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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.08.2023

Die Liebesgeschichte ist zu sehr im Fokus

Dunkel der Himmel, goldhell die Melodie
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Elise Spielmann ist eine begeisterte Violinistin, lebt gut situiert in Dresden und soll bald heiraten und zwar einen Freund ihres Vaters. Das Arrangement dient in erster Linie dem beruflichem Fortkommen ...

Elise Spielmann ist eine begeisterte Violinistin, lebt gut situiert in Dresden und soll bald heiraten und zwar einen Freund ihres Vaters. Das Arrangement dient in erster Linie dem beruflichem Fortkommen des Vaters. Verliebt ist Elise jedoch in einen anderen…

Anne Stern kann schreiben – das ist wirklich keine Frage, aber während mich die Fräulein Gold-Reihe wirklich sehr begeistert, war es nach „Drei Tage im August“ schon das zweite Buch aus ihrer Feder, dass mich einfach nicht so mitgenommen hat. Es liest sich gut, auch die geltenden Normen werden immer gut dargestellt, man kann sich das meiste bildlich vorstellen, aber es passiert mir einfach zu wenig. Elise ist eine nette Person, aber ich hoffte auf eine extrem starke Frau, viele interessante und spannende historische Fakten, aber so richtig ausgearbeitet wurde die Liebesgeschichte, die auf mich bisschen flach und zäh vorkam. Meine Erwartungen waren einfach höher, anders und ich denke, dass ich einen weiteren Band nicht lesen werde. Mein musikalisches Interesse tendiert allerdings auch eher im unteren Bereich – vielleicht ist das einer der Gründe, warum mich die Geschichte einfach nicht so richtig fesseln konnte. Dazu war eben auch vieles sehr vorhersehbar, denn man kennt die gesellschaftlichen Regeln der Zeit, daher waren Wege vorgezeichnet. Das kann die Autorin nicht ändern, soll es den Zeitgeist wiedergeben, und dennoch: Das Buch wurde nach seinem guten Beginn langatmig. Ich hatte einfach mehr als eine Liebesgeschichte erwartet und wahrscheinlich hätte es mich mit mehr Tempo oder weniger Seiten eher angesprochen, aber so war ich einfach zufrieden, als ich das Buch beendet hatte. Dabei gab es Dinge, die mich persönlich mehr angesprochen hätten, Schicksale, die vielversprechender als das der privilegierten Elise gewesen wären – aber die Autorin hat einen anderen Weg gewählt.
Für Fans von Liebesgeschichten in historischem Kontext ist es sicher eine gute Wahl.

Veröffentlicht am 23.03.2023

Klappentext weckte falsche Erwartungen

Es war einmal in Brooklyn
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Juliette und David kennen sich seit früher Kindheit und leben Tür an Tür in Brooklyn. Die beiden guten Freunde sind Außenseiter – aber ihre Freundschaft geht tiefer, doch dann passiert so einiges. David ...

Juliette und David kennen sich seit früher Kindheit und leben Tür an Tür in Brooklyn. Die beiden guten Freunde sind Außenseiter – aber ihre Freundschaft geht tiefer, doch dann passiert so einiges. David erkrankt an Krebs, Juliette will bald das College besuchen und bandelt mit einem Pizzalieferanten an. Das missfällt David, der in Juliette verliebt ist sehr und dann gibt es auch noch einen Blackout mit Folgen…

