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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.06.2023

Zeitreise zurück in die Neunziger Jahre

Sommersonnenwende (Wolf und Berg ermitteln 1)
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Im Zentrum dieses Krimis aus Schweden stehen der Kriminalkommissar Tomas Wolff und die Journalistin Vera Berg. Die Handlung spielt im Jahr 1994 und ist in Stockholm angesiedelt.
Tomas Wolff hat 1993 ...

Im Zentrum dieses Krimis aus Schweden stehen der Kriminalkommissar Tomas Wolff und die Journalistin Vera Berg. Die Handlung spielt im Jahr 1994 und ist in Stockholm angesiedelt.
Tomas Wolff hat 1993 im Bosnienkrieg gedient und hat aus diesem Krieg eine posttraumatische Belastungsstörung mitgebracht, die ihm immer wieder zu schaffen macht. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Ursprünglich stammt er aus einer sehr zerrütteten Familie. Früher hat er sich in der Neonaziszene bewegt, der seine beiden Brüder immer noch anhängen.
In einem Stockholmer Vorort wurde eine weibliche Leiche gefunden. Tomas stößt auf ähnliche Mordfälle und Angriffe auf junge Frauen, die aus einem Umfeld mit Fluchterfahrung stammen. Rechtextreme Täter können nicht ausgeschlossen werden.
Vera Berg hat aufgrund eigenen Fehlverhaltens vorübergehend ihren Job verloren. Gleichzeitig hat sie sich von ihrem Partner getrennt und sorgt für dessen kleinen Sohn. Vera sieht in der Recherche zu den Mordfällen an jungen Frauen eine Möglichkeit, ihren Job wieder zu erlangen.
Der Krimi spielt rund um Mittsommer. Es ist wochenlang brennend heiß. Diese Atmosphäre wurde sehr gut transportiert. Ich habe das Buch immer wieder sehr gerne zur Hand genommen. Die relativ kurzen Kapitel sind mit dem Datum versehen, was die zeitliche Einordnung erleichterte und die Spannung hochgehalten hat. Für mich war es der perfekte Pageturner für eine Frühsommer Urlaubswoche. Ich vergebe diesem Krimi 5 Sterne und freue mich auf eine Fortsetzung der Serie.

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Veröffentlicht am 23.05.2023

Die Berliner Blockade aus der Sicht einer Familie

Die Kinder der Luftbrücke
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Wir sind im Jahr 1948 in Westberlin. Nora Thalfang lebt ihren beiden Kindern Veronika und Jörg, ihrer Mutter Else und ihrer Schwester Hanna in von den Westmächten besetzten Teil Berlins. Noras Ehemann ...

Wir sind im Jahr 1948 in Westberlin. Nora Thalfang lebt ihren beiden Kindern Veronika und Jörg, ihrer Mutter Else und ihrer Schwester Hanna in von den Westmächten besetzten Teil Berlins. Noras Ehemann Joachim gilt seit drei Jahren in Russland als vermisst. Die Kinder warten sehnsüchtig auf die Rückkehr ihres Vaters, doch Nora stellt sich der wahrscheinlichen Tatsache, dass ihr Mann in Russland verstorben ist.
Die finanzielle Lage der Familie wird zunehmend schwieriger und Nora muss eine Arbeit finden, um ihre Familie durchzubringen. Sie eine Anstellung als Übersetzerin bei der US Air Force im Flughafen Tempelhof.
Die Versorgungslage in Westberlin spitzt sich dramatisch zu, als Russland alle Zufahrtstraßen für Lebensmittel, Kohle und Güter des täglichen Bedarfs blockiert. Es gibt zwei Möglichkeiten: Die Westmächte lassen Berlin im Stich, überlassen es wie Ostberlin den Russen. Oder die Berliner Bevölkerung muss über die Luft versorgt werden. So wird von den Amerikanern die Luftbrücke eingerichtet. Amerikanische Piloten fliegen Lebensmittel und Kohle im Minutentakt von Westdeutschland nach Berlin, um die Bevölkerung mit dem Nötigsten zu versorgen.
Am Flughafen Tempelhof lernt Nora den jungen Piloten Matthew kennen. Sie verlieben sich, was für Noras Familie eine Zerreisprobe darstellt, wartet vor allem ihre Tochter doch noch immer sehnsüchtig auf ihren Vater.
Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen. Ich konnte mich gut in die Protagonistinnen und Protagonisten einfühlen. Die Zeit der Berliner Blockade wurde auf eindringliche Weise dargestellt, ich konnte nachfühlen, was diese politisch schwierige Zeit für die Bevölkerung bedeutete.
Ich empfehle diesen Roman allen Leserinnen und Lesern, die offen für Liebesgeschichte vor historischem Hintergrund sind. Von mir erhält dieses Buch 5 Sterne.



