den Adelshäusern wirken faszinierend und fremd zugleich.

Das Buch reiht sich problemlos in den Reigen anderer ähnlich strukturierter Buchreihe wie „Die Tribute von Panem“ oder „Cassia und Cy“ ein und erzählt doch eine eigenständige, höchst interessante Geschichte, so dass man das Gefühl hat wieder in einer ganz eigenen Welt gelandet zu sein. Der Schreibstil ist zeitgemäß und flüssig zu lesen, die Seiten fliegen nur so dahin und durch geschickte Wendungen und neue Beschreibungen gelingt es der Autorin, viele differenzierte Aspekte zu besprechen, viele unbekannte Eindrücke zu vermitteln und ein wundervolles großes Ganzes zu schaffen.

Fazit: Ein wunderschöner, eindringlich erzählter Jugendroman, voller Phantasie, bunter Überraschungen und trauriger Erkenntnisse. Eine besondere Geschichte, die mich mehr und mehr in ihren Bann gezogen hat und die ich voller Enthusiasmus weiterempfehlen kann. Wieder ein Lesehighlight für mich und definitiv ein Must-Read für alle Fans von Dystopien!