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Veröffentlicht am 09.01.2023

Sehnsucht nach Heimat

Die Pachinko-Kugeln
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Claire kommt aus der Schweiz nach Tokio, um den Sommer bei ihren Großeltern zu verbringen und mit den beiden im Anschluss daran eine Reise nach Korea zu unternehmen, das Heimatland der beiden. Die Großeltern ...

Claire kommt aus der Schweiz nach Tokio, um den Sommer bei ihren Großeltern zu verbringen und mit den beiden im Anschluss daran eine Reise nach Korea zu unternehmen, das Heimatland der beiden. Die Großeltern leben seit fünfzig Jahren in Japan und haben ihre Heimat seitdem nicht wiedergesehen, trotzdem wird die Reise totgeschwiegen, die Großmutter ist seltsam entrückt, der Großvater kümmert sich hingebungsvoll um seine Pachinko-Halle. Um sich die Zeit zu vertreiben, kümmert sich Claire um die zehnjährige Mieko, die allein mit ihrer Mutter lebt.

„Es ist nicht meine Schuld, denke ich, wenn ich nichts erzähle. Wenn ich das Koreanische vergesse. Es ist nicht meine Schuld, wenn ich Französisch spreche. Ich habe für euch Japanisch gelernt. Das sind die Sprachen der Länder, in denen wir leben.“ (Seite 98)

Zu Beginn war ich mir nicht sicher, um was es in dem Buch eigentlich geht. Anfangs lag der Fokus auf dem betreuten Kind, aber nach und nach rückte die Familiengeschichte von Claire in den Vordergrund und ab da wurde es interessanter und emotionaler. Die Beziehung Claires zu ihren Großeltern, die vor der Teilung Koreas nicht ganz freiwillig nach Japan emigriert sind, wie damals viele andere Koreaner auch, ist nicht ganz so einfach; die alten Leute weigern sich, japanisch mit ihrer Enkelin zu sprechen, die wegen ihnen die Sprache gelernt hat, dafür aber die koreanische Sprache nicht beherrscht. Diese Tatsache, dazu Claires Suche nach Identität und die Frage, was Heimat nun eigentlich ist, führen zu Konflikten, die eine Belastung für alle Beteiligten sind. Die Kluft zwischen den Generationen hat die Autorin glaubhaft dargestellt, ich konnte den Frust und die Verzweiflung von Claire nachfühlen und war gespannt, worauf das Ganze hinausläuft.

Die Auflösung hat mir gefallen, obwohl ich überrascht war, denn gerechnet habe ich damit nicht. Eine zauberhafte Geschichte, die mich berührt hat und lediglich die manchmal seltsame Satzstellung und das ein oder andere mir unbekannte Wort möchte ich bemängeln, wobei ich mir nicht sicher bin, ob dies der Übersetzung geschuldet ist. Gerne vergebe ich vier Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 21.12.2022

Schau in meine Augen

Mimik
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Hannah Herbst ist Mimik-Expertin, genauer gesagt Mimikresonanz-Expertin, sie kann also anhand minimaler Veränderungen im Gesicht eines Menschen unter anderem erkennen, ob dieser die Wahrheit sagt oder ...

Hannah Herbst ist Mimik-Expertin, genauer gesagt Mimikresonanz-Expertin, sie kann also anhand minimaler Veränderungen im Gesicht eines Menschen unter anderem erkennen, ob dieser die Wahrheit sagt oder nicht. Dabei arbeitet sie eng mit der Polizei zusammen, kommt so den gefährlichsten Verbrechern zu nahe. Nach einer Operation leidet Hannah am Gedächtnisverlust, als sie ein Video auswerten soll, in dem eine Frau die Morde an ihrer Familie gesteht. Lediglich deren kleiner Sohn Paul hat überlebt, dieser ist verschwunden und nur die Täterin weiß, wo er ist. Der Schock sitzt tief bei Hannah, als sie feststellt, dass die Frau im Video sie selbst ist.

Wie immer schafft der Autor bereits früh eine bedrohliche Atmosphäre, in der nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Er legt falsche Fährten, führt mich immer wieder in die Irre, lässt mich etwas glauben, was er kurze Zeit später revidiert. Dieses Katz- und Maus-Spiel gefällt mir im vorliegenden Buch unglaublich gut, ich fliege durch die Seiten, überlege, rate, verdächtige und scheitere doch immer wieder kläglich. Einige Twists überraschen und verblüffen mich, die Wendung, die die Geschichte irgendwann nimmt, habe ich so nicht erwartet. Erneut ändere ich meine Meinung, was den Tathergang betrifft, und zum wiederholten Male liege ich falsch. Die Auflösung überrascht mich, dieses Ende habe ich nicht erwartet. Eigentlich könnte nun alles so schön sein, wenn da nicht noch eine klitzekleine Enthüllung folgen würde, die mich nicht nur nicht überzeugt, sondern die Freude am Buch insgesamt schmälert. Diese Enthüllung ist für mich nicht stimmig, sie rundet die Story nicht ab, sondern zerstört für mich das Gesamtbild. Warum nur hat der Autor das gemacht, frage ich mich insgeheim und finde keine Antwort. Damit hat das Buch leider ganz knapp das Siegertreppchen verpasst, was ich schade finde. Dennoch gibt es vier Sterne von mir, denn unterhalten wurde ich wirklich gut, sodass ich auch gerne eine Leseempfehlung aussprechen möchte.

