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Veröffentlicht am 05.07.2017

Die Wahrheit ist irgendwo da draußen

Tiefe Schuld
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Toni Stieglitz ist Kommissarin bei der Mordkommission, doch sie trägt jede Menge seelisches Gepäck mit sich herum, denn sie ist jahrelang von ihrem Ex-Freund misshandelt worden. Umso schwerer trifft sie ...

Toni Stieglitz ist Kommissarin bei der Mordkommission, doch sie trägt jede Menge seelisches Gepäck mit sich herum, denn sie ist jahrelang von ihrem Ex-Freund misshandelt worden. Umso schwerer trifft sie der Fund einer Frauenleiche, die an Armen und Beinen tiefe Wunden trägt, welche sie sofort als brutale Schläge identifiziert. Sehr schnell schießt sie sich bei ihren Ermittlungen auf den Ehemann der Toten ein, denn sie weiß aus leidvoller Erfahrung, dass Schläge meistens im direkten Umfeld passieren. Je mehr sie und das Team über die Tote erfahren, desto verworrener wird das Bild. Und dann ist da noch ihre neue Liebe zu dem Rechtsmediziner Tom Mulder (sic!) und ihr Ex, der wieder anfängt, sie zu stalken und Psychospielchen zu spielen.

Ich muss zugeben, dass ich Probleme mit dem Buch hatte, was hauptsächlich an der Protagonistin lag. Mir will einfach nicht eingehen, wie eine Frau, eine Polizistin dazu, die von den anderen als stark und tough eingeschätzt wird, sich jahrelang von ihrem Polizistenfreund als Punchingball benutzen lassen kann, ohne einfach mal ihre Dienstpistole durch seine Zähne zu kloppen oder seine Kniescheiben zu zerschießen. Bei Frauen, die eh aus zerrütteten Verhältnissen kommen, kapier ich das ja noch. Aber Tonis Elternhaus war zwar dumm, aber wohl nicht auf Prügeln ausgelegt, wie ich das verstanden habe. Noch weniger verstehe ich, wie sie dann Hilfe von Psychologen und/oder Polizeiseelsorgern ablehnen kann. Dadurch wirkte sie auf mich ständig unprofessionell, weil sie halt auch nicht mal andere Ermittlungsansätze sehen wollte, und mich ärgert in so einem Fall, dass sie dann überhaupt ermitteln darf. Ihr Chef hätte sie von der Sache abziehen müssen, er wusste schließlich Bescheid. Dann die Sache mit Mulder (sorry, aber hier muss ich an Akte X denken, und dann bin ich noch mehr abgelenkt), das ist mir alles zu viel Privates, das mich stört. Ich glaube nicht, dass ich die Reihe weiter verfolgen werde.

Veröffentlicht am 15.06.2017

Tu nichts Böses

Sieh nichts Böses (Ein Kommissar-Dühnfort-Krimi 8)
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Sieh nichts Böses. Sprich nichts Böses. Hör nichts Böses. Jeder kennt die drei Affenfiguren, die diese Gebote symbolisieren. Doch es gibt noch eine vierte, welche bedeutet: Tu nichts Böses. So eine Figur ...

Sieh nichts Böses. Sprich nichts Böses. Hör nichts Böses. Jeder kennt die drei Affenfiguren, die diese Gebote symbolisieren. Doch es gibt noch eine vierte, welche bedeutet: Tu nichts Böses. So eine Figur findet sich bei einer Frauenleiche, und Kommissar Konstantin Dühnfort, der soeben aus den Flitterwochen gekommen ist, wird an den Fundort der Toten gerufen. Etwas über die Frau herauszufinden, ist schwierig, und selbst als ihre Identität feststeht, geht es nicht richtig voran. Ihre Eltern sind geradezu unbeteiligt, als sie von ihrem Tod hören, und eigentlich hat Dühnfort auch noch andere Probleme. Die Schwangerschaft seiner FrauSchrägstrichKollegin verläuft problematisch, und er muss sich mit der Frage auseinandersetzen, ob er notfalls bereit ist, ein behindertes Kind aufzuziehen.