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Veröffentlicht am 21.03.2023

Hoffnung und Zuversicht zwischen Buchdeckeln

Die Bibliothek der Hoffnung
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London, 1944. Große Teile der Stadt wurden zerbombt. In der stillgelegten U-Bahnstation Bethnal Green finden Tausende von Menschen Schutz und Obdach. Der Shelter bietet nicht nur einen Schlafplatz für ...

London, 1944. Große Teile der Stadt wurden zerbombt. In der stillgelegten U-Bahnstation Bethnal Green finden Tausende von Menschen Schutz und Obdach. Der Shelter bietet nicht nur einen Schlafplatz für ausgebombte Menschen. Es gibt auch eine unterirdische Kinderbetreuung, ein Theater und eine Bibliothek, die den Menschen Zerstreuung, Ablenkung und Hoffnung bietet. Diese unterirdische Bibliothek hat die Autorin Kate Thompson zu diesem Roman inspiriert.
Das Buch erzählt die Geschichte der Freundinnen Clara Button und Ruby Munroe. Clara ist Bibliothekarin mit Schwerpunkt Kinderbücherei und Ruby ist Büchereigehilfin. Zusammen bringen sie Bücher zu den Menschen. Sie laden jeden Abend Kinder in die unterirdische Bibliothek ein und lesen ihnen vor. Da die Schulen geschlossen sind, ist die Bibliothek und die Lektüre für viele Kinder die einzige Unterhaltung.
Trotz der großen Unsicherheit, der eng gedrängten Unterbringung und des großen Verzichts schaffen es Clara und viele andere engagierte Menschen eine Stimmung der Zuversicht und Liebe in der unterirdischen Welt des Shelter zu entstehen.
Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen. Die Sprache ist sehr schön zu lesen. Die Figuren sind sehr vielfältig und den einen oder die andere hatte ich schnell ins Herz geschlossen.
Ich vergebe diesem Roman 5 Sterne mit einer herzlichen Leseempfehlung für alle Buchliebhaber und Leseratten.

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Veröffentlicht am 31.08.2022

Ein neuer Star unter den Forensik Thrillern

Wer mit den Toten spricht
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Bevor ich mich zum Inhalt dieses Buches äußern kann, muss ich einfach etwas zum Cover sagen. Was für eine tolle Gestaltung. Farblich passt das Cover haargenau zum Inhalt des Buches. Und die Haptik! Es ...

Bevor ich mich zum Inhalt dieses Buches äußern kann, muss ich einfach etwas zum Cover sagen. Was für eine tolle Gestaltung. Farblich passt das Cover haargenau zum Inhalt des Buches. Und die Haptik! Es ist einfach wunderschön, dieses Buch in den Händen zu halten.
Die Protagonistin dieser Serie der Autorin A.K.Turner heißt Cassie Raven. Sie ist eine junge Assistentin in der Gerichtsmedizin. Ihr Äußeres ist für die Umgebung wohl eher ungewöhnlich. Aber genau durch ihren wohl dosierten Gothic Style findet sie Zugang zu Menschen, zu Angehörigen von Verstorbenen, die sie sonst nicht so leicht erreichen könnte. Was Cassie auszeichnet ist, dass sie einen ganz besonderen Respekt vor den Verstorbenen hat und diese liebevoll behandelt und engen und warmen Kontakt zu den direkten Angehörigen pflegt. Eine ausgesprochen spannende und frische Protagonistin.
Im vorliegenden Band geht es um mehrere Verstorbene, die Haupthandlung dreht sich allerdings um Cassies Vergangenheit. Sie glaubt bisher, ihr Vater sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen und erfährt, dass er all die Jahre im Gefängnis saß für den Mord an ihrer Mutter. Zusammen mit der jungen Polizistin Phyllida Flyte versucht sie die Hintergründe ihrer jung verstorbenen Mutter zu erforschen.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm zu lesen. Die Kapitel sind recht kurz und durch Wechsel der Perspektiven wird die Spannung durchgehen hoch gehalten.
Was mir sehr gut gefallen hat, ist der Schauplatz. Cassie wohnt im Londoner Stadtbezirk Camden. Wer London liebt, kommt mit diesem Thriller voll auf seine Kosten. Die Stadtquartiere, Straßen, Kanäle und die neblige Stimmung sind wunderbar eingefangen.
Für das volle Lesevergnügen empfehle ich die Serie in der vorgesehenen Reihenfolge zu lesen. Dieser zweite Band kann aber auch ganz gut isoliert gelesen werden, weil die nötigen Informationen aus dem Serienstart eingeflochten werden. Wer also die Spannung des ersten Band es „Tote schweigen nie“ volle auskosten möchte, sollte damit beginnen. .
Ich werde mir den nächsten Band möglicherweise im englischen Original besorgen, damit ich nicht so lange warten muss.
Von mir erhält dieses Buch 5 Sterne und eine uneingeschränkte Empfehlung für Forensik-Thriller Liebhaber*innen.

