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Veröffentlicht am 09.11.2022

Toller Trilogie-Abschluss

Sehnsucht nach Whale Island
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Endlich lernen wir den dritten Sohn der Camerons kennen. Glenn, der bisher immer abwesend war, weil er in Halifax lebte. Wie wir hier erfahren, war das nicht "einfach so", sondern hatte seine Gründe, die ...

Endlich lernen wir den dritten Sohn der Camerons kennen. Glenn, der bisher immer abwesend war, weil er in Halifax lebte. Wie wir hier erfahren, war das nicht "einfach so", sondern hatte seine Gründe, die hier nach und nach aufgedeckt werden und zwischendurch für eine Prise Drama sorgen.

Viola hingegen landet nach einem Unfall im Spital in Harbor, wo sie Skye und Glenn kennenlernt. Skye lädt Viola ein, zu ihr nach Whale Island zu kommen. Die Einladung nimmt Viola gerne an und ist kaum auf der Insel, auch schon fasziniert von ihr. Dabei kann sie die ganze bunte Cameron-Familie kennenlernen. Am besten kommt Viola mit Glenn aus. Die beiden haben etwas gemeinsam: beide sind noch auf der Suche nach dem richtigen Beruf und haben bisher ähnliche Erfahrungen gesammelt.

An einer Aussage, die Skye über ihren Bruder Glenn tätigt, hält Viola fest. Daraus entsteht ein grosses Missverständnis - einerseits waren sie Szenen darüber witzig, andererseits wurde es, als es geklärt war, zu oft noch wiederholt.

Violas Familiengeschichte ist heftig in der Vergangenheit, nimmt aber gute Züge in der Gegenwart an und ist super spannend - da hat die Autorin die Fäden wunderbar geplant!

Skye und Ian - auch da geht was, das bleibt aber eher so eine Nebenbei-Geschichte. Der Grossteil dreht sich um Viola und Glenn und ihre Verbindungen, die äusserst spannend zu entdecken sind. Violas Geschichte passt wunderbar zu denjenigen von Stella und Greta.

Wie bereits in den vorherigen Bänden wird abwechselnd erzählt aus der Sicht von Viola und Glenn. Richtig nett ist das Wiedersehen mit den bisherigen Weggefährten in dieser Trilogie, seien es die Menschen, die Tiere oder der inselbekannte Nebel wie auch die Stürme.

Die Geschichte, so schön sie auch ist, wollte aber nicht aufhören - ich fand, sie wurde bei mehreren Themen ziemlich in die Länge gezogen, deshalb gefielen mir die ersten beiden Bände besser.

Fazit: Einige Überraschungen warten auf die Leserinnen - ein toller Abschluss der Trilogie, ein bisschen in die Länge gezogen, aber trotzdem schön.
4 Punkte.

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Veröffentlicht am 09.11.2022

Edinburgh im Schnee

Weihnachten in der kleinen Buchhandlung
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"Weihnachten in der kleinen Buchhandlung" gehört zwar zur "Happy Ever After"-Reihe, kann aber unabhängig von der Reihe gelesen werden. Gemeinsam haben sie nur die Buchhandlung und Schottland - und einige ...

"Weihnachten in der kleinen Buchhandlung" gehört zwar zur "Happy Ever After"-Reihe, kann aber unabhängig von der Reihe gelesen werden. Gemeinsam haben sie nur die Buchhandlung und Schottland - und einige kurze Auftritte von Ramsay, einmal sogar mit den Jungs Patrick und Hari.

Was könnte besser zur Adventszeit passen als eine Buchhandlung und einen anwesenden, aber doch abwesenden Besitzer, hier in der Gestalt von Mister McCredie, der lieber selbst die Bücher behält, als sie verkauft.

Die Autorin stellt ihm Carmen zur Seite, die, nachdem sie ihren Job in einem Kaufhaus verliert, ein Jobangebot ihrer Schwester Sofia in Schottland missbilligend annimmt. Als Kurzwaren-Verkäuferin hat Carmen zwar keine Ahnung über die Arbeit in einer Buchhandlung, doch als sie eben jene betritt, sieht selbst sie, dass es kein Wunder ist, dass die Kunden fern bleiben. Mit viel Elan, aber trotzdem mit einem Groll im Magen gegen ihre Schwester, versucht sie das Beste aus der Situation zu machen und Schwung in den Laden zu bringen.

