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Veröffentlicht am 03.05.2023

Mystisch und voller Farben

Als wir Vögel waren
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Als wir Vögel waren“ ist Ayanna Lloyd Banwo‘s Debütroman.
Die Autorin verzaubert den Leser mit einer ergreifenden und mystischen Geschichte in Trinidad.

Der junge Rastafari Emmanuel hat sein Zuhause ...

Als wir Vögel waren“ ist Ayanna Lloyd Banwo‘s Debütroman.
Die Autorin verzaubert den Leser mit einer ergreifenden und mystischen Geschichte in Trinidad.

Der junge Rastafari Emmanuel hat sein Zuhause verlassen, um in Fidelis, einem jahrhunderte alten Friedhof in Port Angeles zu arbeiten. Seine Mutter kann durch ihre Schmerzen nicht mehr viel arbeiten und das Geld fehlt. Sein Vater ist vor Jahren in diese Stadt gegangen und nie mehr zurück gekommen. Emmanuel’s Mutter tobt und allein der Gedanke ihren Sohn an diese Stadt zu verlieren ist schlimm, auch die Aussicht, dass er auf einem Friedhof arbeiten möchte passt nicht zu ihren Ansichten und ihrem Glauben - die Toten soll man meiden.

Emmanuel, genannt Darwin rasiert seine Dreadlocks ab und verwandelt sich äußerlich. Innerlich bleibt er ein positiver, guter Mensch, jedoch bereitet ihm die Arbeit mit seinen Kollegen und dem zwielichtigen Chef starkes Unbehagen. Auch passieren seltsame Dinge in Fidelis und Darwin kann dies nicht einordnen.

Währenddessen wartet Yejide darauf, zu ihrer im Sterben liegenden Mutter Petronella gerufen zu werden.

Auf dem Berg, um das verwinkelte Haus zieht ein Sturm auf, alle Fenster sind geöffnet und Blätter, Regen und Wind dringen in das Zimmer der sterbenden Frau.

Petronella möchte zu ihrer toten, geliebten Zwillingsschwester Geraldine gehen.Jedoch muss sie vorher ihre Tochter rufen, damit es auf Yejide übergeht. Nur was genau ist es?

Geraldine hat schon früh versucht Petronella davon zu überzeugen, es ihrer Tochter beizubringen. Und doch hat diese sich stets geweigert.

Die Menschen unten am Berg und in der Stadt haben Angst vor dem Sterben. Die Frauen auf dem Berg, sorgen ihr ganzes Leben dafür, dass man den Tod nicht fürchten muss. Yejide hatte ein herzliches Verhältnis zu ihrer Granny Catherine und doch hat auch diese kurz vor ihrem Tod nur ihre Tochter zu sich gerufen. Mystisch und geheimnisvoll wird der Leser in eine andere Welt gezogen.

Darwin meidet normalerweise die Toten und deren Seelen, Yejide kommuniziert mit dem Tod. Die beiden Protagonisten treffen sich auf ungewöhnliche Weise auf dem Friedhof und verlieben sich. Darwin ist das Leben für Yejide und andersherum.


Die Autorin schreibt einen mystischen Roman über die Liebenden, das Schicksal, die Lebenden, die Toten und die Seelen dazwischen.

Flüssig und mit einem besonderen Schreibstil zieht die Autorin die LeserIn in ihren Bann. Kulturelle Unterschiede, Armut, Kriminalität und Mythen werden unbeschönigt dem Leser vorgelegt. Trinidad und vor allem der alte Friedhof werden bildlich dargestellt. Die Protagonisten sind authentisch und sehr intensiv beschrieben. Ayanna Lloyd Banwo hat mit ihrem Debütroman ein Highlight für alle Geister- und Mythenfreunde geschrieben.

Ein Lesehighlight mit 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 27.04.2023

Unantastbar

Die spürst du nicht
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Daniel Glattauer hat mit dem Roman „Die spürst du nicht“ ein vielschichtiges,
berührendes und tiefgründiges Buch geschrieben.

