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Veröffentlicht am 10.10.2022

Geschichte über Liebe und Krieg, Geheimnisse, Lügen, Verrat und Vergebung, die dramatisch und einnehmend geschildert ist, jedoch an mancher Stelle dramaturgisch übertrieben wirkt und insgesamt zu oberflächlich bleibt.

Élises Geheimnis
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1944 ist Paris von den Deutschen besetzt, doch die Alliierten sind zur Befreiung bereits auf dem Vormarsch. Élise Chevalier lebt dort zusammen mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester Isabelle, während ...

1944 ist Paris von den Deutschen besetzt, doch die Alliierten sind zur Befreiung bereits auf dem Vormarsch. Élise Chevalier lebt dort zusammen mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester Isabelle, während ihr Vater als Zwangsarbeiter in Deutschland ist. Élise arbeitet bei einer Bank und kümmert sich in ihrer Freizeit um jüdische Kinder in einem Waisenhaus. Heimlich sorgt sie dafür, dass einige von ihnen über die Grenze in die Schweiz gebracht werden, um sie vor deutscher "Umsiedlung" zu retten.

Sebastian Kleinhaus ist als Soldat der Wehrmacht in Paris stationiert und arbeitet als Sohn einer französischen Mutter als Übersetzer, kann sich mit seiner Rolle als "boche" jedoch nicht abfinden. Durch die Übersetzung sogenannter Denunziantenbriefe erfährt er, dass das Waisenhaus argwöhnisch beobachtet wird. In einer Buchhandlung, wo Sebastian in seiner Einsamkeit Zuflucht findet, lernt er Élise kennen. Nach anfänglicher Abneigung Élises, die eine nachvollziehbare Wut auf die feindlichen Besatzer hat, verlieben sich die beiden ineinander. Doch ihre Liebe darf nicht sein und bringt sie in Gefahr. Sie werden verraten und getrennt und leben Jahre in der Ungewissheit, was aus dem jeweils anderen geworden ist.

Erst als Élises Tochter Joséphine im Jahr 1963 herausfindet, wer ihr Vater ist, macht sie sich ihrer Identität beraubt auf die Suche und deckt einen verzweifelten Verrat auf, der ihre Leben veränderte.

"Élises Geheimnis" ist ein historischer Roman, der auf zwei Zeitebenen handelt und wechselnd aus den Perspektiven von Élise, Sebastian und Joséphine geschildert ist. Es ist eine Liebes- und Familiengeschichte, die sich dem Leser peu à peu in ihrer Dramatik offenbart.

Die Zeit des Zweiten Weltkrieges und unmittelbar danach ist anschaulich geschildert. Die Situation im von deutschen Soldaten besetzten Paris ist angespannt und von gegenseitiger Abneigung geprägt. Mutige Franzosen leisten Widerstand, die Mehrheit passt sich schicksalsergeben den Umständen an, andere kollaborieren mit den Deutschen. Scham, Wut und der Wunsch nach Vergeltung ist allgegenwärtig, insbesondere als sich das Blatt wendet und Paris befreit ist.

Mit allen drei Gefühlsregungen müssen Élise und Sebastian umgehen, die von Freiheit und Zweisamkeit träumen. Die Entwicklung ihrer Liebesbeziehung ist allerdings sehr verkürzt und übereilt geschildert und bewegt deshalb nicht so sehr, wie es aufgrund der Situation möglich gewesen wäre. Auch so manche Verhaltensweise der Charaktere wirkt aufgesetzt und wenig authentisch. Wesentliche Handlungen, die sich im Nachhinein offenbaren, erscheinen in Teilen wirklichkeitsfremd. So ist die Geschichte, die durch den Krieg bereits von Gewalt und Leid geprägt ist, von enormer Dramatik gekennzeichnet.

Der Erzählstrang im Jahr 1963 enthüllt schmerzhafte Wahrheiten, ist jedoch im Vergleich zu den Kriegs- und Nachkriegsjahren leicht geschildert, denn die verheerenden Tatsachen werden fast wie von selbst offenbart und fehlende Puzzlestücke nach all den Jahren mühelos zusammengesetzt.

