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Veröffentlicht am 09.03.2023

Spannender Rachefeldzug einer brutalen Serienmörderin...!

Spüre meinen Zorn
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"Spüre meinen Zorn" von Georg Brun ist als Taschenbuch mit 336 Seiten beim Bookspot Verlag erschienen.

Das Cover besticht durch die auffällige, gelbe Schrift und vor allem durch die ausdrucksstarken Katzenaugen...

Wolfgang ...

"Spüre meinen Zorn" von Georg Brun ist als Taschenbuch mit 336 Seiten beim Bookspot Verlag erschienen.

Das Cover besticht durch die auffällige, gelbe Schrift und vor allem durch die ausdrucksstarken Katzenaugen...

Wolfgang Stöhrl und sein Team bekommen alle Hände voll zu tun. Nach einer brutal ermordeten männlichen Leiche lassen weitere nicht lange auf sich warten, und die Ermittler müssen tief ins Darknet und die "Lack & Leder-Szene" eintauchen.

Georg Bruns Schreibstil ist leichtgängig und spannend, seine Schilderungen sind detailliert und bildhaft. Besonders gut gefallen hat mir hier, dass man als Leser die Täterin von Beginn an kennt und ausführliche Einblicke in ihre Gefühls- und Gedankenwelt sowie ihre Motive bekommt! Es macht Spaß, der Polizei diverse Schritte voraus zu sein und ihren hier oftmals leider halbherzigen Bemühungen zuzusehen. Bemerkenswert häufig werden voreilige Schlüsse gezogen und diverse Spuren nicht weiter verfolgt, das ändert sich erst, als das Kompetenzgerangel der Höhergestellten vorbei ist und Nathan offiziell in die Ermittlungen eingebunden wird.

Karin Fellermayr bekommt ihre Wut nicht mehr in den Griff und will Rache. Rache an den Männern, die stellvertretend für ihre früheren Peiniger sind. Und ihre Methode, diese anzulocken, ist perfide und clever.

Wolfgang Stöhrl, der Leiter der Mordkommission, ist auf seinem Posten eher fehlbesetzt, was er selbst auch erkennt. Leider hilft ihm das nicht bei der Suche nach dem Mörder.

Seine junge Kollegin Nina Lutz dagegen erweist sich als ausgesprochen engagiert, sie hat eine gute Kombinationsgabe und einen untrüglichen Instinkt, was sich als sehr hilfreich herausstellt.

Dennoch wird Nathan Weiß, Stöhrls mittlerweile pensionierter Vorgänger, mit ins Boot geholt, denn der kann quasi um die Ecke denken und hier ist Eile geboten, eher die rasende Killerin mit dem Keramikmesser wieder zuschlägt...

Die Thematik und das Abtauchen in einschlägige Milieus haben mir sehr gut gefallen. Was mir etwas zu massiv thematisiert wurde, ist die Corona-Pandemie. Klar spielt die Handlung mitten im Lockdown und das Ganze gehört zum Geschehen, aber insgesamt war es doch sehr vorherrschend und bisweilen für mich persönlich etwas nervig.

Insgesamt ein fesselnder Thriller mit einer cleveren, außergewöhnlichen Struktur und einem spannenden Fall!

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Veröffentlicht am 09.03.2023

Wenn die eigene Existenz plötzlich eine Lüge ist...!

Meine fremde Mutter
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"Meine fremde Mutter" von Christiane Dieckerhoff ist als Taschenbuch mit 360 Seiten bei Piper erschienen.

Zum Inhalt: Rabea erfährt am Tag der Beerdigung ihres Vaters auf unschöne Weise, dass die Frau, ...

"Meine fremde Mutter" von Christiane Dieckerhoff ist als Taschenbuch mit 360 Seiten bei Piper erschienen.

Zum Inhalt: Rabea erfährt am Tag der Beerdigung ihres Vaters auf unschöne Weise, dass die Frau, die sie für ihre Mutter gehalten hat, gar nicht ihre Mutter ist. Rabeas leibliche Mutter ist Veronika Maibohm, eine gesuchte RAF-Terroristin. Nach dem ersten Schock versucht Rabea, die Wahrheit über ihre eigene Existenz herauszufinden und ihre Mutter zu finden. Dass Peter, ihr Vater, versorben ist, macht das Ganze natürlich nicht gerade einfacher. Und ihre Ziehmutter Gabi gibt vor, nichts weiter über Veronika, genannt Nika, zu wissen...


