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Veröffentlicht am 04.07.2018

Schwierige Zeiten in Paris

Die Toten von Paris
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1944 – Paris ist befreit; die Zeiten bleiben schwierig. Man weiß nicht, wem man nun trauen kann. Nicht alle, die mit den Nazis gerne verbunden waren, sind identifiziert. So wird Jean Ricolet, ein junger ...

1944 – Paris ist befreit; die Zeiten bleiben schwierig. Man weiß nicht, wem man nun trauen kann. Nicht alle, die mit den Nazis gerne verbunden waren, sind identifiziert. So wird Jean Ricolet, ein junger Inspektor aus dem Süden, nach Paris beordert, um dort die Polizeiarbeit zu unterstützen. Die Kunststudentin Pauline Drucat, Spionin der Résistance, musste als Expertin für die Nazis arbeiten. Aufgrund eines Mordes, welcher in Verbindung mit der Kunstszene zu stehen scheint, treffen Jean und Pauline aufeinander und begeben sich sowohl gemeinsam, als auch getrennt auf Spurensuche.

Im Rahmen dieses Kriminalromans lerne ich zunächst die Gegebenheiten in Paris zu jener Zeit und nach und nach die Biographien der Haupt-Protagonisten näher kennen. Die historischen Umstände erscheinen mir gut recherchiert; hinsichtlich der Kunstgeschichte wurde hier offensichtlich künstlerische Freiheit angewendet. Sprachlich ist der Text gut zu verfolgen. Michelle Cordier möchte scheinbar etwas französisches Flair einbinden, indem ab und an entsprechendes Vokabular zum Einsatz kommt, was mir zu bemüht erscheint und auch nicht konsequent stattfindet.

Im Grunde ist dieses Buch schon ein Kriminalroman, wobei es mehrere Handlungsstränge und Nebenschauplätze gibt, die an der einen oder anderen Stelle einem alternativen Genre Gewicht verleihen. Für mich kommt auch nicht wirklich Spannung auf, was natürlich auch daran liegen könnte, dass ich dieses Buch im Rahmen einer Leserunde (Lesejury Bastei-Lübbe-Verlag) in mehreren Abschnitten gelesen habe. Im Finale kommt irgendwie alles holterdiepolter zusammen, unerwartete Wendungen überschlagen sich und ein logischer Ausgang wird mir verwehrt. Für mich war das in dieser Ansammlung zu viel und erweckte den Eindruck, das Buch sollte nun endlich fertig sein.

Grundsätzlich hätte dieser Plot ein Potential für einen grundsoliden, historischen, richtig guten Kriminalroman geboten; eine Möglichkeit die m. E. verschenkt worden ist. Dadurch verliert dieses in den ersten zwei Dritteln doch gute Buch sehr. Vielleicht wollte die Autorin zu viel auf einmal; weniger hätte ich begrüßt.

Ein unterhaltsamer, mittelmäßiger Kriminalroman der – sofern man nicht in die Tiefe geht – eine angenehme Lektüre für zwischendurch darstellt.


Michelle Cordier, Die Toten von Paris, Taschenbuch, Kriminalroman, Bastei Lübbe Verlag, 9,99 €, 336 Seiten, Erscheinungstermin 25.05.2018

  • Einzelne Kategorien
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  • Spannung
  • Figuren
  • Geschichte
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 22.11.2022

Kein wärmender Funke, der überspringt

Kalt und still
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Hanna steht vor den Trümmern ihres Lebens. Vom Partner verlassen, der Arbeitgeber wäre sie lieber heute statt morgen los. Zum Glück gibt es ihre Schwester Lydia, welche sie kurzerhand auf ihre Kosten in ...

Hanna steht vor den Trümmern ihres Lebens. Vom Partner verlassen, der Arbeitgeber wäre sie lieber heute statt morgen los. Zum Glück gibt es ihre Schwester Lydia, welche sie kurzerhand auf ihre Kosten in ihr Ferienhaus in den Bergen verfrachtet, damit sie wieder zu sich finden kann.

Kaum angekommen, ist nach dem Lucia-Fest-Abend Amanda verschwunden. Das ganze Dorf hilft mit, um in der Eiseskälte Amanda rechtzeitig finden zu können. Hanna schließt sich den Suchtrupps an und spürt ihre Instinkte als Polizistin erwachen. Problem: sie ist hier nur Gast und keine Polizistin mit Befugnissen.