Durch den Wechsel der Zeitebenen, Schauplätze und Perspektiven sowie spannender Wendungen ist der Roman abwechslungsreich und kurzweilig. Zu viele Schicksalsschläge, die die Geschichte überfrachten, verhindern jedoch eine tiefergehende Problembewältigung und Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Es ist eine Geschichte über Liebe und Krieg, Geheimnisse, Lügen, Verrat und Vergebung, die dramatisch und einnehmend geschildert ist, jedoch an mancher Stelle dramaturgisch übertrieben wirkt, zu oberflächlich bleibt und mir deshalb weniger gut gefallen hat als "Ein neuer Morgen für Samuel".

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  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Atmosphäre
  • Cover
Veröffentlicht am 29.09.2022

Ein Wiedersehen mit den Wunderfrauen mit Rückblenden in die Vergangenheit ohne wesentlichen Handlungsstrang in der Gegenwart. Nette Ergänzung, aber kein notweniger Abschluss der Trilogie.

Die Wunderfrauen
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Es ist Heiligabend am Brandstetter Hof, als die letzten Gäste der Pension überraschend vorzeitig abreisen und Luise doch noch wie gewünscht Weihnachten allein mit ihren drei Freundinnen Helga, Annabel ...

Es ist Heiligabend am Brandstetter Hof, als die letzten Gäste der Pension überraschend vorzeitig abreisen und Luise doch noch wie gewünscht Weihnachten allein mit ihren drei Freundinnen Helga, Annabel und Schwägerin Marie verbringen kann. Einziger Wehmutstropfen ist der Streit mit ihrer Tochter Josie, der ihr zu schaffen macht und dass sie Weihnachten nicht mit Kindern und Enkeln verbringen kann.
Doch ganz so ruhig wie gedacht wird das Weihnachtsfest dann doch nicht. Annabel stellt erneut ihr detektivisches Geschick unter Beweis und Helga hat eine bedrückende Ankündigung zu machen. Während der letzten Vorbereitungen schwelgen die Freundinnen in Erinnerungen an prägende, schöne und schmerzhafte Ereignisse in ihren Leben.

Der Roman wird wie die drei Vorgängerromane aus wechselnden Perspektiven geschildert, wobei die Sicht der vier Wunderfrauen durch Luises Tochter Josie ergänzt wird.
Das Buch steht nicht für sich allein. Das Vorwissen aus der Trilogie ist zum Verständnis essentiell.
Die vier Freundinnen sind Ende 1991 zwischen 59 und 71 Jahren alt und haben gemeinsam viel erlebt. An Weihnachten kommen sie endlich wieder zusammen, nachdem Annabel im entfernten Münster wohnt und Kinder und Enkel ausgeflogen sind. Gemeinsam sowie jede für sich blicken sie zurück und schwelgen in Erinnerungen. Diese ergänzen die Erzählungen der Bände 1 bis 3, führen aber zu keinen neuen Erkenntnissen. Die Erinnerungen der einzelnen stehen für sich und haben keinen zeitlichen oder inhaltlichen Zusammenhang. Auch ein Bezug zur Gegenwart im Jahr 1991 ist nicht immer vorhanden.

Der vierte Band ist ein Wiedersehen mit den Wunderfrauen, wobei die Vergangenheit die Gegenwart überlagert, so dass man bis auf die Feier von Freundschaft und Weihnachten einen eigenen Handlungsstrang vermisst.
Die Geschichte hat aufgrund der lebendig und authentisch gezeichneten Charaktere, die man ein Leben lang begleitet, ihren Charme, ist jedoch zu inhaltsleer und bietet keinen Mehrwert für die Trilogie, was schade ist. So liest man ein Sammelsurium an Anekdoten, was den Beigeschmack hat, die Erfolgsserie nur künstlich auszudehnen.