Meine Meinung: Christiane Dieckerhoff hat ein äußerst interessantes Thema aufgegriffen, das mich berührt und zum Nachdenken angeregt hat. Zwischendurch musste ich das Gelesene erst reflektieren, darum hat sich die Lektüre auch etwas hingezogen.

Der Schreibstil ist eingängig und empathisch, so dass man sich in die Protagonisten sehr gut hineinversetzen kann. Das Geschehen spielt auf zwei Zeitebenen - aus Rabeas Sicht (Gegenwart) und aus dem Blickwinkel Nikas (damals in den 80er Jahren), was bestens gekennzeichnet ist und mir gut gefallen hat, denn so war der Plot besionders authentisch.

Rabeas innere Zerissenheit, ihre Suche nach der Mutter und ihrer Herkunft, Gabis schlechtes Gewissen und vor allem Nikas persönliche Entwicklung, ihr Abdriften in die Radikalität und den Terrorismus fand ich absolut interessant.

Der Journalist und Überbringer der so bedeutsamen Nachricht war ein echtes Ars...och, nicht gerade ein glänzender Vertreter seines Berufsstandes...Und Marvin, Rabeas Lebensgefährte, ist ein äußerst suspekter Typ. Er ist Polizist und meint es eigentlich nur gut, aber er bevormundet Rabea und will sie ständig kontrollieren.

Sehr glaubhaft fand ich auch, dass Rabea durch ihre Nachforschungen und ihr Eintauchen in die Vergangenheit ihrer Eltern ins Visier der Polizei gerät. Denn diese interessiert sich nach wie vor für Nika und es könnte ja sein, dass Rabea fündig wird...

Insgesamt sehr empfehlenswert, eine interessante Ära und ein brisantes Thema.

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Veröffentlicht am 03.03.2023

Vielschichtiger Thriller zur Zeit des Nazi-Regimes in Berlin - Fakten und Fiktion packend kombiniert!

Die marmornen Träume
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"Die marmornen Träume" von Jean-Christophe Grangé ist als gebundenes Exemplar mit 688 Seiten beim Tropen - Verlag erschienen.

Es handelt sich um einen spannenden historischen Thriller, der 1939 in Berlin ...

"Die marmornen Träume" von Jean-Christophe Grangé ist als gebundenes Exemplar mit 688 Seiten beim Tropen - Verlag erschienen.

