Profilbild von herbsandhexes

herbsandhexes

Lesejury Star
offline

herbsandhexes ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit herbsandhexes über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.01.2023

Interessante Sammlung, die zum Nachdenken anregt

Zwei Schwalben in Paris
0

Das Buch bündelt insgesamt zehn Kurzgeschichten, in denen Tiere eine zentrale Rolle spielen. Habt ihr euch z. B. schon einmal gefragt, wie ein Gürteltier die Pandemie erlebt hat? Falls nein: Jetzt ist ...

Das Buch bündelt insgesamt zehn Kurzgeschichten, in denen Tiere eine zentrale Rolle spielen. Habt ihr euch z. B. schon einmal gefragt, wie ein Gürteltier die Pandemie erlebt hat? Falls nein: Jetzt ist es an der Zeit!

üʙᴇʀ ᴍᴇɴsᴄʜᴇɴ, ᴛɪᴇʀᴇ ᴜɴᴅ ᴅɪᴇ ᴡᴇʟᴛ, ɪɴ ᴅᴇʀ ᴡɪʀ ʟᴇʙᴇɴ – Grundsätzlich haben mir die Verknüpfungen gut gefallen und von einigen Transferleistungen des Autors war ich sowohl überrascht als auch beeindruckt. Der leichte Erzählstil hat bei mir außerdem dazu beigetragen, dass ich zwischen den Feiertagen gerne in einem unbeobachteten Moment in eine der Geschichten abgetaucht bin.

Die erste und die letzte Kurzgeschichte haben mich dabei am stärksten berührt. In „Im Rosengarten“ begleiten wir das erste Zusammentreffen zweier Präsidentenhunde und werden mit unterschiedlichen Weltsichten und Umgangsformen konfrontiert. Insbesondere das Ende empfand ich als sehr gelungen! (Aufgrund der Kürze werden die Nationen nur in stereotyp anmutenden Grundzügen porträtiert, aber davon losgelöst ist die Geschichte bei mir am stärksten in Erinnerung geblieben.) Bei der namensgebenden Kurzgeschichte „Zwei Schwalben in Paris“ steht wiederum eine Schwalbenfamilie im Fokus, die sich auf den Winter vorbereitet. Hier wird deutlich, dass es stets mehrere Möglichkeiten gibt, mit einem Problem umzugehen (inklusive unterschiedlicher Vor- aber auch Nachteile). Natürlich lassen sich noch weitere Botschaften herauslesen, aber diese hat mir persönlich am besten gefallen. Zudem fand ich es schön, dass Figuren aus den Geschichten zuvor wieder auftauchen und zusammengeführt werden. Dafür wurde ich mit anderen Geschichten leider nicht warm (z. B. „Der beste Therapeut“).

Jede der Kurzgeschichten ziert darüber hinaus eine Illustration, die mir allesamt gut gefallen haben und in meinen Augen gelungen zu den Geschichten und der generellen Aufmachung des Buches passen.

Das Buch ist für mich insgesamt so detailliert wie nötig und so einfach wie möglich gehalten – was ich in diesem Fall als sehr angenehm empfunden habe!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.01.2023

Interessanter Reihenauftakt!

Panda Kingdom - Reißende Flut
0

Die große Flut hat nicht nur das Land, sondern auch die Geschwister Blättchen, Regen und Geist voneinander getrennt. Doch das Schicksal führt sie wieder zusammen: Die Nahrung wird knapper, Raubtiere streifen ...

Die große Flut hat nicht nur das Land, sondern auch die Geschwister Blättchen, Regen und Geist voneinander getrennt. Doch das Schicksal führt sie wieder zusammen: Die Nahrung wird knapper, Raubtiere streifen durch das Unterholz und eine Intrige wartet darauf entlarvt zu werden. Um Panda Kingdom zu retten, müssen die drei Pandas wieder zusammenfinden, den unüberwindbaren Fluss überqueren und den Anführer stürzen.

Direkt zu Beginn kamen sehr viele Pandas zur Sprache, was mich etwas überfordert hat. Auf den ersten sechs Seiten des ersten Kapitels hätten wir z. B.: Blättchen, Pflaume, (Klein-)Bambusrohr, Hyazinthe, Wacholder, Gras, Holzapfel, Knorreiche, Immergrün und Sonnenrot. Vielleicht haben Kinder damit weniger Probleme, mein Gehirn kam beim ersten Lesen so schnell nicht hinterher. Immerhin folgen direkt im Anschluss nochmal die Familien der anderen beiden Pandas, die unsere Hauptfiguren sind.

Nach dem holprigen Start hat mich die Geschichte aber schnell für sich eingenommen und die Namen haben sich gedanklich sortiert. Alle drei Pandas – Blättchen, Regen und Geist – haben ein unterstützendes Umfeld, aber auch ihre eigenen Probleme zu tragen. Dabei hat mir gut gefallen, dass alle eigene Fähigkeiten und Eigenheiten mitbringen. Außerdem gefällt mir, dass Familie hier mehr als bloß Blutsverwandtschaft ist.