Ich hatte etwas andere Erwartungen an das Buch, vor allem habe ich mir gedacht, dass der Blackout eine deutlich größere Rolle spielen würde. Ja, er hat schon seine Auswirkungen, die auch weitreichend sind, dennoch hatte ich bei der Ankündigung deutlich mehr erwartet. Der Blackout kommt irgendwann mal, es passiert auch in der Zeit an der einen oder anderen Stelle etwas, manches davon war auch richtig übel – aber unter dem Strich blieb das alles hinter meinen Erwartungen zurück. Sowohl in der Qualität, als auch in der Quantität. Dabei war das mit der wichtigste Punkt für mich zu diesem Buch zugreifen. Dann noch die Protagonisten – Teenager verhalten sich entsprechend, dass aber auch die Eltern in Teilen nicht besser sind, hat mich dann doch gewundert. So einen richtigen Draht habe ich zu keiner der Personen bekommen. Dazu war alles ziemlich vorhersehbar und wenig spannend. Die Entwicklung sowohl von Juliette, als auch David hatte ich ziemlich genauso erwartet – eine Überraschung wäre wirklich nett gewesen, aber meine Erwartungshaltung an einen Coming-of-Age-Roman sind wohl einfach zu hoch gesteckt gewesen. Und die etwas andere Liebesgeschichte war auch nicht so interessant – aber ich bin vielleicht einfach nicht die richtige Leserin für dieses Buch gewesen.
Interessant fand ich immer wieder die Anspielungen auf Son of Sam, der in der Zeit in NY eben aktiv war und die Andeutungen waren auch immer nur am Rande, dennoch schwebte das Unheil immer etwas mit in der Luft. Der Zeitgeist ist, soweit ich das beurteilen kann, aber gut eingefangen und hat mir ebenso zugesagt.

Das Buch hatte aus meiner Sicht viel mehr Potential, als genutzt wurde. Mich konnte die Geschichte nicht so richtig fesseln und ich denke, dass sie auch schnell mitsamt ihren Charakteren vergessen sein wird. Das Problem scheint zu sein, dass es viel zu viele Baustellen und Themen in diesem dünnen Buch gibt. So kann nichts so richtig gut ausgebaut werden, vieles nur angerissen. Der Schreibstil als solcher war dennoch gelungen und mancher technische Kniff, wie „das war, wie es hätte sein sollen, nun wie es wirklich lief“ – hat mir richtig gut gefallen.

Unter dem Strich kann und werde ich nicht vom Buch abraten, allerdings sollte man sich darauf einstellen, dass der Klappentext Erwartungen wecken könnte, die das Buch schlicht nicht erfüllen kann.

Veröffentlicht am 10.03.2023

Großartige Momente und langatmige Sequenzen

Morgen, morgen und wieder morgen
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Sam und Sadie lernen sich als Kinder im Krankenhaus kennen. Sadie besucht ihre krebskranke Schwester, Sam ist selbst Patient. Die beiden verbringen unendlich viele Stunden mit Videospielen, bis es zum ...

Sam und Sadie lernen sich als Kinder im Krankenhaus kennen. Sadie besucht ihre krebskranke Schwester, Sam ist selbst Patient. Die beiden verbringen unendlich viele Stunden mit Videospielen, bis es zum Bruch kommt. Nach Jahren treffen sie sich zufällig wieder, beide sind noch immer Gamer und noch besser: Sie wollen wieder Freunde sein und zudem als Partner gemeinsam Spiele entwickeln. Dabei gilt es viele Hürden zu nehmen, einige sind aber scheinbar zu hoch für die beiden…
Die Idee ist gut, aber ab der Mitte ist es mir immer wieder ein bisschen zu langatmig gewesen. Die Autorin verliert sich zwar nicht so oft im Klein-Klein, aber wenn dann doch so sehr, dass mir negativ aufgefallen ist. Die Zeitsprünge, die die Autorin immer wieder unvermittelt einbaut sind an sich nicht verwirrend, aber gerade da hätte eines deutlich gestrafft/gekürzt sein können.
Überraschend gut gefielen mir die Einblicke in die Gamer-Szene und vor allem die Spieleentwicklung. Ich kann solchen Spielen einfach nichts abgewinnen und war daher zu Beginn auch unsicher, ob ich das dicke Ding (über 500 Seiten) überhaupt beginnen sollte. Überraschenderweise haben mir diese Anteile ziemlich gut gefallen. Das Problem waren vielmehr die Protagonisten. Ich mochte sowohl Sam, als auch Sadie zu Beginn sehr. Ihre Entwicklung vom Kind zum jungen Erwachsenen war gut gezeichnet, nachvollziehbar und vor allem hatten sie Ecken und Kanten. Das Problem: Ich hatte den Eindruck, dass ihre Entwicklung irgendwann mit Anfang 20 stehen blieb und sie so gar nichts aus ihren Erfahrungen und Fehlern lernten. Beide sind stur, reden nicht miteinander und so kommt es zu Missverständnissen, es folgt unnötiges Gezicke und Gezeter, gerade nach einer speziellen Entwicklung hätte ich mir einen ganz anderen Fortgang der Geschichte gewünscht. Zum Ende hin hat mich manches wirklich nur noch gestört und ich konnte die Handlungen der beiden nicht mehr nachvollziehen. Was nicht heißen soll, dass es nicht genauso laufen kann, wenn sich in eine Freundschaft eine gewisse Rivalität einschleicht. Neid ist auch so ein Thema, dass vor dieser Freundschaft nicht Halt macht und wenn dann alles zusammenkommt…