Es handelt sich um einen spannenden historischen Thriller, der 1939 in Berlin spielt.
Eine grausam ermordete Frauenleiche wird gefunden. Der SS-Offizier Franz Beewen wird mit den Ermittlungen betraut und sucht den Psychoanalytiker und Traumforscher Simon Kraus in dessen Praxis auf, denn das Opfer war eine seiner Klientinnen. Darüber hinaus war sie Mitglied im exklusivern Wilhelmklub, dem allesamt Ehefrauen hochrangiger Parteimitglieder angehören und regelmäßig Zeit im Adlon verbringen.
Bald werden weitere Leichen gefunden, und sie alle haben mehrere Gemeinsamkeiten: die Zugehörigkeit zu den Adlon-Damen, sie alle waren Klientin bei Simin Kraus und haben auch mit ihm geschlafen, außerdem hatten sie alle Träume, in denen ein Mann mit marmorner Maske sein Unwesen trieb...Kraus gerät in arge Bedrängnis, und Beewen ist überfordert. Dann ist da noch Minna von Hassel, Psychiaterin, für deren Klinik seitens der Nazis grundlegende Veränderungen anstehen.
Der Autor hat einen Schreibstil, der mich zwar fesseln konnte, der jedoch in meinen Augen nicht immer zur damaligen Zeit passt. Bisweilen war die Ausdrucksweise sehr locker-flockig, dann wieder künstlich hochgestochen. Das könnte allerdings auch an der deutschen Übersetzung liegen, das Original kenne ich nicht. Ansonsten hat Grangé die bedrohliche Atmosphäre des aufsteigenden Nazi-Regimes auf der einen Seite, die Laster- und Flatterhaftigkeit der elitären Klasse jener Zeit auf der anderen bestens herübergebracht.
Seine Protagonisten sind nicht gerade die typischen Sympathieträger. Simon Kraus ist aufgrund seiner physischen Statur unsicher, dennoch selbstverliebt, und verführt mit Vorliebe die Damen, die mit ihren Problemen bei ihm auftauchen , um sich selbst zu beweisen. Anschließend erpresst er sie mit den pikanten Details ihrer Schäferstündchen - ein ziemlich mieses Schlitzohr!
Franz Beewen ist heillos überfordert, schließlich ist er kein Kriminalbeamter, sondern ein Mann der Gestapo. Und die ermitteln nicht im herkömmlichen Sinn, sondern "glänzen" mit brutalen und kompromisslöosen Vorgehensweisen, da haben Gerechtigkeit und Wahrheit nicht unbedingt die oberste Priorität.
Minna von Hassel hat massive Alkoholprobleme und ist auch sonst eine irgendwie seltsame Person.
Jedoch sind sie alle facettenreiche und spannende Charaktere und zusammengenommen trägt jeder von ihnen entscheidend zur Jagd nach dem brutalen Frauenmörder bei. Ein geradezu exotisches Dreigestirn, das durch seine Verscheidenartigkeit und die absolut unterschiedlichen Herangehensweisen erstaunliche Ergebnisse erzielt.
Besonders gut gefallen haben mir die zwischen den dreien wechselnden Erzählperspektiven und die gekonnten Übergänge, die dem Leser Wissen vermitteln, was den Ermittelnden oft noch fehlt.
So führt die Suche nach dem Mörder bis in die höchste Führungsriege, und die menschlichen Abgründe, die sich dort auftun, sind verderbt, abartig und schockierend.
Bisweilen ist die Lektüre recht harte Kost, es mangelt nicht an Brutalität und Details. Immer wieder führt der Autor seine Leserschaft auf falsche Fährten, es wird gemauert und man kann nicht hinter die Fassaden schauen, aber das ungleiche Ermittlerteam hat sich festgebissen und folgt hartnäckig der Spur des Marmormannes...
Zum Lesen habe ich recht lange gebraucht, da der Thriller umfangreich ist und zwischendrin ein paar kleinere Längen aufweist, insgesamt waren es jedoch fesselnde und außergewöhnliche Ermittlungen, die immer wieder überraschten.
Zudem ist die Kombination aus historischen Fakten und einem fiktionalen Kriminalfall ausgesprochen gelungen.

Sehr lohnenswerte Lektüre, aber nichts für Zartbesaitete und auch keine leichte Kost für Zwischendurch - wer sich dessen bewusst ist, dem wird dieser Thriller sicherlich bestens gefallen!

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Veröffentlicht am 22.02.2023

Authentisches, atmosphärisch dichtes historisches Hörbuch, sehr unterhaltsam.

Totenwinter
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"Totenwinter" von Sabine Hofmann ist als ungekürztes Hörbuch bei Aufbau Audio erschienen und hat eine Laufzeit von 8 Stunden, 39 Minuten.
Das Hörbuch wird gesprochen von Rebecca Veil.
Es handelt sich um ...

"Totenwinter" von Sabine Hofmann ist als ungekürztes Hörbuch bei Aufbau Audio erschienen und hat eine Laufzeit von 8 Stunden, 39 Minuten.
Das Hörbuch wird gesprochen von Rebecca Veil.
Es handelt sich um den zweiten Teil der Serie um Edith Marheineke, die man aber auch ohne Kenntnis des Vorängerbandes problemlos hören bzw. lesen kann - ich als Neueinsteiger hatte an keiner Stelle das Gefühl, mir würden entscheidende Informationen fehlen!

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg, 1947 in Bochum. Die Not ist groß, es fehlt an Lebensmitteln und vielen anderen Dingen des täglichen Bedarfs. Die Männer sind häufig noch in Kriegsgefangenschaft oder kommen traumatisiert heim, und auch die Frauen und Kinder haben sich verändert.
Edith hat eine Anstellung als Vorzimmerdame beim Anwalt Pohlmann gefunden. Einer der Besucher, der Journalist Leo Mantler, macht Edith schöne Augen. Aber meint er es ehrlich oder hat er vor, Pohlmann durch Edith auszuspionieren? Denn irgendwie scheint dieser mehr zu wissen über einen Mordfall - ein Toter wird in einem Eisenbahnwaggon aufgefunden, an seinen Händen klebt Milchpulver. War er in Schwarzmarktgeschäfte verwickelt?

Sabine Hoffmann hat einen Schreibstil, der mich die bittere Kälte und den allgegenwärtigen Hunger deutlich hat spüren lassen, und Rebecca Veil haucht den Charakteren mit ihrer Stimme und der sehr gelungenen Lesern noch mehr Leben ein und verleiht dem historischen Roman die passende Atmosphäre.

