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Veröffentlicht am 21.05.2023

Überzeugender Auftakt einer neuen Thriller-Reihe

Der Morgen (Art Mayer-Serie 1)
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Der Morgen ist der erste Band einer neuen Thriller-Reihe von Marc Raabe. Einen Bezug zum Inhalt kann ich beim Cover nicht erkennen, aber es ist mit dem auffälligen Pink ein Hingucker, genau wie der schwarze ...

Der Morgen ist der erste Band einer neuen Thriller-Reihe von Marc Raabe. Einen Bezug zum Inhalt kann ich beim Cover nicht erkennen, aber es ist mit dem auffälligen Pink ein Hingucker, genau wie der schwarze Buchschnitt.

Das neue Ermittlerteam finde ich interessant und es gefällt mir gut. Da ist Art Mayer, ein verschlossener Mann mit Ecken und Kanten, Typ Harte Schale, weicher Kern, der zu wenig auf sich achtet und seine unerfahrene junge Kollegin Nele Tschaikowski, sie ist schnell von Begriff, clever und empathisch. Es deutet sich rasch an, dass die Beiden zueinander passen und ein gutes Team werden.

Von Beginn an gibt es zwei packende Handlungsstränge auf verschiedenen Zeitebenen und die Frage, was die Jugendlichen des in der Vergangenheit spielende Handlungsstrangs mit den Protagonisten in der Gegenwart zu tun haben, bleibt lange unbeantwortet und trägt sehr zu Spannung bei. Der aktuelle Mordfall ist rätselhaft, für die Ermittler wie für den Leser, und von politischer Brisanz, tagesaktuelle Themen werden geschickt in die Handlung eingebunden.
Marc Raabe überrascht mit vielen Wendungen, einige Figuren spielen mehr als eine Rolle, was auf verschiedenen Ebenen im Handlungsverlauf erst ersichtlich wird und mir sehr gefallen hat. Auch den Aufbau der Geschichte finde ich dramaturgisch sehr gelungen. Der Schreibstil ist lebendig und bildhaft, die Figurenzeichnung oft vielschichtig, authentisch und überwiegend glaubhaft.
Der durchgehend spannende Thriller mit unerwarteter, doch schlüssiger Auflösung und aufregendem Showdown hat mich sehr gut unterhalten und einige offene Fragen lassen mich mit Vorfreude auf den zweiten Band warten. Ich vergebe 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung für jeden Thrillerfan!

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Veröffentlicht am 11.02.2023

Gelungene Near-Future-Dystopie

Equilon
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Die Klimakatastrophe hat zu neuen Strukturen geführt, Firmen haben die Führung übernommen und die Welt in wenige große Gebiete eingeteilt.
Die 20-jährige Jenna hat es geschafft, sie hat den Score für ...

Die Klimakatastrophe hat zu neuen Strukturen geführt, Firmen haben die Führung übernommen und die Welt in wenige große Gebiete eingeteilt.
Die 20-jährige Jenna hat es geschafft, sie hat den Score für die »Eine Milliarde« geknackt und darf als eine von wenigen Privilegierten nach New Valley reisen, um an Equilon mitzuarbeiten, dem Algorithmus, der das neue Fundament der Weltordnung ist und die Erde wieder bewohnbar machen soll.
Dorian lebt noch in einem der „Grenzländer“, unfruchtbare, staubige Landstriche mit Reststädten, wo die Menschen Stürmen, Dürre und Luftverschmutzung ausgesetzt sind und wenig Chancen haben, ihren score zu verbessern.

Die Geschichte wird abwechselnd aus Jennas und Dorians Ich-Perspektive erzählt, wodurch ich als Leserin ganz nah an ihren Gedanken und Gefühlen bin. In beider Leben gibt es Veränderungen, und es ist spannend und berührend zu verfolgen, wie Jenna und Dorian mit neuen Herausforderungen und starken Emotionen umgehen.
Erst gegen Ende werden die beiden Handlungsstränge zu einem und hier gibt es einen Aspekt im Verhältnis zwischen Jenna und Dorian, den ich nicht nachvollziehen konnte (ich kann das nicht näher ausführen ohne zu spoilern), mein einziger Kritikpunkt.
Auch bei den Nebencharakteren ist die Figurenzeichnung authentisch und glaubwürdig. Sarah Raichs Schreibstil ist packend, bildhaft und anschaulich. Trotz der anfangs vielen neuen technischen englischen Begriffe hatte ich keine Verständnisschwierigkeiten, alles wird erklärt oder erschließt sich aus dem Zusammenhang. Die Verwendung englischer Bezeichnungen finde ich logisch, ist das doch im technisch-wissenschaftlichen Bereich schon heute so.

