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Veröffentlicht am 30.05.2023

Gute Unterhaltung

Schattenbilder
2

Ihr größter Feind? Ihr Ehemann? Claire meint zu wissen, dass er es war, der sie in ihrer Garage überfallen, sie beinahe getötet hätte. Ganz in Schwarz, vermummt, war dieser Typ und sie hat es einem morschen ...

Ihr größter Feind? Ihr Ehemann? Claire meint zu wissen, dass er es war, der sie in ihrer Garage überfallen, sie beinahe getötet hätte. Ganz in Schwarz, vermummt, war dieser Typ und sie hat es einem morschen Balken zu verdanken, dass sie zwar schwer verletzt wurde, aber doch davongekommen ist. Mit letzter Kraft rettet sie sich in den nahe gelegenen Wald und dabei kommt ihr zugute, dass ihr Vater ihr vieles beigebracht hat, um zu überleben.

Zeitgleich ereignet sich auf einem Boot eine Explosion, an Bord waren Vater, Mutter und die beiden kleinen Kinder. Die Mutter kann nur noch tot geborgen werden, von den Kindern fehlt jede Spur bis auf die Tatsache, dass sie in einem Rettungsboot abgetrieben sein könnten. Beide Frauen kannten sich.

Mir dem Angriff auf Claire beginnen diese „Schattenbilder“, als erstes kommt Claire zu Wort. Griffin ist ihr Ehemann, er steckt mitten im Wahlkampf und hat gute Chancen, als nächster Gouverneur des Bundesstaates Connecticut gewählt zu werden. Und als solcher ist seine Außenwirkung enorm wichtig. Ist er mehr Schein als Sein? Ist er in Wirklichkeit ein ganz anderer? Claire kennt nicht nur seine schillernde Seite, sie hat ihn durchschaut.

In den kurzen Kapiteln kommt nicht nur Claire zu Wort. Zunächst sind die Sprünge zu den einzelnen Vorkommnissen, die irgendwie miteinander zu tun haben, verwirrend. Zu viele Personen müssen zugeordnet werden, was anfangs eher abstrus wirkt. Rund um die Tat geht es etliche Tage zurück und dann wieder erzählt Luanne Rice von später. Bald habe ich mich an diese Erzählweise gewöhnt und kann mich ganz auf die Story einlassen. Ich erfahre immer mehr, die vielen Infos ergeben so nach und nach ein erschreckendes Gesamtbild. Der Angriff und wie es dazu kam, auch ob derjenige der Täter ist, den Claire vermutet, wird letztendlich schlüssig dargelegt.

Man sollte sich schon Zeit nehmen, der Thriller erfordert Konzentration ob der vielen Personen und auch der Handlungsstränge, die wie lose Fäden dann doch noch zusammenfinden. Eine gute Story, teilweise etwas langatmig, aber nie langweilig. Die Spannung war immer da.

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Veröffentlicht am 23.05.2023

Kurzweilig erzählte Familiensaga

2

„Ein verheerender Brand zerstörte 1872 das Dorf Zernez im Engadin, von den 145 Häusern blieben nur 27 unversehrt…“

Die fünf Erzählungen sind fiktiv, die Figuren erfunden und doch könnte es sich so oder ...

„Ein verheerender Brand zerstörte 1872 das Dorf Zernez im Engadin, von den 145 Häusern blieben nur 27 unversehrt…“

Die fünf Erzählungen sind fiktiv, die Figuren erfunden und doch könnte es sich so oder so ähnlich zugetragen haben. „Fö“, das Feuer, spielt immer mit hinein. Nicht unbedingt vernichtend, wie es vor 150 Jahren war, mal ist es ein Funke, dann sind es eher die Kerzen, um die sich alles rankt oder auch die Fackel und die Küche an sich, zum Schluss bleibt dann die Asche.

Mit LA LINTERNA (die Laterne) ist die erste Geschichte überschrieben, hier lerne ich Braida kennen, die Stolze wird sie genannt und sie schaut sich Fracasch aus, den Nachfahren dieser beiden begegne ich in den nächsten Kapiteln, allesamt sind sie von der Illustratorin Anja Streit liebevoll gestaltet. Das Glossar am Ende sei noch erwähnt, es ist beim Lesen hilfreich, die im Text eingestreuten rätoromanischen Begriffe sind nach Kapiteln geordnet, ich habe mich bald gut zurechtgefunden.