An und für sich gut geschrieben, lässt sich schnell lesen. Genauso schnell werde ich das Buch aber wohl auch wieder vergessen, denn mir war viel zu viel Privatkram vertreten, der mich nicht interessierte. Wahrscheinlich muss man schon von Anfang an die Reihe lesen, um sich dafür zu interessieren, denn es gibt wohl Entwicklungen zwischen den Hauptpersonen, die langsam aufgebaut wurden. Das fand ich zwischen mäßig und gar nicht fesselnd, und es stört den Spannungsbogen eines Krimis enorm. Ich hatte auch Probleme mit den meisten auftauchenden Personen, alle waren krank, angeschlagen, psychisch kaputt, von allem immer ein bisschen zu viel. Wäre das Buch ein Gericht, wäre es wohl ein bisschen versalzen. So denke ich, ist es für die Fans ein Muss, für Neueinsteiger ein Krimi wie jeder andere.

Veröffentlicht am 21.05.2017

Die Rückkehr des Henkers

Wer Furcht sät
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Ein Youtube-Video bricht sämtliche Rekorde: In ihm wird gezeigt, wie ein Mann erhängt wird. Doch der Mann ist nicht irgendwer - er ist Mitglied eines Pädophilenrings und hat sich der Vergewaltigung von ...

Ein Youtube-Video bricht sämtliche Rekorde: In ihm wird gezeigt, wie ein Mann erhängt wird. Doch der Mann ist nicht irgendwer - er ist Mitglied eines Pädophilenrings und hat sich der Vergewaltigung von Kindern schuldig gemacht und nur eine geringe Strafe dafür bekommen. Dieses Video wird nicht das einzige bleiben. Als nächstes hängt einer, der ein Kind überfahren, dann ein Junkie, der wegen seiner Sucht einen alten Mann fast getötet hat. Als schließlich ein islamistischer Hassprediger entführt wird, kochen nicht nur die Emotionen in der Bevölkerung hoch, auch Max Wolfe und das Londoner Ermittlungsteam kommen in Bedrängnis. Irgendwer verkleidet sich mit Masken des letzten englischen Henkers und verlangt die Wiederführung der Todesstrafe.

Ich bin hin- und hergerissen, echt jetzt. Einerseits bin ich absolut gegen Selbstjustiz. Andererseits werden meine Sympathien und Abneigungen in dem Buch klassisch ausgespielt. Natürlich kotzt es mich an, dass die Justiz Kinderschänder oder Mörder mit Samthandschuhen anfasst. Aber das ist unsere Rechtsprechung (in dem Fall die englische). Recht sprechen und Gerechtigkeit ist nicht zwingend ein und dasselbe. Allerdings kann ich es nicht ab, manipuliert zu werden, und das versucht Parsons auf für mich negative Weise. So wird behauptet, dass der Hassprediger wegen seiner sechs Kinder im Jahr 50.000 Pfund Sozialhilfe abfasst. Darf ich mal lachen? Warum geht dann überhaupt noch jemand in England arbeiten? Das ist Bullshit, knallhart gesagt. Und es wird genügend Leute geben, die den Humbug glauben, all die Bildleser und Wirtshausinformierten. Muss das sein? Genauso wenig kann ich es leiden, wenn Soldaten in Afghanistan oder Irak als Verteidiger ihrer Länder dargestellt werden. Klar, die haben England auch am Hindukusch verteidigt. Cool. Nicht. Sorry, das gibt Abzüge in der Kür, obwohl die Pflicht super ausgeführt war und das Buch Spaß beim Lesen machte.

Veröffentlicht am 19.05.2017

Gegen den Sturm

Stormheart 1. Die Rebellin
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Aurora ist die Königstochter von Pavan und man erwartet von ihr, dass sie, wie alle Königlichen, das Volk vor den Stürmen beschützt, die immer wieder aufziehen und das Land zerstören. Doch Aurora hat keine ...