Dennoch kehrte ich gerne ins bayerische Leutstetten zurück und mochte auch den Zeitgeist der 1990er, der durch Musik und Technik der damaligen Zeit lebhaft eingefangen wurde. Darüber hinaus bleibt die Autorin mit Luises Kochelkachelbuch einem Stilmittel der Vorgängerbände treu, so dass Rezepte und Weisheiten von Luise ergänzend einfließen und dem Buch ein Stück Nostalgie einhauchen.
Band 4 ist für mich kein Abschluss einer Buchreihe, sondern (nur) die Ergänzung einer Trilogie.

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.09.2022

Lebensbejahender Roman über drei Generationen von Frauen und die individuelle Suche nach Glück - inspirierend, aber kitschig und in Bezug auf die Probleme der Frauen zu simpel gestrickt.

Für immer in deinem Herzen
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Als Arden und ihre Tochter Lauren von ihrer Mutter bzw. Großmutter Lolly einen Armbandanhänger und einen Brief erhalten, in dem sie um einen Besuch bittet, machen sich die beiden Sorgen, um die inzwischen ...

Als Arden und ihre Tochter Lauren von ihrer Mutter bzw. Großmutter Lolly einen Armbandanhänger und einen Brief erhalten, in dem sie um einen Besuch bittet, machen sich die beiden Sorgen, um die inzwischen 70-jährige, allein lebende Frau und besuchen sie anlässlich des Memorial Days in Scoop, einer Kleinstadt am Michigansee.
Arden ist geschieden und reibt sich an ihrem Beruf als Journalistin für eine Celebrity-Zeitschrift in Chicago auf, für den sie das literarische Schreiben aufgegeben hat. Lauren studiert ihrer Mutter zuliebe Betriebswirtschaftslehre, würde jedoch viel lieber als Künstlerin arbeiten.
Lolly ist eine lebenslustige ältere Dame, die selbst schon viel Leid ertragen musste, aber schon immer an das Gute geglaubt hatte. Sie leidet unter den ersten Anzeichen von Demenz, möchte Arden und Lauren aber noch so viel vermitteln, um deren Lebensglück ein wenig auf die Sprünge zu verhelfen. Mit Hilfe ihres Bettelarmbandes, das sie als kleines Mädchen von ihrer Mutter geerbt hat und an dem inzwischen zahlreiche, symbolträchtige Anhänger klimpern, erzählt sie Episoden aus ihrem Leben - Geschichten über Freundschaft und Liebe, Freude, Glaube und Hoffnung.
Das Buch handelt im Frühsommer am Lake Michigan, als drei Generationen von Frauen nach Jahren der Distanz wieder zusammenkommen. Mutter Lolly und Tochter Arden sind dabei in ihren Persönlichkeiten verschieden, während Lauren ihrer Großmutter ähnelt. Lolly ist extrovertiert und sprüht trotz ihres Lebensalters und der Sorge um ihre Vergesslichkeit vor Esprit und Lebensfreude. Sie trägt eine Perücke, kleidet sich bunt und ist im Ort als singende Dolly in einem Süßwarengeschäft eine kleine Attraktion. Diese Lebensfreude möchte sich auch ihrer Tochter und ihrer Enkelin vermitteln, die beide nicht glücklich sind. Durch die Geschichten über ihre Anhänger, die symbolhaft für prägende Ereignisse in ihrem Leben stehen, vermittelt sie ihnen ihre Lebensweisheiten und versucht sie, auf den richtigen Weg zu bringen. Ihre Einblicke in die Vergangenheit geben zugleich Details aus ihrem Leben preis, die sie zu der Person gemacht haben, die sie heute ist.
Der Roman ist eine inspirierende Familiengeschichte über gegenseitige Sorge und Fürsorge und erhält durch das Bettelarmband, das eine Tradition der Familie ist und das alle Frauen mit den zu ihnen passenden Charms tragen, eine zauberhafte Wirkung. Das Buch ist ein wenig nostalgisch, aber vor allem lebensbejahend und hoffnungsvoll. Es vermittelt die Botschaft, dass das Leben zu kurz ist, um unglücklich zu sein, dass man Entscheidungen mit dem Herzen treffen und im Augenblick leben sollte, ist jedoch gleichzeitig unheimlich rührselig, kitschig und sentimental. Im Verlauf des Romans sind Lollys Lebensweisheiten erdrückend und wirken in ihrer unaufhörlichen Aufzählung bald nur noch wie leere Worthülsen und Binsenweisheiten. Probleme werden damit ganz simpel aus der Welt geschafft, ohne wirklich an einer Lösung zu arbeiten.
Die Intention des Autors um die Suche nach dem individuellen Glück wird bildhaft, aber zu sehr mit der Holzhammermethode vermittelt.