Extrem gut gefiel mir Marx und das Kapitel in dem er zu Wort kam, hat mich wirklich von der Schreibkunst der Autorin überzeugt. Ebenso, dass sie geschafft hat, mir die im Buch entwickelten Spiele so schmackhaft zu machen, dass ich zumindest einen Test der Spiele ernsthaft in Erwägung ziehen würde - und das will was heißen!

Unter dem Strich kann ich sagen, dass das Buch seine großartigen Momente hatte, aber auch echt einige langatmige Szenen und überflüssig langen Sequenzen. Aus meiner Sicht hält sich beides die Waage, daher drei Sterne.

Veröffentlicht am 13.02.2023

Mittelmaß pur

Kannibal. Jagdrausch
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Mitten in Berlin wird ein Koffer voller Knochen gefunden – liegt ein Verbrechen vor? Sind die Knochen jüngeren Datums? Wurde jemand getötet oder liegt was anderes vor? Der Fall ist brenzlig und Berater ...

Mitten in Berlin wird ein Koffer voller Knochen gefunden – liegt ein Verbrechen vor? Sind die Knochen jüngeren Datums? Wurde jemand getötet oder liegt was anderes vor? Der Fall ist brenzlig und Berater Bastian Becker und Assistentin Janina Funke werden von der Polizei hinzugezogen. Privatermittler Becker ist schnell sicher, dass es um Kannibalismus geht und ermittelt in diesen Richtung und es wird gefährlich.
Die Erwartungen sind natürlich direkt enorm hoch, wenn Mark Benecke auf dem Cover steht. Das war zumindest bei mir so, nachdem mir seine (wissenschaftlichen) Bücher und ich muss klar sagen: Mich hat er nicht so richtig überzeugt. Der Fall war an sich gut, der Schreibstil in Ordnung, aber es fehlte mir dann doch bisschen der Biss. Schade auch, dass die Auflösung schon recht früh zu erahnen ist. Zwar war noch nicht direkt klar, was genau die Motivation ist, aber das „Wer“ war für mich nach ein, zwei Andeutungen zu viel und deutlich zu früh schon ziemlich klar. Das war natürlich weniger gelungen, gut fand ich die immer wieder eingewobenen Infos zu Forensik und Ermittlungsarbeit. Aber hier hätte ich mir deutlich mehr gewünscht, denn in diesem Bereich hat Benecke nun mal eine enorme Expertise.
Das Thema Kannibalismus ist – wie der Titel schon anzeigt – der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Das Thema ist ganz sicher nicht so appetitlich, aber Tabus anzusprechen ist richtig und hier auch sehr gut umgesetzt, wie ich finde. Der Schreibstil naja, nicht übel, recht kurzweilig, aber es gibt zu viel Zufall, dafür zu wenig Überraschung.
Den ersten Fall hatte ich nicht gelesen, aber das war kein Problem. Die Ermittler lernt man auch hier gut genug kennen, aber so richtig überzeugt bin ich von den Protagonisten nicht. Gerade Becker, der in diesem Band auch noch kränkelt, hat mich einfach nicht so überzeugt. Er ist der Typ – ich mag keine Regeln, mach was ich denke, trinke, rauche, lebt nur noch für diesen einen Fall etc. und all das im Übermaß und wirkt dadurch ziemlich unprofessionell. Allein seine Aktivitäten im Darknet, sowie sein Umgang mit der einen oder anderen Info – bestenfalls fragwürdig. Funke gefällt mir mit ihrer strukturierten und ruhigen Art deutlich besser. Sie holt auch dem Buch noch einiges raus.
Unter dem Strich ein Buch, dass mich nicht begeistert hat, aber auch nicht übel war – Mittelmaß pur und daher gibt es auch drei Sterne.

