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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.12.2022

Manche Ängste haben in unserem Leben irgendwann ausgedient

Frau Maier sieht Gespenster
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Frau Maier, deren Vorname im ganzen Buch nicht genannt wird, die mit ihrer Katze (die gar keinen Namen hat) am Chiemsee lebt, freut sich ein bisschen verhalten über und auf ihren neuen Job im Schloss auf ...

Frau Maier, deren Vorname im ganzen Buch nicht genannt wird, die mit ihrer Katze (die gar keinen Namen hat) am Chiemsee lebt, freut sich ein bisschen verhalten über und auf ihren neuen Job im Schloss auf der Insel. Es ist nicht die Arbeit, die ihr Sorgen bereitet, sondern das Umfeld. Aber schnell merkt sie, dass die Angestellten alle sehr nett sind. Blöd nur, dass sie schon am zweiten Tag über eine Leiche stolpert und natürlich das Schnüffeln nicht lassen kann. Zwangsläufig gerät die ältere Dame in Gefahr!

Dies ist der dritte Band um Frau Maier und für mich der erste. Man merkt beim Lesen nicht, dass man in der Mitte anfängt, das Buch baut also nicht auf den anderen auf. Sehr schön! Mag sein, dass dem Leser so ein paar kleine Infos zu Frau Maier selbst fehlen, doch ich hatte an keiner Stelle das Gefühl, dass mir etwas fehlt.

Die Figuren sind gelungen, wenn auch teilweise stark überzeichnet. Besonders Frau Maier muss man mögen, ist sie doch eine so traurige Frau. Gerade das nimmt mir jedoch auch viel der Freude am Cosy-Crime, denn die Grundstimmung ist rund um Frau Maier einfach extrem düster, depressiv, schwermütig. Nach und nach erfährt man über die Gründe, doch ist mir das ein bisschen zu viel. Auch ist es schon ein bisschen bittersüß, dass so gut wie jeder Frau Maier mag und ihre Nähe sucht, sie aber quasi die Einsamkeit in Person ist.

Der Fall selbst ist schön verzwickt und mit vielen Indizien und Verdächtigen gespickt. Die Lösung ist einfach, aber effektiv. Das Buch liest sich also bequem und recht unaufgeregt so dahin, entspannt gut und regt auch ein wenig zum Nachdenken an. Dennoch hat es mich nur sehr wenig berührt oder in seinen Bann gezogen und die Namens-Sache finde ich ein bisschen übertrieben. Ein bisschen mehr von der Katze wäre zudem passend gewesen, ist sie doch auf jedem Cover der zentrale Mittelpunkt.

Es war ganz nett mit Frau Maier, aber ich werde wohl doch nicht so schnell ihre anderen Fälle erschmökern. Drei Sterne.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.12.2022

Jung, wild, bunt, exotisch

MEZCLA
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Kochen und backen sind für mich nicht nur notwendige Übel, ich liebe es, Lebensmittel zu verarbeiten und mich und meine Liebsten kulinarisch zu verwöhnen. Da gehe ich auch gerne immer wieder neue, andere ...

Kochen und backen sind für mich nicht nur notwendige Übel, ich liebe es, Lebensmittel zu verarbeiten und mich und meine Liebsten kulinarisch zu verwöhnen. Da gehe ich auch gerne immer wieder neue, andere Wege. Klar, dass mich dieses Buch deshalb sehr angesprochen hat.

