Sehr konstruiert
Rondo VenezianoDie Wienerin Adele ist Zahnärztin mit Leib und Seele und kümmert sich nebenher um ihre gebrechliche Mutter. Als ihre Wahltante Pauline sie aus Venedig anruft und um einen Besuch bittet, macht sie sich ...
Die Wienerin Adele ist Zahnärztin mit Leib und Seele und kümmert sich nebenher um ihre gebrechliche Mutter. Als ihre Wahltante Pauline sie aus Venedig anruft und um einen Besuch bittet, macht sie sich auf den Weg. Doch sie kommt zu spät, Pauline ist tot und der Großneffe Marlon empfängt sie in deren Palazzo. Adele kann nicht an den Unfall glauben, den Marlon ihr als Todesursache präsentiert und forscht nach. Dabei erhält sie Unterstützung von ihren ehemaligen Klassenkameradinnen Chris und Biggi, die sie zufällig bei ihrer Anreise auf einem Vaporetto getroffen hat.
Susanne Ayoub stellt die Charaktere überzeugend dar und beschreibt auch Venedig authentisch. Allerdings ist die Handlung für meinen Geschmack zu konstruiert und unglaubwürdig - Zufälle wohin man nur schaut. Dass Adele Chris und Biggi zufällig auf einem Vaporetto trifft, kann ich mir noch vorstellen, aber dass die beiden sie bei der Ermittlung unterstützen, dafür viel Zeit opfern und sich fast nur noch darum kümmern, obwohl sie sich zur Schulzeit nicht sonderlich mochten, dann wiederum nicht. Und davon gibt es noch mehr.
Wem solche Details aber unwichtig sind oder wer es damit nicht so genau nimmt und einfach nur gut unterhalten werden möchte, dem/der kann ich "Rondo Veneziano" empfehlen. Denn das gelingt Susanne Ayoub vorzüglich. Sie hat einen spannenden Krimi erdacht und schreibt sehr unterhaltsam und mitreißend. Auch das Zwischenmenschliche kommt nicht zu kurz. An manchen Stellen ist "Rondo Veneziano" fast schon ein Wohlfühlbuch - wenn da nicht ein Todesfall wäre, der Adele und allen, die Pauline gekannt haben, sehr nahegeht.