Selma Mahlknecht hat im Auftrag der Gemeinde Zerniz, ihrer Wahlheimat, diesen Brand und den Wiederaufbau bis in die heutige Zeit hinein thematisiert, es sollte keine exakte Chronik sein und doch daran erinnern. Es ist eine Familiensaga über mehrere Generationen geworden, die von Zweisamkeit genauso wie vom Auseinanderleben erzählt, vom Glück und vom Leid, von Schuld und unterdrückter Homosexualität. Kurz - vom Leben an sich, das nicht immer fair ist. Ein schmales Buch, das jede Generation in kurzen Episoden vorstellt, das eher Abrisse wiedergibt. Und doch ist dies genug, um sich ihr Leben vorstellen zu können, auch wenn ich mir ein wenig mehr davon gewünscht, einige tiefere Einblicke gehabt hätte, so hat mir diese Erzählung und dazu die wunderschöne Aufmachung, die als erstes ins Auge fällt, gut gefallen. Ein schmales Buch, das nachhallt.

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Veröffentlicht am 22.05.2023

Die Magie der Musik

Dunkel der Himmel, goldhell die Melodie
2

Anne Stern erzählt von den ersten Jahren der Semperoper, begleitet von viel Musik - wie könnte es anders sein – und von den Menschen, die hier arbeiten, deren Lebensinhalt das Spiel der Melodien ist, ...

Anne Stern erzählt von den ersten Jahren der Semperoper, begleitet von viel Musik - wie könnte es anders sein – und von den Menschen, die hier arbeiten, deren Lebensinhalt das Spiel der Melodien ist, das jedoch viel zu oft geprägt ist von Armut und schierem Überlebenskampf.

Wir schreiben das Jahr 1841 und treffen auf die junge Elise, deren Geigenspiel alle verzaubert. Die Musik liegt ihr und ihrer Familie im Blut. Bald auch begegne ich dem äußerst begabten Malergehilfen Christian, der gefeierten Primaballerina in ihrem Tutu mitsamt der Garderobiere des Königlichen Theaters, dem Ballettmeister und noch vielen anderen, sie alle haben mit dem Opernhaus zu tun. Die einen mehr, die anderen eher am Rande.

Es hat ein wenig gedauert, bis ich mich zurechtgefunden habe, ich die einzelnen Erzählstränge zusammenführen konnte. Ich lese von einer ganz anderen Zeit, in der die gesellschaftlichen Konventionen mit unseren heutigen nur wenig zu tun haben. Die Moralvorstellungen waren streng, ein uneheliches Kind war ausschließlich der Verwerflichkeit des weiblichen Geschlechtes geschuldet. Männer hingegen konnten sich die Hörner abstoßen, was auch so manchen Ehemann mit einschloss.

Nach dem Lesen wird mir der Titel erst so richtig bewusst, der dunkle Himmel und die Armut mit den einhergehenden Hungersnöten in weiten Teilen der Bevölkerung führen zu sozialen Unruhen. Und ja, es prallen Gegensätze aufeinander, auch das feudale Luxusleben findet daneben statt. Die Musik und die goldhelle Melodie klingen immer mit, es ist „ein Fest der Sinne“. So wie die nicht standesgemäße Liebe zwischen zwei jungen Menschen, die sich durchs Buch rankt - ihre heimlichen Treffen, ihre gestohlenen Stunden erzählen davon.

Elbflorenz, wie Dresden auch bezeichnet wird und die Semperoper bilden die Kulisse, den historischen Hintergrund, in dessen Mittelpunkt eine von der Gesellschaft nicht tolerierten Liebe steht, ein Nachfolgeband ist angedacht.

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Veröffentlicht am 19.05.2023

Eine starke Frau geht ihren Weg

Spuren einer fernen Zeit
2

Sophie von Mayden ist ihrer Zeit weit voraus, denn der Weg einer jungen Frau ist vorgezeichnet. Alles, wonach sie streben sollte, wäre eine standesgemäße Heirat. Wir schreiben das Jahr 1907.

Mit so einem ...

Sophie von Mayden ist ihrer Zeit weit voraus, denn der Weg einer jungen Frau ist vorgezeichnet. Alles, wonach sie streben sollte, wäre eine standesgemäße Heirat. Wir schreiben das Jahr 1907.

Mit so einem Leben gibt sich Sophie nicht zufrieden, sie ist fasziniert von den riesigen Wesen, von den vor langer Zeit auf dieser Erde weilenden Dinosaurier. Sie strebt das Paläontologie-Studium an, was ihr als Frau allerdings versperrt ist. Und doch setzt sie alle Hebel an, lässt nicht locker. Zumindest kann sie im Senckenberg Museum Frankfurt arbeiten, wenn auch unentgeltlich und hier erledigt sie eher Schreib- und Hilfsarbeiten. Aber – sie ist nah dran, ist im Museum und lernt einflussreiche Leute kennen.

Es ist eine fiktive Geschichte, die sich um real gelebte Personen rankt. Die historischen Hintergründe sind gut recherchiert, die Autorin vermengt diese geschickt mit dem damaligen Zeitgeist. Die Diskrepanz der Geschlechter ist deutlich zu spüren, die Rollen waren vor 120 Jahren strikt zugeteilt, eine Frau konnte ohne ihren Ehemann oder Vater nichts entscheiden, auch wurde ihr ein analytisches Denkvermögen schlichtweg abgesprochen.