Überrascht haben mich die religiösen Züge der Panda-Gesellschaft – bei jeder der zahlreichen Mahlzeit wird gebetet. Das Konzept der Drachenzunge – ein Panda, dem der Große Drache Warnungen und Ratschläge für das gesamte Tierreich mitteilt – hat mir allerdings gut gefallen. Außerdem möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass Verlust ein größeres Thema innerhalb der Geschichte ist, was aus meiner Sicht bei jüngeren Leser:innen zu Gesprächsbedarf führen könnte.

Insgesamt ist „Panda Kingdom – Die reißende Flut“ aus meiner Sicht ein gelungener Reihenauftakt, der gerade zum Ende hin sehr an Fahrt aufnimmt. Ich bin schon auf die nächsten Bände gespannt. Vor allem auf das Wiedersehen mit dem kletterbegabten Blättchen freue ich mich sehr – wer kann tapsigen Pandas schon widerstehen?

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.12.2022

Keine Angst vor Klassikern!

Frankenstein
0

Wenn ihr an Monster denkt, was kommt euch dann zuerst in den Sinn? Eine abstoßende Erscheinung oder moralisch fragwürdige Entscheidungen?

Die wirklich kleine Ausgabe umfasst die Urfassung von Frankenstein ...

Wenn ihr an Monster denkt, was kommt euch dann zuerst in den Sinn? Eine abstoßende Erscheinung oder moralisch fragwürdige Entscheidungen?

Die wirklich kleine Ausgabe umfasst die Urfassung von Frankenstein und zusätzlich das Vorwort der überarbeiteten Version, Anmerkungen sowie ein Nachwort. Für mich war es sehr interessant auf verschiedene Bezüge zwischen Gelehrten, Geschichten, Mary Shelleys Leben und dem Werk hingewiesen zu werden, wobei es für mich fast noch ausführlicher hätte ausfallen können. Auch die Unterschiede zwischen den Versionen haben mein Interesse geweckt, wurden – abgesehen von ihrer Nennung – allerdings nicht näher vertieft.

Überraschend war für mich, wie stark das durch Filme und Theater geprägte Bild von dem Original abweicht. War euch bewusst, dass die Geschichte über Briefe erzählt wird? Robert Walton erzählt seiner Schwester von seinen Erlebnissen und von Frankenstein, der – nach seiner Rettung im Polarmeer – von seiner Schöpfung berichtet, die kurz zuvor auf gefrorener See mit einem Hundeschlitten gesichtet wurde. Das „Monster“ ist allerdings keineswegs ungelenk, wie man es vielleicht im Hinterkopf hat, sondern schneller, stärker und flinker als jeder Mensch. Außerdem ist es eloquenter als erwartet.

Während Frankenstein seinen Werdegang, seine Verfehlungen und Hoffnungen preisgibt, kommt auch das „Monster“ zu Wort: „Mach mich glücklich, und ich werde erneut tugendhaft sein.“ Der Bericht von Frankensteins Schöpfung über seinen Versuch, das Leben zu begreifen, war sehr bewegend. Ausgegrenzt und verjagt, hilflos und allein… Ich konnte nicht anders als großes Mitleid mit ihm zu empfinden. Mit
zunehmender Raserei wendet sich das Blatt in meinen Augen zumindest ein wenig, doch das moralische Dilemma bleibt. Vor allem als das „Monster“ nach einigen Verbrechen um eine Weggefährtin bittet.

Spannend finde ich, dass sich die Geschichte praktisch nur auf das Innenleben beschränkt. Es gibt keine ausführlichen Beschreibungen des Labors, der verschiedenen Städte oder Ähnliches – dafür sehr viel Verzweiflung.

Für mein Empfinden war die Geschichte sehr gut lesbar, also: Keine Angst vor Klassikern!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.12.2022

Was, wenn Einhörner gar nicht ungefährlich wären?

Skandar und der Zorn der Einhörner
0

Einhörner sind euch zu langweilig? Hier ganz sicher nicht! Skandar hofft einer der neuen Einhorn-Reiter zu werden, doch als das Examen endlich zum Greifen nah ist, wird er ohne eine Erklärung von der Prüfung ...

Einhörner sind euch zu langweilig? Hier ganz sicher nicht! Skandar hofft einer der neuen Einhorn-Reiter zu werden, doch als das Examen endlich zum Greifen nah ist, wird er ohne eine Erklärung von der Prüfung ausgeschlossen und das mächtigste Einhorn vom geheimnisvollen Weber gestohlen. Ob auf Skandar dennoch ein Einhorn wartet und gelüftet wird, wer der Weber ist und welche Ziele er verfolgt?

