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Veröffentlicht am 08.08.2023

Eine äußerst gelungene Biographie

Mann vom Meer
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Es beginnt mit einem Ausschnitt aus dem Leben der Mutter. Die wuchs in Brasilien auf und kam als Mädchen mit ihrem Vater nach Travemünde. Der wollte hier nicht sesshaft werden und ließ die Kleine schon ...

Es beginnt mit einem Ausschnitt aus dem Leben der Mutter. Die wuchs in Brasilien auf und kam als Mädchen mit ihrem Vater nach Travemünde. Der wollte hier nicht sesshaft werden und ließ die Kleine schon nach wenigen Jahren alleine in der Fremde. Kein Wunder, dass sie sich nach Geborgenheit und dem Vater sehnte und einen viel älteren Mann heiratete. Die Ehe brachte unter anderem den Thomas hervor. Es liegt die Vermutung nahe, dass ihm seine Leidenschaft für das Meer von seiner Mutter vererbt wurde.

"Mann vom Meer" lässt den Leser ins Innere des berühmten Schriftstellers blicken. Warum entzweiten sich die beiden Brüder und wie kam es, dass Elisabeth sein „Lieblingskind“ war? Das sind nur zwei Fragen, die umfassend beantwortet werden. Aber auch seine Kämpfe und ja, es sind sogar Qualen, werden thematisiert. Es ist zwar heute wohl allgemein bekannt, dass Mann homosexuell veranlagt war. Aber damals galt es als schlimme Krankheit und sowohl Männer als auch Frauen wurden von der Allgemeinheit geächtet. Einfühlsam berichtet der Autor Volker Weidermann auch davon.

Für mich äußerst informativ sind die Erläuterungen zu den Werken Manns. In etlichen seiner Bücher schreibt er über sich, seine Familie und/oder seine erotischen Begegnungen. Und dazu gibt es lange Schriftsätze aus seinen Veröffentlichungen. Jetzt werde ich die Bücher mit ganz anderen Impulsen lesen. Eine wertvolle Biographie über einen Schriftsteller, den ich sehr bewundere.

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Veröffentlicht am 30.07.2023

Was haben Frösche und Leugner des Klimawandels gemeinsam?

Der Eisbär und die Hoffnung auf morgen
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Eine Wette zwischen zwei Männern, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, bildet den „roten Faden“ des Romans. Die beiden treffen zufällig aufeinander. In einem Pub am nördlichen Rand von Cornwall. ...

Eine Wette zwischen zwei Männern, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, bildet den „roten Faden“ des Romans. Die beiden treffen zufällig aufeinander. In einem Pub am nördlichen Rand von Cornwall. Hier, direkt am Meer, steht das Haus von Monty Causly, das „Marazion House“. Bei Springflut kommt das Wasser bis zur Haustüre. Monty, 40 Jahre alt, ist einer der Männer, die die Wette abschließen. Der andere ist Tom Horthsmith, 20 Jahre alt. Tom behauptet, dass in 50 Jahren das Haus von Monty überflutet sei. Zumindest das Wohnzimmer. Monty hält dagegen und die Unterhaltung wird gefilmt. Wie wird die Welt 50 Jahre nach diesem Treffen aussehen und werden sich die beiden Männer tatsächlich treffen und ihren Wetteinsatz einlösen?

„Der Eisbär und die Hoffnung auf morgen“ hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Der Autor beschreibt eindrücklich, welche Fakten für den eigentlich bekannten Klimawandel sprechen. Warum eigentlich? Weil es leider immer noch Menschen gibt, die das abstreiten. Und genau das gilt auch für Monty. Wie er dann doch noch davon überzeugt werden kann, ist eine langsame Entwicklung. Der Roman zieht sich über die gesamten 50 Jahre. Es werden immer wieder einschneidende Erlebnisse Toms als Grundlage für die einzelnen Kapitel herausgenommen.

Es gibt Zeitsprünge und oft werden Kapitel nicht abgeschlossen. Und trotzdem ist es ein Roman, der fesselt. Viele Fakten sind hier aufgeführt und die Ergebnisse von Forschungen so gut erklärt, dass jeder folgen kann. Die gehobene Sprache lebt von Bildern und ich war mittendrin bei den Abenteuern der Akteure. Am besten gefiel mir die Metapher mit den Fröschen. Diese werde ich mit Sicherheit noch häufig erwähnen, wenn ich mal wieder mit Klimaleugnern diskutiere. Das Buch ist für mich ein Highlight im Lesejahr 2023 und ich empfehle es ausdrücklich.

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Veröffentlicht am 22.07.2023

Spannender und gut gelungener Abschluss der Saga

Das Salz des Meeres
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Endlich, der dritte Band der „Preston Saga“ ist erschienen. Effie hat es tatsächlich geschafft. Immer wieder vermittelte sie zwischen Jack und seinem Schwiegersohn Finlay. Sicher, hin und wieder gibt es ...

Endlich, der dritte Band der „Preston Saga“ ist erschienen. Effie hat es tatsächlich geschafft. Immer wieder vermittelte sie zwischen Jack und seinem Schwiegersohn Finlay. Sicher, hin und wieder gibt es noch spitze Bemerkungen, aber im Großen und Ganzen verstehen sie sich. Das ist auch wichtig, denn in diesem Buch wird es noch einmal lebensgefährlich für Jack. Auch die Drohbriefe kommen weiter regelmäßig und bisher weiß niemand, wer sie verfasste.

