Über weite Teile unterhaltend
Die MütterClara, Jessy und Chloé werden von der Nanny Atscho erzogen. Dr. Sylvia Hofmann, Ethnologin und die Mutter der Mädchen, hat sie aus China mitgebracht, nachdem sie dort das Volk der Mosuo erforscht hat, ...
Clara, Jessy und Chloé werden von der Nanny Atscho erzogen. Dr. Sylvia Hofmann, Ethnologin und die Mutter der Mädchen, hat sie aus China mitgebracht, nachdem sie dort das Volk der Mosuo erforscht hat, dem auch Atscho angehört. Bei den Mosuo bestimmen die Frauen, es gibt keine Ehen und die Töchter leben dauerhaft zusammen. Diese matriarchalische Lebensweise hat Atscho geprägt, kein Wunder, dass sie sie wie selbstverständlich an ihre drei Schützlinge weitergibt. So bekommen sie sechs Kinder, ohne mit den Vätern eine enge Beziehung einzugehen und bleiben als "Die Mütter" zusammen.
Stefan Györke erzählt seine gut recherchierte Geschichte sehr unterhaltsam und gibt Einblick in einen für uns Europäer völlig fremden Lebensentwurf. Er wechselt zwischen dem Ich-Erzähler Anton, Jessys Sohn, und einer neutralen Erzählperspektive. Die Protagonisten sind detailreich herausgearbeitet und sogar Kater Ikarus wird eine größer Rolle beigemessen und ist Ursache manch witziger Situation.
Die ungewöhnliche Lebensform der Mütter macht es deren Kinder nicht immer leicht, führt sie doch zu ungewöhnlichen Situationen. An mancher Stelle ist die Geschichte etwas verwirrend, da die Mütter die Kinder gemeinsam aufziehen und man sich als Leser merken muss, wer wessen Kind ist. Stefan Györke konnte mich über weite Teile gut unterhalten, allerdings gelang ihm dies dem Ende zu immer weniger. Es entstand ein Bruch, der zwar ein nachvollziehbares Ende nach sich zog, das aber insgesamt für mich nicht stimmig war.