Die Autorin hat ihre spannende dystopische Geschichte, deren Ende für mich nicht vorhersehbar war, glaubhaft und erschreckend umgesetzt und thematisiert neben der Zweiklassengesellschaft auch den Rohstoffbedarf einer digital hochgerüsteten Welt, die Notwendigkeit von Robotern, die Nahrungsbeschaffung und mehr. Darüber hinaus punktet das Buch mit einer interessanten Playlist.

Das Cover passt sehr gut zur Geschichte, es zeigt die beiden gegensätzlichen Welten, um die es hier geht.
Mir hat Equilon sehr gut gefallen und ich empfehle das Buch nicht nur jungen Lesern von Near-Future-Fiction und Dystopien.

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Veröffentlicht am 16.01.2023

Was hält eine Liebe alles aus?

Die Liebe an miesen Tagen
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Clara und Elias sind füreinander bestimmt, das wissen beide von Anfang an und es ist auch für andere offensichtlich, dass sie zusammen gehören. Doch Clara hat eine schwierige Partnerschaft hinter sich ...

Clara und Elias sind füreinander bestimmt, das wissen beide von Anfang an und es ist auch für andere offensichtlich, dass sie zusammen gehören. Doch Clara hat eine schwierige Partnerschaft hinter sich und ist einige Jahre älter als Elias. Und Elias ist Schauspieler durch und durch, allzu oft spielt er nur das Leben. Schaffen es die beiden, ihre Liebe auch im Alltag, an miesen Tagen, zu leben?

Auf diesen Alltag spielt das schön gemachte Cover an: ein Morgen mit Zeitung und Kaffee, aber da gibt es einen störenden Kaffeefleck.
Mit klaren, bildhaften Worten schreibt Ewald Arenz abwechselnd aus Claras und Elias' Perspektive, bezieht auch die Jahreszeiten und die Natur mit ein, um Gefühle, Zweifel, Unsicherheiten atmosphärisch zu beschreiben. Die Emotionen der Protagonisten berühren, die Charaktere sind gut ausgearbeitet und sehr nahbar. Alle Figuren sind interessant und erscheinen lebendig und authentisch, vor allem Claras Familie ist liebenswert, wobei die Figur der Mutter die Geschichte um ein belastendes Thema erweitert, das der Autor offen und einfühlsam darstellt.

Für Clara als Fotografin sind visuelle Eindrücke wichtig und für Elias das Wort, die Sprache. Ewald Arenz verbindet in seinem Roman wunderbare Worte mit schönen Bildern, unterhält mit humorvollen und auch ernsthaften Dialogen und schafft eine emotionale Nähe zu den Protagonisten, so dass die Geschichte mich mitnimmt. Gespannt und hoffnungsvoll habe ich dem Ende entgegen gelesen.

Dem Autor ist eine bezaubernde gefühlvolle, niemals kitschige Liebesgeschichte mit Tiefgang und (vielleicht ein wenig zu viel) Dramatik gelungen, die auch den Konflikt zwischen Eigenständigkeit in der Lebensmitte und der Erkenntnis, unerwartet Hälfte eines Paares zu sein, ehrlich beschreibt.
Ich habe Die Liebe an miesen Tagen mit Vergnügen gelesen und freue mich, Ewald Arenz als für mich neuen Autor entdeckt zu haben.

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Veröffentlicht am 08.12.2022

Spannender Genremix

Nanobots
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Nanobots ist ein genreübergreifender Thriller, er ist Krimi, Wissenschaftsthriller und Science Fiction oder near-future-Roman mit sehr viel Action und Hochspannung von Anfang bis Ende.
Die Ermittlungen ...

Nanobots ist ein genreübergreifender Thriller, er ist Krimi, Wissenschaftsthriller und Science Fiction oder near-future-Roman mit sehr viel Action und Hochspannung von Anfang bis Ende.
Die Ermittlungen zu einem verschwundenen Ehemann und dem Mord an einem Wissenschaftler führen für die ehemalige Polizistin und Wiener Detektivin Stella Marini bis zu US-Geheimdiensten, von Wien geht es über den Stützpunkt Ramstein nach Washington, Arizona, in die Rocky Mountains und bis nach Afghanistan. Schnell entwickeln die Fälle eine ungeahnte Tragweite und Komplexität.

