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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.02.2023

Meisterhaft

Die marmornen Träume
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Jean-Christophe Grangé steht schon lange für spannende, oftmals blutige Thriller, die nichts für schwache Nerven sind. Nun hat er sich an ein neues Genre herangewagt und einen historischen Thriller geschrieben. ...

Jean-Christophe Grangé steht schon lange für spannende, oftmals blutige Thriller, die nichts für schwache Nerven sind. Nun hat er sich an ein neues Genre herangewagt und einen historischen Thriller geschrieben. Spannend, psychologisch raffiniert und gut eingebunden in die historischen Gegebenheiten - auch hier hat Grangé wieder einmal bewiesen, dass er einfach ein Meister seines Faches ist, auch wenn er den Schwerpunkt variiert. Ein sehr langes Buch, bei dem jedoch keine Langeweile aufkommt. Am besten nimmt man sich ein freies Wochenende ohne Termine vor, denn einmal mit der Lektüre begonnen, fiel es mir wirklich schwer, wieder aufzuhören. Die Personen sind alle differenziert beschrieben. Die Spannung ist von der ersten Minute präsent.
Im Hotel Adlon lassen es sich die Gattinnen hochrangiger Nazigrößen gut gehen, doch dann wird eine nach der anderen ermordet. Wer steckt dahinter und welches Motiv? Die Damen haben alle dem Psychoanalytiker Simon Kraus ihr Herz ausgeschüttet, was dieser sich gut bezahlen ließ. Die Ermittlungen werden von Kraus, dem SS-Offizier Franz Beween und der Psychiaterin Minna von Hassel durchgeführt. Besonders von Hassel ist eine interessante Persönlichkeit.
Gelungene Spannung auf ganzer Länge.

Veröffentlicht am 19.02.2023

Ein Fall für den "neuen Maigret"

Lacroix und das Sommerhaus in Giverny
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Ich liebe die Aquitaine-Krimis von Alexander Oetker und als ich erfahren habe, dass er auch unter dem Pseudonym Alex Lépic eine Krimireihe schreibt, war ich sehr gespannt.
Protagonist ist Kommissar Lacroix, ...

Ich liebe die Aquitaine-Krimis von Alexander Oetker und als ich erfahren habe, dass er auch unter dem Pseudonym Alex Lépic eine Krimireihe schreibt, war ich sehr gespannt.
Protagonist ist Kommissar Lacroix, der in Paris lebt, es eher gemächlich angeht, es liebt, Pfeife zu rauchen, den Spitznamen "Maigret" hat, aber nicht gerne mit diesem Roman-Ermittler verglichen wird. Verheiratet ist er mit Dominique, die Bürgermeister des 5. Arrondissement ist.
Dieser Fall spielt im August in Paris. Die Pariser sind noch nicht in ihre Stadt zurückgekehrt; die rentrée erfolgt erst Anfang September. Eine gute Zeit, um Akten abzuarbeiten. Aber dann wird Lacroix zu Madame de Touquet "zitiert". Die Dame residiert in Paris und besitzt ein petit château in Giverny, wo auch Lacroix ein Häuschen besitzt. Madame hat die Befürchtung, dass man sie umbringen möchte und Lacroix soll ermitteln, aber bitte ganz diskret.
Der Krimi lässt sich Zeit, bis es zum Mord kommt und wie immer bei Oetker spielt auch hier gutes Essen eine Rolle sowie Beschreibungen von Paris und Giverny.
Allerdings gibt es dann immer mehr Ungereimtheiten und so ist die zweite Hälfte des Hörbuchs den Ermittlungen gewidmet. Mein Verdacht hinsichtlich des Täters hat sich bestätigt, aber das hat meiner Hörfreude keinen Abbruch geleistet. Ich freue mich, mir weitere Fälle von Lacroix anzuhören. Felix von Manteuffel kenne ich bereits von anderen Hörbüchern und ich mag seine Stimme gerne.

Veröffentlicht am 02.02.2023

Eine Pilgerreise - HB Rezension

Straße der Sterne
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Die Hörbuchsprecherin Svenja Pages verbinde ich mittlerweile mit vielen, meist historischen Romanen und so bleibt mir nach dem Ende eines Buches oft noch länger ihre eindrucksvolle Stimme im Gedächtnis. ...

Die Hörbuchsprecherin Svenja Pages verbinde ich mittlerweile mit vielen, meist historischen Romanen und so bleibt mir nach dem Ende eines Buches oft noch länger ihre eindrucksvolle Stimme im Gedächtnis. So wie auch bei diesem Buch.
Regensburg, Mitte des 13. Jahrhunderts. Pilars Mutter hat sie vor langer Zeit verlassen, dann ist sie auch noch erblindet. Als auch noch ihr Vater stirbt, macht sie sich auf nach Santiago de Compostela. Auf dieser Pilgerreise wird sie von Tariq begleitet, der schon lange ihrer Familie dient.
Immer wieder wird die Handlung unterbrochen durch Berichte von Pilars Mutter, die bei den "Reinen" (oder auch uns besser bekannt als Katharern) aufgewachsen ist und von einem Tempelritter schwanger wurde.
Und es gibt weitere Perspektiven von Pilgern, die sich bald Pilar und Tariq anschließen.
Ein Roman, der mich gut in diese Zeit und auf diese Reise versetzen konnte und bei dem ich wieder einiges gelernt habe. Vor allem das historische Nachwort hat mir dabei geholfen.
Eine gelungene Verbindung von Fiktion und historischen Gegebenheiten. Brigitte Riebe hat es auch mit diesem Buch geschafft mich zu begeistern.

Veröffentlicht am 28.01.2023

Alex Stern ist wieder da

Wer die Hölle kennt
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Achtung, zweiter Teil einer Reihe! Um sich nicht zu spoilern und höheren Lesegenuss zu erhalten, sollte man unbedingt vorher "Das neunte Haus" lesen - es lohnt sich definitiv!
Ich finde das Cover dieses ...

Achtung, zweiter Teil einer Reihe! Um sich nicht zu spoilern und höheren Lesegenuss zu erhalten, sollte man unbedingt vorher "Das neunte Haus" lesen - es lohnt sich definitiv!
Ich finde das Cover dieses Buches genial gemacht, allerdings wirkt es auf mich auch sehr verstörend, aber dafür eben umso passender. Auf jeden Fall ein Cover, das auffällt und sich abhebt von der Menge.
Die Ereignisse setzen hier ein Jahr später ein. Allerdings gibt es auch hier wieder unterschiedliche Zeitebenen, zusätzlich eben zwei in der Vergangenheit.
Alex Stern hat es auch wieder gar nicht leicht und muss sich ordentlich behaupten. Die Suche nach Darlington war immer noch nicht erfolgreich. Erschwerend hinzu kommt, dass Lethe Darlington mittlerweile für tot erklärt hat.
Alex Stern steht also mal wieder so einiges bevor. Es hat mir gut gefallen, wie die Figur weiter entwickelt wurde und es ist einfach eine phantastisch geniale Lektüre. Leigh Bardugo hat mal wieder bewiesen, was sie drauf hat.

Veröffentlicht am 28.01.2023

Neue Sichtweise

STONE BLIND – Der Blick der Medusa
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Das Cover finde ich sehr gelungen und lässt sofort an die griechische Mythologie denken. Allerdings ist dieses Buch viel mehr als ein Buch über Medusa, denn es gibt ständig wechselnde Perspektiven und ...

Das Cover finde ich sehr gelungen und lässt sofort an die griechische Mythologie denken. Allerdings ist dieses Buch viel mehr als ein Buch über Medusa, denn es gibt ständig wechselnde Perspektiven und die Leser*innen erhalten so einen recht guten Ein- und Überblick über die griechische Mythologie. Und so manch ein Eindruck muss hier bei dieser Version überdacht werden. Vor allem die Gorgonen und mit ihnen eben gerade Medusa wird hier ganz anders dargestellt, aber durchaus überzeugend. Dafür kommt der Held Perseus hier nicht so gut weg.
"Und wer bist du, zu entscheiden, wer ein Monster ist?", unterbrach ihn der Götterbote.
"Sie hat sie [die Gorgonen] als Monster bezeichnet." Perseus deutete auf Athene.
"Nein, habe ich nicht", widersprach sie. "Ich habe sie als gefährliche Kreaturen bezeichnet, was sie auch sind. Du bist derjenige, der denkt, dass alles, was nicht so aussieht wie du, ein Monster sein muss."
"Sie haben Schlangen als Haare!", rief Perseus.
"Schlangen sind keine Monster", stellte Hermes klar.
"Und Stoßzähne."
"Wildschweine sind auch keine Monster."
"Und Flügel."
"Ich bin sicher, nicht einmal du glaubst, dass Vögel Monster sind."
(S. 257)
Für mich ist dies die Schlüsselszene des Romans und zeigt auch gut für unsere Welt, was Vorurteile mit uns machen können.
Ein toller Schreibstil, eine interessante Sicht der Dinge - mir gefiel es sehr gut.