Nicht nur in den Laden bringt sie Schwung mit, sondern auch ins gestylte Haus ihrer erfolgreichen Schwester Sofia, die schon immer ganz anders war als Carmen. Jene ist mit dem vierten Kind schwanger, der Ehemann gerade beruflich im Ausland, wird durch eine Nanny, die yogagestählte Studentin Skylar, mit den Kindern unterstützt. Chips essen kommt nicht in Frage und auch die Fernsehzeit ist für die Kids streng begrenzt, und was sie sehen wird sowieso von Skylar und Sofia zensiert. Für die beiden ist das kein Schwung, sondern Chaos, das Carmen verströmt.

Da wundert es niemanden, dass Carmen sich in der Buchhandlung und deren Nachbarschaft in der Edinburgher Altstadt immer wohler fühlt. Sie freundet sich mit einem Dendrologen (Baumforscher) an, aber auch mit einem sehr speziellen Ratgeber-Autoren, deren Absichten Carmen schnell klar wird. Aber witzig ist der Typ halt doch!

Die schöne Geschichte um Carmen und die Buchhandlung wird durch das tolle Setting, das adventliche Edinburgh im Schneegestöber, unterstützt. Diesem Zauber kann man sich als Leserin kaum entziehen und nur zu gerne würde man durch die Strassen Edinburghs flanieren und sich eine heisse Schokolade gönnen und sich die Nase am Schaufenster von Carmens Buchhandlung platt drücken. Gefolgt von einem Besuch im Innern der Buchhandlung natürlich.

Jenny Colgan hat eine tolle weihnachtliche Geschichte aufs Papier gebracht, humorvoll, aber auch mit vielen tiefergehenden Inputs.

Den Hexenladen nebenan hätte es für mich nicht gebraucht, ein Dekoladen hätte meiner Meinung nach besser gepasst. Aber das ist ein Detail, das nicht so viel Raum einnimmt. Weniger zur Seite schieben konnte ich Okes Herkunft Brasilien und seinem Weltbild als Quäker, also seinem Glauben (den er dann doch nicht so richtig hat, sondern mehr traditionell so denkt weil er so aufgewachsen ist). Quäker und Brasilien passt für mich nicht zusammen, die Autorin hätte beides weglassen und ihn einfach nur einen Baumforscher sein lassen können. Colgan geht es mit seiner Herkunft wohl einfach nur um die Rituallosigkeit, doch das hätte sie sicher auch anders hinbekommen.

Wenn man diese beiden Kritikpunkte zur Seite legt, ist es ein sehr schöner Weihnachtsroman, der mit seiner Atmosphäre und den unterschiedlichen Figuren überzeugt. Wer sich nach Schnee und Christkindlimarkt-Feeling sehnt, weil beides zu Weihnachten einfach dazu gehört, der muss sich "Weihnachen in der kleinen Buchhandlung" unbedingt schnappen und lesen. Damit man sich u.a. Mister McCredie in (vererbter, uralter) Rentierfellkleidung nicht verpasst - ich konnte ihn mir bildlich vorstellen, perfekter geht ein britischer Buchhändler-Weihnachtsmann nicht.

Der beste Zeitpunkt um den Roman zu lesen ist im November, denn dann startet er auch. Und endet an Weihnachten rum, aber da verrate ich ja nicht etwas Überraschendes.

Fazit: Weihnachtsatmosphäre in Edinburgh erleben? Spart euch das Flugticket und liest stattdessen diesen bezaubernden Roman.
4 Punkte.

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Veröffentlicht am 23.10.2022

Aktueller Stand der Bibelarchäologie

Die Bibel hat recht
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Lange ist es her, seit ich Werner Kellers "Und die Bibel hat doch recht" gelesen habe. Der Titel des vorliegenden Buches hat mich auch sofort daran erinnert. Erschienen ist Kellers Buch 1955 - nicht nur ...

