Schon das Cover ist ansprechend gestaltet und übt einen Sog aus. Der Klappentext ist spannend und man möchte daraufhin sofort in die Geschichte eintauchen.
Allerdings hat man hier meiner Meinung nach ...
Schon das Cover ist ansprechend gestaltet und übt einen Sog aus. Der Klappentext ist spannend und man möchte daraufhin sofort in die Geschichte eintauchen.
Allerdings hat man hier meiner Meinung nach eine Triggerwarnung vergessen. Die Ermittlerin litt unter Psychosen und muss deshalb Tabletten nehmen. Ich finde darauf hätte man als Warnung für Betroffene hinweisen müssen!
Ansonsten liest sich der Thriller ganz gut. Der Schreibstil ist meist flüssig, stockt nur manchmal. Es wird sehr gut auf die Gefahren von Social Media eingegangen. So liest man zwischendurch nicht nur Kommentare aus einem MamaForum, sondern auch welche aus einem Pädophilen-Forum im DarkNet. Das Buch weiß dadurch auf jeden Fall zum Nachdenken anzuregen.
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, wenn auch nicht durchweg sympathisch. Alles in allem ist das Buch mehr Drama, als Thriller.
Verstörend. Beklemmend. Und ganz sicher nicht das feministische Werk, als das es aktuell vermarktet wird.
"Ich, die ich Männer nicht kannte" von Jacqueline Harpman wird derzeit unter dem Label ...
Verstörend. Beklemmend. Und ganz sicher nicht das feministische Werk, als das es aktuell vermarktet wird.
"Ich, die ich Männer nicht kannte" von Jacqueline Harpman wird derzeit unter dem Label feministische Literatur präsentiert. Genau dieses Marketing halte ich für fragwürdig. Frauen, die patriarchalen Strukturen nachzutrauern scheinen, kaum Eigeninitiative entwickeln und selten so etwas wie Lebensfreude entfalten, mit dem Begriff Feminismus zu verbinden, empfinde ich als problematisches Narrativ. Es ist kein positiver Spiegel für das aktuelle Weltgeschehen und keine kraftvolle Fortschreibung feministischer Diskurse.
Vierzig Frauen leben eingesperrt in einer Zelle. Viele hängen gedanklich der alten Welt und den Männern nach. Sie wirken nicht wie Figuren, die sich aus alten Mustern befreien, sondern wie aus ihnen herausgerissen und orientierungslos zurückgelassen. Gelernt wird das Überleben. Nicht das Leben.
Ich bin mit starken weiblichen Figuren wie in Buffy the Vampire Slayer oder Charmed aufgewachsen. Kämpferinnen, die trotz Dunkelheit Hoffnung verkörpern. Andere Genres, ja. Allerdings auch aus den 90ern wie dieses Werk. Diese hoffnungsvolle Energie fehlt hier fast vollständig. Die einzige Figur mit erkennbarem Erkenntnisdrang ist die namenlose Erzählerin, die Kleine. Sie kennt keine Männer, stellt Fragen, sucht Sinn und findet vor allem Leere.
Als philosophischer Endzeitroman entfaltet das Buch hingegen eine enorme Wucht. Es geht weniger um Geschlechter als um Identität. Weniger um Befreiung als um Existenz. Was bleibt vom Menschen ohne Kultur, ohne Geschichte, ohne Verbindung? Welche Bedeutung haben Identität, Fantasie und Gefühl, wenn es keine Gesellschaft mehr gibt, die sie spiegelt?
Wir begleiten eine Frau von der Jugend bis ins hohe Alter. Der titelgebende Satz fällt im Text. Am Ende drängte sich mir jedoch ein anderer Gedanke auf: „Ich, die ich mich nicht kannte.“
Äußerlich passiert wenig. Innerlich passiert alles. Der Roman ist dicht, schwer und frei von Trost. Selbst ruhige Passagen tragen einen dunklen Schatten. Ich musste das Buch mehrfach zur Seite legen, weil es keine Atempause zulässt.