Es ist mein erstes Buch bzw. Hörbuch von Glattauer und es hat mich absolut ...

Daniel Glattauer hat mit dem Roman „Die spürst du nicht“ ein vielschichtiges,
berührendes und tiefgründiges Buch geschrieben.

Es ist mein erstes Buch bzw. Hörbuch von Glattauer und es hat mich absolut überzeugt.

Der Roman beginnt mit dem Tod eines Flüchtlingskinds in der Toskana.

Familie Binder und Familie Strobl-Marinek fahren mit ihren Kindern in ein Ferienhaus mit Pool in die Toskana.
Sophie-Luise, die 14jährige Tochter der Familie Strobel-Marinek möchte ihre Schulfreundin oder eher Klassenkameradin mitnehmen. Ihre Mutter, eine Grünen-Abgeordnete, setzt sich bei den verschiedensten Stellen dafür ein.
Aayana, das Mädchen aus Somalia, darf nicht mit. Ihre Eltern sind dagegen. Nur wenn der Bruder mitkommen darf.
Nach viel Überzeugungskraft und Sophie-Luises Wunsch, der Klassenkameradin das Schwimmen beizubringen, willigen die Eltern ein.

Aayana ist höflich, freundlich, zurückhaltend und still.
„Die spürst du gar nicht“ ist die allgemeine Meinung der Erwachsenen.

Es wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wie die beteiligten Familien mit der unglaublichen Tragödie umgehen. Die Gefühle von Sophie-Luise und das Mobbing in der Schule wird von deren Eltern nicht wahrgenommen. Diese sind mit sich selbst und der Tragödie beschäftigt. Auch die Familie Binder versucht mit dem Unglück klarzukommen. Die einen verkraften es kaum, die anderen würden diese Angelegenheit gerne ad acta legen.
Niemand kümmert sich um die Familie des Kindes, niemand interessiert sich für deren Gefühle, niemand möchte das Beileid ausdrücken.
Und niemand kümmert sich um Sophie-Luise….
Bis plötzlich eine Internetbekanntschaft das Mädchen verändert.

Ein Anwalt, ein seltsamer, alter Kauz vertritt plötzlich die somalische Familie und fordert eine unglaublich hohe Geldsumme von der Familie Strobl-Marinek. Und er möchte keinen Vergleich,
er möchte vor Gericht. Unbedingt!
Er will sich und der Familie Gehör verschaffen.

Die Medien und auch das Netz ist von Beginn an am Unglück beteiligt und die Menschen geben ungeniert ihre Kommentare ab. Zur Abgeordneten, zu den Familien, zu den Flüchtlingen, zu Werten, zu wirklich allem und jedem.

Dem Hörer wird bewusst, wie gedankenlos, menschenverachtend, abwertend und auch schadenfroh die Menschen im Netz ihren Gedanken freien Lauf lassen.

Tessa Mittelstaedt und Steffen Groth als SprecherIn zu wählen, war eine sehr gute Entscheidung.
Die Sprecherin holt den Hörer mit ihren unterschiedlichen Nuancen und Stimmarten ab und vermittelt die Emotionen unglaublich gut. Der Sprecher lockert mit seinem Dialekt und der Umgangssprache - er spricht Auszüge aus den Social Media Kanälen- das Drama etwas auf.

Glattauer hat einen zeitgemäßen und tief berührenden Roman über die Werte der Menschen und was ein Leben wert ist, geschrieben. Gibt es hier Unterschiede?

Die Geschichte regt zum Nachdenken an und geht unter die Haut. Ein grandioses Werk, einfühlsam erzählt. Gerne 5 Sterne für das Hörbuch, den unglaublich guten Schreibstil des Autors und die einnehmenden Erzähler.

