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Veröffentlicht am 08.01.2023

Die Wahrheit über die Zeit in Pelham

Das College
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Als Hannah vor zehn Jahren ihre beste Freundin im College tot aufgefunden hat, war für sie klar, wer der Mörder ist. Doch als nach dessen Tod im Gefängnis nicht nur ein Reporter, sondern auch die Schwester ...

Als Hannah vor zehn Jahren ihre beste Freundin im College tot aufgefunden hat, war für sie klar, wer der Mörder ist. Doch als nach dessen Tod im Gefängnis nicht nur ein Reporter, sondern auch die Schwester von April Zweifel äußern, gerät Hannahs wackelige Welt komplett aus den Fugen. Sie will nun unbedingt mit Sicherheit wissen, ob sie damals einen schrecklichen Fehler begangen hat und macht sich gegen den Willen ihres Mannes und hochschwanger auf die Suche nach der Wahrheit.

Ruth Ware hat einen ganz besonderen Stil, der den Leser immer wieder aufs Glatteis und falsche Fährten führt. Ihre Twists sind einfach großartig und umwerfend. Besonders gelungen fand ich „Woman in Cabin 10“. Auch in „Das College“ spielt sie mit dem Leser gekonnt von Anfang bis Ende. Mir missfällt diesmal allerdings, dass ich eine gewisse Figur einfach nicht so sympathisch finden konnte, wie ich wohl sollte. Hier gibt es für mich ein paar Unstimmigkeiten, die bis zum Ende nicht so wirklich aufgelöst werden. Hannah selbst finde ich aber absolut glaubwürdig und gelungen. Zu all ihren persönlichen Belastungen kommt die Schwangerschaft, die zwar sehr erfreulich ist, mit den Begleiterscheinungen Hannah aber alles sehr erschwert. Von der Hormonumstellung über körperliche Beschwerden bis zur Angst um das Ungeborene ist alles vorhanden.

Der Wechsel von „davor“ und „danach“ ist eine geniale Idee. Die beiden Zeitebenen ergänzen sich, gehören zusammen, sind verflochten wie ein Zopf. Das wird damit sehr schön dargestellt. So seltsam es klingen mag, das Ende ist überraschend, obwohl es im Grunde vorhersehbar gewesen hätte sein können (oder auch war). Dem Leser fallen die Schuppen zeitgleich mit Hannah von den Augen. Das ist eine Kunst, die nicht viele Autoren beherrschen.

Die Figuren sind sehr realistisch gezeichnet. Auch wenn die Gruppe der Studenten, die vor zehn Jahren zu einer Clique wurden, aus zumeist gut situierten Kreisen stammen, kann man ihre Situationen nachempfinden. Selbst die enorm verwöhnte und doch recht arrogante April zieht nicht nur ihre Mitstudenten, sondern auch den Leser auf gewisse Weise in ihren Bann.

Insgesamt wurde ich wirklich mehr als nur gut unterhalten. An der einen oder anderen Stelle hätte ich persönlich noch ein paar Verbesserungen vorzuschlagen, doch reicht es auf alle Fälle für solide vier Sterne.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.12.2022

Sauerland-Krimi mit herrlichen Charakteren

Katz und Mord (Ein Fall für Anne Kirsch 1)
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Anne Kirsch ist gerade nicht auf der Sonnenseite des Lebens. Ihr Freund eröffnet ihr, dass er sie für seine jüngere Geliebte, die natürlich noch dazu schwanger ist, verlässt, statt, wie geplant, mit ihr ...

Anne Kirsch ist gerade nicht auf der Sonnenseite des Lebens. Ihr Freund eröffnet ihr, dass er sie für seine jüngere Geliebte, die natürlich noch dazu schwanger ist, verlässt, statt, wie geplant, mit ihr in den Traumurlaub zu starten und ihr einen Antrag zu machen. Noch dazu verstaucht sie sich beim Joggen den Fuß und landet deshalb bei ihrer anstrengenden Mutter. Kein Wunder, dass sie sich über alle Anweisungen hinwegsetzt und direkt ins Sauerland aufbricht, als in Bontkirchen Jürgen Gruber erschossen wird. Anne erinnert sich an die Pilzvergiftung der Rentnerin Luise Steinmetz und daran, dass nicht jeder an einen Unfall glaubte. Sieht nur sie eine Verbindung der beiden Fälle? Kurzentschlossen macht sie sich auf eigene Faust an die Ermittlungen und bringt sich dabei schnell in große Gefahr.