Veröffentlicht am 02.02.2023

Extrem ehrlich, aber viel zu viel Selbstmitleid für meinen Geschmack

Friends, Lovers and the Big Terrible Thing
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Ich bin kein Friends-Fan, den Autor/Schauspieler kannte ich dennoch, daher habe ich das Buch gelesen, obwohl es vielleicht nicht so ganz in mein Beuteschema passt. Nun ja, der Beginn war auch noch völlig ...

Ich bin kein Friends-Fan, den Autor/Schauspieler kannte ich dennoch, daher habe ich das Buch gelesen, obwohl es vielleicht nicht so ganz in mein Beuteschema passt. Nun ja, der Beginn war auch noch völlig in Ordnung und teils wirklich schockierend. Es ist ein gutes Buch, um die Folgen des Drogenmissbrauchs kennenzulernen und entsprechend die Finger von dem Zeug zu lassen. Ich sage nur mal Stoma.
Es gibt zudem den einen oder anderen Einblick in das Leben am Set und wie Hollywood so sein kann. Vor allem lernt man einen Drogensüchtigen und die Folgen seiner Sucht kennen. Das ist wirklich nicht ohne und auch wenn es teilweise locker geschrieben daherkommt – es ist einfach kein Witz. Nun gut, ich habe immer wieder ein paar Seite gelesen, denn mehr auf einen Rutsch ging einfach nicht und das lag vor allem an dem Selbstmitleid des Autoren. Auf Dauer einfach unerträglich! Klar, ein gewisses Maß davon wäre verständlich, aber wenn ständig indirekt Dritte an seiner Sucht schuld sind, dann wird es irgendwann zu viel. Bis auf das Themenfeld Sucht und seine gescheitere Beziehungen gibt das Buch kaum was her, also dürfte es auch für Friends-Fans nicht so ergiebig sein. Ich frage mich nach dem Lesen, warum ich mir den ganzen Schinken (der sich für mich irgendwann nur noch endlos gezogen hat) angetan habe. Vielleicht, weil er sehr ehrlich ist und auch die allerdunkelsten Momente schonungslos offen mit dem Leser teilt? Vielleicht, weil man beim Lesen bemerkt, wie gut es einem mit einem „Standardleben“ geht? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, war aber froh, als ich Perrys Ergüsse endlich beendet hatte.
Ich hoffe, dass der eine oder andere Leser vielleicht etwas für sich daraus mitnehmen kann, der Autor selbst vielleicht durch das Schreiben einen positiven Schupps bekommen hat. Es wäre ihm zu wünschen, denn trotz allem scheint er einfach nur ein armer Kerl zu sein, dem auch das dicke Bankkonto und die ständig neuen Häuser mit Aussicht nicht das geben, was er braucht.
Da das Selbstmitleid für mich in der Summe unerträglich, seine Offenheit aber toll war, gebe ich dem Buch 2,5 Sterne.