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Veröffentlicht am 31.08.2022

Köln in den 50 er Jahren, Trauer, Verlust, Gefühle und noch viel mehr

Findelmädchen
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„Findelmädchen“ ist die Fortsetzung des Romans „Trümmermädchen“ von Lilly Bernstein, der mein Lesehighlight 2020 war. Mit viel Vorfreude habe ich mich an die Lektüre gemacht und wurde nicht enttäuscht. ...

„Findelmädchen“ ist die Fortsetzung des Romans „Trümmermädchen“ von Lilly Bernstein, der mein Lesehighlight 2020 war. Mit viel Vorfreude habe ich mich an die Lektüre gemacht und wurde nicht enttäuscht.
In diesem Band geht es vorwiegend um die beiden Kinder Helga und Jürgen, die schon in „Trümmermädchen“ eine kleine Rolle spielten. Die beiden Kinder wurden zusammen mit anderen 1948 in Köln von einem französischen Ehepaar aufgefunden und auf ihren Bauernhof in Frankreich gebracht, wo sie in einer liebevollen Familie aufwuchsen. Doch 1955 passiert das Unerwartete. Sie werden mit Hilfe des Kindersuchdienstes des Roten Kreuzes von ihrem Vater gefunden, der erst vor Kurzem aus der russischen Gefangenschaft nach Köln zurückgekehrt ist.
Jürgen und Helga machen sich mit dem Zug auf den Weg und ziehen bei ihrem Vater ein. Von ihrer Mutter fehlt jede Spur und die beiden Kinder haben leider auch keine Erinnerungen an ihre frühe Kindheit im Krieg und in den Trümmern.
Der Roman erzählt, wie Jürgen und Helga in Köln heimisch werden. Wir sind mitten in den aufregenden Fünfziger Jahren. Im Wohnhaus von Helga wird eine Milchbar eröffnet. Es wird Rock ’n’ Roll gehört, getanzt, sich verliebt. Helga besucht eine Haushaltungsschule und muss dafür ein Praktikum in einem Kinderheim machen, wo sie mit schwarzer Pädagogik in ihrer vollen Härte konfrontiert wird.
Der Roman „Findelmädchen“ ist mir wirklich ans Herz gegangen. Ich konnte sehr gut mit Helga mitfühlen. Zwischendurch war er vielleicht etwas sehr absehbar, aber dennoch sehr schön zu lesen.
Die Sprache fand ich sehr angenehm, ich konnte auch nach Feierabend, mit einem müden Kopf, sehr leicht in Helgas Welt eintauchen und habe die Lektüre ausgesprochen genossen.
Der Roman kann sehr gut isoliert gelesen werden. Wer aber zum Vornherein denkt, dass ihr das „Findelmädchen“ gefallen wird, der empfehle ich für den optimalen Lesegenuss, zuerst das „Trümmermädchen“ zu lesen.
Bisher mein Lesehighlight 2022. Von mir erhält dieser Roman 5 Sterne.

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