Dieser Krimi liest sich weitgehend sehr unaufgeregt, aber dafür umso realistischer. Nicht immer gibt es die großen Verfolgungsjagden und aufsehenerregende Szenen. Das Leben ist da doch meist subtiler und leiser. Genau das hat Mareike Albracht wunderbar eingefangen, ohne dabei langweilig zu werden. Es menschelt ungemein, man kann stellenweise tüchtig schmunzeln, aber man öffnet auch das Herz. Schnell merkt man, dass man die Figuren mag und sich eine Krimi-Reihe mit ihnen sehr gut vorstellen kann, sogar wünscht. Alle haben Potenzial, sich zu entwickeln, alle sind „menschlich“ und realitätsnah. Man hat nicht das Gefühl, dass man sehr weit entfernt ist, sondern allen täglich begegnen könnte. Das macht das Lesen sehr angenehm, leicht und locker.

Es macht Spaß, Anne zu begleiten und mit ihr ein wenig herumzuschnüffeln. Auch das Privatleben – sowohl von ihr, als auch den anderen Figuren – ist weder zu stark ausgebreitet, noch zu knapp bemessen. Man lernt alle Figuren so gut kennen, wie es passt und Spaß macht. Das Setting ist „heimelig“, die verknüpften Themen nicht ausgelutscht und vor allem auf ganz eigene Art umgesetzt. Das gefällt mir richtig gut und wer eine gut gemachte Lektüre mit nicht allzu hoch angesiedelter Spannung sucht, der liegt hier absolut richtig. Damit will ich nicht sagen, dass das Buch langweilig wäre! Mir gefällt ja gerade eben so gut, dass der Puls nicht ständig am obersten Limit schlägt und man sich selbst beim Lesen entspannen kann. Das ist gerade in stressigen Zeiten genau das, was ich mir von einem Buch wünsche.

Dieser erste Band macht definitiv Lust auf mehr. Er ist nicht perfekt, aber ein perfekter Einstieg. Ich mag die Autorin, ihren Stil und ihre Figuren – vier Sterne!

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Veröffentlicht am 19.12.2022

Die Wahrheit hinter dem schönen Schein

Truth - Bist du bereit für die Wahrheit?
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Juul trauert, wie ihre ganze Familie, um ihren Bruder, der bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben kam. Doch Juuls Mutter glaubt nicht an einen Unfall und landet in der Psychiatrie. Der Vater schweigt, ...

Juul trauert, wie ihre ganze Familie, um ihren Bruder, der bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben kam. Doch Juuls Mutter glaubt nicht an einen Unfall und landet in der Psychiatrie. Der Vater schweigt, um alle zu schonen und Juul ist mit ihrem Kummer allein. Dann findet sie auf Milans Grab eine Nachricht. Sie wird zu einer Dare herausgefordert, um an Informationen zu kommen. Dabei gerät Juul in große Gefahr …

Dieses Jugendbuch ist auch für mich, die schon sehr lange aus dem Zielgruppenalter heraus ist, sehr spannend geschrieben. Es ist am Puls der Zeit und verarbeitet gleich mehrere „heiße Eisen“, sprich Themen. Die Suche von Juul nach der Wahrheit ist spannend und gefährlich. Sehr bald weiß man nicht mehr, wem Juul vertrauen kann und darf und wem nicht.