Hinzu kommen logische Brüche, die entweder bewusst gesetzte Leerstellen sind oder erzählerische Schwächen. Wie ein schwarzes Loch, das Leser*innen komplett einsaugt und ähnlich wie die Protagonistin taumelnd und fragend zurück lässt.
Mein Fazit:
Als philosophisches Gedankenexperiment stark. Dafür hätte ich 4-5 Sterne vergeben.
Als feministische Lektüre sehr fragwürdig. 1-2 Sterne. Gerade weil das aktuelle Marketing Erwartungen weckt, die der Text nicht einlöst, vergebe ich 3 Sterne.
Ein Roman, der Diskussionen auslösen wird. Aber keiner, den ich bedenkenlos empfehle. Wer Hoffnung sucht, wird sie hier kaum finden. Wer sich auf existenzielle Leere einlassen möchte, wird lange darüber nachdenken.
Die Ideen des Romans sind interessant, doch die Umsetzung zieht sich stellenweise sehr in die Länge. Man merkt deutlich, dass es sich um einen Debütroman handelt. Vieles wirkt gewollt, manches ...
Die Ideen des Romans sind interessant, doch die Umsetzung zieht sich stellenweise sehr in die Länge. Man merkt deutlich, dass es sich um einen Debütroman handelt. Vieles wirkt gewollt, manches dadurch überfrachtet oder zu stark ausgeschmückt, sodass unterwegs immer wieder Spannung verloren geht. Zudem hatte ich mir inhaltlich etwas anderes erhofft, insbesondere einen stärkeren Fokus auf Geister statt auf Krieg. Im Zentrum steht Nizzara, die für ihren tyrannischen Vater die kalte und beherrschte Kriegerin spielt, innerlich jedoch barmherzig ist und dem eisernen Palast nur zu gerne entfliehen würde. Dagen, ein sogenannter Deathwalker, soll ihre reine Seele stehlen, um selbst frei zu werden. Daraufhin beobachtet er sie zunächst lange, beginnt mit ihr zu sprechen, und so verläuft ihre erste Begegnung eher sanft als dramatisch.
Allgemein wird man wie durch einen Strudel aus kleineren und größeren Ereignissen in eine Welt gezogen, in der Vertrauen Mangelware ist. Der Fokus liegt stark auf dem bloßen Erhalt der eigenen Person, denn jeder falsche Schritt kann buchstäblich den Kopf kosten. Zuneigung zeigt sich in kleinen Momenten und vermehrt durch Gesten. Das gefiel. Die langsame Annäherung der Figuren und der Umstand, dass die Beziehung nicht sofort von null auf Liebe springt, haben mir ebenfalls gefallen. Dennoch empfand ich Daggen und Nizarra als Hauptfiguren nicht als interessant genug, um dauerhaft zu fesseln.
Das Buch weist einige deutliche Längen auf, und dranzubleiben wurde stellenweise fast zu einer Ausdauerprobe. Zwar wird man zwischendurch belohnt, doch es dauert zu lange, bis die Handlung eine Dynamik entwickelt, die einen wirklich nicht mehr loslässt. Meistens fiel es mir leicht, das Buch zur Seite zu legen, ohne groß weiter darüber nachzudenken. Was bei mir eher selten vorkommt.
Sprachlich ist der Roman gut geschrieben, emotional gepackt hat er mich jedoch nicht. Worldbuilding und Magiesystem sind zwar durchdacht, trafen in den Details aber schlicht nicht meinen Geschmack. Das betrifft sowohl die Beschreibungen als auch die Art, wie die Magie eingesetzt wird. Jeder scheint eine sogenannte Vessel zu besitzen, an die Geister gebunden und im Kampf genutzt werden, wobei sich die Magie häufig in Form von energetischen Kugeln äußert. Auch Nizarras persönlicher Konflikt konnte mich nicht vollständig überzeugen. Sie soll auf Befehl ihres Vaters heiraten, will das jedoch nicht und sehnt sich nach Freiheit. Obwohl sie weiß, was sie nicht will und auch dafür kämpft, bleibt sie ihrem Vater gegenüber oft sehr passiv. Das ist angesichts seines unberechenbaren Charakters nachvollziehbar, dennoch fehlte mir eine klarere Positionierung und Entwicklung ihrer Figur.