Bunt und vielfältig ist das Buch, sind die Rezepte. Für meinen Geschmack werden einige Zutaten fast schon inflationär genutzt. Leider sind es dann genau jene, die ich nicht wirklich mag. Ganz besonders fallen hier die Kochbananen ins Gewicht. Gut, das kann man vorher nicht wissen und ist etwas unglücklich gelaufen. Ich liebe es, Zutaten auszuwechseln, aber hier fällt mir dann doch leider kein adäquater Ersatz ein. Auch kann Ixta Belfrage nichts dafür, dass ich bei vielen Speisen – wie ich durch ihr Buch festgestellt habe – sehr eigen bin. Die Ideen sind richtig super, gar keine Frage, aber leider steige ich dann doch aus, wenn „Vor-dem-Fernseher-Pommes“ zwar mit super leckeren Lebensmitteln gemacht werden, ich aber darauf bestehe, dass meine Pommes trocken und kross sind. Mit Soße und Salsa darüber und Thunfisch dazwischen ist mir das zu matschig. Das mag ich persönlich dann schön ordentlich (und wohl etwas sehr Adrian-Monk-mäßig) getrennt auf dem Teller haben.

Doch auch, wenn mich nur wenige der Gerichte abholen, finde ich das Buch sehr gelungen und vor allem für Spieleabende oder kleine Feiern ideal. Da darf gern mal „etwas anderes“ auf den Tisch kommen, sei es eigenständig oder als Teil eines Buffets. Und die Spinat-Kräuter-Klöße in Kirschtomatensauce haben sogar das Zeug, auf der persönlichen Hitliste und damit im Standardrepertoire zu landen, obwohl sie vegan und glutenfrei sind, wo das frittierte Brot bereits ist. Nur die Desserts fallen bei mir leider komplett durch. Da ist keins dabei, das ich nachkochen möchte. Auch möchte ich keins davon überhaupt probieren. Das ist schade, aber nicht zu ändern.

Der „Theorieteil“ ist interessant und teils sogar amüsant, auf alle Fälle aber informativ und unterhaltsam. Die Rezepte sind klar uns strukturiert aufgebaut. Es findet sich eine Zutatenliste, fast immer eine Anmerkung, eine Einleitung/Erklärung zum Gericht und die gut verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitung. Die Bilder sind toll und machen sehr gut klar, was man am Ende der Arbeit auf den Teller zaubert.

Mein Fazit: Dieses Buch ist nichts für Kochanfänger. Es zielt auf die junge Generation, die nicht nur in der Küche, sondern auch auf Zunge und im Gaumen experimentierfreudig ist und noch nicht, wie ich, zu viele Vorlieben und Abneigungen entwickelt hat. Es spricht jene an, die es wirklich wild und bunt mögen, die auch exotischere Zutaten griffbereit haben und diese vor allem auch mögen. Es ist ein wirklich schönes und vielfältiges Buch, doch ich bin leider nicht die richtige Zielperson dafür. Deshalb sorry, aber ich gebe drei Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 20.11.2022

Reichlich viel Blut

Rachejagd - Gequält
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Anna Jones konnte sich aus den Händen ihres Entführers Edward Harris befreien, musste aber ihre Freundin Natalie zurücklassen. Dadurch hat Anna in ihrer Vorstellung den Tod von Natalie verursacht und diese ...

Anna Jones konnte sich aus den Händen ihres Entführers Edward Harris befreien, musste aber ihre Freundin Natalie zurücklassen. Dadurch hat Anna in ihrer Vorstellung den Tod von Natalie verursacht und diese Schuld belastet sie sehr. Dann beginnt durch einen Brief ein perfides Spiel, bei dem es nur darum geht, wer als erstes verliert.

Bisher kannte ich beide Autoren nicht und bin entsprechend ohne Erwartungen an die Story gegangen. Der Stil ist im Grunde ohne Auffälligkeiten, ohne Alleinstellungsmerkmale, wenn man davon absieht, dass der Fokus eindeutig auf Splatter liegt. Alles, was der durchschnittliche Mensch als schlimm, eklig, brutal und dramatisch empfindet, wird hier stark genutzt.

Ich mag die Stimme von Sinja Dieks sehr, finde sie für diesen Thriller aber nicht ganz passend. Für mich klingt sie nach optimaler Sprecherin für Jugendbücher. Sie klingt selbst einfach so, als wäre sie knapp siebzehn. Das irritiert bei „Rachejagd“ dann doch ein wenig.