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Veröffentlicht am 22.09.2022

Roman über drei Generationen von Frauen mit estnischen Wurzeln - beklemmend und ohne Lichtblicke. Kein Handlungsstrang führt zu einem befriedigenden Ende und jeder bleibt unschlüssig offen.

Stalins Kühe
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Anna leidet unter anorektischen und bulimischen Schüben. Die Essstörung - der selbstbezeichnete Herr - bestimmt ihr Leben. Ihre Gedanken kreisen ständig ums Essen, um sichere und gefährliche Lebensmittel ...

Anna leidet unter anorektischen und bulimischen Schüben. Die Essstörung - der selbstbezeichnete Herr - bestimmt ihr Leben. Ihre Gedanken kreisen ständig ums Essen, um sichere und gefährliche Lebensmittel und ihre Bemühungen, ihre Essorgien zu verstecken. Sie ist unfähig, Beziehungen zu führen und Nähe zuzulassen. Auch eine Therapie hilft ihr nicht weiter. Sie greift zusätzlich noch zu Psychopharmaka und Speed um vorgeblich die Kontrolle zu behalten. Ihr Leben ist ein Versteckspiel, das vom Verhalten ihrer Mutter geprägt ist. Diese ist Estin, die in den 1970er-Jahren einen Finnen geheiratet hat und zu ihm nach Helsinki gezogen ist. Dort erlebt sie, wie Estinnen pauschal als Huren verunglimpft werden und möchte dieses Schicksal ihrer Tochter nicht zumuten. Anna ist deshalb gezwungen, ihre Herkunft zu verleugnen und die "typische Finnin" zu mimen.
Neben der Geschichte von Mutter und Tochter gibt es Rückblenden in die 1940er-Jahre und das Leben der Großmutter, das von Angst und Schrecken vor russischer Willkür geprägt war.

"Stalins Kühe" ist ein Roman über drei Generationen von Frauen, wobei Annas Schicksal im Vordergrund steht. Daneben erfährt man mehr über die Geschichte Estlands und insbesondere seine Beziehungen zu Finnland und Russland.
Die Geschichte wechselt zwischen den Erzählebenen der 1940er/ 1950er-Jahre, der 1970er-Jahre und der Gegenwart, dem Erwachsenwerden von Anna. Die Szenenwechsel erfolgen schon nach wenigen Seiten, so dass es schwerfällt, sich in die jeweilige Zeit hineinzufinden. Insbesondere die doch sehr komplexe Geschichte der Großeltern um das Versteckspiel der Waldbrüder nach dem Zweiten Weltkrieg und Verschleppungen nach Sibirien leidet unter der Kürze der Kapitel. Es sind einzelne Fragmentstücke eines Lebens und zahlreiche Protagonisten, die in einen Zusammenhang gebracht werden müssen.
Weit eindrücklicher sind die Szenen aus dem Leben von Anna, die sich von ihrem "Herr" bestimmen lässt und von Katariina, die als Estin unter dem Russenhass der Finnen leidet und niemandem über den Weg traut. Gerade der Haupterzählstrang um Anna ist sehr anschaulich dargestellt. Es fällt erschreckend leicht, sich in ihre Denkweise hineinzuversetzen und eine Erklärung dafür zu finden, warum sie ihre personifizierte Essstörung nicht aufgeben kann, lieber andere Menschen vor den Kopf stößt und in lockere Sexbekanntschaften flieht. Das Buch erschöpft sich dabei ein wenig zu sehr in Annas Gedankenwelt, ist dadurch revolvierend und lässt die Handlung, die keine Lichtblicke bietet, auf der Stelle treten. Kein Handlungsstrang führt zu einem befriedigenden Ende und bleibt unschlüssig offen.