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Veröffentlicht am 19.12.2022

Riten und Rituale

Wen die Specht holt
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Der Bürgermeister des in der Oberpfalz gelegenen Dorfes Holzwiesenreuth wird ermordet aufgefunden, er wurde auf dem Kirchplatz an einen Baum gehängt, fürchterlich zugerichtet und zur Schau gestellt. Die ...

Der Bürgermeister des in der Oberpfalz gelegenen Dorfes Holzwiesenreuth wird ermordet aufgefunden, er wurde auf dem Kirchplatz an einen Baum gehängt, fürchterlich zugerichtet und zur Schau gestellt. Die Kommissare Kranzfelder und Stern nehmen die Ermittlungen auf und finden schnell heraus, dass der Tote nicht gerade beliebt war im Dorf.

Das vorliegende Buch ist ein Debüt der sympathischen Autorin Yvette Eckstein, das mir gut gefallen hat. Es handelt sich um einen sehr zurückhaltenden Kriminalroman, der den Fokus auf die Figuren legt und das Privatleben der Personen oft in den Vordergrund stellt. Mir war die Geschichte manchmal zu sehr auf die Kommissare fokussiert, die Ermittlung, die sich etwas im Kreis drehte, blieb oft auf der Strecke. Ich kann es mir damit erklären, dass die Autorin ihre Figuren erst einmal vorstellen und etablieren möchte, allerdings ging dies ein wenig zu Lasten der Erzählung.

Der Fall selbst war interessant und der Schreibstil angenehm, lediglich der immer wieder eingestreute Dialekt hat meinen Lesefluss ein wenig gebremst, weil ich nicht immer alle Worte verstanden und oft einfach geraten habe. Der in die Geschichte eingebaute Brauch war mir vollkommen unbekannt und ich habe mich gerne, zuletzt im Nachwort, darüber aufklären lassen. Alles in allem ein kurzweiliges Lesevergnügen, für das ich gerne vier Sterne vergebe und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 06.12.2022

Das Heimweh überlisten

Später, Spaß, lieb
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Mit Haareschneiden fing es an, es folgte die große Verliebtheit, Zwillings-Söhne, eine Heirat und dann die harte Landung, als Marc zu Tina sagte, er wisse nicht, ob er sie jemals geliebt hat. Nach einer ...

Mit Haareschneiden fing es an, es folgte die große Verliebtheit, Zwillings-Söhne, eine Heirat und dann die harte Landung, als Marc zu Tina sagte, er wisse nicht, ob er sie jemals geliebt hat. Nach einer dramatischen Trennung renkte sich doch noch alles ein, es war nichts vergessen, aber zumindest verziehen. So fängt sie an, die Autobiografie von Tina Wälde in Romanform. In kurzen Episoden schildert die Autorin, wie es dazu kam, dass sie vom schwäbischen Dorf an die zypriotische Küste gereist und dort heimisch geworden ist. Dabei ist der Text ergänzt durch lustige Fußnoten, Sprüche, Zitate und Illustrationen, sogar ein Rezept ist dabei. Unterhaltsam und humorvoll nimmt die Autorin uns auf eine Reise durch ihr Leben, teilt Anekdoten, Freude und Leid mit uns. Dies tut sie auf solch amüsante Weise, dass es mir eine Freude war, durch die Seiten zu fliegen. Das Nachwort hat mich berührt, der Brief von Tina an ihre Mutter war schon sehr emotional. Danke für dieses kurzweilige Leseerlebnis, für das ich gerne vier Sterne vergebe.

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Veröffentlicht am 03.12.2022

Folge deinem Herzen

Die Stimme, die ich sah
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Die junge Wölfin Liora kann und möchte sich nicht anpassen; weder mag sie so sein, wie andere sie gerne hätten, noch möchte sie erzogen oder beschützt werden durch ihr Rudel und schon gar nicht will sie ...

Die junge Wölfin Liora kann und möchte sich nicht anpassen; weder mag sie so sein, wie andere sie gerne hätten, noch möchte sie erzogen oder beschützt werden durch ihr Rudel und schon gar nicht will sie sich fügen in die ihr vorbestimmte Rolle als Leitwölfin. Sie macht sich auf den Weg, dem Ruf ihrer Seele zu folgen, ihr Leben selbstbestimmt zu meistern und glücklich zu sein. Auf ihrem Weg trifft sie allerlei Gefährten, die sie auf ihrer Reise begleiten.

Es handelt sich beim vorliegenden Buch um einen spirituellen Ratgeber, verpackt in eine phantastische Erzählung, in der Tiere die Hauptrolle spielen, dies aber mit menschlichen Zügen. Es gibt viele Sprüche, Weisheiten sowie Hinweise, die zum nachdenken anregen sollen. Welche Erkenntnisse man daraus mitnimmt, das bleibt jedem selbst überlassen. Dieses schöne Kunstmärchen hat mich gut unterhalten, den ein oder anderen Spruch habe ich mir markiert und aufgeschrieben. Bahnbrechende Erkenntnisse darf man hier nicht erwarten, es ist einfach ein schönes Buch zum träumen, nachdenken oder auch einfach nur geniessen. Von mir gibt es vier Sterne und eine Leseempfehlung.

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