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Veröffentlicht am 25.04.2026

Achtsamkeit und Selbstfindung

Einatmen. Ausatmen.
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Einatmen – Ausatmen.
Genau mein Mantra, meine Lebensweisheit.
Achtsamkeit im Leben ist wichtig für unseren Seelenfrieden, unser inneres Gleichgewicht und genau dieses Gefühl spiegelt sich auch in diesem ...

Einatmen – Ausatmen.
Genau mein Mantra, meine Lebensweisheit.
Achtsamkeit im Leben ist wichtig für unseren Seelenfrieden, unser inneres Gleichgewicht und genau dieses Gefühl spiegelt sich auch in diesem Roman wider.
„Einatmen. Ausatmen.“
von Maxim Leo
Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Marlene Buchholz, Workaholic, fachlich absolut kompetent und kurz vor der Ernennung zur Vorstandsvorsitzenden des Aviola-Konzerns. Menschlich jedoch eine absolute Katastrophe, ihre zwischenmenschliche Wahrnehmung ist differenziert, ihre Empathie bewegt sich eher im Minusbereich.
Beschwerden darüber gibt es bereits, doch für Marlene stellt sich die Frage: Ist das wirklich so wichtig? Sprechen nicht die Zahlen für sich?
Ihr Chef sieht das anders und schickt sie zu Alex, einem Guru der Achtsamkeitstrainer. Alex und sein Team haben schon vielen Menschen geholfen, auch Marlenes Chef selbst war bereits bei ihm.
Was jedoch niemand weiß: Alex steckt selbst in einer tiefen Krise. Seine Academy ist so schnell gewachsen, dass ihm selbst kaum noch Zeit für Achtsamkeit bleibt. Zwischen Verantwortung, finanziellen Sorgen und Sinnfragen verliert er zunehmend den Zugang zu dem, was er eigentlich vermittelt.
Der mögliche Großauftrag des Aviola-Konzerns setzt ihn zusätzlich unter Druck:
Kann er Marlene in kurzer Zeit zu mehr Empathie verhelfen? Und zu welchem Preis? Ist das noch mit seinen eigenen Werten vereinbar oder verrät er sich damit selbst?
Während Alex mit Ängsten und Panikattacken kämpft, nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung, unter anderem durch eine Teenagerin und einen Hausmeister am Brandenburger Schloss.
Diese Begegnungen bringen Bewegung in festgefahrene Gedanken und eröffnen neue Perspektiven.
Marlene geht den Kursangeboten der Academy so lange wie möglich aus dem Weg, ebenso den anderen Kursteilnehmer:innen.
Sie hat wenig Interesse an dieser „Umerziehung“, wie sie es nennt, und versucht, mit Alex Kompromisse zu schließen, was so natürlich nicht funktioniert. Auf Umwegen entdeckt sie schließlich eigene Zugänge über Tiere, Natur und Mitgefühl.
„Was man alles sehen konnte, dachte Marlene, wenn man die Blickrichtung veränderte, wenn man sich die Zeit nahm hinzuschauen!“ (Pos.923/ 9.Kapitel)
Maxim Leo nimmt uns auf humorvolle Weise mit auf eine Reise zu den wichtigen Dingen im Leben. Er schreibt über unsere Arbeitswelt, über Zahlen, Daten und Fakten und darüber, dass dies eben nicht alles ist. Sozialkompetenz wird hier nicht als nette Ergänzung dargestellt, sondern als etwas, das auch für erfolgreiche Führungskräfte essenziell ist.
Der Autor zeigt Klischees, aber auch den Sinn von Coaching-Methoden und verbindet einen leichten, flüssigen Schreibstil mit spürbarem Tiefgang. Gerade die beiden so unterschiedlichen Hauptprotagonisten machen den Roman lebendig und lassen ihn trotz der Themen unglaublich leicht lesbar wirken.
Ich habe das Buch, auch weil ich selbst viel mit Atemübungen arbeite, sehr gerne gelesen. Auf dem Weg zur Selbstfindung begleitet man Marlene und Alex gerne; manchmal schmunzelnd, manchmal nachdenklich.
„Die Zeit ist der Moment, den wir uns schenken.“ (Pos.1355/14.Kapitel)
Ein unterhaltsamer, humorvoller Roman mit Tiefgang, der auf angenehme Weise daran erinnert, wie wichtig es ist, im richtigen Moment einfach mal innezuhalten und das Mantra „Ich atme ein, ich atme aus“, anzuwenden.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Leseempfehlung