Insgesamt bin ich sehr unsicher, ob ich den zweiten Teil lesen werde. Zeitweise hatte ich beim Lesen kaum Freude und fühlte mich eher, als müsste ich mich durchkämpfen. Dabei sind einige gute Ideen vorhanden, für meinen persönlichen Geschmack jedoch nicht stimmig umgesetzt.
Am Anfang der Geschichte lernen wir Lai Fang kennen, die Teile ihrer Erinnerung verloren hat, sich jedoch noch an ihren Vater erinnert. Ihre Suche nach ihm bleibt zunächst ergebnislos. Schließlich nimmt ...
Am Anfang der Geschichte lernen wir Lai Fang kennen, die Teile ihrer Erinnerung verloren hat, sich jedoch noch an ihren Vater erinnert. Ihre Suche nach ihm bleibt zunächst ergebnislos. Schließlich nimmt sie die Hilfe von Suresh in Anspruch, den sie über Online-Dating kennenlernt. Ab diesem Punkt wird es schwierig, ihre Beziehung spoilerfrei wiederzugeben, weshalb ich in der Handlung etwas vorspringe.
Der angekündigte Fantasyanteil entfaltet sich vor allem in der zweiten Hälfte des Romans. Um der Überbevölkerung der Welt entgegenzuwirken, haben die Chinesen einen Weg gefunden, sogenannte Traumstädte zu errichten und dort zu leben. In diesem Kontext stößt Lai schließlich auf eine heiße Spur, die sie ihrem Vater näherbringt.
Das Buch liest sich sehr schnell weg – die rund 200 Seiten hatte ich innerhalb eines Tages durch. Damit sind wir auch direkt bei den Stärken des Romans: Diese liegen eindeutig in seinen Ideen. Der entworfene fantasievolle Teil ist innovativ, spannend und eng mit politischen sowie gesellschaftlichen Problematiken verknüpft. Vieles wird durch eine Mischung aus Fantasie und Wissenschaft erklärt, was dem Worldbuilding eine gewisse Plastizität verleiht. Allerdings wird dieser Ansatz nicht konsequent durchgehalten.
Den Mittelteil habe ich als stimmig empfunden. Zum Ende hin wirkt die Handlung jedoch übereilt: Viele Aspekte werden nicht ausreichend erklärt oder zufriedenstellend zu Ende geführt. Es bleiben mehr Fragen als Antworten. Das kann zwar ein bewusstes Stilmittel sein, um zum eigenständigen Nachdenken anzuregen, geht hier jedoch leider auf Kosten von Story und Kontinuität.
Auch der Einstieg wirkt überhastet. Die Entwicklung der Beziehung zwischen Lai und Suresh erschien mir bereits auf den ersten Seiten fragwürdig. Ein ausführlicherer Beginn, der beide Figuren facettenreicher darstellt, hätte eine stärkere emotionale Bindung ermöglichen können. So bleibt beispielsweise unklar, warum Lai Drogen von Suresh annimmt, obwohl sie ihn kaum kennt. Die Beziehung wirkt wie eine flüchtige Bekanntschaft, der sie plötzlich vollkommen vertraut.
Insgesamt ist es eine Geschichte mit wirklich starken Ideen und großem Potenzial, dessen Umsetzung jedoch nicht durchgehend überzeugt. Weitere 100 bis 150 Seiten hätten der Story gutgetan und ihr mehr Tiefe, Details und erzählerische Ruhe verleihen können.
Der Roman ist gut zu lesen, wird seinem Thema jedoch nicht immer gerecht. Um zunächst irreführende Vermutungen zu entkräften, die durch Cover und Klappentext entstehen könnten: Hazel sagt Nein behandelt ...
Der Roman ist gut zu lesen, wird seinem Thema jedoch nicht immer gerecht. Um zunächst irreführende Vermutungen zu entkräften, die durch Cover und Klappentext entstehen könnten: Hazel sagt Nein behandelt sexuellen Missbrauch oder Gewalt nicht explizit. Auch der Machtmissbrauch des Schulleiters wird nicht bis ins Detail ausgearbeitet.