„Kalt und still“ ist der Auftakt zu einer neuen Krimi-Serie aus der Feder der bekannten Autorin. Dazu gehört „natürlich“, dass die Protagonisten, insbesondere die Hauptdarstellerin, ausführlich vorgestellt werden, um im Idealfall auch eine Bindung zum Leser herzustellen. So ergeht sich Frau Sten in langen und detailreichen Ausführungen zur Person Hanna und es wird zu mehreren Themen gebetsmühlenartig darauf herumgeritten, z. B. wie minderwertig Hanna sich fühlt und nach Anerkennung von Mitmenschen lechzt, um nur eines zu nennen. Bei dem zuständigen Kommissar Daniel wiederholt sich das Muster.

Mir kommt die polizeiliche Ermittlungsarbeit, welche ich mir in einem Kriminalroman erhoffe, viel zu kurz. Es gibt für mich keine Spannung, ich gehe verloren, will nur noch der Ordnung halber wissen, wer den Tod verschuldet hat. Die Lösung an sich ist schlüssig, kommt mir aber zu konstruiert und Mainstream daher. Das Cover finde ich großartig.

Ein seichter Krimi, welcher zu Beginn scheinbar eher eine Herz-Schmerz-Geschichte sein möchte, die Kurve zum Kriminalroman dann nicht bekommt. Im Grunde ein guter Plot, allerdings durch andere Bücher schon ausgeleiert und sein Potential verschenkt.


Viveca Sten, Kalt und still, Krimi, Taschenbuch, dtv Verlagsgesellschaft, 16,95 €, 512 Seiten, Erscheinungstermin 19.10.2022

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.04.2026

Schade!

Stürmische Klippe
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Liv Lammers und Sebastian Gerlich sind privat auf Sylt unterwegs, als Hilke Hasselbrecht, die Leiterin der Mordkommission, Liv kontaktiert und um inoffizielle Hilfe in einem heiklen Fall bittet. Auf eine ...

Liv Lammers und Sebastian Gerlich sind privat auf Sylt unterwegs, als Hilke Hasselbrecht, die Leiterin der Mordkommission, Liv kontaktiert und um inoffizielle Hilfe in einem heiklen Fall bittet. Auf eine ehemalige Ministerin und gute Freundin Hasselbrechts wurde ein Mordanschlag verübt. Das Opfer wünscht keine offizielle Ermittlung, da sie hochrangige Gäste im Haus hat. Liv und Sebastian sichern ihre Hilfe zu. Nachdem er die Verletzungen von Armgart Zabrowski dokumentiert hat, reist Sebastian ab und Liv beginnt, hinter den Kulissen zu ermitteln. Was sich allerdings aufgrund des Wesens des Opfers sehr schwierig gestaltet, da viele Ermittlungen im Keim erstickt oder schlichtweg unterbunden werden. Als ein schwerer Sturm das Anwesen zusätzlich in seinen Festen erschüttert, spitzt sich die Lage im Inneren dramatisch zu.

Was soll ich sagen? Ich finde das Buch, vorsichtig ausgedrückt, blöd. Dies ist der zehnte Fall mit Liv Lammers. Den sechsten Fall habe ich auch verfolgt und das Buch hat mich vollauf begeistert, bester Krimigenuss!

Die Ereignisse auf dem Anwesen der ehemaligen Ministerin sind in ihrem Ablauf sowie aus leserfachmännischer Sicht und auch zwischenmenschlich wirr und unglaubwürdig. Freundschaftliche Verbundenheit hin oder her, eine erfahrene Leiterin einer Mordkommission darf sich nicht so verhalten und schon gar nicht eine Mitarbeiterin in so ein Theater hineinziehen. Und auch als erfahrene Kommissarin würde sich keine Ermittlerin so behandeln lassen! Nein! Auch als reine Fiktion kann ich das so nicht stehen lassen. Es werden mehrere Themen, die teilweise sehr gewichtig sind und insofern Aufmerksamkeit verdient haben, miteinander verwoben, verwässert und jegliche Vernunft bleibt auf der Strecke.

Warum Sebastian dann auch noch als Nebenschauplatz einen derartigen Mumpitz mitmachen muss, bleibt mir ein Rätsel. Er hätte doch auch einfach nur renovieren können. Das hätte wenigstens Hand und Fuß gehabt.

Ich habe das Buch nicht abgebrochen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass da tatsächlich keine gute Handlung oder wenigstens ein vernünftiges Ende mehr kommt. “Natürlich” gibt es etwas Spannung, etwas rudimentäre Ermittlungsarbeit, aber dieses Buch ist das Papier leider nicht wert.

