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Nilchen

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Veröffentlicht am 29.04.2023

Wenn die Vergangenheit einen einholt…

Das Leben in Nuancen
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…und so ergeht es der Protagonistin Eve in dem Roman „Das Leben in Nuancen“ von Chloë Ashby. Sie wurde von ihrer Mutter als 5jährige verlassen, der Kontakt zum Vater nicht vorhanden. Eigentlich ist Chloë ...

…und so ergeht es der Protagonistin Eve in dem Roman „Das Leben in Nuancen“ von Chloë Ashby. Sie wurde von ihrer Mutter als 5jährige verlassen, der Kontakt zum Vater nicht vorhanden. Eigentlich ist Chloë eine junge Frau, der eine Karriere und die große weite Welt zu Füßen liegt. Sie hat einen Abschluss in Kunstgeschichte aus Oxford, schlägt sich aber mit Gelegenheitsjobs durch – mal putzen, mal kellern. Als ihre Freundin Grace stirbt haut sie es um und ihr Leben entgleitet ihr. Sie droht den einen Mann zu verlieren, der ihr Halt gibt, ihre Wohnung, ihre Existenz.
Der Roman ist gut geschrieben, lesenswert und schildert wie die Protagonistin nach und nach die Kontrolle verliert. Beeindruckend wie Chloë Ashby es schafft mich als Leserin dazu zu bringen Eve helfen zu wollen. Sie trifft genau die richtigen Worte um das Chaos und das persönliche Schicksal Eves auf den Punkt zu bringen. Eine gelungene Geschichte über eine junge Frau, die ihre Vergangenheit aufzuarbeiten hat um ihrer inneren Leere und Depression zu entkommen.

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Veröffentlicht am 04.04.2023

Ich verlasse dich

Das Liebespaar des Jahrhunderts
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Im ersten Band Julia Schochs Trilogie „Biographie einer Frau“ taucht eine Halbschwester auf und alle Komplikationen und Umwälzungen werden durchwandert Nun im zweiten Band der Trilogie geht es um die Liebe ...

Im ersten Band Julia Schochs Trilogie „Biographie einer Frau“ taucht eine Halbschwester auf und alle Komplikationen und Umwälzungen werden durchwandert Nun im zweiten Band der Trilogie geht es um die Liebe unter dem Seziermesser. Von ‚Ich liebe dich‘ zu ‚Ich verlasse dich‘.
Julia Schoch die Meisterin der Autofiktion abstrahiert sich selbst und beglückt mit einer leisen Prosa. Muss man mögen, kann als gelungen interpretiert werden, wenn man Spaß am monologisierten Erzählen hat.
Es geht um die Langzeitliebe. Wie der Start in die Verliebtheit war und wie die Liebe vom Bündel Schmetterlinge in den gleichförmigen Alltag abgleitet. Spannend ist an dieser Geschichte auf etwas weniger als 200 Seiten, dass es keinen Knall, keinen inhärenten Grund gibt sich zu trennen. Eher eine Betrachtung von außen ob es das nun gewesen sei sollte. Sie, dass Paar, dass als „Das Liebenspaar des Jahrhunderts“ verhandelt wurden.
In poetischer Sprache nimmt uns Julia Schoch in das Innenleben des Verlassens mit, mal humorvoll, mal traurig und melancholisch.
Fazit: Ein Aus für „uns“ – wie sieht das aus?

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Veröffentlicht am 02.04.2023

Die Frau seines Lebens

Melody
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Martin Suter kann einfach großartig schreiben, dass ist seiner breiten Leserschaft schon lange bekannt! Hier läuft er wieder zu seiner altbekannten eleganten Hochform auf und zeichnet einen älteren Herren ...

Martin Suter kann einfach großartig schreiben, dass ist seiner breiten Leserschaft schon lange bekannt! Hier läuft er wieder zu seiner altbekannten eleganten Hochform auf und zeichnet einen älteren Herren mit einem immensen Erbe, sei es das monetäre sowie das emotionale. Das kann Herr Suter ausgezeichnet, gut situierte Männer zu zeichnen und diese dann an ihren Schwachstellen zu demontieren.
Dieses Mal also ein ehemaliger Nationalrat, Dr. Peter Stotz, der nun mit 84 Jahren eine Diagnose bekam nur noch ein Jahr lang zu leben. Damit sein Erbe bis dahin geordnet und „gesäubert“ ist, sucht er sich den jungen arbeitslosen Juristen Tom Elmer, zu dem er nach und nach ein vertrauliches Verhältnis hat. Und dann kommen die beiden auch zur titelgebenden Melody, denn das war die Frau seines Herzens, die kurz vor der Heirat verschwand. Das macht Tom natürlich neugierig und er beginn zu wühlen. Mit von der Partie, Stotz Großnichte Laura, die auch seine Alleinerbin ist.
Martin Suter hat wieder mal einen klassischen Erzählton, den ich sehr schätze. Kann gut und gerne über den Genuss an Speisen und Alkohol ausschweifend berichten und lässt an der ein und anderen Stelle eine Prise Ironie einstreuen. Das macht in der Tat große Freude beim Lesen.