Aurora ist die Königstochter von Pavan und man erwartet von ihr, dass sie, wie alle Königlichen, das Volk vor den Stürmen beschützt, die immer wieder aufziehen und das Land zerstören. Doch Aurora hat keine magischen Fähigkeiten, was niemand erfahren darf. Der einzige Ausweg scheint eine Heirat mit dem Prinzen eines anderen Reiches, doch dann erfährt sie etwas, das ihr ganzes Leben lang vor ihr verborgen wurde. Aurora beschließt zu fliehen, und sie schließt sich einer Gruppe von Sturmjägern an. Dabei findet sie nicht nur besondere Fähigkeiten in sich, sondern verliert auch noch ihr Herz.

Diese Sache mit den Stürmen ist interessant entwickelt und originell, denn Stürmen ein eigenes Bewusstsein zu geben und Magie ins Spiel zu bringen, finde ich ganz cool. Richtig nervig finde ich jedoch diese kitschigen Beschreibungen von Leuten - alle sind immer meeeeeeega schön und soooo hot oder muskulös oder sonstwas, dass man gern mal den Kopf an die Wand hauen möchte. Auch finde ich die Sache mit den Prinzen aus Lock nicht gut durchdacht; jeder hätte wissen können, wer da Erstgeborener oder Zweiter ist. Für den mysteriösen Stormlord habe ich auch schon eine Vermutung, hoffentlich erweist sich die als falsch. Das Buch hat Potenzial, das jedoch nicht gänzlich ausgeschöpft wurde, vielleicht wird das in den nächsten beiden Bänden genutzt.

Veröffentlicht am 18.05.2017

Glaube, Prostitution und Langeweile

Glaube Liebe Tod (Ein Martin-Bauer-Krimi 1)
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Martin Bauer ist Polizeiseelsorger und anfangs denkt man noch, er ist eine coole Type. Als sich ein Polizist von einer Brücke stürzen will, springt er selbst, weil er glaubt, dass eben jener Polizist ihn ...

Martin Bauer ist Polizeiseelsorger und anfangs denkt man noch, er ist eine coole Type. Als sich ein Polizist von einer Brücke stürzen will, springt er selbst, weil er glaubt, dass eben jener Polizist ihn retten wird. Er glaubt richtig, doch wenig später ist der suizidgefährdete Polizist trotzdem tot - angeblich hat er sich von einem Parkhaus gestürzt. Bauer kann ausnahmsweise mal nicht glauben, dass das stimmt und er versucht, die Wahrheit herauszufinden. Dabei tritt er ein paar Menschenhändlern zu nahe und auch die Familie des toten Polizisten macht Stress. Zum Glück ist Bauer ein protestantischer Pfarrer, so dass er Halt bei seiner Familie finden kann - vorausgesetzt, er führt nicht ein paar Verbrecher mitten in sein Haus.

Wie geschrieben dachte ich anfangs noch, dass es ein cooles Buch sein könnte. Dass der Pfarrer mal so eben sein Leben riskiert, um das eines anderen zu retten, scheint super, doch wenn man drüber nachdenkt, ziemlich unlogisch. Warum sollte sich ein Selbstmörder darum scheren, ob sich ein anderer in Lebensgefahr begibt? Und wie glaubwürdig ist es, dass ein ehemaliger Schwimmchampion sich von einer Brücke ins Wasser stürzt, um sich umzubringen? Nach dieser Aktion war auch die mühsam aufgebaute Spannung raus aus dem Buch. Es war zwar routiniert geschrieben, aber der Fall so langweilig wie der Name des Pfarrers. Zu viel Familiendrama und Blabla. Es wird immer wieder vom Fall abgeschweift, und ich habe ernsthaft fünf Tage gebraucht, um das Buch zu lesen, weil es mich einfach nicht fesseln konnte. Nächstes Jahr kommt der nächste Seelsorgerkrimi raus, aber ich glaube, zwischen dem Pfarrer und mir war das nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. 2,5/5 Punkten.