Wirklich gut hat mir gefallen, dass Einhörner mit Grusel verbunden werden. Sie sind keine putzigen, fluffigen Tierchen, die Regenbogen pupsen, sondern verwegene und tödliche Kreaturen. Sie können nur dann gezähmt werden, wenn sie von der passenden Person aufgezogen werden. Anderenfalls schlüpfen sie – ja, Einhörner sind praktisch Küken – wild, sind geifernde Ungetüme und nicht zu besänftigen. Achtung: Auch gebundene Einhörner sind nicht nur zuckersüß.

Die Duos – Reiter:in und Einhorn – verfügen zudem über eine Bindung zu einem der vier Elemente, die z. B. bei dem alljährlichen Kampf um den Chaospokal von Nutzen sind. Dieser Aspekt führt auch dazu, dass sich das Buch etwas weniger nach einer Reiterhof-Geschichte anfühlt.

Der Tiefgang an einigen Stellen der Geschichte ist für mich besonders hervorzuheben. Hierzu zählt z. B. dass aus Kindersicht thematisiert wird, wie sich die Depressionen von Skandars Vater auf das tägliche Leben und die Familiendynamik auswirken. Auch verschiedenen anderen Problemen – wie Panikattacken und der Umgang mit Verlust – wird Raum gegeben und gezeigt, wie wichtig der Zusammenhalt untereinander ist. Ich persönlich fand den Einbezug sehr stimmig umgesetzt, war im ersten Moment allerdings erstaunt, diese Dimension in einem Kinderfantasybuch zu finden.

Den großen Showdown fand ich okay, weniger wäre für mich mehr gewesen. Mein 11-jähriges-Ich hätte allerdings mit ziemlicher Sicherheit vergnügt in die Hände geklatscht („Und dann ist das passiert, aber dann kam das und eigentlich ist es so! Aber dann…“), also fällt dies für mich nicht weiter ins Gewicht.

Euch erwarten ein Junge, der über sich hinauswächst, blutrünstige Einhörner, Elementarmagie, Kämpfe und das zarte Band neuer Freundschaften. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.11.2022

Großartig gelesen und anders als erwartet!

Villains Collection
0

„Nobody is a villain in their own story.“ Die Villains Collection umfasst die ersten sechs Bände der Reihe und damit folgende Märchen aus neuer Perspektive:

🍎 Schneewittchen (Die Schönste im ganzen ...

„Nobody is a villain in their own story.“ Die Villains Collection umfasst die ersten sechs Bände der Reihe und damit folgende Märchen aus neuer Perspektive:

🍎 Schneewittchen (Die Schönste im ganzen Land)
🥀 Die Schöne & das Biest (Das Biest in ihm)
🧜🏼‍♀️ Arielle, die Meerjungfrau (Die Einsame im Meer)
🧚🏼‍♂️ Dornröschen (Das Geheimnis der Dunklen Fee)
💇🏼‍♀️ Rapunzel (Das verzauberte Haar)

Der letzte Band fokussiert die Geschichte der drei Hexenschwestern Lucinda, Ruby und Martha, die eine übergreifende Rolle in der Reihe einnehmen. Entsprechend solltet ihr die Reihenfolge unbedingt einhalten!

Die Idee, bekannte Märchen neu zu erzählen und die (Hintergrund-)Geschichten der „Villains“ zu beleuchten sowie Ereignisse miteinander zu verknüpfen, finde ich großartig. Besonders hervorzuheben ist für mich an dieser Stelle, dass ein Geflecht aus Fremdeinflüssen und eigenen Entscheidungen skizziert wird, was die Abgründe oft umso tiefer und tragischer erscheinen lässt. That’s my jam! 🦇

Obwohl mir die Reihe grundsätzlich gut gefallen hat, waren mir einige Handlungsstränge stellenweise zu langatmig (z. B. die wiederkehrenden Darstellungen, dass sich jemand wenig emphatisch verhält), während andere für mein Gefühl zu schnell abgehandelt wurden (z. B. die Hintergründe rund um Ursula und Arielle). Mir scheint die Sprache – für ein Jugendbuch – zudem recht einfach gehalten zu sein. Die Sprecherin Tanja Geke liest allerdings so angenehm, dass trotzdem eine spannende Atmosphäre aufkommt und die Zeit nur so verflogen ist.

Insgesamt bündelt die Box sechs kurzweilige Geschichten, die einen Blick hinter die von uns geliebten Märchen werfen und neue Perspektiven eröffnen. Ich hätte mir jedoch etwas mehr Tiefgang gewünscht und dass sich – trotz der interessanten Verbindungen zwischen den Märchen – der Fokus der Geschichten nicht zunehmend von den entsprechenden „Villains“ entfernt. Auf die nächsten Bände bin ich dennoch sehr gespannt!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere