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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.05.2023

Über weite Teile unterhaltend

Die Mütter
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Clara, Jessy und Chloé werden von der Nanny Atscho erzogen. Dr. Sylvia Hofmann, Ethnologin und die Mutter der Mädchen, hat sie aus China mitgebracht, nachdem sie dort das Volk der Mosuo erforscht hat, ...

Clara, Jessy und Chloé werden von der Nanny Atscho erzogen. Dr. Sylvia Hofmann, Ethnologin und die Mutter der Mädchen, hat sie aus China mitgebracht, nachdem sie dort das Volk der Mosuo erforscht hat, dem auch Atscho angehört. Bei den Mosuo bestimmen die Frauen, es gibt keine Ehen und die Töchter leben dauerhaft zusammen. Diese matriarchalische Lebensweise hat Atscho geprägt, kein Wunder, dass sie sie wie selbstverständlich an ihre drei Schützlinge weitergibt. So bekommen sie sechs Kinder, ohne mit den Vätern eine enge Beziehung einzugehen und bleiben als "Die Mütter" zusammen.

Stefan Györke erzählt seine gut recherchierte Geschichte sehr unterhaltsam und gibt Einblick in einen für uns Europäer völlig fremden Lebensentwurf. Er wechselt zwischen dem Ich-Erzähler Anton, Jessys Sohn, und einer neutralen Erzählperspektive. Die Protagonisten sind detailreich herausgearbeitet und sogar Kater Ikarus wird eine größer Rolle beigemessen und ist Ursache manch witziger Situation.

Die ungewöhnliche Lebensform der Mütter macht es deren Kinder nicht immer leicht, führt sie doch zu ungewöhnlichen Situationen. An mancher Stelle ist die Geschichte etwas verwirrend, da die Mütter die Kinder gemeinsam aufziehen und man sich als Leser merken muss, wer wessen Kind ist. Stefan Györke konnte mich über weite Teile gut unterhalten, allerdings gelang ihm dies dem Ende zu immer weniger. Es entstand ein Bruch, der zwar ein nachvollziehbares Ende nach sich zog, das aber insgesamt für mich nicht stimmig war.

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Veröffentlicht am 02.05.2023

Sympathischer Mann

Glück im Unglück
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Constantin Schreiber kenne ich selbstverständlich aus der Tagesschau. Als Journalist und Tagesschau-Sprecher ist es seine tägliche Aufgabe, schlechte Nachrichten zu verbreiten. Er hat einen Weg gefunden, ...

Constantin Schreiber kenne ich selbstverständlich aus der Tagesschau. Als Journalist und Tagesschau-Sprecher ist es seine tägliche Aufgabe, schlechte Nachrichten zu verbreiten. Er hat einen Weg gefunden, trotzdem optimistisch zu bleiben. Was ist sein Geheimnis? Genau davon handelt sein Buch "Glück im Unglück".

Ich bin etwas hin und her gerissen, das Buch ist sehr leicht und flüssig zu lesen, allerdings hatte ich mir etwas mehr versprochen. Klavierspielen oder politischen Gesprächen aus dem Weg zu gehen, sind bestimmt gute Strategien, genauso wie reisen, aber sind das nicht eigentlich auch Allgemeinplätze? Etwas zu tun, was einem Spaß macht und etwas nicht zu tun, was die Laune verdirbt? Aber vielleicht ist es ja genau so einfach, vielleicht vergisst man das einfach zu leicht und das Glück liegt so nah.

"Glück im Unglück" zeigt den Menschen Constantin hinter dem Nachrichtensprecher Schreiber - ein sympathischer Mann, der trotz seiner Bekanntheit auf dem Boden geblieben ist und seine Leserinnen und Leser gerne an seinen Versuchen und Erfahrungen bei der Suche nach dem Glück teilhaben lässt.

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Veröffentlicht am 23.02.2023

Sehr konstruiert

Rondo Veneziano
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Die Wienerin Adele ist Zahnärztin mit Leib und Seele und kümmert sich nebenher um ihre gebrechliche Mutter. Als ihre Wahltante Pauline sie aus Venedig anruft und um einen Besuch bittet, macht sie sich ...

Die Wienerin Adele ist Zahnärztin mit Leib und Seele und kümmert sich nebenher um ihre gebrechliche Mutter. Als ihre Wahltante Pauline sie aus Venedig anruft und um einen Besuch bittet, macht sie sich auf den Weg. Doch sie kommt zu spät, Pauline ist tot und der Großneffe Marlon empfängt sie in deren Palazzo. Adele kann nicht an den Unfall glauben, den Marlon ihr als Todesursache präsentiert und forscht nach. Dabei erhält sie Unterstützung von ihren ehemaligen Klassenkameradinnen Chris und Biggi, die sie zufällig bei ihrer Anreise auf einem Vaporetto getroffen hat.