Die Einschübe, die die Gedanken des Herausforderers offenbaren, runden die Story sehr gekonnt ab. Dennoch verraten sie nicht zu viel. Der Showdown ist dramatisch, die Lösung stimmig, wenn auch ein bisschen überraschend, da man meiner Meinung nach nicht wirklich von selbst darauf kommen kann. Einige Stellen sind ein bisschen heftig, dennoch denke ich, dass Jugendliche ab 14 Jahren mit den Themen klarkommen.

Die Figuren – außer Juul selbst, die in der Ichform erzählt – bleiben weitgehend ein wenig im Nebel, werden nicht ganz greifbar und so hat man bei allen das Gefühl, sie sind nicht wirklich vertrauenswürdig. Doch passt das sehr gut, denn Juul weiß das ja selbst nicht, weder bei jenen, die sie nur über ihren Bruder kennt, noch bei ihren engeren Freunden. Sie schwebt im Ungewissen, wer Freund und wer Feind ist, sodass der Leser auch nicht mehr wissen kann.

Die Zusammenhänge sind in sich stimmig und auch das Ende überzeugt, auch wenn es ein paar kleine Punkte gibt, die man der künstlerischen Freiheit zurechnen kann und muss. Die angesprochenen Themen sind teils heftig, aber für die Zielgruppe vertretbar und zu verkraften. Der Autorin und der Übersetzerin ist es gelungen, die Art, die Sprache und das Verhalten der Jugendlichen realitätsnah einzufangen und nicht zu stark zu übertreiben. So kann sich die Zielgruppe auch gut wiederfinden. Ich wurde gut unterhalten, hatte spannende Lesezeit und gebe gerne vier Sterne.

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Veröffentlicht am 22.11.2022

Gut Ding will Weile haben

Neues Backen
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Dieses Buch ist mehr als nur eine Sammlung von Rezepten für leckere Backwaren. Es ist auch eine Sammlung wichtiger Tipps und Tricks. Man kann damit lernen, wie man selbst die besten Ergebnisse erzielt. ...

Dieses Buch ist mehr als nur eine Sammlung von Rezepten für leckere Backwaren. Es ist auch eine Sammlung wichtiger Tipps und Tricks. Man kann damit lernen, wie man selbst die besten Ergebnisse erzielt. Dazu braucht es vor allem eine gute Organisation, aber gar nicht so viele (außergewöhnliche) Utensilien.

Die Autorin hat in mehrfacher Hinsicht eine weite Reise hinter sich. Sowohl ihre Heimat, als auch ihren Beruf hat sie mehrfach gewechselt. Am Ziel angekommen scheint sie nun zu sein und dieses Buch ist für alle, die gerne backen, ein Einblick in ihren Werdegang und das, was sie dabei gelernt hat. So finden sich hier die fünf Kapitel „Brote und Brötchen“, „Brioches und angereicherte Teige“, „Plunderteig und Blätterteig“, „Tartes und Plätzchen“ und „Konfitüren, Füllungen, Toppings und Cremes“. Für alle Teige liefert Laurel Kratochvila Grundrezepte, aber auch tolle Beispiel-Rezepte. Die Beschreibung ist jeweils klassisch aufgebaut – links die Zutaten, rechts die Arbeitsschritte, dazu ein – meist ganzseitiges - Foto vom fertigen Produkt. Allen Rezepten voran stellt sie eine kleine Geschichte dazu. Das ist sympathisch und inzwischen bei vielen Rezeptbüchern Standard. Es wirkt eben!

Dazwischen „versteckt“ (aber über das Inhaltsverzeichnis auch schnell direkt zu finden) sind Portraits und Geschichten von elf Bäckerinnen und Bäckern, die Laurel auf ihrem Weg kennen- und schätzen lernte. Diese Seiten sind lehrreich und sehr interessant. Und von jedem dieser Menschen gibt es natürlich auch ein ganz besonderes Rezept!