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Veröffentlicht am 16.09.2022

Interessanter Einblick in die indische Gesellschaft, die Geschichte dreht sich jedoch ergebnislos im Kreis

Teen Couple Have Fun Outdoors
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Amma und Appa leben zusammen mit ihren erwachsenen Söhnen in einem kleinen Haus in Trivandrum. Sie sind stolz auf das, was sie sich erarbeitet haben und zeigen dies in dem neu erworbenen Honda Civic. Die ...

Amma und Appa leben zusammen mit ihren erwachsenen Söhnen in einem kleinen Haus in Trivandrum. Sie sind stolz auf das, was sie sich erarbeitet haben und zeigen dies in dem neu erworbenen Honda Civic. Die Freude über das Statussymbol währt jedoch nur kurz, da zeitgleich ein Video ihres ältesten Sohnes Sreenath und seiner Freundin Anita viral geht, das zumindest Sreenath nackt zeigt und auf einer Pornoseite hochgeladen wurde. Während Sreenath die Nachricht stoisch aufnimmt und sich keiner Schuld bewusst ist - schließlich hat er nichts Verbotenes getan, schämen sich seine Eltern in Grund und Boden. Der jüngere Bruder ist das vermittelnde Element, kann aber nicht verhindern, dass Sreenath ausziehen muss und ihm jede finanzielle Unterstützung entzogen wird.
Das Video zieht weite Kreise, eine Anzeige bei der Polizei wird erstattet, halbherzige Versuche unternommen, das Video löschen zu lassen, aber das Video ist in der Welt und die Familie muss sich zusammen mit den Eltern von Anita, die Amma und Appa zum Handeln auffordern, über Wochen hinweg auseinandersetzen.

Der Roman ist aus der Perspektive des jüngeren Bruders verfasst, der mit ansehen muss, wie seine Familie wegen eines heimlich aufgenommen Sextapes auseinanderbricht. Er ist bemüht, den Konflikt zwischen den Generationen zu lösen, auf beiden Seiten Verständnis für die andere zu erwirken, scheitert aber an der Sturheit von Eltern, für die der Ruf der Familie über alles geht, und des Bruders, der sich ärgerlich passiv verhält.

Es ist eine Geschichte über die Macht des Internets, über unterschiedliche Moralvorstellen, das Unverständnis und die Sprachlosigkeit zwischen den Generationen. Gleichzeitig wird das Kleinstadtleben in Südindien beleuchtet, wo es gilt, den schönen Schein zu wahren und wo Anstatt und Sitte einen hohen Stellenwert genießen.

Als "beißender Generationenroman" und "bittersüße Komödie" angekündigt, hatte ich etwas mehr Humor in der Geschichte erwartet, auch wenn sie ein ernstes Thema über die Verletzung der Privatsphäre und der demütigenden und zerstörerischen Folgen davon behandelt. Tatsächlich ist die Geschichte ernüchternd ernst und wird nach einem unterhaltsamen Einstieg recht monoton, indem sich retardierend gegenseitig Vorwürfe gemacht werden, ohne dass es zu einer vernünftigen Art der Kommunikation oder gar Aussprache kommt. Es entsteht das Gefühl, dass durch die andauernde Diskussion über das Video, das bereits vor längerer Zeit aufgenommen wurde, der Clip und die Sorge darum größer werden, als geboten erscheint.
Der Einblick in die indische Familie, in der noch höhere Moralvorstellungen als in der westlichen Gesellschaft herrschen, ist nicht uninteressant, jedoch dreht sich die Geschichte zu sehr im Kreis und führt am Ende einfach zu nichts, da keine Charakterentwicklung stattfindet und die Fronten verhärtet bleiben.

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