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Veröffentlicht am 12.03.2023

1919 bis 1939 – zwei Familien, das Schicksal eines Landes

Blankenese - Zwei Familien
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Historischen Romanreihen, die rund um die Jahrhundertwende starten und zumeist sehr starke Frauen in sich tragen, boomen auf dem deutschen Buchmarkt ohne Ende. Nun reiht sich auch Michaela Grünig ein mit ...

Historischen Romanreihen, die rund um die Jahrhundertwende starten und zumeist sehr starke Frauen in sich tragen, boomen auf dem deutschen Buchmarkt ohne Ende. Nun reiht sich auch Michaela Grünig ein mit „Blankenese – Zwei Familien“ mit dem Auftaktband „Licht und Schatten“, dass allerdings erst nach dem ersten Weltkrieg mit der Geschichte beginnt.
Das lange Personenverzeichnis hat mir zunächst die Augenbrauen in die höhe getrieben, aber war im Laufe des Lesens doch sehr hilfreich, daher nicht abschrecken lassen!
Es sind vor allem zwei Familien (wie der Untertitel verrät) im Focus. Die Reederei-besitzende Familie Casparius, die in einer staatlichen Villa lebt und die in ärmlichen Verhältnissen im Treppenviertel lebenden Hansens. Beide Familien sind fest in Blankenese verwurzelt. John Casparius, Kriegheimkehrer, traumatisiert und zukünftiger Leiter der schlecht gehenden Reederei und Leni Hansen, die Tochter der Kapitänswitwe Irma Hansen kommen sich am Elbstrand zufällig näher. Es entsteht eine innige Verbindung, die nicht alle gut heißen. Denn es gibt Geheimnisse und Twist aus der Vergangenheit.
Zunächst kommen die goldenen Jahre, die das junge Paar hat trotz familiärer Differenzen. Dann zieht der Nationalsozialismus wie eine schwarze Wolke am Horizont über allen auf. ‚Licht und Schatten‘ endet mit dem Jahr 1939 und macht natürlich neugierig auf die weiteren familiären Windungen die hier noch kommen mögen im nächsten Teil gepaart mit dem Umgang des Nationalsozialsmus, gibt es doch jüdische Familienmitglieder.
In Summe ein fast 500 Seiten dicker Familienroman mit all seinen Höhen und Tiefen. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, auch wenn natürlich einiges an Klischees verarbeitet ist. Die Spannungen sind gelungen ausgearbeitet, genauso wie der Auftrieb gewinnende Nationalsozialismus.
Ich denke auch, dass dieses Buch eine wunderbare Lektüre für alle Hamburger ist und für alle die Sehnsucht nach der Elbstadt haben. Blankenese ist natürlich ein ganz besonderes Viertel und kommt hier besonders zur Geltung.

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Veröffentlicht am 04.03.2023

Im Kopf von Salomé

Salomés Zorn
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Wie ist es als einzige schwarze Kind unter vielen weißen Niederländer:innen aufzuwachsen? Wie ist es toleriert zu werden aber nicht gemocht? Die Protagonistin Salomé, die mit ihren Eltern aus dem Kamerun ...

Wie ist es als einzige schwarze Kind unter vielen weißen Niederländer:innen aufzuwachsen? Wie ist es toleriert zu werden aber nicht gemocht? Die Protagonistin Salomé, die mit ihren Eltern aus dem Kamerun als kleines Kind in die Niederlande kam und nun als Jugendliche auf das örtliche Gymnasium geht, ist fortwährend Rassismus, Xenophobie und Diskriminierungen ausgesetzt. Sie ist eine starke junge Frau, die sehr gebildet ist, aber eine tiefe Wut in sich trägt.
Es geht so weit, dass eine Situation eskaliert und Salomé für 6 Monate in der Jungendhaftanstalt landet. Hier ist sie gezwungen sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und ihrer Wut auf den Grund zu gehen. Helfen soll ihr dabei Frits, ein Therapeut. Auch hier wieder die Verwebung vom bekundeten Anti-Rassist, aber im Grunde ist er sich seiner rassistischen Bewertungen nicht bewusst.
Das Debüt der jungen Niederländerin Simone Atangana Bekono ist aus Sicht von Salomé geschrieben und man muss sich ein wenig einfuchsen in den Text. Eintauchen und ihren Gedanken folgen, ihrer Reflektionen den nötigen Raum geben.
‚Salomés Zorn‘ hat einen eindringlichen Rhythmus im Text, klingt ab und an fast lyrisch, aber erzählt auch sehr plastisch und gut vorstellbar. Ein gelungenes Debüt aus meiner Sicht. Ich kann es allen ans Herz legen, die das Thema Fremdenfeindlichkeit umtreibt.

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