Lange ist es her, seit ich Werner Kellers "Und die Bibel hat doch recht" gelesen habe. Der Titel des vorliegenden Buches hat mich auch sofort daran erinnert. Erschienen ist Kellers Buch 1955 - nicht nur die Welt hat sich seither extrem verändert, auch die Möglichkeiten der Archäologie. Deshalb reist 67 Jahre danach Michael Hesemann quasi nochmals an Stationen der Bibel, und kann so Kellers Buch ergänzen.

Er erzählt zum Beispiel wie erst kürzlich, also in den vergangenen zehn Jahren, nachgewiesen wurde, wo das in der Bibel erwähnte Sodom liegt, wie sich Genesis-Kapitel mit der Klimaforschung in der mittleren Bronzezeit decken, was es mit der Stadt Ramses, dem bisher gedachten Ausgangspunkt für den Exodus, auf sich hat, mögliche Ursachen der zehn Plagen und vieles mehr.

Viele Fotos und Abbildungen vervollständigen das umfangreiche und extrem detailreiche Buch. Man kann Hesemann nicht wie (teilweise damals) Keller oder anderen Verfassern von bibelarchäologischen Büchern nicht vorwerfen, die Ergebnisse nur aus christlicher Sicht zu begutachten. Im Gegenteil, er geht auf viele Studienergebnisse ein und schreibt auch, wenn etwas, zum Beispiel der absolut genaue Zeitpunkt des Exodus, noch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit bewiesen worden ist.

"Die Bibel hat recht" ist enorm interessant. Es empfiehlt sich das Buch kapitelweise zu lesen, damit man die vielen Informationen auch verarbeiten kann. Damit man, wenn man es ausgelesen hat und später vielleicht nochmals etwas nachschauen oder darin blättern will, ohne nochmals alles genau nachzulesen, sind einige Textstellen separat nochmals dick gedruckt.

Beim Seite-für-Seite-lesen haben mich diese Stellen leider gestört. Ebenfalls störte mich, dass die der Text in zwei Spalten dargestellt wird. Das ist beim Lesen sehr unangenehm. Man muss immer wieder oben beginnen, anstatt es am Stück lesen zu können und ist nicht sehr augenfreundlich. Das Text-Layout ist deshalb nicht sehr zeitgemäss, da trösten die vielen tollen Abbildungen auch nicht darüber hinweg. Aber bekanntlich kommt es auf den Inhalt drauf an.

Fazit: Sehr informatives und spannendes Buch zum aktuellen Stand der Bibelarchäologie.
4 Punkte.

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Veröffentlicht am 21.10.2022

Detaillreiches Fachwissen

Die letzten Geheimnisse des Orients
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Mit seinem neuen Buch "Die letzten Geheimnisse des Orients" bereist der Nahostexperte Daniel Gerlach antike Stätten im Orient und bringt durch sein profundes Fachwissen den Lesern diese oft sagenumwobenen ...

Mit seinem neuen Buch "Die letzten Geheimnisse des Orients" bereist der Nahostexperte Daniel Gerlach antike Stätten im Orient und bringt durch sein profundes Fachwissen den Lesern diese oft sagenumwobenen Orte näher.

Von Tunesien, Kairo, Petra, Jerusalem Babylon, Amara, Harran, Antakya, Ephesus, Istanbul und einigen weiteren Stätten weiss er viel Interessantes zu berichten. Dabei benutzt er viele einprägsame Vergleiche aus heutiger Weltsicht, die den Text auflockern.

Detailreich berichtet Gerlach über religiöse Minderheiten wie zum Beispiel die Drusen oder Zoroastrier, aber auch über antike Mysterienkulte wie der des Mondgott Sin. Er holt oft aus, um den Hintergrund der nachfolgenden Begebenheiten zu erläutern, was die Lektüre noch bedeutender macht.

Diese Reise zu den Spuren der drei Weltreligionen gefiel mir sehr gut. Am liebsten hätte ich bei jedem Kapitel Sekundärliteratur hinzugezogen, um das neue Wissen zu festigen und anderes zu repetieren. Doch dann wäre ich wohl monatelang dran gesessen. Deshalb meine Empfehlung: einmal durchlesen und danach die einzelnen Kapitel nach Wunsch noch selbst vertiefen.

Fazit: Ein empfehlenswertes Buch für alle Archäologie-, Geschichte- und Religionsliebhaber!
4 Punkte.

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Veröffentlicht am 20.10.2022

Weiter so?

Die Freischwimmerin
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Vor vielen Jahren hab ich die Bücher von Preethi Nair sehr gerne gelesen, weshalb ich ihren neuesten Roman auch lesen wollte. Wie ihre früheren Leserinnen ist auch die Autorin älter geworden, weshalb ihre ...

Vor vielen Jahren hab ich die Bücher von Preethi Nair sehr gerne gelesen, weshalb ich ihren neuesten Roman auch lesen wollte. Wie ihre früheren Leserinnen ist auch die Autorin älter geworden, weshalb ihre "jüngste" Protagonistin auch nicht mehr so jung ist, wie jene in den älteren Büchern.

Anhand ihres 40jährigen Hochzeitstages, bei der ein grosses Fest für sie organisiert wird, inklusive Zeremonie im Tempel, die sie nie hatte, fragt sich die 59jährige Bhanu, ob sie ehrlich aus ganzem Herzen diese Zeremonie durchstehen kann und sie damit ihr Ehegelöbnis erneuern will. Während dies für ihren Mann, der öfters fremdging, kein Problem darstellt und er wohl ohne mit der Wimper zu zucken mitmachen würde. Doch Bhanu trauert ihrem Leben und den damit verbundenen Möglichkeiten nach.

Nach diesen ersten Überlegen erzählt sie ihr Leben von Anfang an bis zu dem Punkt, an dem sie kurz vor der Zeremonie steht.

Man versteht wie Bhanu so wurde wie sie ist. Eine indische Frau, die ihre indischen Traditionen lebt, obwohl ihr diese selbst oft zuwider waren. Sie hat alles geschluckt, nicht nur 40, sondern 59 Jahre, also ihr ganzes Leben lang. Doch nun ist der Zeitpunkt an dem sie nicht mehr kann und sie weiss, dass sie sich nun entscheiden muss, wie sie die verbleibenden Jahre verbringen will.

Bhanu trauert auch ihrer vergangener grosser erster Liebe nach. Immer noch ist diese Hoffnung in ihr, dass ihr Leben mit dem anderen glücklicher verlaufen wäre und vielleicht, wenn sie sich nur trauen würde, es auch jetzt endlich zum Happy End kommen könnte - nicht nur in ihren Selbstgesprächen mit ihm, ihr geheimes inneres Parallelleben sozusagen. Statt eben jenem Happy End, ist sie seit 40 Jahren mit ihrem Ehemann zusammen. Diese jahrzehntelange Beziehung forderte sie heraus, mittlerweile sind sie im besten Falle noch Freunde. Ihr wurde übel mitgespielt, Bhanu liess es geschehen. Sie versteckt sich seit jeher und sagt nichts, geht nicht aus sich raus, sagt ihre Meinung nicht, nur um andere nicht zu verschrecken oder noch böser werden zu lassen.

Bhanus Verhalten liefert viele Denkanstösse. Preethi Nair zeichnet Bhanus Leben akkurat nach, so dass man als Leserin ihre Verhaltensweise teilweise verstehen kann, viele Entscheidungen aber nicht. Bis zum Ende bleibt es nicht nur für die Leserinnen, sondern auch für Bhanu offen, wie es weitergeht. Es ist eine ruhige Geschichte, deswegen nicht uninteressant und bietet einen Einblick in die indische Kultur, bzw. in jene der Inder, die nach Grossbritannien eingewandert sind.

Einzig die Szenen in Tansania hätten für mich irgendwo sein können, dort fühlte ich mich noch immer wie in Indien, denn aufgrund der Beschreibungen waren diese Szenen irgendwie staatenlos.

Fazit: Ein Roman über eine Inderin, die immer eine Aussenseiterin war und es doch allen recht machen wollte.
4 Punkte.

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