Ich vergebe zwei Sterne, um der Autorin Respekt zu zollen. Weiß ich doch, dass sie hervorragende Bücher schreiben kann. Schade, leider nicht mein Buch…


Sabine Weiss, Stürmische Klippe, Sylt-Krimi, eBook, Lübbe Verlag, 384 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungsdatum 02.02.2026

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Veröffentlicht am 30.05.2023

Blackout

Klirrende Stille
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Michaela, verheiratet mit David, Mutter von Zoe, seit der gemeinsamen Kindheit im Waisenhaus unzertrennlich befreundet mit Katja, muss an ihrem Geburtstag feststellen, dass sie unerklärliche, schwerwiegende ...

Michaela, verheiratet mit David, Mutter von Zoe, seit der gemeinsamen Kindheit im Waisenhaus unzertrennlich befreundet mit Katja, muss an ihrem Geburtstag feststellen, dass sie unerklärliche, schwerwiegende Gedächtnislücken hat. Auch ihr Ehemann äußert Zweifel an ihrem geistigen Zustand. Früher schon hatte sie „Aussetzer“, sollte die Vergangenheit zurückkehren? Völlig verunsichert nimmt Michaela Reißaus und wird Hunde- und Wohnungs-Sitterin, um sich ungestört auf sich selbst besinnen zu können.

„Klirrende Stille“ beschreibt den Zustand, aus dem Michaela „erwacht“, wenn sie einen Blackout hatte. Insofern passt der Titel gut zum Inhalt des Buches. Insgesamt ist das Buch in einer einfachen Sprache gehalten, es gibt keine Probleme, die Handlung zu verfolgen. Für mich ist diese jedoch schnell vorhersehbar, so dass für mich keine Spannung und nach hinten raus auch keine Überraschung aufkommt.

Leider empfinde ich die Stimme der Vorleserin nicht attraktiv, obwohl sie schon versucht, die unterschiedlichen Protagonisten in einer abweichenden Stimmfarbe zu kennzeichnen. Aber selbst eine andere Stimme könnte an der eher flachen Handlung nichts ändern.

Für mich ist „Klirrende Stille“ leichte Massenware. Nett zu hören/lesen, schnell vergessen. Schade. Der Plot ist gut erdacht.


Ivonne Keller & Stina Jensen, Klirrende Stille, gelesen von Silke Buchholz, dp Audiobooks, Hörbuch, Hördauer 12 Stunden 21 Minuten, 16,95 €, Erscheinungstermin: 24.04.2023

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Veröffentlicht am 30.04.2023

Krimi mit sensibler Kulisse

Die Kinderklinik
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Die Stockholmer Kinderklinik wird Schauplatz des Terrors. Vermummte Menschen haben die Klinik hermetisch abgeriegelt und drohen damit, stündlich Kinder zu töten, sofern ihren Forderungen nicht entsprochen ...

Die Stockholmer Kinderklinik wird Schauplatz des Terrors. Vermummte Menschen haben die Klinik hermetisch abgeriegelt und drohen damit, stündlich Kinder zu töten, sofern ihren Forderungen nicht entsprochen werden sollte. Hannah Kaufmann wird mit der Leitung vor Ort beauftragt, um in Absprache zwischen den Kollegen auf der Wache sowie der Spezialeinheit den Einsatz zu koordinieren.

Dies ist der erste Band einer neuen Krimireihe um die Kommissarin Hannah Kaufmann. Ich erhalte einen vagen Einblick in ihr Privatleben. Der Plot ist im Grunde hervorragend dazu geeignet, sich zu einem spannenden Pageturner zu entwickeln. Leider wird für mich diese Chance nicht genutzt. Die Handlung plätschert mehr oder minder interessant vor sich hin, Klischees häufen sich, Vieles ist vorhersehbar.

Ich erhalte Informationen z. B. zu Hannah, deren Belang sich mir nicht erschließt. Auch ganz ohne eine Erkrankung kann eine Kommissarin müde und / oder erschöpft sein bzw. während / nach so einem Einsatz, wäre jeder „normale Mensch“ doch „fertig“!?! Oder was macht ihr Mann heulend am Tatort? Andere Details werden nicht weiter aufgegriffen, obwohl sie m. E. schon hilfreich hätten sein können. Den Ausgang der Geschichte halte ich für unrealistisch, selbst in einem erfundenen Kontext, wie eben hier in einem fiktiven Buch.

Was mich jedoch richtig gestört hat, sind die vielen Fehler in dem eBuch. Sollte diese mir vorliegende Fassung die Endfassung sein, ist es handwerklich schlichtweg schlecht.


Karl Eidem, Jale Poljaverius, Die Kinderklinik, Kriminalroman, eBook, Verlag: SAGA/Egmond, 166 Seiten in der Print-Ausgabe, 1,10 MB, Erscheinungstermin 19.03.2021

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