Worum geht es also stattdessen? Am ehesten lässt sich der Roman als eine ernstere, reifere Version von Gilmore Girls beschreiben. Im Mittelpunkt steht der Umzug der Familie Bloom aus der schillernden Großstadt in eine amerikanische Kleinstadt. Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive aller Familienmitglieder: der 18-jährigen Hazel, ihres 11-jährigen Bruders Wolf sowie der Eltern Claire und Gus. Letztere bleiben jedoch in Charakterzeichnung und Handlung auffallend blass. Ihre Passivität wirkt stellenweise überzeichnet, sodass man sie eher als Nebenfiguren hätte einsetzen können, um den Kindern mehr Raum zu geben.
Der Roman beginnt sehr stark, verliert jedoch in der Mitte an Spannung und kippt beinahe in eine märchenhafte Fügung. Hazel kommt insgesamt zu gut davon. Das kann Leser*innen Mut machen, selbst den Mund aufzumachen, blendet jedoch die Realität vieler Betroffener aus. Häufig fügt sich das Leben nach einem solchen „Nein“ eben nicht zum Guten, sondern entwickelt eine zerstörerische Dynamik. Diese Realität bleibt im Roman weitgehend unberührt.
Zwar überzeugt das Buch mit einigen gelungenen Dialogen und einer kritischen Auseinandersetzung mit Image, Wahrheit und öffentlicher Wahrnehmung. Der Schulleiter selbst verkommt jedoch zur Randfigur. Das kann man als bewusste Entscheidung verstehen, Tätern keine Bühne zu geben. Literarisch funktioniert dieser Ansatz jedoch nur bedingt, denn für Betroffene bleibt der Täter meist lange alles andere als eine Nebenfigur.
Ein weiterer Punkt, der das Lesen stellenweise schwierig machen kann, betrifft die Darstellung von Neurodivergenz. Wolf wird als Kind mit ADHS eingeführt, jedoch häufig lediglich als nervig oder anstrengend beschrieben, ohne dass dies im Text wirklich eingeordnet oder erklärt wird. Gerade für neurodivergente Leser/innen kann das schmerzhaft sein, da es ein sehr reales Erleben widerspiegelt: als störend oder seltsam wahrgenommen zu werden, ohne dass jemand die Hintergründe benennt oder vermittelt. Diese Perspektive bleibt im Roman leider unreflektiert und reproduziert damit genau jene Sprachlosigkeit, die viele ND-Menschen aus ihrem Alltag kennen.
Als Roman über sexuellen Missbrauch überzeugt Hazel sagt Nein daher nur eingeschränkt. Als Kleinstadtgeschichte über eine junge Frau, die trotz Zweifel und Verletzlichkeit für sich und ihren Standpunkt einsteht, funktioniert das Buch deutlich besser. Mit einem anderen Ausgangspunkt wäre die Geschichte für mich runder gewesen: kein Schulleiter, sondern etwa dessen Sohn, der glaubt, aufgrund von Beliebtheit und sozialer Stellung jedes „Nein“ übergehen zu können. Auch hier hätte Hazels Ablehnung Gewicht gehabt, ohne sexuellen Missbrauch zum zentralen Thema zu machen. Machtmissbrauch, Gerüchte, Image und Feminismus hätten ebenso verhandelt werden können, und der restliche Roman hätte mit kleinen Anpassungen hervorragend gepasst.
Denn letztlich erzählt das Buch von einer jungen Frau mit dem Wunsch, Schriftstellerin zu werden, die lernt, zu ihrem „Nein“ zu stehen und trotz Widrigkeiten ihren eigenen Weg zu gehen. Die Perspektiven der übrigen Familienmitglieder ergänzen dies durch kleinere und größere Alltagskonflikte. Insgesamt ist Hazel sagt Nein ein Roman der leisen Töne, der sich ein zu schweres Thema gewählt hat, dem er nicht vollständig gerecht wird. Wer darüber hinwegsehen kann, erhält eine gesellschaftskritische Kleinstadtgeschichte, die jedoch stellenweise zu sehr auf amerikanisierte, glückliche Fügungen setzt.