Will ich die nächsten Teile auch noch lesen oder hören? Ich bin mir da nicht so sicher. Klar, es ist ein Thriller, aber irgendwie gibt es für mich dann doch zu viel Gewalt, zu viel Blut, zu viele Tote und (schwer) Verletzte. Für mich ist die Qualität eines Thrillers nicht mit der Masse an Brutalität messbar, eher im Gegenteil. Diese Brutalität hat für mich nichts mit Spannung zu tun. Daher ist das nicht wirklich meine Art Buch und die Vorstellung, noch zwei Bände bis zur endgültigen Auflösung zu ertragen, ist für mich nicht schön. Da lese ich lieber andere Bücher, sorry!

Einige Längen machten es mir schwer, an der Sache zu bleiben. Manche Beschreibungen sind mir zu ausführlich. Nicht detailreich, sondern einfach nur zu lange und ausführlich beschrieben. Die Wechsel der Zeitebenen sind nicht immer gleich klar erkennbar. Die Wendungen sind teils interessant, aber häufig auch ein bisschen vorhersehbar. Auf gewisse Weise ist alles logisch, auch wenn diese Logik oft ein bisschen krank ist.

Leider können mich auch der Knaller am Ende und der Cliffhanger nicht mit dem Ganzen versöhnen. Gute Idee, ein paar unglaubliche Zufälle zu viel, erstaunliche Wendungen und viel Blut – dafür gebe ich drei Sterne.

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Veröffentlicht am 15.11.2022

Boning zu Fuß

Der Fußgänger
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Es gibt ein Feuerwerk an Wortspielen, wie sie für Boning typisch sind, wie beispielsweise „Gehmoiren“ oder „Sohlodarität“ oder auch verdrehten Redewendungen wie „Rum wird auch nicht an einem Tag gebraut“. ...

Es gibt ein Feuerwerk an Wortspielen, wie sie für Boning typisch sind, wie beispielsweise „Gehmoiren“ oder „Sohlodarität“ oder auch verdrehten Redewendungen wie „Rum wird auch nicht an einem Tag gebraut“. Diese sind mehr oder weniger gelungen, aber in dieser Masse bin ich sie definitiv nicht gewohnt und es ist ein bisschen so, wie zu viele Süßigkeiten essen. In kleinen Portionen super, alles auf einmal erzeugt eine gewisse Übelkeit und Abneigung.

Bonings Gedankenspaziergang zum Spazierengehen und Wandern ist nicht ohne Unterhaltungswert und es gibt einige Stellen, die sehr wohl zum Nachdenken anregen. Auch Humor kann philosophisch sein, das stellt man hier fest. Gekonnt werden jede Menge kleine weitere Themen eingewoben, die auf den ersten Blick – und irgendwie auch auf weitere Blicke – so gar nichts mit Wandern oder Spazierengehen zu tun haben, aber genial in den Text passen. Sei es der Scout-Schulranzen oder das Smartphone, Boning findet für alles einen Platz in seinem Vortrag.

Insgesamt unterhält das Buch schon, aber es strengt auch arg an. Immer wieder erzählt Boning von seiner Kindheit, aber auch von seiner jüngsten Vergangenheit und eigenen Familie. Das ist ganz amüsant und führt ihn zu mehr oder weniger abstrusen Überlegungen zu (Fuß-)Bekleidung bis zu Fußkrankheiten.

Für wen ist das Buch geeignet? Eindeutig für Boning-Fans, denen es im Grunde egal ist, worüber er spricht. Für alle, die den Fokus auf das Wandern oder Spazierengehen legen, dürfte das Buch doch eher eine Enttäuschung sein. Die stellenweise zu findende Philosophie wird ein bisschen arg mit Blödeleien überschüttet und überhaupt ist hier nicht alles, eher sogar nur wenig, wirklich ernst zu nehmen. Manchmal überstrapaziert Boning auch die Sache, z.B. bei der Aneinanderreihung und Aufzählung mehr oder weniger lustiger Ortsnamen. Ja, ich hab’s verstanden, schon bei der Hälfte der Orte!