Zunächst gibt es zwei Handlungsstränge, die ein hohes Tempo vorlegen, dazu tragen auch Perspektivwechsel bei. Dank datierter Kapitel mit Ortsangaben hatte ich trotz der verschiedenen Schauplätze immer den Überblick.
Die Protagonisten gewinnen Profil durch den saloppen Schreibstil und feinen Humor, mit wenigen Worten gelingt der Autorin ihre Figurenzeichnung, die Charaktere sind authentisch, glaubwürdig und jeder einzelne etwas Besonderes.

Wissenschaftliche Aspekte sind gründlich recherchiert und auch für Laien wie mich verständlich und nachvollziehbar erklärt, ob es um die Biosphere 2 geht oder um Nanotechnologie. Eindrucksvoll und glaubhaft beschrieben werden die mühsamen Reisen in Afghanistan oder auch ein plötzlicher Blizzard in den Rocky Mountains, oft kommt es zu filmreifen Szenen, die Veronika A. Grager gekonnt zu Papier gebracht hat.

Das Buch ist ursprünglich 2011 unter dem Titel „Nanobots – Gefährliche Teilchen“ erschienen, und wird jetzt überarbeitet, erweitert und mit einem zusätzlichen Kapitel über Afghanistan ab 2021 neu aufgelegt. Ob Stella und ihre Truppe immer noch an verzwickten Fällen arbeiten, wird an dieser Stelle nicht verraten. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich empfehle es gern weiter.

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Veröffentlicht am 13.08.2022

Eine außergewöhnliche Ermittlerin mit Talent und Intuition

Todesspiel. Die Nordseite des Herzens
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Ein Serienmörder tötet ganze Familien, indem er sich das nach Naturkatastrophen herrschende Chaos zunutze macht. Nur durch einen Zufall wird sein Morden entdeckt. Die spanische Polizistin Amaia Salazar, ...

Ein Serienmörder tötet ganze Familien, indem er sich das nach Naturkatastrophen herrschende Chaos zunutze macht. Nur durch einen Zufall wird sein Morden entdeckt. Die spanische Polizistin Amaia Salazar, in den USA aufgewachsen und ausgebildet, besucht gerade ein FBI-Seminar und wird in die Ermittlungen eingebunden.
Das FBI will den Mörder in New Orleans erwarten, dort droht der nächste große Hurrikan.

Es gibt zwei gleichermaßen spannende, eindringlich und bildhaft erzählte Handlungs- und Zeitebenen. Neben den Ermittlungen zum Serienmörder wird auch Amaias furchtbare Kindheit beschrieben, die sie geprägt hat.

Amaia erkennt Verborgenes in Menschen und auch bei Vorgängen, sie ist eine äußerst talentierte Ermittlerin mit Intuition und großer Kombinationsfähigkeit. Sie ist selbstbewusst und kann arrogant erscheinen, dadurch eckt sie leicht an. Als Figur in der Geschichte hat sie mich am meisten fasziniert.
Auch die anderen Protagonisten sind glaubwürdig und selbst Nebenfiguren erscheinen mir als interessante, individuelle Charaktere, die mich berühren.

Die Geschichte ist sehr komplex aufgebaut und auch Voodoo und der Aberglaube der Cajun und des Baskenlandes spielen eine Rolle. Durch die Bedeutung, die allem damit zusammenhängende hier von den Cajun beigemessen wird und durch die Parallelen zur Mythologie ihrer Heimat beginnt Amaia in Louisiana, sich mit ihrem kindheitsbedingten Trauma auseinanderzusetzen.

Todesspiel ist ein Prequel der bereits veröffentlichten Bücher um Amaia Salazar und spielt 2005, zum großen Teil in New Orleans, als die Stadt vom Hurrikan Katrina getroffen wird. Atmosphärisch dicht und zweifellos realitätsnah wird die Naturkatastrophe mitsamt ihren Auswirkungen von Dolores Redondo beschrieben, auch die Stadt und das benachbarte Sumpfgebiet werden durch den anschaulichen und fesselnden Schreibstil für den Leser lebendig.

Das Cover zeigt wohl einen der Bäume im Bajou und ist düster und geheimnisvoll und der Gitter-Effekt, den die langgezogenen Buchstaben des Titels erzeugen, passt dazu, es gefällt mir.

Abgesehen von der spannenden Geschichte bin ich davon beeindruckt, wie Dolores Redondo ihre Recherchen zum Hurrikan Katrina und zum Stand der Verhaltensforschung des FBI in ihrem Buch verarbeitet hat.

Ich empfehle „Todesspiel – Die Nordseite des Herzens“ jedem Leser von Thrillern, der für ungewöhnliche, auch okkulte Aspekte offen ist.
Mich hat das Buch sehr gut unterhalten und ich vergebe 4,5 Sterne.

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