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Veröffentlicht am 24.03.2023

Bewerbungsgespräch der besonderen Art

Etage 13 - Es gibt kein Entkommen, und deine Zeit läuft ab
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Der Klappentext klang so interessant, aber leider konnte mich der Thriller nicht überzeugen.

London, im Foyer eines hypermodernen Bürogebäudes: Kate Harding wartet auf Amanda Palmer, die PR-Chefin von ...

Der Klappentext klang so interessant, aber leider konnte mich der Thriller nicht überzeugen.

London, im Foyer eines hypermodernen Bürogebäudes: Kate Harding wartet auf Amanda Palmer, die PR-Chefin von Edge Communications, die mit ihr ein Bewerbungsgespräch führen soll. Doch dann wartet in der 13. Etage Joel White auf sie, extra eingeflogen aus dem New Yorker Büro. Aber bei dieser ersten Irritation bleibt es nicht. Als die Fragen immer verstörender werden, nimmt das Vorstellungsgespräch einen völlig anderen Verlauf, als gedacht. Und plötzlich ist die 13. Etage leer, bis auf Kate und den Mann, der unbedingt etwas von ihr erfahren möchte und das ist nicht: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Der Klappentext klang ungewöhnlich und ich hatte mich auf einen entsprechend ungewöhnlichen Thriller gefreut. Allerdings ist die Spannung rasch von der 13. Etage heruntergefahren. Ich konnte mich weder mit der Protagonistin, noch mit ihrem Verhalten anfreunden. Teilweise drehte sich die Handlung im Kreis und ging nur schleppend voran. Tatsächlich hätte man den Text extrem kürzen können.

Der Autor schreibt flott und man konnte die Geschichte gut lesen, das macht es aber nicht spannender. Die wirklich sehr kurzen Kapitel verleiten dazu, doch noch schnell ein bisschen weiterzulesen. Allerdings haben diese kurzen Kapitel auch für viel Leerstand auf den Seiten gesorgt.

Wer noch nicht so thrillererfahren ist, wird sicherlich an einigen Stellen im Buch überrascht werden. Daher sehe ich hier auch eher das Zielpublikum. Für alle anderen bietet der Thriller nicht so viel Neues, sondern eher viele bekannte Versatzstücke. Ärgerlich fand ich die fehlende Logik im Gesamtkonstrukt. Wer das Buch durchgelesen hat, muss sich fragen: Warum um alles in der Welt musste das jetzt in Etage 13 in Form eines Bewerbungsgespräches stattfinden?

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Veröffentlicht am 23.02.2023

Als Agatha verschwand

Die Affäre Agatha Christie
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Im Jahr 1926 verschwindet die britische Kriminalschriftstellerin Agatha Christie. Zeitungsaufrufe und eine landesweite Suche bringen zunächst keinen Erfolg. Erst nach elf Tagen wird sie in einem Hotel ...

Im Jahr 1926 verschwindet die britische Kriminalschriftstellerin Agatha Christie. Zeitungsaufrufe und eine landesweite Suche bringen zunächst keinen Erfolg. Erst nach elf Tagen wird sie in einem Hotel in Yorkshire erkannt. Zeit ihres Lebens hat die Autorin behauptet, sie könne sich an diese Episode nicht erinnern. Soweit die Fakten. Nina de Gramont hat um dieses geheimnisvolle Verschwinden eine fiktive Geschichte gesponnen und auf diese Geschichte war ich sehr gespannt.

Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive von Nan O'Dea, der Geliebten von Agathas Ehemann Archibald Christie, der plant, seine Ehefrau für die jüngere Nan zu verlassen. Das fand ich zunächst einen spannenden und ungewöhnlichen Einfall. Leider konnte der Roman meine Erwartungen aber nicht erfüllen. Zwar ist die Geschichte teilweise ganz interessant konstruiert, in weiten Teilen jedoch für mich unlogisch und voller unmotivierter Handlungen der Charaktere. Neben dem Erzählstrang, der 1926 spielt, werden immer wieder größere Abschnitte aus der Kindheit und Jugend von Nan O'Dea eingeschoben, die für mich einen anderen Duktus hatten, als die eigentliche Haupthandlung. Thematisch war das sehr interessant, was sich im erzkatholischen Irland abgespielt hat, es harmonierte dann aber nicht mit dem Rest. Der Plot hätte ohne Agatha Christie als "Aufhänger" besser funktioniert. Die Krimiautorin spielt ohnehin eher eine bessere Nebenrolle. Die Protagonistin ist eindeutig Nan, die allerdings eine unsympathische Rolle einnimmt.

Wer sich nicht vom Klappentext täuschen läßt, der geheimnisvoller klingt, als das Buch ist, kann sich dennoch gut unterhalten fühlen. Der Roman läßt sich gut lesen und spielt zweimal auf das Werk von Agatha Christie an, was mir gut gefallen hat. Leider konnte mich das Buch insgesamt aber nicht fesseln und ich habe recht lange gebraucht, um es zu beenden.

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Veröffentlicht am 09.02.2023

Gänsehaut bleibt auf der Strecke

Das Sanatorium
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Man, was hatte ich mich auf dieses Buch gefreut. Das tolle Cover, die Empfehlung von Reese Witherspoons Bookclub, der coole bedruckte Buchschnitt und der Klappentext versprachen so viel und konnte es letztlich ...

Man, was hatte ich mich auf dieses Buch gefreut. Das tolle Cover, die Empfehlung von Reese Witherspoons Bookclub, der coole bedruckte Buchschnitt und der Klappentext versprachen so viel und konnte es letztlich meiner Meinung nach nicht halten.

In den Schweizer Alpen wird nach großen Protesten ein Luxushotel eröffnet, in dem sich zuvor ein Tuberkulosesanatorium befunden hat. Aus Großbritannien reist Elin Warner an, die sich in einer Lebenskrise befindet. Seit Monaten ist die Kommissarin freigestellt, weil es bei einem Einsatz zu einem Zwischenfall kam, den sie noch nicht verarbeitet konnte. Gemeinsam mit ihrem Freund Will trifft Elin im Hotel ihren Bruder Isaac, der dort seine Verlobung mit Laure feiern möchten. Laure lebt, wie Isaac, schon lange in der Schweiz und arbeitet im Hotel als Assistenz der Geschäftsführung, ist aber auch eine Jugendfreundin von Elin. Sowohl die Geschwister, als auch Elin und ihre ehemalige Freundin verbindet eine Vergangenheit, die aufgearbeitet werden muss. Über allem schwebt der tragische und frühe Unfalltod des kleinen Bruders von Isaac und Elin, das wird relativ früh thematisiert, daher ist das kein Spoiler.

So, wer bis hierhin gelesen hat, hat noch keine Gänsehaut. Und das ist das Problem: Die Handlung ist von diesen Problemen überfrachtet, sie nehmen viel Raum ein und ständig muss der Gemütszustand von Elin besprochen werden. Der Charakter hat mich nicht für sich eingenommen und blieb auf Distanz.

Das Setting ist nicht neu: Menschen, die an einem abgeschiedenen Ort von der Außenwelt abgeschnitten sind und sich einer tödlichen Gefahr gegenübersehen. Aber die Atmosphäre stimmte nicht. Das Hotel ist riesig, wird als extrem modern, kalt, unnahbar, spartanisch und (warum?) mit schlechter Küche beschrieben. Ein paar ungemütliche Requisiten machen noch kein Horrorszenario a la "Shining" aus. Das subtile Unheimliche, das einem langsam den Rücken hoch krabbelt, fehlt hier.

Als es Elin nach fast 400 Seiten dämmert, dass es vielleicht gar nicht um das Hotel geht, sondern um das Sanatorium, tja, da dachte ich: Hättest du mal den Titel gelesen.

Insgesamt ein durchschnittlicher Thriller, der mir nicht länger im Gedächtnis bleiben wird. Zur arg konstruierten und teilweise unlogischen Handlung kommen die schon erwähnten Kritikpunkte. Ohne Zweifel kann die Autorin schreiben, den Text liest man so weg und das Ende verspricht eine Fortsetzung. Sicherlich wird das Buch auch begeisterte Leser:innen finden, ich gehöre leider, leider nicht dazu. Wahrscheinlich war die Erwartung einfach zu hoch und dann ist es die Fallhöhe auch.

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Veröffentlicht am 08.11.2022

Der Mörder im Fernbus

Das Fundstück
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Für den Urlaub hatte ich mir u.a. einen Thriller rausgesucht, den ich schon länger lesen wollte. Das Setting klang ungewöhnlich und interessant: Leichenteile tauchen in einem Fernbus auf und der Mörder ...

Für den Urlaub hatte ich mir u.a. einen Thriller rausgesucht, den ich schon länger lesen wollte. Das Setting klang ungewöhnlich und interessant: Leichenteile tauchen in einem Fernbus auf und der Mörder scheint weiter auf Städtetour zu sein. Was steckt dahinter?

Leider konnte mich der Thriller nicht wie erhofft fesseln. Es ging zwar ziemlich blutig und fies zu, aber der Funke ist nicht übergesprungen. Die weiblichen Opferfiguren waren recht austauschbar und oberflächlich, ebenso wie die Kommissarin aus Berlin. Einzig der Protagonist Olav Thorn - ich habe wirklich jedes Mal an den Fussballer Olaf Thon gedacht - war als Charakter ganz interessant. Aber auch diese Figur ist noch ausbaufähig. Mit seiner überaus positiven Art, die auf andere leicht sarkastisch und ironisch wirken kann, fällt er aus der Reihe der oft mit massenhaft persönlichem Ballast gequälten Kommissare heraus. Das fand ich ganz erfrischend; ebenso wie die Wahl seiner Heimatstadt: Bremen. Eine Stadt, die in der Thrillerbranche eher zum Ausschuss gehört. (Der Autor wohnt gleich um die Ecke - ich auch.)

Insgesamt für einen Urlaubsthriller okay. Wie mittlerweile üblich, kurze Kapitel, die das Tempo am Laufen halten, verschiedene Handlungsorte, zwischen denen hin und her gesprungen wird und einige Cliffhanger. Allerdings für mich kein Highlight des Genres.

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Veröffentlicht am 21.10.2022

Als das Land unterging

Sturmflut
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Die Sturmflut, die 1962 an der Nordseeküste, vor allem aber in Hamburg wütete, forderte 340 Tote. Bereits Jahre zuvor gab es eine wesentlich verheerendere Flutkatastrophe, die in den Niederlanden ganze ...

Die Sturmflut, die 1962 an der Nordseeküste, vor allem aber in Hamburg wütete, forderte 340 Tote. Bereits Jahre zuvor gab es eine wesentlich verheerendere Flutkatastrophe, die in den Niederlanden ganze Landstriche überspülte und 1.853 Menschenleben forderte. Diese Sturmflut von 1953 beschreibt Margriet de Moor exemplarisch am Schicksal zweier Schwester.

Weil die jüngere Armanda ihrer verheirateten Schwester Lidy vorschlägt, statt ihrer das Patenkind auf Schouwen Duiveland zu besuchen, wird Lidy ihren Mann und ihre kleine Tochter Nadja nicht mehr wiedersehen. Dies verrät die Autorin bereits nach neuen Seiten. Was nun folgt, sind zwei Erzählstränge, die den Weg der Schwestern weiterverfolgen. Die erzählte Zeit weicht dabei stark von einander ab. Während die Zeit bei Armanda rasch vergeht, ihr Leben wird über mehrere Jahrzehnte episodenhaft erzählt, konzentrieren sich die Passagen um Lidy ausschließlich auf die wenigen Tage von der Abfahrt bis zu ihrem Verschwinden. Mit Lidy erfahren die Leser, wie die Bevölkerung, die Verantwortlichen im kleinen und im großen mit der Flutkatastrophe umgegangen sind. Wie die ungewöhnliche Wetterlage die Sturmflut möglich machte, wie die Deiche brachen und durch die Wucht des Wasser in Sekundenschnelle ganze Dörfer verschwanden. Armanda hingegen lebt weiter, kann ihre Schwester jedoch nicht vergessen und bleibt innerlich traumatisiert: "Viel zu viel von dir hat sich in mir angehäuft, Lidy. Deinetwegen konnte ich nie die sein, die ich war." (S. 314)

Ehrlicherweise haben mir die Passen mit Armanda weniger gut gefallen. Sie wirkten beim Lesen wenig geschmeidig oder dynamisch, eher sperrig und beiläufig. Teile ließen mich ratlos zurück, so der lange Brief von Nadja. Die Sprache von de Moor passte sehr gut zu den Kapiteln von Lidy, die wirklich spannend waren, obwohl der Ausgang bereits bekannt war. Die Dramatik der Handlung wurde wunderbar und dennoch ruhig eingefangen, die Gedanken Lidys, die Naturgewalt, das Ausgeliefertsein und die immer kleiner werdenden "Inseln", die die junge Frau buchstäblich über Wasser halten.

Insgesamt läßt mich das Buch zwiegespalten zurück. Es informiert sehr gut über die Zusammenhänge und stellt das Trauma der Hinterbliebenen dem furchtbaren Erleben der Opfer gegenüber. Ein reines Lesevergnügen war es allerdings nicht.

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