Man kann allerdings nicht sagen, dass dieses Buch für Anfänger geeignet wäre. Ja, klar, man bekommt viele wichtige Informationen an die Hand, dennoch bin ich der Überzeugung, dass man schon gute Grundkenntnisse haben sollte, wenn man sich mit diesem Buch in die heimische Backstube begibt. Es ist ideal, um vorhandenes Potential gut auszuschöpfen und zu steigern. Eine nicht unwesentliche Menge der Rezepte würde meiner Meinung nach Anfänger überfordern. Die Zutaten sind relativ gewöhnlich, also nicht unbedingt exotisch. Demerara-Zucker dürfte die ausgefallenste Zutat sein. Aber den kann man auch durch normalen Rohrzucker ersetzen. Vor allem jene, die gern Sauerteigbrote backen, werden hier tolle Rezepte finden. Aber auch alle, die einfach Freude an guten Backbüchern haben, werden das Buch mögen. Für jene, die ein Buch suchen, bei dem sie schnell und einfach ein Rezept für schnelles Brot oder Süßes finden, dürfte es eher enttäuschend sein, denn hier geht es nicht um „schnell“, sondern um die Rückkehr zu der alten Kunst des (Brot-)Backens. Belohnt wird man dafür dann mit einem Genuss ohne Gleichen.

Ein wirklich schönes Buch, qualitativ und inhaltlich. Da es aber nicht für jeden (für mich zu viele Brote mit Sauerteig – mit dem stehe ich nach wie vor auf Kriegsfuß) und auch nicht wirklich alltagstauglich ist, gebe ich vier Sterne.

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Veröffentlicht am 19.11.2022

Kulinarische Italien-Reise

Italien! Das Goldene von GU
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Wie bei jedem Kochbuch ist nicht jedes Rezept ein Volltreffer und schon gar nicht erwartet man, dass man 200 nagelneue Kochideen serviert bekommt. Aber auch, wenn ich viele Dinge nicht mag, macht mir bei ...

Wie bei jedem Kochbuch ist nicht jedes Rezept ein Volltreffer und schon gar nicht erwartet man, dass man 200 nagelneue Kochideen serviert bekommt. Aber auch, wenn ich viele Dinge nicht mag, macht mir bei diesem Buch enorm viel Appetit. Selbst wenn ich komplett streiche, was ich nicht mag (Meeresfrüchte, die meisten Fische, Schweinefleisch) kann ich mindestens ein Rezept pro Woche nacharbeiten und schlemmen! 352 Seiten voll mit Ratschlägen, Tipps und Rezepten für fünfundzwanzig Euro – das ist ein Wälzer zum Schnäppchenpreis!

GU hat hier mit Sorgfalt und Liebe Italiens Lebensart in Rezepten zusammengestellt. Dabei werden die Rezepte in die Kapitel Pane, Antipasti, Il Primo, Il Secondo, Contorni und Dolci eingeteilt. Dazu gibt es dann noch den Anhang. Auch wenn nicht alle Rezepte höchste Kochkunst erfordern (oder gerade deshalb), gefällt mir dieser Querschnitt aus der italienischen Küche sehr gut. Nicht alle Rezepte sind die bekannten Klassiker, aber es finden sich auch diese. Dafür tauchen aber auch Gerichte auf, die ich so noch nicht kannte. Hier möchte ich „Gefüllte Pfannkuchen mit Ricotta“ als Beispiel nennen.

Die Zutaten sind nicht sehr exotisch und sollten auch in ländlichen Gegenden leicht aufzutreiben sein. Für die wenigsten Rezepte braucht man besondere Kochfähigkeiten – sie sind alle machbar, wenn man nicht gerade absoluter Anfänger ist. Zubereitungszeit, Menge (Personen) und Kalorienangabe finden sich bei jedem Rezept, ebenso ein – für mich sehr wichtiges – Foto zum fertigen Ergebnis.

Für mich ist dieses Buch mehr als nur eine Sammlung italienischer Rezepte. Es ermöglicht einen Einblick in die italienische Lebensart, verrät Kniffe und erklärt Zusammenhänge. Für Italien-Fans wird es nicht ganz so der Volltreffer sein, aber ein guter Überblick mit ein paar Highlights ist es auf alle Fälle. Ich gebe vier Sterne!

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