Für mich ist ein Roman erst dann wirklich historisch, wenn er Fakten enthält. Und das ist bei Sylvia Kaml stets der Fall. Es war mir eine Freude, dieses spannende Werk zu lesen. Ich erfuhr eine Menge über den Kolonialismus und die Arroganz der Weißen. Oder, was meinen die damit zu behaupten, dass die dunkle Hautfarbe eine „Strafe Gottes“ ist? Auch dass die Briten kräftig im Sklavenhandel involviert waren, war mir in diesem Ausmaß nicht bewusst.

Auf den Schiffen von Jack und Finlay leben Sklaven, die wie Familienmitglieder sind. Wer ihnen schaden möchte, der muss mit heftigen Reaktionen der Kapitäne rechnen. Mit viel Spannung aber auch berührender Liebe mit all ihren Facetten, wurde ich nicht nur bestens unterhalten. Ich lernte mal wieder interessante Fakten der Vergangenheit und bin schon ein wenig traurig, dass die Saga jetzt beendet ist. Das Cover ist wunderschön gestaltet und hebt sich wohltuende von den momentan üblichen ab.

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Veröffentlicht am 20.07.2023

Ein verstörendes Werk mit vielen Triggern

Katharsis. Drama einer Familie
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Max lebt in USA und führt ein Leben auf der Überholspur. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Sex, Speed und Alkohol versucht er zu vergessen. Abtauchen in eine Welt ohne Traumata, das wünscht er sich. Dabei ...

Max lebt in USA und führt ein Leben auf der Überholspur. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Sex, Speed und Alkohol versucht er zu vergessen. Abtauchen in eine Welt ohne Traumata, das wünscht er sich. Dabei ist ihm selbst gar nicht so klar, worin sein Trauma überhaupt besteht und warum es ihm auch nach zig Jahren noch zusetzt. Der Anruf seiner Schwester Marie bringt ihn zunächst völlig ins Aus. Sein Bruder Nikolas ist angeklagt. Für zweifachen Mord an Tante und Onkel. Er sitzt in U-Haft und die Familie ist völlig aus dem Häuschen. Zumal auch die Journalisten keine Ruhe geben und das Leben der Angehörigen auf den Kopf stellen.

Der Autor des Romans, „Katharsis – Drama einer Familie“ verarbeitet mit dem Schreiben Erlebnisse aus seiner Kindheit. Und das schildert er so drastisch, dass ich beim Lesen häufig innehalten musste. Kurze Artikel wechseln von der Gegenwart in die Vergangenheit. Er schreibt von der Kindheit im „Pott“, dem strengen Vater und der schwachen Mutter. Nahezu täglich wurden die Jungen mit einem Riemen gezüchtigt. Max „floh“ recht früh aus dem Elternhaus und es zog ihn zunächst nach Frankreich und später dann nach USA.

Langsam wird der Spannungsbogen aufgebaut und ja, er ist dann zum Zerreißen gespannt. Viele Fakten werden zusammengetragen und es stellt sich die Frage, wie das Urteil gegen Nikolas ausfällt. Für mich nicht selbstverständlich war, dass mit der Zeit viele Menschen aus dem Umfeld des Mannes doch noch in sich gingen und ihre Versäumnisse von damals erkannten. Ein Buch mit etlichen Triggern und für Menschen, die Ähnliches erlebten, nicht leicht zu lesen. Aber der Autor zeigt klar, was Übergriffe im Kindesalter mit Menschen machen und diese lebenslänglich damit zu kämpfen haben.

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Veröffentlicht am 26.06.2023

So viele hätten gerettet werden können...

Die einzige Frau im Raum
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Wien im Jahr 1933, Fräulein Hedwig Maria Kiesler spielt die von vielen Österreichern so geliebte Kaiserin Sissi und erntet nicht nur tosenden Applaus. Ein glühender Verehrer schickt ihr nach der Vorstellung ...

Wien im Jahr 1933, Fräulein Hedwig Maria Kiesler spielt die von vielen Österreichern so geliebte Kaiserin Sissi und erntet nicht nur tosenden Applaus. Ein glühender Verehrer schickt ihr nach der Vorstellung zahlreiche Rosen auf die Bühne. Das ist eigentlich nicht gestattet und nicht nur Hedwig irritiert. Aber dann stellt sich heraus, dass ihr Gönner einer der
reichsten Männer Österreichs ist. Friedrich Mandl heißt er und ihm gehört die Hirtenberger Patronenfabrik. Nur wenige Wochen nach diesem Auftritt heiraten die beiden und Hedwig fühlt sich, wie im siebten Himmel. Das Glück währt nicht lange und Hedwig flieht vor ihrem Mann. In Hollywood beginnt sie dann eine erfolgreiche Karriere als Hedy Lamarr. Dass sie nicht nur hübsch, sondern auch klug ist, wird erst viel später erkannt.

Als Ehefrau Mandl´s kommt Hedwig mit etlichen „Größen“ der Nationalsozialisten zusammen. Aufmerksam hört sie denen zu und wird ihr Wissen später nutzen. Leider wurden zu jener Zeit Frauen nicht wie gleichwertige Partner gesehen. Sie sollten hübsch sein, Kinder aufziehen und das Haus in Ordnung halten. Es stellt sich die Frage, wie viele Menschen hätten gerettet werden können, wenn die Verantwortlichen der Kriegswaffen sich mit Erfindungen Frau Lamarrs näher befasst hätten. Aber sie war nur „Die einzige Frau im Raum“.

Was sie zunächst ihrem Vater zu gefallen tat, wurde später für viele Menschen ein Segen. Ihr Wissen um Konstruktionen und ihre Erfindungen sind bis heute nicht aus unserem Alltag wegzudenken. Bezeichnend, dass sie erst im Jahr 2014 in die National Inventors Hall of Fame aufgenommen wurde.

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