Years and Passions
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Manchmal sind es nicht die lauten, perfekten Liebesgeschichten, die hängen bleiben, sondern die, die ein bisschen dunkel sind, ein bisschen verboten und genau deshalb so intensiv. Eine Verbindung, die ...

Manchmal sind es nicht die lauten, perfekten Liebesgeschichten, die hängen bleiben, sondern die, die ein bisschen dunkel sind, ein bisschen verboten und genau deshalb so intensiv. Eine Verbindung, die man vielleicht nicht immer versteht, aber trotzdem fühlt. Genau so eine Story ist dieses Buch für mich gewesen…
„Years and Passions“ von Marleen Winter
Verlag: Pinguletta
Gerlinde Falkenstein und Hubertus Bauer lernen sich 1988 kennen. Ein unverschämter, gutaussehender Unternehmersohn fragt die strebsame Jahrgangsbeste einfach, ob sie ein Kind von ihm möchte oder ihn heiraten will. Ihre klare Abfuhr amüsiert ihn und natürlich wendet er sich erst mal anderen Frauen zu. Und trotzdem: Er will Gerlinde, ihren Verstand und ihre kühle Art.
Gerlinde hingegen will endlich frei sein. Sich nicht mehr unterordnen müssen. Ihr Leben selbst gestalten.
Als Hubertus in seinem Studentenzimmer eine Immobilienfirma gründet, bittet er Gerli um Unterstützung. Aus zwei völlig unterschiedlichen Menschen wird ein starkes Team; sie bauen gemeinsam ein lukratives Unternehmen auf. Gerlinde ist der Kopf, und er weiß genau, sie lässt sich nicht unterordnen. Und genau das ist sein Wunsch, sie zu dominieren, nicht mit dem Verstand, sondern mit der Lust.
Hu geht seinen eigenen Weg, er heiratet, lässt sich scheiden, hat Kinder. Doch eine Konstante bleibt - Gerlinde. Er liebt sie und trotzdem nimmt er sich die Freiheit, jede zu haben, die er will. Für Gerlinde kommt das nicht infrage.
Zwischen den beiden entwickelt sich eine geheime Affäre. Niemand weiß davon und genau das macht es so unglaublich reizvoll. Die Dynamik aus Macht, Dominanz, Unterwerfung und Bestrafung ist intensiv, spannend und überraschend liebevoll gezeichnet. Mit verbundenen Augen lernt Gerlinde, Kontrolle abzugeben, während sie als Geschäftsführerin im Alltag die Zügel fest in der Hand hält.
Dann tritt Bea in ihr Leben, hochintelligent, manipulativ, gefährlich. Ein Projekt in ihre Hände zu legen, wird für Hu alles verändern. Und Gerlinde? Sie ist plötzlich nicht mehr in der Lage zu übernehmen. Ist es nur Fürsorge, die Hu veranlasst sie auszuschließen? Oder steckt mehr dahinter? Schließlich liebt sie das Unternehmen, vielleicht mehr, als gut für sie ist.
Marleen Winter zeichnet starke Charaktere, die mit all ihren Stärken und Schwächen sehr greifbar wirken. Die detailreichen Beschreibungen ziehen einen direkt in Gerlindes Gefühlswelt. Die sexuellen Aspekte werden eher angedeutet, lassen aber genug Raum für die eigene Fantasie und bringen eine spürbare Spannung mit rein.
Mich hat die Schreibweise komplett abgeholt. Ich wollte mehr über die dunklen Geschäfte erfahren, auch wenn diese eher im Hintergrund bleiben. Gleichzeitig hat mich die Anziehung zwischen den beiden und diese leicht toxische, aber faszinierende Verbindung total gefesselt.
Offenheit, Vertrauen und besondere Neigungen bringen die beiden näher zusammen. Leidenschaft, Macht und Intrigen treiben die Story voran und das über einen langen Zeitraum hinweg sehr realistisch erzählt.
Für mich eine spannende, emotionale und auch leicht spicy Geschichte, die deutlich mehr ist als nur eine heiße Lovestory. Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Lebendigkeit

Ava liebt noch
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„Ava liebt noch“ von Vera Zischke
Verlag : Ullstein

Avas Geschichte hat mich emotional sehr berührt und lange beschäftigt.

Sie ist 43 Jahre alt, dreifache Mutter, Ehefrau, Hausfrau, Kummerkasten, Streitschlichterin ...

„Ava liebt noch“ von Vera Zischke
Verlag : Ullstein

Avas Geschichte hat mich emotional sehr berührt und lange beschäftigt.

Sie ist 43 Jahre alt, dreifache Mutter, Ehefrau, Hausfrau, Kummerkasten, Streitschlichterin und rund um die Uhr für alle da. Ihr Alltag besteht aus Organisieren, Funktionieren und Verantwortung tragen. Für sich selbst bleibt kaum Raum und genau das fühlt sich beim Lesen erschreckend echt an.

Während ihr Mann Karriere macht und sein Leben nahezu ungehindert weiterlebt, hält Ava alles zusammen. Sie sorgt, plant, vermittelt und stellt ihre eigenen Bedürfnisse immer hinten an. Dieses Ungleichgewicht wird leise, aber sehr deutlich spürbar und hat mich oft nachdenklich gemacht.

Dann tritt Kieran- ein wahrhaftiger Michelangelo - in ihr Leben. Ein junger Mann, der Ava als Frau wahrnimmt.

Er begehrt sie, sieht sie wirklich, und plötzlich spürt Ava wieder etwas, das lange verschüttet war: Lebendigkeit.

Dieses Wiederentdecken ihrer selbst ist einer der stärksten Aspekte des Romans. Es geht nicht nur um eine Liebesgeschichte, sondern um das Gefühl, wieder zu existieren.

Die Beziehung zwischen Ava und Kieran ist von Anfang an kompliziert. Da sind der große Altersunterschied, die Kinder, die Ehe, die Angst vor Gerede und Verurteilung. Ava weiß, was sie riskieren würde und sie weiß auch, dass sie ihre Familie nicht verlassen kann und will. Diese innere Zerrissenheit zieht sich durch das ganze Buch und wirkt dabei nie konstruiert, sondern sehr real.

Der Schreibstil ist humorvoll, bewegend und schonungslos ehrlich. Die Autorin beschönigt nichts.

Sie zeigt, dass man seine Kinder lieben und das Muttersein trotzdem als erdrückend empfinden kann. Dass Begehren, Frau-sein und der Wunsch nach Freiheit nicht einfach verschwinden, nur weil man Verantwortung trägt.

Ja, es gibt Momente, die leicht klischeehaft wirken, doch das nimmt der Geschichte nichts von ihrer emotionalen Kraft. Im Gegenteil, ich habe mit Ava gefühlt, gelacht, gelitten und geweint.

Es geht um verpasste Jahre, schwere Entscheidungen, Schmerz und Verlust, aber auch um Hoffnung, Nähe und die leisen Lichtblicke, die Liebe immer wieder möglich machen.

Für mich ist dieses Buch eine sehr berührende, realitätsnahe Geschichte über Frauen, die funktionieren müssen, über Sehnsucht nach Leben und darüber, wie schwer es sein kann, sich selbst nicht völlig zu verlieren.

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