Edith ist eine sympathische, resolute junge Frau, die ihren Weg geht.
Pohlmann mochte ich nicht so arg und zu ihm blieb stets eine gewisse Distanz.
Mantler ist eigentlich ein netter Typ, aber sein Beruf treibt ihn bisweilen zu unethischen Handlungen. Somit habe ich ihm nie so ganz über den Weg getraut.

Mir hat das Hörbuch gut gefallen, allerdings ist der Spannungsbogen nicht sehr hoch - die Klassifizierung als Roman passt, der Schwerpunkt liegt hier nicht auf dem Mordfall und den Ermittlungen, sondern eher auf der allgemeinen Lage und dem Leben der Menschen in der Nachkriegszeit mit all seinen Nöten und Sorgen.

Ein authentischer Roman, eine angenehme Stimme und prima Unterhaltung - klasse Lektüre für

Totenwinter

historischerroman

historischerkrimi

schwarzmarkt

NetGalleyDE!

DankeNetGalleyDE!

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Veröffentlicht am 20.02.2023

New Valley - "Schöne" neue Welt...!

Equilon
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"Equilon" von Sarah Raich ist als Jugendroman beim dtv Verlag erschienen und umfasst 400 Seiten. Das Cover ist toll gestaltet, sowohl die glanzvolle Umgebung des New Valley als auch der trostlose, düstere ...

"Equilon" von Sarah Raich ist als Jugendroman beim dtv Verlag erschienen und umfasst 400 Seiten. Das Cover ist toll gestaltet, sowohl die glanzvolle Umgebung des New Valley als auch der trostlose, düstere Rest der Erde kommen sowohl farblich als auch bildlich großartig zur Geltung.

Es handelt hier sich meiner Meinung nach um eine düstere, spannende Dystopie mit Thrillerelementen.

Jenna hat es geschafft, den Score für die "Eine Milliarde" zu knacken, der sie ins New Valley bringt. Sie hofft, dort bei dem Unternehmen Vero entscheidend an Equilon mitarbeiten zu können, der künstlichen Intelligenz, deren Algorithmen die Erde wieder zu einem bewohnbaren Planeten machen soll.

Die gesellschaftlichen Strukturen, wie wir sie kennen, gibt es schon längst nicht mehr, Klimawandel & Co. haben die Welt zerstört und nun gibt es nur noch die Grenzländer, die ums Überleben kämpfen müssen und wo Nahrung, Strom und Wasser keine Selbstverständlichkeiten sind!
So ist das New Valley für viele äußerst verlockend und Rivalität und Neid sind vorherrschende Charaktereigenschaften...

Je mehr Jenna hinter die Fassade des New Valley blickt, desto mehr wird deutlich, dass auch dort nicht alles Gold ist, was glänzt. Und ob es erstrebenswert ist, wenn eine künstliche Intelligenz über den Wert des Einzelnen entscheidet, ist ausgesprochen zweifelhaft.

Sarah Raich hat einen aufwühlenden und spannenden Roman geschrieben, der geradezu authentisch wirkt, denn die Handlung ist zwar dystopisch, aber durchaus nicht weit entfernt vom Bereich des Möglichen und dadurch wirklich erschreckend...

Der Schreibstil der Autorin ist sehr detailliert und bildhaft, so dass die krassen Gegensätze besonders gut herausgearbeitet werden. Dazu wird die Story abwechselnd aus den Perspektiven von Jenna im New Valley und Dorian, dem Grenzländer erzählt, was das Geschehen temporeich macht und besonders spannend, denn die Kapitel enden meist mit kleinen Cliffhangern, die die Leserschaft dazu bringen, das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen zu wollen.

Die Protagonisten Jenna und Dorian hätten gern noch etwas mehr Tiefe vertragen und wirken bisweilen etwas naiv, dennoch kann man sich gut in ihre Lage versetzen und fiebert deswegen stets mit.
Mir hat Maggie besonders gut gefallen, die nicht nur Dorian seinen Willen zu Überleben zurückgibt, sondern den ganzen Plot mit ihrer forschen, frechen Art auflockert und bereichert!

Ein Buch mit einem hohen Spannungsbogen, einem brisanten Thema und einer authentischen Erzählweise mit nur minimalen Schwächen - absolut empfehlenswert!

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