Birgit Borchert schildert Sophies Alltag in all den Facetten, die ihr das Leben zu bieten hat. Ihr unbändiger Wille treibt sie voran, sie lässt sich nicht von ihrem Ziel abbringen. Anhand Charlotte und Marianne haben wir noch zwei Frauenschicksale, der einen ist ihre Malerei Lebensinhalt und die andere wurde – wie damals üblich – mit einem Mann verheiratet, der ihr den (von den Eltern) erstrebten Standard bieten konnte. Zuneigung oder gar Liebe waren nicht nur Nebensache, sie hatten schlichtweg keinerlei Bedeutung. Umso mehr kämpft Sophie um ihren Traum, hat sie doch ihre ältere Schwester stets vor Augen. Die Paläontologie steht für sie an erster Stelle und doch schließt dies die Liebe nicht aus. Auch führt sie ihre Beharrlichkeit nach Afrika, sie begleitet eine Expedition, ein abenteuerliches Unterfangen, sie lässt sich jedoch nicht unterkriegen.

„Spuren einer fernen Zeit“ zeichnet den beschwerlichen Weg einer starken Frau nach, die sich trotz all der Hindernisse nicht beirren lässt, die mutig voranschreitet. Birgit Borchert hat ihre gut aufbereiteten Recherchen gekonnt in Szene gesetzt, ich habe mich während des Lesens direkt in dieser Zeit gewähnt, lediglich die Expedition ist für meine Begriffe ein wenig durch die allzu rosarote Brille geraten. Ansonsten ein lebendig geschildertes Zeugnis dieser Zeit.

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Veröffentlicht am 15.05.2023

Eine Liebe auf Rügen

Immer wenn wir uns wiedersehen (Zeit für Rügen)
2

Einen Antiquitätenladen und ein renovierungsbedürftiges Strandhaus erbt Frieda von ihrem geliebten Großvater. Sie hat sich schon immer hier auf Rügen wohlgefühlt, ganz anders als der Rest der Familie, ...

Einen Antiquitätenladen und ein renovierungsbedürftiges Strandhaus erbt Frieda von ihrem geliebten Großvater. Sie hat sich schon immer hier auf Rügen wohlgefühlt, ganz anders als der Rest der Familie, die Abneigung teilen allen voran ihre Mutter und ihre Schwester, ihr Vater ist da schon eher auf ihrer Seite. Denn nun will sie ihr Jurastudium endgültig an den Nagel hängen und den kleinen Laden weiterführen. Nach dem Notartermin, der sie erbost auseinandergehen lässt, will Frieda zum Strandhaus, kann dieses aber nur von außen besichtigen, da sie den Schlüssel auf dem Weg hierher verloren hat. Der Retter in der Not, der Schlüsselfinder, hat ganz in der Nähe ein Ferienhaus gemietet und er verspricht, ihr den durch wuchernde Sträucher verdeckten Meerblick freizuschneiden. Emil heißt dieser hilfsbereite, dazu sehr gut aussehende und äußerst charmante Mann. Ein Kinderarzt, wie sich später herausstellt. Beide haben sie einen Draht zueinander. Mehr noch, sie ziehen sich förmlich an wie Magneten.

Frieda ist eine liebenswerte Person, die das Herz auf dem rechten Fleck hat. Auf der Insel hat sie eine Freundin samt Mann und Kleinkind gefunden, auch kann sie sich auf eine Nachbarin verlassen. Kurz: Der Zusammenhalt könnte besser nicht sein. Und – wie könnte es anders sein – verlieben sich Frieda und Emil ineinander, allerdings haben beide ein Vorleben, welches das Zueinanderfinden kompliziert macht.

Ja, es ist eine wunderschöne Liebesgeschichte mit etlichen Verirrungen und Verwirrungen, mache(s) – ich gebe es zu – ist etwas zu klischeebehaftet. Mit Frieda und Emil mache ich lange Strandspaziergänge, lerne Rügen kennen. Zumindest so viel davon, dass mich das Reisefieber packt, ich am liebsten sofort meine Koffer packen möchte. Schon allein dieser Aspekt ist es wert, das Buch zu lesen. Aber nicht nur, der lockere, flüssige Schreibstil tut ein Übriges und die Story an sich ist herzerwärmend, wenngleich ich mich über Emil schon des Öfteren gewundert habe. Sein edler Charakter driftet manchmal gefühlt ins Gegenteil, Frieda dagegen hätte ich zuweilen mehr Biss gewünscht.

Hanna Holmgren hat mir angenehme Lesestunden geschenkt, ich bin abgetaucht in Friedas Geschichte, eingetaucht in deren Leben - zumindest für einige schicksalhafte Wochen. Ein Wohlfühlbuch, das gute Unterhaltung garantiert.

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