Susanne Ayoub stellt die Charaktere überzeugend dar und beschreibt auch Venedig authentisch. Allerdings ist die Handlung für meinen Geschmack zu konstruiert und unglaubwürdig - Zufälle wohin man nur schaut. Dass Adele Chris und Biggi zufällig auf einem Vaporetto trifft, kann ich mir noch vorstellen, aber dass die beiden sie bei der Ermittlung unterstützen, dafür viel Zeit opfern und sich fast nur noch darum kümmern, obwohl sie sich zur Schulzeit nicht sonderlich mochten, dann wiederum nicht. Und davon gibt es noch mehr.

Wem solche Details aber unwichtig sind oder wer es damit nicht so genau nimmt und einfach nur gut unterhalten werden möchte, dem/der kann ich "Rondo Veneziano" empfehlen. Denn das gelingt Susanne Ayoub vorzüglich. Sie hat einen spannenden Krimi erdacht und schreibt sehr unterhaltsam und mitreißend. Auch das Zwischenmenschliche kommt nicht zu kurz. An manchen Stellen ist "Rondo Veneziano" fast schon ein Wohlfühlbuch - wenn da nicht ein Todesfall wäre, der Adele und allen, die Pauline gekannt haben, sehr nahegeht.

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Veröffentlicht am 28.10.2022

Kein Roman für zwischendurch

Maria malt
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Maria wird 1919 in Österreich geboren und wächst zunächst bei der Großmutter, später bei der Mutter und deren neuem Partner auf. Sie ist schon sehr früh auf sich alleine gestellt und entdeckt ihre Liebe ...

Maria wird 1919 in Österreich geboren und wächst zunächst bei der Großmutter, später bei der Mutter und deren neuem Partner auf. Sie ist schon sehr früh auf sich alleine gestellt und entdeckt ihre Liebe zur Malerei. Sie hat zeitlebens das Gefühl, nicht geliebt zu werden und wechselt von Mann zu Mann. Ihr ganzes Leben ist unstet.

Maria Lassnig kannte ich vorher nicht. Ich war aber neugierig auf eine Frau, die zu einer Zeit, in der eigentlich nur Männern alles offenstand ihren Platz in der Kunst fand.

Kirstin Breitenfellner widmet sich ihrer Protagonistin ausführlich und zeichnet ein eindrückliches Bild von ihr. Maria Lassnig ist eine interessante Frau und die Motive ihrer Bilder sowie ihr Malstil sind sicher in ihren Lebensumständen begründet.

"Maria malt" ist kein Roman für zwischendurch oder einen entspannenden Abend nach einem harten Arbeitstag. Es fällt mir schwer, den richtigen Zugang zu finden. An mancher Stelle finde ich die Geschichte langatmig, aber irgendwie hat sie mich doch gefesselt - und lässt mich letztendlich zwiegespalten zurück.

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Veröffentlicht am 17.10.2022

Grandiose Idee, aber schwache Umsetzung

Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit
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Ich mag Zeitreisegeschichten und um solch eine handelt es sich bei Natasha Pulleys "Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit".

Joe Tournier steigt 1898 am Bahnhof Gare du Roi in Londres aus dem Zug aus ...

Ich mag Zeitreisegeschichten und um solch eine handelt es sich bei Natasha Pulleys "Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit".

Joe Tournier steigt 1898 am Bahnhof Gare du Roi in Londres aus dem Zug aus und weiß erstmal nicht, wer er ist und woher er kommt. Eine Postkarte aus der Vergangenheit gibt ihm einen Hinweis und er macht sich auf die Suche nach der vermeintlichen Absenderin.

Wie würde ein England unter französischer Herrschaft aussehen? Welche Konsequenzen hätte dies für die Menschen? Diese Fragen beantwortet die Autorin in einer Geschichte, die sehr schnell Fahrt aufnimmt und richtig Spaß zu lesen macht. Wie sie Vergangenheit, Gegenwart und Joes Schicksal verwebt, finde ich grandios einfallsreich. Nach einer Weile kippt das Ganze aber und die Figuren und die Handlung sind nur noch verwirrend und anstrengend zu verfolgen. Besonders die Beschreibung der Seeschlachten ist mir zu ausführlich und hätte deutlich knapper gehalten werden können.

Schade, die Idee hat großes Potential, die Umsetzung bleibt deutlich hinter den Möglichkeiten zurück.

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