Mir scheint, Wigald Boning war beim Einsprechen mehr oder weniger leicht erkältet. Für mich klingt es sehr unangenehm, wie er durch die Nase spricht. Ganz so klingt er sonst nicht. Jedenfalls hat mir genau das leider sehr schwer gemacht, entspannt zuzuhören und die humorige Erzählung, die auch ein klein wenig schlauer machen kann, wenn man das zulässt, zu genießen. Ja, Boning ist ein Comedian und das versteckt er hier auch nicht. Allerdings ist es eben eine Überdosis und hin und wieder kommt der Verdacht auf, er hört sich selbst gern reden. Mein Lieblingszitat ist dann auch nicht von Boning, sondern von Ralph Boller: Der Dienstweg ist leicht zu finden: Er verbindet die Sackgasse mit dem Holzweg.

Insgesamt war es eine nette und unterhaltsame Abwechslung, dennoch kann ich nur drei Sterne spendieren.

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Veröffentlicht am 14.11.2022

Wie rettet man die Welt?

Shorty
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Shorty ist nicht wie andere. Er hat schon eine Menge Jobs gemacht und verloren oder hingeworfen. Er kann alles, aber nix richtig. Dennoch wurstelt er sich immer durch und fällt auf die Füße. Doch dass ...

Shorty ist nicht wie andere. Er hat schon eine Menge Jobs gemacht und verloren oder hingeworfen. Er kann alles, aber nix richtig. Dennoch wurstelt er sich immer durch und fällt auf die Füße. Doch dass er plötzlich eine Stimme hört, ist neu. Er soll einen Kurzschluss auslösen, um die Welt zu retten. Zunächst ist Shorty skeptisch, doch dann macht er sich ans Werk. Und natürlich geht alles komplett schief!

Shorty – ich weiß nicht so recht, was ich von ihm halte. Mag ich ihn? Mag ich ihn nicht? Das ändert sich irgendwie ständig. Ich frage mich auch von Anfang bis fast Ende, ob er vielleicht eine Krankheit hat. Ähnlich wie bei „Phänomenon“. Das Ende dann, nun, es lässt mich nicht so ganz glücklich zurück. Muss es ja auch nicht, soll es wohl auch nicht. Trotzdem ist dies dann schlussendlich auch ein Aspekt für meine Schlusswertung.

Ja, Jörg Maurer packt in diese Story eine Menge Themen ein, die gerade jetzt brisant sind. Auch gibt es immer wieder Stellen zum Lachen, neben spannenden Momenten. Dennoch kann er mich nicht packen, nicht überzeugen. Die Story ist aberwitzig, witzig, skurril. Das ist okay. Doch sind für mich zu viele Längen vorhanden. Die Reise durch die Universen, die Begegnungen mit den vielen Spezies, die Überlegungen, die Twists, die Lacher – es ist ein für meine Geschmack zu grellbunter Mix. Dazu kommen dann die genannten Längen, bei denen mich Maurer fast komplett verloren hat und nur schwer wieder in die Story ziehen konnte.

Ja, der eine oder andere Gag ist durchaus gelungen. Aber andere nutzen sich ab, wie beispielsweise die ständige Wiederholung mit Simon Jäger, dem bekannten Hörbuchsprecher. Eingesprochen hat dieses Hörbuch der Autor übrigens selbst. Ansätze sind super, doch hat Maurer wohl einen etwas anderen Plan verfolgt, als ich erwartet habe, jedenfalls kam die Story rund um Shorty nicht so gut bei mir an. Die durchaus vorhandenen unterhaltsamen Stellen und die großartige Phantasie weiß ich durchaus zu würdigen. Dennoch bekommt „Shorty“ von mir nicht mehr als drei Sterne. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich am Ende nur schwer jemandem erzählen kann, was genau so alles in der Story geschehen ist. Sie hat also eine zu kurze Halbwertzeit.

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